Pokémon Rote Edition (engl. ) und Pokémon Blaue Edition (engl. ) sind die ersten zwei Pokémon-Spiele von Game Freak, die in Europa erschienen. Zunächst erschien Pokémon in Japan am 27. Februar 1996. Hierbei handelte es sich um die Spiele und . Am 8. Oktober 1999 erschien Pokémon auch in Europa für den Game Boy. Die Gelbe Edition, eine Spezial-Version, erschien in jeder Region etwa ein Jahr nach den zwei Originalen. Diese drei Spiele (die Rote Edition, die Blaue Edition und die Gelbe Edition) bilden zusammen mit Pokémon Stadium die erste Generation der Pokémon-Spiele.
Die Handlung der Roten und Blauen Edition spielt in der fiktiven Region Kanto und folgt dem Protagonisten, der das Ziel hat, alle 151 Pokémon zu fangen und der beste Trainer der Welt zu werden.
Die Rote und Blaue Edition erhielten eine ausführliche Berichterstattung in Videospielmagazinen mit sehr guten Kritiken. Vor allem die Mehrspieler-Optionen und das „Tauschkonzept“ wurden gelobt. Die Spiele markierten den Startpunkt für ein Multi-Milliarden-Dollar-Franchise, welches mehrere Millionen Mal weltweit verkauft wurde und für neuen Erfolg des Game Boy sorgte.Winnie Forster: Spielkonsolen und Heimcomputer, Zweite Auflage, S. 130, Gameplan
Die Spiele lösten weltweit einen unerwarteten Hype aus. Pokémon wurde zunächst in einer kleinen Auflage produziert, doch die Nachfrage stieg rasant, sodass Nintendo Merchandise produzierte und Pokémon weltweit veröffentlichte. Die Spieleserie ist mit über 480 Millionen verkauften Einheiten eine der meistverkauften weltweit.
Mit den Editionen Feuerrot und Blattgrün erschienen 2004 Neuauflagen der Originalspiele für Game Boy Advance. 2018 folgten mit Let’s Go, Pikachu! und Let’s Go, Evoli! Remakes der Gelben Edition für Nintendo Switch.
Handlung Die Rote und Blaue Edition spielen in der fiktiven Region Kanto, deren Vorbild die Region Kantō in Japan war und enthält 151 Pokémon, die dort zu fangen sind. In der Region gibt es viele Dörfer, Städte (Citys) und Routen, welche die verschiedenen Orte miteinander verbinden. Manche Orte sind nur erreichbar, wenn ein Pokémon des Spielers eine besondere Fähigkeit erlernt (durch Versteckte Maschinen, kurz VM), oder indem man ein besonderes Item besitzt.
Der stille Held Rot der Roten und Blauen Edition ist ein Junge aus Alabastia (jap.: マサラ タウン Masara Town, engl.: Pallet Town). Nachdem er das Dorf verlassen will, warnt eine Stimme den Spieler, zu stoppen. Professor Eich, ein berühmter Pokémon-Forscher, erklärt dem Spieler, dass viele wilde Pokémon in der Wildnis leben und es gefährlich ist alleine aufzubrechen.Pokémon Rote Edition und Pokémon Blaue Edition Trainer’s Guide (Anleitung), S. 4 und 5. Er nimmt den Spieler mit in sein Labor, wo dieser Eichs Enkel Blau kennenlernt, der ebenfalls ein Pokémon-Trainer werden möchte. Der Spieler und sein Rivale werden aufgefordert, sich ein Starter-Pokémon (Glumanda, Schiggy oder Bisasam) auszusuchen.Pokémon Rote Edition und Pokémon Blaue Edition Trainer’s Guide (Anleitung), S. 5. Der Rivale fordert den Spieler danach zu einem Kampf mit den gerade erhaltenen Pokémon heraus. Dies wird er im Spielverlauf noch öfter tun.
Während er die verschiedenen Städte der Region erkundet, muss der Spieler bestimmte Hallen – im Spiel Arena genannt – betreten. In diesen Arenen kämpft der Spieler gegen die dortigen Arenaleiter, um jeweils einen der acht Orden zu erhalten. Sobald der Spieler alle acht Orden besitzt, kann er die Pokémon-Liga betreten, in welcher sich die besten Trainer der Welt befinden. Der Spieler bekämpft hier die Top Vier und danach den Champion, den Rivalen Blau Eich. Sobald der Spieler die Kämpfe gewonnen hat, ist er selber Champion der Kantoregion.
Als Champion ist der Zutritt zur Azuria-Höhle gewährt. Dort leben neue und starke Pokémon, allen voran das legendäre Mewtu.
Ein weiterer Bestandteil der Handlung sind die Kämpfe gegen Team Rocket, eine kriminelle Organisation, die Pokémon zu bösen Zwecken missbraucht.
Spielprinzip Allgemein Wie in vielen Rollenspielen üblich, spielt man die Rote und Blaue Edition in der Third-Person-Perspektive/Vogelperspektive. So steuert man den Protagonisten durch die fiktive Welt und kann mit Objekten und Personen durch Drücken der A-Taste interagieren. Wenn der Spieler die Welt erkundet, durchforstet er viele unterschiedliche Terrains, wie Gras-Felder, Wälder, Höhlen oder Seen; in welchen unterschiedliche Pokémon-Arten leben. Wenn der Spieler zufällig auf ein Pokémon oder einen Trainer trifft, verwandelt sich das Feld in einen rundenbasierten „Kampfbildschirm“, in der die Pokémon gegeneinander kämpfen.Pokémon Rote Edition und Pokémon Blaue Edition Trainer’s Guide (Anleitung), S. 19.
Ein Hauptaspekt des Spiels ist, seine Pokémon durch Kämpfe zu trainieren und sie zu entwickeln. Dieses System ist charakteristisch für jedes Pokémon-Videospiel. Jedes Pokémon, das einen Kampf gewonnen hat, erhält Erfahrungspunkte und steigt eventuell einen Level auf. Wenn der Level eines Pokémons steigt, wird es stärker und lernt gegebenenfalls neue Attacken dazu. Das ultimative Ziel von Pokémon ist aber, den Pokédex zu komplettieren, indem man Pokémon tauscht, fängt und weiterentwickelt.Pokémon Rote Edition und Pokémon Blaue Edition Trainer’s Guide (Anleitung), S. 9.
Verbindung mit den Spielen Die Rote und Blaue Edition erlauben dem Spieler, Pokémon zwischen zwei verschiedenen Spielen mittels eines Link-Kabels zu tauschen.Pokémon Rote Edition und Pokémon Blaue Edition Trainer’s Guide (Anleitung), S. 38. Dies ist auch notwendig, um alle Pokémon zu erhalten und den Pokédex zu vervollständigen, da es einige Pokémon gibt, die nur in jeweils einer der beiden Editionen vorhanden sind. Jedoch sind die Versionen einer Sprache nicht kompatibel mit denen einer anderen Sprache. So ist es z. B. nicht möglich, eine deutsche Edition mit einer englischsprachigen zu verbinden. Durch die Verbindung via Link-Kabel ist es auch möglich, gegen die Pokémon eines anderen Spielers zu kämpfen. Wenn die Rote oder Blaue Edition auf einem Game Boy Advance oder Advance SP gespielt wird, funktioniert das Standard GBA/SP Link-Kabel nicht; der Spieler benötigt hierfür das „Nintendo Universal Game Link Cable“.
Der Hauptunterschied zwischen den Editionen und der Anlass zum Tauschen zwischen den Spielen sind Pokémon, die es in der jeweiligen Edition nicht zu fangen gibt. In der Roten und Blauen Edition (bzw. der japanischen Red, Green und Blue Version) gibt es jeweils 11 editionsspezifische Pokémon die dort nicht gefangen werden können, in der Gelben Edition sind es 13 Pokémon:
Pokémon Rote Edition Blaue Edition (international) /Grüne Edition (Japan) Blaue Edition (Japan) Gelbe Edition013 – Hornliu014 – Kokuna015 – Bibor023 – Rettan024 – Arbok026 – Raichu027 – Sandan028 – Sandamer037 – Vulpix038 – Vulnona043 – Myrapla044 – Duflor045 – Giflor052 – Mauzi053 – Snobilikat056 – Menki057 – Rasaff058 – Fukano059 – Arkani069 – Knofensa070 – Ultrigaria071 – Sarzenia109 – Smogon110 – Smogmog123 – Sichlor124 – Rossana125 – Elektek126 – Magmar127 – Pinsir
Mit der Roten und Blauen Edition kann man auch Pokémon mit der zweiten Generation von Pokémon-Spielen tauschen, der Goldenen Edition, der Silbernen Edition und der Kristall-Edition. Allerdings ist eine solche Verbindung nur möglich, wenn das Pokémon-Team keine Pokémon der zweiten Generation enthält; es dürfen also nur Pokémon sein, die auch in der Roten und Blauen Edition vorhanden sind. Durch die Verwendung des Transfer Paks für den Nintendo 64 ist es möglich, Daten, wie Items aus der Roten und Blauen Edition in den Nintendo-64-Spielen Pokémon Stadium und Pokémon Stadium 2 zu benutzen. Die Rote und Blaue Edition sind nicht kompatibel mit den Pokémon-Spielen der späteren „Advanced Generation“ für den Game Boy Advance oder den GameCube.
Entwicklung Das Konzept der Pokémon-Reihe stammt von der Freizeitbeschäftigung des Insektensammeln, der der Spieleentwickler Satoshi Tajiri als Kind gerne nachging. Als er älter wurde, beobachtete er, dass der Ort, in dem er lebte, immer städtischer wurde und die Insektenpopulation abnahm. Tajiri bemerkte, dass die Kinder nun in ihren Wohnungen spielten, anstatt rauszugehen und dabei kam ihm die Idee eines Videospiels mit kleinen Monstern zum Sammeln, Pokémon genannt.
Als der Game Boy veröffentlicht wurde, hielt er dieses System perfekt für seine Idee, vor allem aufgrund des Link-Kabels, wodurch Spieler Pokémon untereinander tauschen können. Dieses Konzept des Tauschens war etwas völlig Neues in der Videospielindustrie. „I imagined a chunk of information being transferred by connecting two Game Boys with special cables, and I went wow, that’s really going to be something!“ (Zu Deutsch in etwa: „Ich stellte mir einen Informationsbrocken vor, der übertragen wird, indem zwei Game Boys mit einem speziellen Kabel verbunden werden, und ich dachte: ‚Toll, das wird wirklich etwas!‘“), sagte Tajiri.
Tajiri dachte immer, dass Nintendo sein Spiel ablehnen würde, da der Betrieb nicht gleich das Konzept verstand. Aber die Spiele wurden ein voller Erfolg, was Tajiri und Nintendo niemals erwartet haben, vor allem nicht wegen der geringer werdenden Popularität des Game Boys. In Japan wurden die ersten Editionen, Pocket Monsters Rot (, Poketto Monsutā Aka) und Pocket Monsters Grün (, Poketto Monsutā Midori), veröffentlicht. Sie verkauften sich rapide, auch weil einige Leute beide Versionen kauften. Einige Monate später wurde Pocket Monsters Blau (, Poketto Monsutā Ao) veröffentlicht, mit verbesserter Grafik und leichten Unterschieden zur japanischen Rot und Grün. Rot und Blau wurden etwa zwei Jahre später in den USA als Pokémon Red Version und Pokémon Blue Version veröffentlicht.
Spezial-Editionen und Remakes Pocket Monsters: Blue Version
Pocket Monsters Blau (, Poketto Monsutā Ao) ist eine am 15. Oktober ausschließlich in Japan erschienene Spezialversion, die zunächst nur via Mailorder bestellt werden konnte. Am 10. Oktober 1999 wurde diese Version erneut für den japanischen Einzelhandel veröffentlicht. Hauptunterschiede von Blau im Vergleich zu Rot und Grün sind die neu gezeichneten Pokémon-Sprites und die Auswahl der im Spiel zu fangenden Pokémon. Technisch wurden zudem mehrere Bugs behoben. Pocket Monsters Blau bildet die technische Grundlage für die später international veröffentlichten Pokémon Rote Edition und Pokémon Blaue Edition, während sich die anzutreffenden Pokémon an Rot und Grün orientieren.
Pokémon Gelbe Edition: Special Pikachu Edition
Die Gelbe Edition ist das vierte Spiel der Pokémon-Videospiel-Serie, welches in Japan erschien, und das dritte in Nordamerika, Europa und Australien. Das Spiel ist eine geänderte Version der vorherigen Titel Rote und Blaue Edition und zeigt Pikachu auf seiner Verpackung. Es erschien für den Game Boy in Japan am 12. September 1998 als Pocket Monsters Pikachu ( Poketto Monsutā Pikachū), in Nordamerika am 1. Oktober 1999, in Europa am 16. Juni 2000 und in Australien auch im Jahr 2000.
Die Handlung und die Spielmechanik der Gelben Edition ist weitestgehend dieselbe wie in der Roten und Blauen Edition, bietet aber auch einige Änderungen, die das Spiel der ab 1997 ausgestrahlten Pokémon-Animeserie näher bringen. Wie Ash Ketchum im Anime erhält auch der Spieler Pikachu als sein Start-Pokémon. Anders als in der Roten und Blauen Edition läuft Pikachu hinter dem Spieler her, wenn es sich im Team des Spielers befindet und zeigt auch Emotionen; es reagiert z. B. darauf, wenn der Spieler bestimmte Orte betritt. Wenn der Spieler mit Pikachu spricht, taucht eine Box auf, welche Pikachus derzeitige Stimmung als Gesichtsausdruck zeigt. Außerdem kann man in der Gelben Edition alle drei Starter-Pokémon aus der Roten und Blauen Edition erhalten, und die Charaktere der Animeserie, Jessie, James, Mauzi, tauchen im Spiel auf.