Etwa ab dem späten 11. Jahrhundert fasst man, ausgehend von der Architektur, die bis dahin auch regional unterschiedlichen europäischen Kunststile beginnend etwa um 950/960 als Romanik zusammen. Der Übergang zur Buchmalerei der Gotik verlief in unterschiedlichen Regionen mit zeitlichen Verzögerungen. Setzte der Stilwandel in Frankreich und England schon ab den 1140er Jahren ein, blieben nördlich der Alpen sowie in Spanien und Italien teilweise noch bis um 1300 romanische Formen dominant. In dieser Zeit entstanden über 1500 illuminierte Manuskripte,Otto Mazal: Buchkunst der Romanik, S. 349–367. von denen 111 derzeit als Faksimile verfügbar sind.
Leider gibt es in der kunstgeschichtlichen Literatur keine allgemein akzeptierten Kriterien, nach denen eine Handschrift als Hauptwerk der romanischen Buchmalerei zu gelten habe, so dass die hier vorgestellte Auswahl auch als „willkürlich“ bezeichnet werden kann.
Liste der Handschriften
Abbildung Gebräuchlicher Name Datierung Lokalisierung, Malschule Inhalt Besonderheiten Signatur zentriert|150px Facundus-Beatus 1047 geschrieben vom sog. Facundus im Auftrag von Ferdinand I. und Doña Sancha von León und Kastilien Apokalypse-Handschrift mit einem dem Beatus von Liébana zugeschriebenen Kommentar. Bild: Apokalyptische Reiter, f. 135 Eine von 26 illuminierten derartigen Handschriften; diente vor allem der privaten Andacht und Erbauung von Mönchen. Madrid, Spanische Nationalbibliothek, Cod. Vitr. 14-2 zentriert|150px Hugo PictorChristopher de Hamel: Pracht und Anmut – Begegnungen mit zwölf herausragenden Handschriften des Mittelalters, C. Bertelsmann, München 2018, ISBN 978-3-570-10199-5, S. 276–329 spätes 11. Jahrhundert Kathedrale von Exeter, Devon Kommentar des Hieronymus zum Buch Jesaja und Texte in Altenglisch enthält ein Selbstporträt des Buchmalers Oxford, Bodleian Library, MS Bodley 717 zentriert|150px S. Gregorii magni moralium in Iob 1111 Cîteaux Moralia in Job Dijon, Bibliothèque municipale, Cod. 168-170 zentriert|150px| Bibel des Stephan Harding 1109/11 Cîteaux BibelBild: Cod. 14, fol. 13 drei Bände Dijon, Bibliothèque municipale, Cod. 12-15 zentriert|150px Albani-Psalter zwischen 1120 und 1145 St. Albans-Abtei Psalter, liturgischer Kalender, Gebete, Gesänge und weitere Texte. Bild: Maria Magdalena verkündet die Auferstehung Auftragswerk des Abtes Geoffrey de Gorham für die Einsiedlerin Christina von Markyate Hildesheim, Dombibliothek, Ms St. Godehard 1 zentriert|150px Stuttgarter PassionaleStuttgarter Passionale im Bildindex der Kunst und Architektur., auch Zwiefalter Passionale oder Hirsauer Passionale genannt erste Hälfte des 12. Jahrhunderts Kloster Zwiefalten, Kloster Hirsau Passionale, bestehend aus drei verschiedenen Teilen: pars hiemalis (Cod. bibl. fol. 57; um 1120–1125), pars aestivalis (Cod. bibl. fol. 56; um 1125–1130), pars tertia (Cod. bibl. fol. 58; 1130–1140) Cod. bibl. fol. 57: Initialen ff. 136-150r: um 1130–1140, Zeichnung f. 262r: 3. Viertel 12. Jh.; Cod. bibl. fol. 56: Zeichnung f. 135r: 2. Hälfte 12. Jh. Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Cod. bibl. fol. 56–58 zentriert|150px Melisende-Psalter um 1140 Jerusalem Psalter stark von der byzantinischen und der islamischen Buchmalerei beeinflusst; entstanden wahrscheinlich im Auftrag von Fulko V. von Anjou für seine Frau Melisende, die Königin von Jerusalem London, British Library, MS Egerton 1139 mini|zentriert|150px Codex Guta-Sintram um 1154 Augustiner-Chorfrau Guta von Schwarzenthann (Schrift) und Augustiner-Chorherr Sintram von Marbach (Buchschmuck) in den Klöstern Marbach und Schwarzenthann im Elsass Gebete, Kalender mit Heiligenverzeichnis (Martyrologium, Nekrolog, Augustinusregel mit Kommentar des Hugo von St. Viktor und Consuetudines).Bild:Dedikationsbild, fol. 9r Nachschlagewerk für das tägliche Leben Straßburg, Bibliothèque du Grand Séminaire, Ms 37 zentriert|150px Bestiarium von Aberdeen Ende des 12. Jahrhunderts unbekannt Bestiarium Eins der wenigen Bestiarien, die die Schöpfungsgeschichte miteinbeziehen. Die Handschrift blieb unvollendet. Aberdeen, Universitätsbibliothek, MS 24 zentriert|150px Hunterian Psalter um 1170 York Psalter Der Name bezieht sich auf den schottischen Buchsammler William Hunter des 18. Jahrhunderts. Die letzten 13 Folios enthalten Ergänzungen aus dem späten 13. Jahrhundert. Glasgow, Universitätsbibliothek, Sp. Coll. MS Hunter U.3.2 (229) zentriert|150px Kopenhagener Psalter vor 1173 wahrscheinlich York oder Durham Psalter, enthält zudem eine Alphabet, einen Kalender, Gebete sowie sechzehn ganzseitige Bilder von neutestamentlichen Szenen als Lese- und Andachtsbuch für einen königlichen Prinzen erstelltde Hamel, München 2018, S. 330–385 Kopenhagen, Königliche Bibliothek, MA Thott 143 2° zentriert|150px Evangeliar Heinrichs des LöwenIngo F. Walther, Norbert Wolf: Codices illustres – Die schönsten Handschriften der Welt 400-1600. Taschen, Köln 2005, ISBN 978-3-8228-4747-3, S. 138-141 zwischen 1175 und 1188 Helmarshausen Evangeliar Für den Marienaltar der Stiftskirche St. Blasius in Braunschweig angefertigt Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. und München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm. 30055 zentriert|150px Hortus Deliciarum („Garten der Köstlichkeiten“) zwischen 1167 und 1196 Odilienberg Enzyklopädie der Herrad von Landsberg.Bild: Die Philosophie mit den sieben freien Künsten Auftrag der Herrad von Landsberg, Äbtissin des Klosters Hohenburg im Elsass; eine der ältesten Quellen für mehrstimmige Musik; 1870 bei der Belagerung von Straßburg verbrannt Ehemals Straßburg, Stadtbibliothek zentriert|150px Liber Scivias der Hildegard von Bingen wohl zwischen 1160 und 1180 Benedikinerkloster St. Eucharius-St. Matthias in Trier oder Rupertsberg, die Miniaturen wahrscheinlich in Maria LaachWendelin Koch: Visionäre Farbigkeit – Anmerkungen zum Liber Scivias der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179), in: Ingrid Bennewitz, Andrea Schindler (Hrsg.): Farbe im Mittelalter / Materialität – Medialität – Semantik, Akademie Verlag, Berlin 2011, ISBN 978-3-05-004640-2, S. 791-802, hier S. 794f Liber Scivias Es wird angenommen Hildegard sei selbst für die Ausstattung verantwortlich gewesen oder habe sie überwacht.Liselotte E. Sauma-Jeltsch (Hrsg.): Die Miniaturen im „Liber Scivias“ der Hildegard von Bingen – Die Welt der Vision und die Ordnung der Bilder, Reichert, Wiesbaden 1988, ISBN 978-3-89500-038-6, S. 3f Ehemals Wiesbaden, Hessische Landesbibliothek, Ms. I (verschollen) mini|zentriert|150px Stammheimer Missale ca. 1170 Deutschland MissaleBild: Incipit-Seite, f. 85r frühes liturgisches Zeugnis für die Verehrung des Heiligen Bernward Los Angeles, J. Paul Getty Museum, Ms. 64 zentriert|150px Welfenchronik zwischen 1167 und 1174 vermutlich ein Geistlicher am Hof des Herzogs von Spoleto, Welf VI. Chronik Fußt in Teilen auf der um 1125/26 entstandenen wesentlich kürzeren Genealogia Welforum Fulda, Landesbibliothek, Ms. D 11 mini|zentriert|150px Evangeliar Heinrichs des Löwen und Mathildes von England zwischen 1173 und 1188 Ein Mönch Herimann der Benediktinerabei Helmarshausen EvangeliarBild: f. 19r enthält ca. 1.500 kleinere, 77 größere und sieben große, reich verzierte Initialen Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, Cod. Guelf. 105 Noviss. 2° zentriert|150px Landgrafenpsalter 1208–1213 Niedersachsen Psalter Zackenstil leitet zur Gotik über Stuttgart, Württembergische Landesbibliothek, Ms. HB II 24 mini|zentriert|150px Reiner Musterbuch zwischen 1208 und 1213 Zisterzienserstift Rein bei Graz; Schreiber unbekannt, Heinricus als Künstler Grafiken, Federzeichnungen, Initialen, Musteralphabete, geometrische und astronomische Zeichnungen.Bild: folios 10r und 11v Sammelhandschrift für den Unterricht Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. 507 zentriert|150px Berthold-SakramentarWalther und Wolf, Köln 2005, S. 150f um 1215 Weingarten im Auftrag des Berthold von Hainburg, Abt der Abtei Weingarten Gebete für die Messe und Sakramentenspendung am Übergang von der Romanik zur Gotik New York, Pierpont Morgan Library, M.710 mini|zentriert|150px Carmina Buranade Hamel, München 2018, S. 386–437 erste Hälfte des 13. Jahrhunderts Kloster Benediktbeuern ca. 350 Gedichte und Lieder in (Mittel-)Latein, Mittelhochdeutsch und anderen europäischen Sprachen.Bild: Das Schicksalsrad (Rota Fortunae). neben Initialen mit Fleuronné auf fast jeder Seite nur 8 Illuminationen und 1 Federzeichnung München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 4660 mini|zentriert|150px Nibelungenlied, Donaueschinger Nibelungenhandschrift C Beginn des 13. Jahrhunderts Südtirol oder Vorarlberg hochmittelalterliche deutschsprachige Ausformung der Nibelungensage.Bild: Handschrift C, fol. 1r Der Text ist in ca. 37 Fassungen erhalten, von denen drei in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen wurden, auch diese. Karlsruhe, Badische Landesbibliothek, Codex Donaueschingen 63. mini|zentriert|150px Goslarer Evangeliar ca. 1240 wahrscheinlich für Kloster Neuwerk in Goslar bestimmt und in der Umgebung von Goslar entstanden Evangeliar. Bild: Szenen aus dem Lukasevangelium Goslar, Stadtarchiv, B 4387 mini|zentriert|150px Tristan des Gottfried von Straßburg um 1240/50 im Schwäbischen oder Bodenseeraum Tristan und Isolde.Bild: Verbannung Tristans und Isoldes vom Hof Markes; Marke beobachtet Tristan und Isolde in der Minnengrotte; Ihre Wiederaufnahme an den Hof, f. 90r ältestes erhaltenes Exemplar einer Tristan-Handschrift München, Bayerische Staatsbibliothek, Cgm 51 mini|zentriert|150px Medicina antiqua erste Hälfte des 13. Jahrhunderts Süditalien medizinische und pharmazeutische Texte des 4. und 5. Jahrhunderts.Bild: Mythische Alraunenernte, fol. 118r mit Deckfarbenmalerei und rund 50 Jahre später eingefügten Federzeichnungen; Text oft beschädigt, da gewisse Passagen und Darstellungen bei späteren christlichen Lesern Anstoß erregten Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Cod. Vindob. 93 mini|zentriert|150px Rheinauer PsalterChristoph Eggenberger, Marlis Stähli: Der Rheinauer Psalter – Meisterwerk der Buchmalerei um 1260, Quaternio-Verlag, Luzern und Zentralbibliothek Zürich 2013, ISBN 978-3-905924-16-9 um 1260 Kloster Allerheiligen zu Schaffhausen Psalter.Bild: fol. 7v als privates Gebetbuch einer hochgestellten Persönlichkeit geschaffen; die Miniaturen im Übergang vom streng geometrischen, linearen Zackenstil zum weicheren, weitläufigeren Stil der Gotik Zürich, Zentralbibliothek, Ms. Rh. 167 mini|zentriert|150px Weltchronik – Karl der GroßeWalther und Wolf, Köln 2005, S. 192f um 1300 Rudolf von Ems (um 1200 bis um 1254) und Der Stricker (1. Hälfte des 13. Jahrhunderts) Weltgeschichte (Rudolf von Ems) und Versepos über das Leben Karls des Großen (Stricker); Oberrhein (Konstanz, Zürich?).Bild: Eroberung Jerusalems, folio 169v möglicherweise im Auftrag aus dem Umkreis der Züricher Geistlichkeit St. Gallen, Kantonsbibliothek Vadiana, Ms. 302 Vad
Literatur Ingo F. Walther, Norbert Wolf: Meisterwerke der Buchmalerei – Die schönsten Handschriften der Welt von 400 bis 1600. Taschen, Köln 2005, ISBN 978-3-8228-4747-3 (bespricht 159 Handschriften, davon 33 der Romanik) Otto Mazal: Buchkunst der Romanik, Akademische Druck- und Verlagsanstalt, Graz 1978, ISBN 3-201-01056-1
Siehe auch Liste der Handschriften der Reichenauer Malschule
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Anmerkungen
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