Hausbruch ist ein Hamburger Stadtteil im Bezirk Harburg. Urkundlich erwähnt wurde Hausbruch erstmals 1553.
Name Der Name Hausbruch ist eine Abschleifung aus dem Begriff Hürersbrook oder Hürsbrook. Die Vorsilbe Hür steht dabei für Heuer, die Endung Brook für einen feuchten Bruchwald und verweist auf das Erlenbruchland, das die einstige Siedlung umgab. Hintergrund der Bezeichnung ist die Erlaubnis an die Siedler, gegen eine Pacht bzw. Heuer dem Bruch Holz für den Eigenbedarf zu entnehmen. Diese Erklärung ist 1973 von dem Heimatforscher Artur Conrad Förste aus Moisburg belegt worden. Er widersprach damit der Theorie, dass der Name von dem „Haus am Bruch“, einer Jagdhütte von Otto I. von Harburg, abstammt.Horst Beckershaus: Die Namen der Hamburger Stadtteile. Woher sie kommen und was sie bedeuten, Hamburg 2002, ISBN 3-434-52545-9, S. 55 f.
Geografie
Geografische Lage Hausbruch liegt an der Grenze zwischen Marsch und Geest. Die höchsten Erhebungen sind der Bredenberg (69,8 m), der Falkenberg (64,8 m) und der Wulmsberg (64,0 m). Siehe auch: Liste von Erhebungen in Hamburg
Ausdehnung des Stadtgebiets Die heutigen Stadtteilgrenzen sind: Zu Heimfeld: der Ehestorfer Heuweg, die Cuxhavener Straße und die A 7. Zu Neugraben-Fischbek: Der Falkenbergsweg, Scharpenbargsweg, Rehrstieg und die Francoper Straße. Zu Francop und Moorburg bildet die Moorburger Landscheide (Fluss) eine natürliche Grenze.
Bei der Grenzziehung zu Neugraben-Fischbek gibt es die Besonderheit, dass die östlich des Falkenbergsweges gelegene Siedlung Bauernholztal um die gleichnamige Straße zwar zu Hausbruch gehört, jedoch infrastrukturell und siedlungsgeschichtlich keinerlei Anbindung an es hat. Diese Zuordnung hat kaum praktische Auswirkungen, so gehört diese Siedlung z. B. auch nicht zum Schulbezirk Hausbruch. Gleiches galt bis zu dessen Auflösung 1976 auch für das Wohnlager am Falkenbergsweg.
Nachbarorte Nördlich von Hausbruch liegen die Stadtteile Francop und Moorburg, im Osten grenzt Hausbruch an Heimfeld und im Westen an Neugraben-Fischbek. Im Süden grenzt der Stadtteil an den Ort Ehestorf der niedersächsischen Gemeinde Rosengarten.
Stadtteilgliederung Hausbruch besteht aus drei Ortsteilen: Altwiedenthal, Neuwiedenthal und Dubben. Diese Aufteilung ist insofern überholt, als dass die ehemalige Siedlung Dubben vollständig der Autobahn A 7 und dem Gewerbegebiet um die Autobahnzufahrt Hausbruch weichen musste. Hingegen hat die Wohnbebauung südlich der B 73 kontinuierlich an Bedeutung gewonnen und wird analog zum Waldgebiet als Ortsbezeichnung Haake genannt (s. a. Grundschule an der Haake). Dieses umfasst ca. die Hälfte des Stadtteil-Gebietes.
Geschichte
Erste Erwähnungen Im späten 8. Jahrhundert wurde eine Burg auf dem Falkenberg errichtet, die bis ins 13. Jahrhundert genutzt wurde und von der heute nur noch Wallreste zu finden sind., geschichtlicher Abriss auf hamburg-neugraben.de
Um 1545 ließ Herzog Otto I. von Harburg eine Schäferei errichten, sie lag ungefähr beim heutigen Jägerhof. Hausbruch wurde erstmals 1553 urkundlich erwähnt.Harburger Anzeigen und Nachrichten vom 19. Dezember 2000
1881–1933 mini|Sennhütte 1906 Durch den Bau der Unterelbebahn 1881 wurde es für die Industrie lukrativ, sich in Hausbruch anzusiedeln. Am 1. November 1896 eröffnete die erste Schule, und 1898 erfolgte die Gründung des Schützenvereins. Am 15. Januar 1899 wurde der Bahnhof Hausbruch an der Niederelbebahn Harburg–Cuxhaven eröffnet. Seit diesem Zeitpunkt war Hausbruch ein Ausflugsort für naturliebende Hamburger. Die Bedeutung als Naherholungsgebiet nahm aber immer mehr ab. Im Jahre 2004 waren davon nur noch Spuren beim Hotel Sennhütte, Hamburg-Blick erhalten.
1900 gab es 400 Einwohner, 1903 etwa 450 Einwohner, und 1905 gab es 558 Einwohner. Chronisten vermerkten, dass kein Ort im Landkreis Harburg ein so großes Bevölkerungswachstum hatte. 1901 zog die Schule an in ihren heutigen Platz. Es gab 89 Schüler, 1910 waren es bereits 143. Am 11. Dezember 1911 wurde die Hausbruch Neugrabener Turnerschaft gegründet. Im Winter 1913/14 wurden fünf Tonnen Schnee mit der Bahn aus dem Harz nach Neugraben gebracht, um sie dann auf die Rodelbahn am Opferberg aufzubringen.
1917 wurde bei einer Brunnenbohrung im südlichen Hausbruch in den Harburger Bergen Kohle gefunden; im Bergwerk Robertshall wurde von 1919 bis 1922 mehr als 49000 Tonnen Braunkohle für die Harburger Phoenix AG gefördert. Davon lassen sich nur noch die eingestürzten Stollen anhand von kraterartigen Vertiefungen am Rande des Ehestorfer Heuwegs vorfinden sowie das Fundament der Kohlewäscherei. 1929 wurde die Heideburg, ein ehemaliges Ausflugslokal, zum evangelischen Jugendheim.
1933–1945 Zeit des Nationalsozialismus
mini|Hausbruch als Teil von Neugraben (1938) Seit dem 1. April 1937 gehört Hausbruch (als Teil der damaligen Gemeinde Neugraben) durch das Groß-Hamburg-Gesetz zum Landkreis Hamburg und ab dem 1. April 1938 zur Einheitsgemeinde Hamburg.
1945–2000 Nach dem Zweiten Weltkrieg bezogen viele Menschen vorhandene Wochenendhäuser und Behelfsheime im Hausbrucher Raum, die in den folgenden Jahrzehnten sukzessive ausgebaut oder durch vollwertige Häuser ersetzt wurden. In vielen Fällen ist dort bis dato keine den gesetzlichen Bestimmungen genügende Erschließung erfolgt.
Mit Wirkung zum 11. Mai 1951 wurden mit dem Gesetz über die Bezirksverwaltung in der Freien und Hansestadt Hamburg (1949) der harburgische Teil Neugrabens aus dem damaligen Bezirk Neugraben mit dem moisburgischen Teil und dem Bezirk Fischbeck zum Stadtteil Neugraben-Fischbek zusammengelegt. Der verbliebene Teil der ehemaligen harburgischen Gemeinde Neugraben erhielt dann den Stadtteilnamen Hausbruch.
1956 wurde die Badeanstalt im Dubben geschlossen. 1959 erhielt Hausbruch eine eigene evangelische Kirche. In den 1960er und 1970er wurde teilweise auf dem Gebiet von Hausbruch, teilweise auf dem des benachbarten Neugraben-Fischbek das Neubaugebiet Neuwiedenthal gebaut. Es entstanden überwiegend Hochhäuser. In Neuwiedenthal lebten danach etwa zwei Drittel der Hausbrucher Bevölkerung.
Am 22. Juli 1975 stießen im abendlichen Berufsverkehr ein Personen- und ein Güterzug frontal zusammen. 11 Menschen starben, 125 weitere wurden verletzt.
Am 4. August 1984 wurde die S-Bahn-Linie S3 bis nach Neugraben eröffnet. Es entstand am Westrand von Hausbruch der S-Bahnhof Neuwiedenthal. Der Bahnhof Hausbruch wurde geschlossen und das Gebäude abgerissen. Die beiden vorher vorhandenen Bahnübergänge wurden im Rahmen des S-Bahnbaus unter Kappung der bisherigen Straßenverbindungen geschlossen und durch je eine Fußgänger- und Radfahrer-Unterführung ersetzt. Direkter innerörtliche Straßenverkehr in Nord-Süd-Richtung ist seitdem nicht mehr möglich. Infolge dieser Änderung der Verkehrsanbindung gab die größere Anzahl der traditionell an der Cuxhavener Straße angesiedelten örtlichen Geschäfte auf, und es entstanden neue Einkaufsmöglichkeiten nördlich des S-Bahnhofs am Striepenweg und in der Rehrstieg Galeria.
Anfang der 1980er-Jahre wurde in der Nachbarschaft des Geländes der Firma Beiersdorf mit erheblichem Aufwand das Gewerbegebiet Hausbruch aufgeschüttet und ausgebaut. Nachdem zunächst zwei Hauptinvestoren abgesprungen waren, lagen dort bis 2005 große Flächen mit voll ausgebauten Verkehrsanschlüssen und Installationen für Gewerbebedarf brach, auf denen mittlerweile ein Logistikzentrum entstanden ist. Im gleichen Zeitraum der 1980er Jahre wurden nördlich des Rehrstieges in größerem Umfang Reihenhaussiedlungen für umgesiedelte Bewohner der für Hafenerweiterungen in Anspruch genommenen Gebiete in Altenwerder errichtet. Auf dem Gebiet des östlichen Altenwerder ist später das CTA, Containerterminal Altenwerder, errichtet worden. Die unter Denkmalschutz stehende in Altenwerder verbliebene St. Gertrud-Kirche wird von der Thomaskirchengemeinde in Hausbruch genutzt, in der viele ehemalige Insulaner aus Altenwerder aktiv geworden sind.
1986 wurde die Heideburg zur Rudolf-Steiner-Schule und wurde seitdem sukzessive durch umfangreiche Erweiterungsbauten wesentlich vergrößert.
Mitte der 1990er-Jahre löste ein Urteil des Hamburgischen Oberverwaltungsgerichtes zur Beschränkung von Grundflächenzahlen und die Fertigstellung der Besiedlung des Gebietes eine rege und für deutsche Verhältnisse ungewöhnlich ungesteuerte Bautätigkeit mit Einzel- und Doppelhäusern im südlichen Hausbruch aus.
1997 führte der Selbstmord eines 17-Jährigen auf dem Bahnhof Neuwiedenthal und dessen Abschiedsbrief zu einer intensiven Debatte um die Lebensrealität heutiger Jugendlicher weit über die Grenzen der betroffenen Stadtteile hinaus.
Seit 2000
Um 2000 schloss mit dem traditionsreichen Tante-Emma-Laden „Prigge“ in der Hausbrucher Bahnhofstraße nach 100 Jahren der letzte seiner Art im Stadtteil. Ende 2006 wurde das Wohnhaus mit angrenzendem Ladengeschäft abgerissen, um Neubauten Platz zu machen. 2003 wurde das historische, aber stark sanierungsbedürftige Gastronomie- und Veranstaltungshaus Hornbachers geschlossen, durch den Verpächter verkauft und zugunsten eines Supermarktes abgerissen. Das Hornbachers war eine wichtige kulturelle Einrichtung des Stadtteils. Die lange Jahre am Standort zuvor dort gewesene Diskothek Renaissance-Club war auch überregional bekannt.
Der Anteil der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ist in Hausbruch bis Ende 2010 auf 49,6 % gestiegen.Statistisches Landesamt Bevölkerung mit Migrationshintergrund in den Hamburger Stadtteilen Ende 2010 (PDF; 455 kB)
Gegenwärtig laufen Bebauungsplanverfahren, um die teilweise lediglich durch Bestandsschutz abgesicherten Siedlungen zu legalisieren und eine weitere Entwicklung zu ermöglichen.
Das im Gebäude des ehemaligen Ortsamtes untergebrachte Kulturhaus am Ehestorfer Heuweg (gegründet 1973) ist im Januar 2012 nach Neugraben (BGZ) umgezogen. Das alte Gebäude wurde 2024 abgebrochen.
Das auf dem Wulmsberg gelegene Traditions- und Tagungshotel Berghotel Hamburg-Blick (ehemals Sennhütte am Wulmsberg) brannte in der Nacht vom 16. auf den 17. Dezember 2023 fast vollständig nieder.
Einwohnerentwicklung 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 1995 1996 14.052 14.343 14.607 14.982 15.242 15.927 15.841 15.747 15.943 16.144 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 16.507 16.701 16.836 17.185 17.305 17.351 17.371 17.009 17.201 17.216 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 17.267 17.131 17.136 17.010 17.085 17.118 17.034 16.973 16.852 16.862 2017 2018 2019 2020 20212023 16.979 17.067 17.036 16.927 16.75316.953
Statistik (Quelle: Hamburger Stadtteil-Profile: Berichtsjahr 2023)
Anteil der unter 18-Jährigen: 18,9 % [Hamburger Durchschnitt: 16,8 % (2023)] Anteil der über 64-Jährigen: 21,5 % [Hamburger Durchschnitt: 17,8 % (2023)] Ausländeranteil: 19,3 % [Hamburger Durchschnitt: 20,7 % (2023)] Arbeitslosenquote: 7,3 % [Hamburger Durchschnitt: 6,2 % (2023)]
Das durchschnittliche Einkommen je Steuerpflichtigen beträgt in Hausbruch 37.599 Euro jährlich (2020), der Hamburger Gesamtdurchschnitt liegt bei 48.035 Euro.
Religionen mini|Allerheiligen-Kirche der ukrainisch-katholischen Gemeinde mini|Die Thomaskirche Der Stadtteil hat die evangelische Thomasgemeinde. Zu ihr gehört seit 1979 auch die Kirche in Altenwerder.
Politik Bundestagswahlen Für die Bundestagswahl gehört Hausbruch zum Wahlkreis Hamburg-Bergedorf – Harburg.
Bürgerschaftswahlen Der Stadtteil gehört zum Wahlkreis Süderelbe. Die Bürgerschaftswahlen 2020, 2015, 2011, 2008 und 2004 brachten in Hausbruch folgende Ergebnisse:Stadtteilergebnis auf www.wahlen-hamburg.de, abgerufen am 31. Mai 2021.:
BürgerschaftswahlSPDGrüneCDUAfDLinkeFDP Übrige202043,9 %13,6 %12,8 %12,3 %7,2 %4,1 %6,1 %201548,5 %7,0 %17,1 %8,8 %8,9 %6,3 %3,4 %201149,7 %6,7 %28,8 % –6,0 %4,6 %6,2 %200834,4 %7,0 %44,7 % –6,5 %4,2 %3,2 %200430,8 %6,3 %50,6 % – –2,6 %9,6 %
Bezirksversammlungswahlen