mini|hochkant=1.3|Im Jahr 1295 beschlossen die Stifte der Zirkarie Sachsen alle drei Jahre ein Provinzkapitel durchzuführen. Meist fanden die Treffen im abgebildeten Stift Magdeburg statt.Christian Gahlbeck, Wolfgang Schößler: Brandenburg/Havel. Prämonstratenser-Domkapitel St. Peter und Paul. In: Heinz-Dieter Heimann, Klaus Neitmann, Winfried Schich und Weitere (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts. Band I. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-937233-26-0, 3. Verfassungsordnung. 3.1 Stellung im Orden, S. 235–236.Clemens Bergstedt, Christian Popp: Havelberg. Prämonstratenser-Domkapitel. In: Brandenburgisches Klosterbuch. Band I. 2007, 3. Verfassungsordnung. 3.1 Stellung im Orden, S. 576.
Zirkarie bezeichnet einen Visitations- und Verwaltungsbezirk im Prämonstratenserorden. Sie ist etwa vergleichbar mit der Ordensprovinz in anderen Orden, besitzt aber keinen eigenen körperschaftlichen Charakter.
Geschichte In den letzten Jahrzehnten des 12. Jahrhunderts wurden zwischen dem Generalkapitel und den Klöstern die bereits seit etwa der Mitte des Jahrhunderts geforderten Zirkarien eingeführt. Dabei handelte es sich um Visitationsbezirke ohne eigenen körperschaftlichen Charakter. Die Zirkarien waren somit nach den Provinzen der geistlichen Ritterorden die frühesten regionalen Unterteilungen im geistlichen Ordenswesen. Die Grundlage für dieses neue Organisationssystem war wahrscheinlich das ordensinterne doppelte Visitationssystem. (PDF; 97 kB)
An der Spitze jeder Zirkarie standen zwei (später nur noch einer) „Visitatoren“ oder „Zirkatoren Capituli“, die die Klöster des Bezirks visitierten und die. von Generalkapitel eingesetzt wurden.Burkhard Gehle: Die Prämonstratenser in Köln und Dünnwald: Eine Würdigung ihres Wirkens im Rahmen der Rechtsentwicklung vom hohen Mittelalter bis in die Neuzeit. Amsterdam 1978, S. 63f. ISBN 9060321065, ISBN 9789060321065 Mit den Zirkarien schufen sich die Prämonstratenser eine von den bischöflichen Diözesanstrukturen unabhängige Verwaltungsstruktur.
Innerhalb der Zirkarien bildeten sich bald eigene Provinzialkapitel, die zunächst von Prémontré unterdrückt, dann aber doch zugelassen wurden, um im beginnenden Kampf um die Exemtion eine starke und sachnahe Institution verfügbar zu haben.Gehle, S. 64. Ab dem Spätmittelalter ernannte der Generalabt des Ordens in jeder Zirkarie einen Vikar; diesem oblagen die Leitung der Ordensprovinz und die Einberufung und der Vorsitz der allerdings nur sporadisch durchgeführten Provinzialkapitel.Theologische Realenzyklopädie, S. 169.
Historische Zirkarien Allgemeines In Europa gab es im Mittelalter etwa 30 Zirkarien, darunter in Mitteleuropa mit rund 300 Stiften.Norbert Backmund: Monasticon Praemonstratense, Band 1, 2. Auflage, 1983, S. XXVIIIf., mit allen Zirkarien und Klöstern; auch in den drei Bänden, z. B. Band 1, 1983, S. XV, Inhaltsverzeichnis; auch in Charles Louis Hugo: Annales Praemonstratenses, Nancy 1734 Im 16. Jahrhundert wurden viele Niederlassungen durch die Reformation aufgelöst. Einige Zirkarien (Sachsen, Pommern) bestanden seitdem nicht mehr, andere wurden zusammengelegt (Westfalen mit Ilfeld und Wadgassen, Bayern und Schwaben).
Deutschsprachige Zirkarien Bavaria Bayern mit OberösterreichNorbert Backmund: Die letzten Jahre der Bayrischen Zirkarie. In: Analecta Praemonstratensia 50. 1974, S. 112–118. Bohemia et Moravia Böhmen, Mähren und Niederösterreich Frisia FrieslandJohannes A. Mol: Beziehungen zwischen den Zirkarien Friesland und Westfalen im Mittelalter. In: Analecta Praemonstratensia, 81/2005, S. 128–153 Digitalisat (PDF; 10,3 MB) Ilfeldia Thüringen, Hessen und Franken, benannt nach Kloster Ilfeld am Harz Saxonia Sachsen, entlang der mittleren und unteren Elbe, bis nach Brandenburg und an den Harz Slavia Pommern Suevia Schwaben mit Elsass und der deutschsprachigen SchweizOtto Beck: Die Schwäbische Zirkarie der Prämonstratenser. In: Bad Schussenried. Geschichte einer oberschwäbischen Klosterstadt. 1983, S. 9–28.
Vadegotia Pfalz, Hessen, Lothringen (Saargebiet), Elsass, benannt nach Kloster Wadgassen Westfalia Westfalen, war mit 48 Häusern eine der größten Zirkarien des gesamten Ordens im Mittelalter.Ludger Horstkötter: Die Prämonstratenser in Westfalen. In: Magdalena Padberg (Hrsg.): Kloster Oelinghausen. Arnsberg 1986, S. 14 Ingrid Kessler: Entstehung und Entwicklung der westfälischen Zirkarie im Mittelalter. In: Analecta Praemonstratensia 81. 2005, S. 35–63.
Westliches Europa Belgien und Niederlande Brabantia Brabant Flandria Flandern Floreffia Wallonien, benannt nach Abtei Floreffe, als zweitältester des Ordens
Frankreich Arvernia Auvergne Burgundia Burgund Francia Gallia Gasconia Gascogne Lotharingia Lothringen Normannia Australis östliche Normandie Normannia Borealis westliche Normandie Ponthivi Grafschaft Ponthieu im nordöstlichen Frankreich
Nördliches Europa Anglia England und Wales, zeitweise aufgeteilt in drei Zirkarien Dania et Norvegia Dänemark, Norwegen und SchwedenTore Nyberg: Die skandinavische Zirkarie der Prämonstratenserchorherren. In: Gert Melville (Hg.): Secundum regulam vivere. Festschrift für P. Norbert Backmund O.Praem. Windberg 1978, S. 265 Hibernia Irland Scotia Schottland
Östliches Europa Bohemia et Moravia Böhmen, Mähren und Niederösterreich Polonia Schlesien, Kleinpolen, GroßpolenIrene Crusius, Helmut Flachenecker (Hg.): Studien zum Prämonstratenserorden. Göttingen 2003, S. 332, grundlegender Aufsatz zu den Klöstern der polnischen Zirkarie Slavia Pommern, gegründet von polnischen Herzögen, später deutschsprachig
Südliches Europa Graecia Griechenland mit Konstantinopel, Zypern, Palästina Hispania Spanien und Portugal Hungaria Ungarn mit der Slowakei Tuscia et Calabria Nördliches Italien mit Rom
Heutige Zirkarien
Mit den neuen Konstitutionen von 1970 wurden statt geografischer Zirkarien solche nach Sprachgruppen eingeführt: eine französisch-, eine niederländisch-, eine englisch- und eine deutschsprachige Zirkarie. Die alten Zirkarien Böhmen und Ungarn blieben bestehen.Zirkarie Orden online; möglicherweise bestehen einige der dort genannten Häuser jetzt nicht mehr ! Böhmische Zirkarie Abtei Jasov, Slowakei Abtei Nová Říše, Tschechien Abtei Strahov, Tschechien Kloster Holíč, Slowakei Kloster Milevsko, Tschechien Stift Tepl, Tschechien Abtei Želiv, Tschechien
Brabanter Zirkarie Sie umfasst die niederländischsprachigen Abteien in den Niederlanden und Belgien, sowie deren abhängige Häuser, auch in Brasilien, Chile, Kongo und Südafrika. Abtei Averbode, Belgien Brasschaat, Belgien Vejle, Dänemark Abtei Berne, Niederlande De Essenburgh, Niederlande Tilburg De Schans, Niederlande Chicuayante, Chile Abtei Grimbergen, Belgien Kommetjie, Südafrika Abtei Park, Belgien Contagem, Brasilien Abtei Postel, Belgien Abtei Tongerlo, Belgien Aketi, Congo Lolo und Titule, Congo Zobia, Congo Rancagua-Requinoa, Chile Prämonstratenserinnenkloster Mariengaard, Niederlande Prämonstratenserinnenkloster Sint-Catharinadal zu Oosterhout, Niederlande Prämonstratenserinnenkloster Immaculata zu Veerle-Laakdal, Belgien
Deutschsprachige Zirkarie Stift Geras, Österreich Abtei Hamborn, Deutschland Magdeburg, Deutschland Sayn, Deutschland Stift Schlägl, Österreich Abtei Speinshart, Deutschland Stift Wilten, Österreich Abtei Windberg, Deutschland Kloster Roggenburg, Deutschland Prämonstratenserinnenkloster Berg Sion, Schweiz Prämonstratenserinnenkloster Rot an der Rot/Aulendorf, Deutschland
Englischsprachige Zirkarie Albuquerque, Santa Maria De La Vid, USA Daylesford, USA De Pere, St. Norbert Abbey, USA Chicago, Holy Spirit Study House, USA De Pere, St. Joseph, USA Lima, Peru Raymond (Jackson), St. Moses the Black, USA Jamtara, Indien Bombay, Indien Indara, Indien Jabalpur, Indien Kallamkulam, Indien Nagpur House of Study, Indien Pune House of Study, Indien Quilon, Indien Trichy, Indien Kilnacrott, Irland Mananthavady (ehemals Stift Tepl-Obermedlingen), Indien Chelmsford, Großbritannien Middletown (Bayview), USA Orange, USA San Pedro, USA Prämonstratenserinnenkloster Tehachapi, USA Queens Park, Australien Storrington, Großbritannien
Französischsprachige Zirkarie Abtei Frigolet, Frankreich Leffe, Belgien Abtei Mondaye, Frankreich Prämonstratenserinnenkloster Bonlieu, Frankreich Conques, Frankreich Laloubère, Frankreich Miasino, Italien St. Constant, Kanada
Italienischsprachige Zirkarie Abtei Sant’Antimo, Italien
Portugiesischsprachige Zirkarie Itinga-Bahia, Brasilien Jaú, Brasilien Pirapora, Brasilien Montes Claros, Brasilien Piracicaba, Brasilien São Paulo, Brasilien
Ungarische Zirkarie Csorna, Ungarn Gödöllő, Ungarn Oradea, Rumänien
Außerhalb einer Zirkarie Kanonien ohne Zugehörigkeit Kinshasa, Demokratische Republik Kongo Zsámbék, Ungarn
Prämonstratenserinnenklöster unter bischöflicher Aufsicht Imbramowice, Polen Krakau (Zwierniec), Polen Doksany, Tschechien Svatý Kopeček, Tschechien Banská Bystrica, Slowakei Bratislava, Slowakei Humpolec, Tschechien Nitra Hrad, Slowakei Piešt’any, Slowakei Trnava, Slowakei Vráble, Slowakei Vrbové, Slowakei Olomouc, Tschechien Toro, Spanien Villoria de Orbigo, Spanien
Literatur Norbert Backmund: Monasticon Praemonstratense. 3 Bände. 1949, 1952, 1956; mit Informationen zu allen Zirkarien und allen Klöstern Norbert Backmund: Die Entwicklung der deutschen Prämonstratenserzirkarien. In: Zeitschrift für Kirchengeschichte. Heft 95. 1984, S. 215–222. Irene Crusius, Helmut Flachenecker (Hg.): Studien zum Prämonstratenserorden (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 185), Studien zur Germania sacra. Band 25, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, ISBN 3-525-35183-6, mit Aufsätzen zu einigen Zirkarien Theologische Realenzyklopädie. Band 27. de Gruyter, Berlin 1997, S. 169 . ISBN 3110154358, ISBN 9783110154351.
Weblinks Prämonstratenserorden Premontré (englisch)
(PDF; 97 kB)
Einzelnachweise
Kategorie:Prämonstratenserorden Kategorie:Ordensprovinz