Warstein () ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland. Warstein gehört zum Kreis Soest im Regierungsbezirk Arnsberg.
In Warstein, das sich auf 158,03 km² Fläche erstreckt, leben rund 25.000 Einwohner.
Geografie Geografische Lage mini|Blick auf Warstein vom PiusbergWarstein liegt im Südteil des Kreises Soest im Naturpark Arnsberger Wald an der Wäster. Es befindet sich am Nordrand des Sauerlands zum sich nördlich daran anschließenden Haarstrang, hinter dem die Westfälische Bucht liegt.
Das Stadtgebiet von Warstein gliedert sich in den von Wald bedeckten Süden (Warsteiner Wald) und den unbewaldeten Norden (Haarstrang) auf. Die Grenze beider Landschaftsformen bildet der Fluss Möhne. Der Haarstrang stellt die Grenze zwischen der im Süden liegenden naturräumlichen Einheit 335 Nordsauerländer Oberland und der nördlich vom Haarstrang gelegenen Einheit 542 Hellwegbörden.
Der höchste Punkt des Stadtgebiets befindet sich rund 4 km (Luftlinie) südlich vom Warsteiner Ortsrand wenige Meter nördlich der höchsten Stelle der Plackweghöhe () und des Naturparks Arnsberger Wald auf Höhe am im Wald stehenden Lörmecke-Turm. Die niedrigste Stelle der Stadt liegt auf Höhe im Beiwindetal im Norden des Ortsteils Waldhausen.
Eine Besonderheit des Beiwindetals ist, dass in der Saaleeiszeit durch das im Norden liegende Inlandeis aufgestaute Gletscherschmelzwässer über den Haarstrang in das Merpketal (Nebenfluss der Möhne zwischen Niederbergheim und Völlinghausen) flossen. Im Bereich der alten Ziegelei von Niederbergheim wurden Nordische Geschiebe gefunden, welche mit dem Schmelzwasser die Haar überquerten. Der ungefähre maximale Eisstand des Inlandeises lässt sich an den Schledden auf der Nordseite der Haar erkennen. Diese verlaufen alle, ab zirka Höhe und niedriger, in Richtung Nordost, da der Gletscher von Nordost gegen die Haar geschoben wurde und hierdurch die Täler eingetieft wurden.
Ausdehnung des Stadtgebiets Der nördlichste Punkt Warsteins befindet sich zwischen Uelde und Altenmellrich, der östlichste rund 2 Kilometer südlich vom Hohlen Stein. Die südlichste Stelle der Stadt liegt knapp 0,7 km südwestlich der Passhöhe Stimmstamm, die westlichste von Warstein und zugleich südlichste der Gemeinde Möhnesee 1,7 km nordöstlich vom Lattenberg. Die West-Ost-Ausdehnung Warsteins beträgt etwa 14,5 und die Nord-Süd-Ausdehnung rund 14,9 km.
Stadtgliederung Warstein ist in die neun Ortsteile Allagen, Belecke, Hirschberg, Mülheim, Niederbergheim, Sichtigvor, Suttrop, Waldhausen und Warstein (Zentrum) gegliedert.Stadt Warstein: Hauptsatzung in der Fassung vom 19. Dezember 2025 (PDF-Dokument; 1,2 MB), abgerufen am 9. März 2026.
Nachbargemeinden Warsteins Nachbargemeinden bzw. -städte sind – aufgelistet im Uhrzeigersinn beginnend im Norden – Anröchte, Rüthen, Bestwig, Meschede, Arnsberg, Möhnesee und Bad Sassendorf.
Klima
Die Jahresmitteltemperatur der Jahre 1961 bis 1990 lag im Gebiet der Stadt Warstein zwischen +8,4 °C auf den niedrigeren Höhenrücken der nördlichen Haar und bei +6,4 °C am höchsten Punkt Warsteins. Die tiefsten absoluten Temperaturen werden aufgrund der häufigeren Inversionswetterlagen in den Tallagen gemessen. Die absoluten Höchstwerte werden infolge der niedrigen Höhenlage ebenso in den Tälern erreicht. Der kälteste Monat ist der Januar mit einem Temperaturmittel zwischen −1,3 °C auf dem höchsten Berg und +0,7 °C unmittelbar östlich des Beiwindetals (nördlich von Waldhausen). Der heißeste Monat ist der Juli, dort liegt das Mittel zwischen +14,3 und +16,4 °C.
Die Jahresmitteltemperatur der Jahre 1981–2010 änderte sich gegenüber dem Mittel der Jahre 1961–1990 um +0,7 K. Im Vergleich der einzelnen Monate hatte der Juli mit +1,1 K die größte Erwärmung und der Oktober mit +0,1 K die geringste Erwärmung erfahren.
Der Niederschlag ist stark standort- und jahreszeitenabhängig. Im Mittel der Jahre 1961 bis 1990 fielen an den Messstationen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Hirschberg 1087,5, in Warstein 1021,3 und in Belecke 903,4 Millimeter Niederschlag. Die trockenste Region der Stadt Warstein ist das Möhnetal unmittelbar östlich des Belecker Zentrums mit ca. 890 Millimeter. Der größte mittlere Jahresniederschlag fällt am höchsten Punkt Warsteins mit rund 1210 Millimeter Niederschlag.
Diese Niederschlagsunterschiede entstehen durch die nach Norden abfallende Topographie und die damit verbundenen Lee- und Föhneffekte zustande. Die Jahreszeitlichen Unterschiede sind im Winter am größten, da die Niederschläge häufig aus südwestlicher Richtung kommen. So fällt in den Wintermonaten an der Messstation in Warstein etwa 30 % mehr Niederschlag, als an der Messstation in Belecke. Im Sommer hingegen sind es in Warstein nur rund 6 % mehr, da hier der meiste Regen in Form von Gewittern und Schauern zu Boden geht und diese recht gleichmäßig verteilt sind. Zwischen den Messstationen in Warstein und Hirschberg unterscheiden sich die Niederschlagsmengen, im Zeitraum von Oktober bis April, nur minimal. Von Mai bis September fällt in Hirschberg rund 12 % mehr Niederschlag als in Warstein. Dies liegt vermutlich an den Hirschberg umgebenden Waldgebieten und der daraus resultierenden größeren Wasserverdunstung. Hierdurch wird die Entstehung von Schauern und Gewittern begünstigt oder bestehende Schauer werden verstärkt.
Der Jahresmittelniederschlag der Jahre 1981–2010 änderte sich gegenüber dem Mittel der Jahre 1961–1990 um +8 %. Im Vergleich der einzelnen Monate lag die Spanne der Veränderungen zwischen −8 % im Januar und +28 % im September.
Geschichte Vorgeschichte mini|Blick über Warstein bei Nacht mini|Der Stadtberg mit der Alten Kirche Älteste Spuren menschlichen Lebens in Warstein haben sich in den Bilsteinhöhlen gefunden. Die Steinwerkzeuge, die dort bei den Ausgrabungs- und Erschließungsarbeiten im Jahr 1887 ausgegraben wurden, werden nach neuesten Untersuchungen in die Mittelsteinzeit datiert. Darüber hinaus wurden in der sogenannten Kulturhöhle 1 der Bilsteinhöhlen Funde aus der Glockenbecherkultur (ein Griffzungendolch aus Kupfer), ein Zylinderhalsgefäß der Urnenfelderzeit und zahlreiche Relikte aus der vorrömischen Eisenzeit (Keramikscherben, Schmuck, Spinnwirtel, menschliche Schädelreste) geborgen.
Mittelalter Die urkundliche Ersterwähnung Warsteins wird seit Jahren fälschlich in das Jahr 1072 verlegt. Diese Urkunde – die Gründungsurkunde des Klosters Grafschaft im Sauerland – ist aber seit 80 Jahren als Fälschung erkannt. An diese gefälschte Urkunde wurde um das Jahr 1200 noch einmal ein Nachtrag angefügt; und erst in diesem späten Nachtrag erscheint der Ortsnamen Warstein (als „Warsten“). Somit wurde Warstein erst nach 1200 erstmals urkundlich erwähnt. Die urkundliche Ersterwähnung hängt mit Streitigkeiten um den Zehnten zu Warstein zusammen, die sich in die größere Auseinandersetzung zwischen den Grafen von Arnsberg und den Erzbischöfen von Köln einordnen lassen.
Mit Warstein war in dieser Zeit noch nicht der Bereich der heutigen Altstadt Warsteins gemeint. Vor der Gründung der befestigten Stadt auf dem Stadtberg trug eine Siedlung am westlichen Talabhang der Wester den Namen Warstein, der heutige Bereich Altenwarstein. Dort befand sich auch die erste nachgewiesene Kirche im Warsteiner Raum. Ihre Fundamente wurden in den 1950er Jahren in einer fachlich kaum begleiteten Ausgrabung freigelegt. Im Umfeld wurden bei Feldbegehungen in den letzten Jahren neben steinzeitlichen Streufunden einige wenige spätmittelalterliche Keramikreste aufgelesen (12. bis 14. Jahrhundert) sowie zahlreiche Schlackenreste, was auf Eisenverarbeitung schon in der vorstädtischen Siedlung Altenwarstein hindeutet. Diese Siedlung lag nur wenige hundert Meter von Eisenerzvorkommen entfernt, die in der Grube David noch bis 1949 ausgebeutet wurden.
Die übliche Ansicht, Warstein habe im Jahr 1276 Stadtrechte von Siegfried von Westerburg erhalten, ist sicher widerlegt. Das genaue Datum der Stadtrechtsbewidmung ist nicht überliefert. Viel spricht dafür, dass Warstein zeitgleich mit der Nachbarstadt Belecke im Jahr 1296 Stadtrechte erhielt. Erst nach 1307 – unter dem Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg, dem zweiten Nachfolger Siegfrieds – wurde der Stadtberg bebaut.
Wirtschaftliche Grundlagen mini|Karte von 1630: Zu erkennen der Bereich Oberhagen mit Stollenmundloch und Eisenhütte, direkt darunter der Warsteiner Stadtberg In der letzten Zeit wird diskutiert, ob montanwirtschaftliche Hintergründe bei den Stadtgründungen des späten Mittelalters im nördlichen Sauerland eine Rolle gespielt haben und, wenn ja, wie hoch diese Motivation zu bewerten ist. Auffällig ist die Gründung der Stadt Eversberg (1242) mit eigener Münze. Feldarchäologische Ergebnisse legen nahe, dass die Eversberger Münze eigene, vor Ort gewonnene Rohstoffe, Kupfer und Silber, verarbeitete. In diesem Zusammenhang fällt auf, dass alle drei Städtegründungen des Siegfried von Westerburg im Arnsberger Wald, Belecke, Kallenhardt und Warstein, eine große Nähe zu Erzlagerstätten aufweisen. Im Belecker Raum kommen Bleierzlagerstätten vor (Külbe, Lanfer), im Raum Kallenhardt Blei- und Eisenerz, im Warsteiner Raum vor allem Eisenerz (daneben aber auch Kupfer- und Bleierze). Im Jahr 1364 wurde Johann von Hückelheim mit einem Schmiedewerk belehnt. Dabei dürfte es sich um die erste urkundlich nachweisbare Eisenhütte im Raum Warstein gehandelt haben. Alles spricht dafür, dass sich diese erste Warsteiner Eisenhütte am Fuße des Oberhagens befand. Der Warsteiner Stadtberg liegt auf der gegenüberliegenden Talseite und bewacht geradezu das Gelände der ehemaligen Eisenhütte und des Bergbaus auf die sehr reichen Erze des Oberhagens. Diese besondere Situation ist auf einer Karte von 1630 noch deutlich zu erkennen.
Im Mittelalter war Warstein lange Mitglied der Hanse, was der Stadt einen gewissen Wohlstand bescherte. Die damaligen Hauptwirtschaftszweige waren wegen großer Waldgebiete die Forstwirtschaft, zudem die Eisengewinnung und -verarbeitung, sowie der Ackerbau. Insbesondere die Montanindustrie erlebte seit dem ersten Drittel des 18. Jahrhunderts einen beträchtlichen Aufschwung. So gründete Matthias Gerhard von Hoesch 1739 an der Grenze zur (damaligen) Nachbargemeinde Suttrop ein Eisenwerk auf Basis der örtlichen Eisenerzlagerstätten. Die Weiterverarbeitung erfolgte durch Hammerwerke und eine heimgewerbliche Fertigwarenproduktion. Anknüpfend an diese Traditionen wurden Warstein und Nachbargemeinden wie Belecke und Suttrop zu einem Schwerpunkt der Frühindustriellen in Westfalen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Neuzeit Am Ende des 18. Jahrhunderts begannen die großen politischen Zeitereignisse auch auf Warstein auszustrahlen. Wohl im Zusammenhang mit der Französischen Revolution kam es seit 1789 zu erheblichen Unruhen in der Bürgerschaft. Im sogenannten Warsteiner Patriotenkrieg standen sich die sogenannten Prinzen als Partei der bislang führenden Bürger und die Patrioten gegenüber. Erst 1794 setzten sich die Prinzen wieder durch. Allerdings sah sich auch diese Gruppe angesichts der inzwischen desolaten finanziellen Lage zu Reformen gezwungen.
Große Teile der Stadt wurden am 31. Dezember 1802 durch einen Brand zerstört. In dessen Folge wurde der Kern der Stadt vom bisher besiedelten Stadtberg an den Fluss Wäster verlegt.
1802 okkupierte der Landgraf von Hessen-Darmstadt das Herzogtum Westfalen und damit die Stadt Warstein. 1816 fiel das Gebiet nach dem Wiener Kongress an Preußen.