Jesch Gvul (häufig: Yesh Gvul, , deutsch „es gibt eine Grenze“ oder „es ist genug“) ist eine israelische Organisation zur Kriegsdienstverweigerung in den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF), sogenannten Refusenik.

Jesch Gvul unterstützt Soldaten, die den Kriegseinsatz verweigern, materiell und macht ihren Fall öffentlich. Dabei sind die Mitglieder überwiegend keine Pazifisten, die generell den Militärdienst ablehnen, sondern betonen ihre generelle Bereitschaft dazu, bestehen aber auf einer Limitierung des Gehorsams und der Unverletzlichkeit persönlicher Wertvorstellungen.

Entstehung und Ziele Die Bewegung wurde im Juli 1982 im Rahmen außerparlamentarischer Proteste gegen den ersten Libanonkrieg 1982 in Jerusalem von Reservisten gegründet, die um Freistellung von Einsätzen im Libanon baten.V. Y. Mudimbe: Nations, identities, cultures. Issue 4, Duke University Press, 1997, S. 86–87. Mehr als 250 Soldaten unterzeichneten in der Folge eine entsprechende Petition an den damaligen Ministerpräsidenten Menachem Begin und Verteidigungsminister Ariel Scharon:

143 Soldaten, ein Fünftel davon Offiziere, verweigerten anschließend nachweislich den Einsatz, wurden gerichtlich belangt und zwischen 14 und 35 Tage in Militärgefängnissen inhaftiert.Mir Sucharov: The international self: psychoanalysis and the search for Israeli-Palestinian peace. SUNY Press, 2005, S. 108–109. Bis zu Beginn der Zweiten Intifada hatten etwa 400 Verweigerer Gefängniszeiten verbüßt, anschließend steigen die Zahlen rapide an.Yoram Peri: Generals in the cabinet room: how the military shapes Israeli policy. US Institute of Peace Press, 2006, S. 184–186.

Im Oktober 1989 richtete Jesch Gvul eine Petition gegen verschiedene Aspekte der geltenden Schießbefehle an den Obersten Gerichtshof Israels. Die Petition wurde abgewiesen.A License to kill: Israeli operations against “wanted” and masked Palestinians. Human Rights Watch, 1993, S. 46.

Die Organisation fordert die Umsetzung des UN-Teilungsplanes für Palästina, das Ende des „Missbrauchs der IDF“ und der Besetzung der Palästinensischen Autonomiegebiete.

Von anderen Organisationen wie Schalom Achschaw, die zwar ebenfalls Kritik an Militäreinsätzen üben, aber Befehlsverweigerung ablehnen, distanziert sich Jesch Gvul,Mordechai Bar-On: In pursuit of peace: a history of the Israeli peace movement. US Institute of Peace Press, 1996, S. 230. ist aber mit jüngeren Antikriegsorganisationen wie dem Refuser Solidarity Network in Chicago und der linksgerichteten Schovrim Schtika verbunden.

Kritik Caroline Glick, Kommentatorin der Jerusalem Post, bezeichnete Jesch Gvul aufgrund der Aufrufe zur Kriegsdienstverweigerung als „kriminelle Organisation“.Caroline Glick: . Jerusalem Post, 15. September 2005. Nach einer Anzeigenkampagne im Jahr 2009 in der Zeitung Haʾaretz, in der Jesch Gvul Soldaten implizit dazu aufrief, nicht an laufenden Militäroperationen gegen die Hamas im Gazastreifen teilzunehmen, forderte der Knesset-Abgeordnete Uri Ariel Anklagen wegen Anstiftung und Aufwiegelei gegen die Gruppe. Israels Generalstaatsanwalt Shai Nitzan lehnte eine Anklageerhebung jedoch ab.No Charges in Anti-IDF Campaign. Arutz Scheva (Israel national news), 9. November 2009.

Siehe auch

Shministim Mesarvot

Literatur Paul Kevin Wapner, Lester Edwin J. Ruiz, Richard A. Falk: Principled world politics: the challenge of normative international relations. Rowman & Littlefield, 2000, S. 113–129. Peretz Kidron: Refusenik!: Israel’s soldiers of conscience. Zed Books, 2004, S. 4–29.

Weblinks

Der Preis der Überzeugung. Neue Zürcher Zeitung, 2. Februar 2002

Einzelnachweise

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