Lauterbad ist ein Luftkurort und ein Ortsteil des Stadtteils Dietersweiler von Freudenstadt im Schwarzwald. Er liegt zwei Kilometer südlich von Freudenstadt und hat etwa 150 Einwohner.

Geschichte Namensherkunft Der Ortsname Lauterbad, der 1721 erstmals bei der GründungHinweis zur Gründung auf landesarchiv-bw.de, abgerufen am 24. November 2008. des Gutes Lauterbad auftaucht, setzt sich aus dem Grundwort Bad und aus dem Gewässernamen Lauter zusammen. Die Bezeichnung »Bad« deutet auf das Vorhandensein von Badanlagen hin, also auf ein „Badhäusle“, welches von einem Bademeister betreut wurde, sowie lässt Rückschlüsse auf die Qualität des Wassers zu – reines, klares Wasser, dem sowohl eine Heilwirkung als auch ein gewisser Gehalt an gelösten Mineralien nachgesagt wird.

»Lauter« – als Bestimmung – ist im Sinne von „rein“ zu verstehen, wobei dies die Wasserqualität ansprechen könnte. Lauter könnte sich auch auf die direkte Umgebung beziehen, etwa im Sinne von freundlich, sonnig und fruchtbar. Als 1721 das Gut Lauterbad gegründet wurde, durften sich dort schon einige Häuser befunden haben. Viele können es allerdings nicht gewesen sein, denn im Jahre 1837 waren insgesamt erst 11 Gebäude vorhanden.

Gründung des Lauterbads mini|Wappen Christoph Wilhelm Dietrich gründete 1721 das Gut Lauterbad. Christoph Wilhelm war im Jahr 1689 nahe Bayreuth als Sohn des Pfarrers Georg Wilhelm Dietrich (1654–1718) geboren; auch zwei Brüder schlugen diesen Beruf ein, der Jüngere war in der württembergischen Landeskirche, zuletzt in Erkenbrechtsweiler bei Nürtingen tätig.

Der begabte mittlere Sohn durfte Rechtswissenschaften studieren und wurde dann 1712 Land- und Hofgerichtsadvokat in Bayreuth. Nachdem er 1714 sich noch den Titel eines Lizentiaten der Rechtswissenschaft erworben hatte, ließ er sich vom Vater in Emtmannsberg mit Euphrosine Christine Huber (1692–1740) trauen.

1719 wurde er auch Rentkammerprokurator; als solcher hatte er öfter Verhandlungen mit auswärtigen Höfen zu führen. Da ihm ferner die Aufsicht über die staatlichen Werke oblag, hatte er auch in Christophstal zu tun. Dabei lernte er die seit einigen Jahren zum Verkauf ausgeschriebenen Heilquellen samt dem anliegenden, seit einem Waldbrand (1705) großenteils wüstliegenden Schöllkopfwald, auch aus eigener Sicht kennen und erfasste die günstige Gelegenheit, sich hier ein „ritterliches Freigut“ zu schaffen.

Am 22. März 1721 – dem Geburtstag der Siedlung – wurde der Kaufvertrag abgeschlossen über das

Bau- und Brennholz lieferte das Forstamt Freudenstadt. Auch durfte er 12 Stück Vieh zusammen mit der Dietersweiler Herde in den Waldteilen Brand und Münchelen weiden lassen. Ende Juni 1721 erfolgte dann die Vermessung des neuen Guts.

Aber ehe dies noch völlig eingerichtet war, verunglückte der Mann und blieb im fernen Mömpelgard jahrelang in Untersuchungshaft. Endlich wieder frei, verlor er unter dem neuen Herzog wichtige Privilegien und hatte um die Erhaltung der restlichen mit Verwaltung und Forstamt bis zu seinem Tod 1741 Auseinandersetzungen zu führen.

Entstehung Nach der Rückkehr aus Mömpelgard belehnte Dietrich im Jahre 1733 sieben Untertanen mit Erblehen. Im nächsten Jahr, beim Gesuch an den neuen Herzog um Wiederbelehnung nannte er außer Badshaus samt Scheuer und Kellerhaus noch fünf „Häuslein“ samt Scheuern und eine Sägmühle. 1740 werden fünf Frongütlein erwähnt, dabei in einem Haus drei Haushaltungen. Auch die Namen dieser ersten Kolonisten oder Hintersassen lassen sich noch fast vollständig zusammenbringen: Adam Kohler, Michel Zürn, Philipp Moser, Georg Graf und Jakob Eichhirn.

Längere Zeit wohnten noch einige Beisassen dort – insgesamt eine durchmischte Gesellschaft, die von den Alteingesessenen der Nachbarorte zunächst nicht gern gesehen wurde. Doch der Dornstetter Amtmann verteidigte sie:

Während der langjährigen Gefangenschaft des Vaters (1724–1731) hatten seine Kinder, neben meist jung gestorbenen Töchtern, zwei Söhne, eine schwere Jugend gehabt. Seiner Anfrage in Stuttgart, ob jetzt Lauterbad auf sechs oder neun Jahre verpachtet werden solle, hatte der Dornstätter Vogt Bühler 1724 beigefügt:

Der Urenkel Georg Friedrich Dieterich, ein Floßherr Unter diesem Georg Friedrich, wie er unterschrieb, begann auch für Lauterbad eine neue Zeit. Das junge Königreich schaffte die letzten alten Privilegien ab. Der Badebetrieb wurde zwar noch weitergeführt, trat aber schließlich ganz in den Hintergrund, wenn auch lange noch Badegäste die Quellen aufsuchten, obwohl die neuen Quellenuntersuchungen 1831 ein zwar sehr reines, aber keinerlei Mineralien enthaltendes Wasser festgestellt hatten. Dafür wurden jetzt der Wald und der Holzhandel wichtig, nachdem sich der Preis des Floßholzes innerhalb einiger Jahrzehnte vervierfacht hatte.

So holte sich auch 1804 der junge Gutsherr seine Lebensgefährtin Christine (1786–1856) beim wohlhabenden Hofbauern und Flößer Johann Georg Trick in Honweiler bei Peterzell. Bald zeigte sich neuer Wohlstand in Lauterbad. Für die Badegäste entstand noch ein stattliches Gästehaus – heute einzig gebliebener Zeuge einstigen Glanzes. Künstler wurden hergeholt. Sie schufen hübsche Aufnahmen des Hauses und beachtenswerte Steinmetzarbeiten, auch Porträts der Eheleute wurden gemalt. Zunächst die Daten über ihre zahlreiche Kinderschar. Von den insgesamt 15 starben neun schon in den Kinderjahren, die anderen kamen alle zur Heirat.

Bei diesen vielen Kindern ist es verständlich, dass der Gutsherr sich für eine eigene Schule für Lauterbad eingesetzt hat. Von 1813 ab unterrichtete hier der Provisor Joh. Georg Ruoff aus Haiterbach 14 Kinder, bis er 1823 in Tumlingen ständig wurde. Was dann kam, blieb unklar. Erst für 1843 fand sich noch ein Bericht, dass der Schulverband Lauterbad für 18 Kinder einen Privatlehrer halte. Der Unterrichtsraum war im Haus 10. Im Jahre 1828, anlässlich einer Revision der Gemeindebezirkseinteilung, beantragte der Holzhändler Dieterich, Lauterbad von der hohen Freudenstädter Armenumlage freizulassen.

Die Siedlung im 19. Jahrhundert und weiterhin Wichtigste Quelle dafür war das 1837 angelegte Primärkataster mit Beschreibung der damals stehenden 11 Gebäude, deren Hausnummern auch in das gleichzeitig erschienene amtliche Kartenwerk eingetragen sind.

Haus 3: Hier saßen schon Joh. Georg Steiner und seine zweite Frau Eva Walter, deren Tochter Anna Maria 1793 den aus Untermusbach gekommenen Taglöhner Joh. Frei heiratete. Dieses Ehepaar verkaufte 1819 Haus und Gütchen an Jakob Appenzeller. Als der vom Gutsherrn hergeholte Holzhauer und Flößer Michael Heinzelmann (1803–1869) übernahm. Nach dessen Tod wurde das baufällig gewordene Haus abgebrochen. Vom alten Hausrat kamen in die städtischen Sammlungen nach Freudenstadt: Holzhauergeschirr, zwei Kleiderschränke und ein gusseiserner Kastenofen. Im Jahr 1959 hat dann Rudolf Grözinger hier einen Neubau erstellt.

Haus 4: Auch der Jakob Heinzelmann (1804–1889) war aus Reinerzau im Jahr 1829 heraufgekommen und wurde Ahnherr: des Sohnes Andreas (1830–1890), auch noch Waldhauer und Flößer, dann des Enkels Johannes (1869–1913), nun Fuhrmann, und schließlich des Urenkels Andreas (1901–1876), Landwirt und Gärtner. Dessen Witwe Frida, aus Ilsfeld stammend, betreut nun das Haus.

Haus 5: Hier saß wohl schon der aus der nahen Mahlmühle stammende Flößer Georg Müller (1767–1848), verheiratet 1799, (Wörner aus Rodt). Später gehörte es dem „Mühle-Andres“. Von ihm erwarb es der aus Mittelsteinwald hergezogene Holzhauer Andreas Heinzelmann und verkaufte es 1907 bei seinem Wegzug nach Freudenstadt an den Schäfer Christian Morlok in Haus 9, dessen Witwe es dann 1936 dem Sohn, Lokführer Friedrich Morlok, weitergab.

Haus 6: 1837 wird hier der Zimmermann Christian Weigold genannt. Vermutlich saß schon dessen Großvater, Waldhauer Christian Weigold, verheiratet Haberer aus Loburg, auf dem Anwesen, sicher aber dann dessen Vater, Hintersaß und Waldhauer Johann Georg (1755–1827), verheiratet mit Barbara Haas, Waldhauerstochter aus Dietersweiler, mit vielen Kindern.

Haus 7: Hierher hatte sich 1825 der Waldhauer Johannes Fuchs (1798–1866) verheiratet mit Barbara Armbruster aus Reinerzau (1802–1868). Von ihren vielen Kindern verehelichte sich die 1826 geborene Christine 1858 mit einem Abberger aus Dettlingen, die Barbara 1869 mit Johannes Heinzelmann.

Haus 8 (Die alte Mühle): Am 29. Juli 1823 verehelichte sich hier der Müller Friedrich Seeger (geb. 1797 in Aach, als Sohn eines Bauern Peter) mit Anna Schaber aus Rodt. Dieser neue Mitbürger machte sich bald zum Sprecher der Hintersassen bei der Ablösung der Waldgedingsrechte. Er glaubte mit seiner Mühle ebenfalls Anrecht an den früheren Privilegien des Gutsherrn zu haben und führte langwierige Prozesse – vom Staatsarchiv erbat und erhielt er dazu Aktenabschriften – die erst 1863, wenige Jahre vor seinem Tod beigelegt wurden. Auch sein 1802 geborener Bruder Jakob hatte sich nach Lauterbad ins Haus 10 verheiratet.

Haus 9: Hier wohnte wohl schon der 1747 mit Anna Maria Appenzeller verheiratet – davon der Beiname „Appenzeller“. Der älteste, 1858 geborene und 1885 verheiratete Johannes übernahm das Haus, musste aber 1899 verkaufen und zog nach Freudenstadt. Sein Anwesen hier kam an Kaufmann Julius Beck, Freudenstadt, dann an den „Mühle-Andres“, der sich 1902 mit Maria Beck, auch aus Rodt, verband. Stall und Scheurer sind seit längerem abgebrochen, die dafür erstellte Pension „Haus am Walde“ betraut nun die Tochter, Frau Eisenkohl.

Haus 10: In diesem, von alten Leuten noch als „Badmeistehraus“ benannten und fast unverändert gebliebenen Gebäude saß wahrscheinlich schon der Verwalter des Gutsgründers Forstrenovator Johann Heinrich Kade. Hier wurde auch Anfang letzten Jahrhunderts Schule gehalten. Wie dann der Badebetrieb eingeteilt wurde, zog hier Jakob Seeger ein, jüngerer Bruder des neuen Mahlmüllers und seit 1834 verheiratet mit der Nachbarstochter Barbara Müller (Haus 5).

Das letzte, bereits 1837 stehende Gebäude II, war die obere Sägmühle. Es ist erstaunlich, dass dann ein halbes Jahrhundert lang, abgesehen von den kurzlebigen Baracken bei Straßen- und dann Bahnbau, kein Haus mehr gebaut worden ist. Das nächste Gebäude 12 war das in neuere Zeit wieder abgebrochenen Bahnwärterhaus an der Straße nach Loßburg und 13 war die Bahnabfertigungsbaracke. Die nächsten Gebäude 14–16 erstanden dann als Anfänge von Oberlauterbad an der Hardsteige.

Der letzte Dieterich, 1818–1894 mini|Zug auf dem Lauterbad-Viadukt, 1886.

Der letzte Gutsherr dieses Namens, Gustav Gottlob Dieterich, hatte 1843 wieder eine Wirtstochter ins Haus geholt, Wilhelmine Barbara Adrion (1820–1906) aus der alten Linde in Freudenstadt (die dann 1857 Mittelpunkt der Gustav-Werner-Anstalten wurde, bis sie 1870 an Kaufmann Stock gekommen ist). Der Gastwirtsbetrieb in den gepflegten Räumen in Lauterbad, der noch in den fünfziger Jahren so gerühmt wurde, ist dann wohl bald eingestellt worden. Dafür gab es später beim „Sägefrieder“ (Haus 5) wohl eine kleine Schenke, denn dort saßen am 27. Dezember 1882 die Männer Lauterbads beisammen, als der schlimme Bergrutsch erfolgte, der nach starker Schneeschmelze den Berghang unterhalb des langgestreckten Steinbruchs am Schöllköpfle ins Tal herabriss. Diese „Rutsche“ hatte dann eine gewaltige Überschwemmung durch die gestaute Lauter zur Folge.