Oldenburg in Holstein (plattdeutsch Ollenborg in Holsteen, dänisch Oldenborg) ist eine Stadt in Schleswig-Holstein nördlich von Lübeck im Kreis Ostholstein.

Geografie Oldenburg liegt zwischen der Hohwachter Bucht im Westen und der Lübecker Bucht im Osten auf der Halbinsel Wagrien, knapp 50 km (Luftlinie) nördlich von Lübeck unmittelbar nördlich des Oldenburger Grabens. Unweit von Oldenburg liegen die Seebäder Weißenhäuser Strand, Heiligenhafen, Grömitz und Neustadt in Holstein.

Zu Oldenburg gehören die Stadtteile Bruch, Dannau, Johannisdorf, Kleinwessek, Kröß und Lübbersdorf. Nördlich des Ortsteils Dannau und der Kernstadt Oldenburg liegt der Truppenübungsplatz Putlos der Bundeswehr mit der Wagrien-Kaserne.

Geschichte mini|Oldenburger Wall mini|Wallmuseum

Bereits in der Urgeschichte war die Region relativ dicht besiedelt. Hiervon zeugen dutzende neolithische Großsteingräber (z. B. Wangels LA 69) und bronzezeitliche Grabhügel. Weiterhin sind viele urgeschichtliche Siedlungen bekannt. Diese liegen besonders am Oldenburger Graben. Während des Neolithikums war der Oldenburger Graben eine Förde mit zahlreichen Inseln und Halbinseln. Um 2900 v. Chr. wurde er von der Ostsee abgeschnitten und süßte aus. Etwa zu diesem Zeitpunkt wurde eine vergleichsweise riesige Siedlung (Oldenburg-Dannau LA 77) auf einer dieser Inseln aufgegeben. Sie bestand bis dahin beinahe drei Jahrhunderte und umfasste in ihrer Blütezeit (3020–2990 calBC) schätzungsweise bis zu 160 Einwohner.

Oldenburg lag früher an einer Ostseebucht und war Hafen und Hauptort der slawischen Wagrier. Zwischen 780 und 840 entstand der heute so genannte Oldenburger Wall, eine slawische Burganlage, von der heute nur noch ein Wall erhalten ist. Aus dem westlichsten slawischen Fürstensitz Starigard („Alte Burg“) wurde der Ortsname Aldinborg, später dann Oldenburg. Der Ort war im frühen Mittelalter umkämpft. Spätestens 972 (andere nennen 968 oder gar 948) wurde in Starigard das später so genannte Bistum Oldenburg errichtet, das zum Erzbistum Hamburg gehörte.

Adam von Bremen erwähnt die deutsche Namensversion Oldenburg erstmals im Jahr 1076:

Zusammen mit Haithabu war Aldinburg Hafen im Ostseehandel. Die Schiffe gingen bis ins Samland oder nach Kiew.

Ab etwa 1150 entstand die St.-Johannis-Kirche. Um diese Zeit waren die slawischen Stämme entmachtet, 1160 (oder 1163) wurde der Bischofssitz nach Lübeck verlegt. 1233 wurden Oldenburg von Graf Adolf IV. die Stadtrechte verliehen. Seit 1325 ist „vor dem Dolgentor“ ein mittelalterliches Leprosorium nachweisbar, das „St.-Jürgen-Hospital“ genannt wurde.Siehe Daten der Gesellschaft für Leprakunde unter

Über die Schiffbarkeit des Oldenburger Grabens und einen direkten Zugang zur Ostsee der Siedlung gibt es nur wenige historische Überlieferungen, die zudem weiten Interpretationsspielraum lassen:

Helmold von Bosau schreibt in seiner Slawenchronik (Kapitel 109) zu 1168–1171:

Sebastian Münster sagt dazu in seiner Cosmographia Universalis von 1552:

Bei der fälschlicherweise als „Aldenburgum Holsatiae“ bezeichneten Ansicht von 1572 aus Georg Brauns und Frans Hogenbergs Civitates Orbis Terrarum handelt es sich nicht um eine Ansicht Oldenburgs, sondern um eine Ansicht der Hansestadt Stade.Bernhard Wirtgen: Blick auf Stade. Ansichten und Pläne aus sieben Jahrhunderten. Stade 1974 (Abb. 10)

Eine Karte Wagriens von Johannes Mejer aus dem Jahre 1652 zeigt den Oldenburger Graben nur mehr als zwei Binnenseen, die durch Wasserläufe sowohl untereinander als auch beidseitig mit der Ostsee verbunden sind. Eine Seeschifffahrt nach Oldenburg wäre demnach nicht mehr möglich gewesen. Die Karte enthält auch zwei Stadtpläne Oldenburgs: Der Plan von 1652 entspricht den großen Zügen der Karte; er enthält die Bezeichnung „Alte Schiffhafen“ westlich der Oldenburger Brücke über den Graben und „Stegen“ östlich davon; der Graben ist nur als schmaler Wasserlauf eingezeichnet; die Stadt ist unbefestigt. Der mit 1520 datierte Plan zeigt jedoch die Stadt befestigt und mit größerer Ausdehnung. Westlich der Brücke befindet sich als breites Gewässer der „Haskenfleet“ und an dessen Ufer die „Schiffbrucke“ wie bei der Braun-Hogenbergschen Ansicht. Ostwärts sind eine „Oster Schiffbrugke“ und „Stegen“ an den Ufern des hier deutlich breiteren Oldenburger Grabens eingezeichnet. Demnach wäre seinerzeit Seeschifffahrt von Oldenburg aus in beide Richtungen des Grabens möglich gewesen. Spätere Karten von Wagrien aus dem 18. Jahrhundert entsprechen weitgehend der Karte Mejers.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit war also Oldenburg bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts Hafenstadt, wobei nicht auszuschließen ist, dass die Verbindungen des Oldenburger Grabens zum Meer zwischenzeitlich immer wieder einmal (auch längerfristig) durch Versandung unterbrochen waren und von den Oldenburgern mühselig wieder geöffnet werden mussten. Möglicherweise haben danach die Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges die Wirtschaftskraft Oldenburgs derartig geschwächt, dass die Stadt diese Leistungen nicht mehr erbringen konnte.

Am 15. August 1773 wurde fast die gesamte Stadt durch ein Großfeuer vernichtet.

Der Terror des NS-Regimes verschonte auch die in Oldenburg in Holstein lebenden Juden nicht. Von den in Oldenburg geborenen oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit neun von dem NS-Regime als 'Juden' definierte Bürger verfolgt und ermordet worden.Angaben nach den Listen von Yad Vashem, Jerusalem und den Angaben des "Gedenkbuches - Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945".Die Namen und Verfolgungsgeschichte sind online auf der folgenden website eingestellt: Dietrich Mau, Jüdische Geschichte, Oldenburg in Holstein (Kreis Ostholstein), Alemannia Judaica; abgerufen: 29. März 2024. Im Jahr 2010 wurden sieben Stolpersteine zum Gedenken an die verfolgten Juden in Oldenburg auf Initiative von Schülern der Lensahner Fachschule für Sozialpädagogik verlegt. Die Wagrienschule übernahm die Patenschaft für die Pflege.Dietrich Mau, Jüdische Geschichte, Oldenburg in Holstein (Kreis Ostholstein), Alemannia Judaica; abgerufen: 29. März 2024.

Im Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg. Am 4. Mai wurde durch deutsche Vertreter, die durch den Reichspräsidenten Karl Dönitz im Sonderbereich Mürwik autorisiert waren, die Teilkapitulation der Wehrmacht für Nordwestdeutschland, Dänemark und die Niederlande unterzeichnet, die eigentlich erst am 5. Mai um 8:00 Uhr in Kraft treten sollte. Doch noch am 4. Mai besetzten britische Soldaten mit Panzern kampflos die Stadt Oldenburg. Die Briten richteten im Großraum Oldenburg das Sperrgebiet F ein, das ohne Passierschein nicht betreten oder verlassen werden durfte. Über 500.000 Wehrmachtsangehörige wurden im Sperrgebiet zusammengeführt und untergebracht.Der Spiegel: Kriegsende in Holstein Mädels mit Flak und Pflug, vom: 5. Januar 2010; abgerufen am: 17. Mai 2017 Im März 1946 wurde das Sperrgebiet aufgelöst.

Oldenburg war von 1867 bis 1970 Kreisstadt des gleichnamigen Landkreises (Kreis Oldenburg in Holstein), bis 1946 in der preußischen Provinz Schleswig-Holstein, seit 1946 im Land Schleswig-Holstein. Im Zuge der Kreisreform im Jahr 1970 wurde er dann mit dem Kreis Eutin zum Kreis Ostholstein fusioniert.

Politik

Stadtvertretung Das Ergebnis für die Zusammensetzung der Stadtvertretung nach der Kommunalwahl vom 14. Mai 2023 zeigen die nebenstehenden Diagramme.

mini|Rathaus

Die jeweilige Sitzverteilung in früheren Wahlperioden können der folgenden Tabelle entnommen werden: +Sitzverteilung in der StadtvertretungWahlperiodeCDUSPDFDPGrüneNPDGDP* FBO1BürgervorsteherErster Stadtrat1962–196698 – –2* – Wilhelm Petersen Arthur Frieben1966–19701110 – –2 –1970–1974109 – – – –1974–1978118 – – – – Wilhelm Petersen1978–19821081 – – – Werner Schröpfer Joachim Barth, CDU1982–19861171 – – –Joachim Barth, CDU1986–199010711 – –1990–19948101 – – – Jürgen Schröder, SPD1994–1998991 – – – Beate Krebs, CDU Hans-Jürgen Löschky, FDP1998–20038101 – – – Jürgen Schröder, SPD Günter Reinhold, SPD2003–200812101 – – – Helmut Schwarze, CDU Karsten Marzian, CDU2008–2013663 – – 4 Helmut Schwarze, CDU Volker Lohr, SPD2013–2018772 – – 3 Susanne Knees, CDU Annette Schlichter-Schenk, SPD2018–2023 seit 03/20196 (7)5 (5)2 (2)4 (4) – 2 (1) Susanne Knees, CDU Jens Junkersdorf, CDU2023–202576–4–4 Susanne Knees, CDU Jens Junkersdorf, CDU seit 29.09.2025: Henning Meinecke, CDU 1 Freie Bürgerliste Oldenburg

Kommunalwahl 2023 Erstmals seit 1978 tritt die FDP nicht zu einer Kommunalwahl in Oldenburg in Holstein an. Zur Wahl zugelassen wurden die bisherigen übrigen Parteien und Wählergemeinschaft (FBO). Zur Wahl stehen zehn Direktkandidaten aus fünf Wahlkreisen sowie neun weitere Listenkandidaten. Die Wahlperiode dauert von 2023 bis 2028 und beginnt mit der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 8. Juni 2023. Als stärkste Kraft geht erneut die CDU aus der Wahl hervor. Bei einem leichten Anstieg der Wahlbeteiligung, konnte insbesondere die Wählergemeinschaft FBO von der nicht angetretenen FDP profitieren. Durch den Einzug von sieben Direktkandidaten der CDU wurde ein Ausgleichsmandat für B90/Die Grünen vergeben. Die Stadtverordnetenversammlung hat in der Wahlperiode 2023–2028 21 Sitze.

Bürgermeister Bürgermeister von Oldenburg in Holstein war seit 2007 Martin Voigt (parteilos). Im November 2018 gab Voigt öffentlich bekannt, dass er mit dem Ende seiner Amtszeit zum 31. Dezember 2019 nicht wieder für das Bürgermeisteramt kandidieren werde. Bei der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 wurde Jörg Saba (parteilos) zum neuen Bürgermeister gewählt; seine Amtszeit begann am 1. Januar 2020.

Bei der Bürgermeisterwahl am 22. Juni 2025 wurde Jörg Saba im Amt bestätigt. Er erhielt 77,8 Prozent der Stimmen und setzte sich somit klar gegen seinen Herausforderer Jens Junkersdorf durch.Wahl des Bürgermeisters der Stadt Oldenburg in Holstein abgerufen am 23. Juni 2025

Wappen Blasonierung: „In Blau ein breiter, zweigeschossiger goldener Zinnenturm mit offenem Tor und einem vierpassförmigen Fenster zwischen zwei Fenstern mit bogenförmigem oberen Abschluss; oben schwebend ein roter Schild mit silbernem Nesselblatt.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Städtepartnerschaften Seit 1990 gibt es eine Städtepartnerschaft mit Bergen auf Rügen. Seit dem 26. August 2017 besteht eine Partnerschaft mit der französischen Stadt Blain. Seit 2016 gibt es zudem freundschaftliche Beziehungen mit der Stadt Palanga in Litauen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|St. Johannis

Die St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192 ist die älteste Schützengilde Deutschlands und feiert jährlich um den Johannistag das sogenannte „Gildefest“.

Museen Wall-Museum, eine große Freilichtanlage sowie Ausstellungsräume vermitteln die Vergangenheit der Stadt Gildemuseum der St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192 e. V. (befindet sich auf dem Gelände des Wall-Museum)

Bauwerke Oldenburger Wall Die St.-Johannis-Kirche (1156–1160) gilt als erster größerer Backsteinkirchenbau Nordeuropas. Hilfskrankenhaus unter der Turnhalle der Realschule, ein Relikt des Kalten Krieges

Naherholungsgebiet mini|Der Oldenburger Wall und die St.-Johannis-Kirche, auf einem von Wilhelm Johannsen gestalteten Notgeldschein von 1921.

Naturschutzgebiet Oldenburger Bruch

Wirtschaft und Infrastruktur Schulen allgemeinbildende Schulen Schule Kastanienhof (Förderzentrum geistige, körperliche und motorische Entwicklung), Kremsdorfer Weg (156 Schüler in 16 Klassen/25 Betreute) Grundschule am Wasserquell, Breslauer Straße (305 Schüler in 15 Klassen) Wagrienschule (Gemeinschaftsschule mit Förderzentrumsanteil), Mühlenkamp (463 Schüler in 21 Klassen/64 Betreute) Freiherr-vom-Stein-Gymnasium, Adolf-Friedrich-Straße (521 Schüler in 24 Klassen)