Der Weißschwanz-Springaffe (Plecturocebus leucometopa) ist eine Primatenart aus der Unterfamilie der Springaffen innerhalb der Familie der Sakiaffen (Pitheciidae). Er ist eng mit dem Roten Springaffen verwandt.
Merkmale Weißschwanz-Springaffen sind wie alle Springaffen relativ kleine Primaten mit dichtem, langem Fell und leicht verlängerten Hinterbeinen. Ihr Fell ist am Rücken und an den Oberarmen und -beinen graubraun gefärbt, stark kontrastierend dazu sind der Bauch, die Unterarme und -beine sowie die Pfoten, die rötlichbraun sind. Der Schwanz ist lang und buschig, er ist im vorderen Teil graubraun gefärbt, das hintere Drittel ist weiß. Er kann wie bei allen Springaffen nicht als Greifschwanz eingesetzt werden. Der Kopf ist klein und rundlich, an der Stirn befinden sich ein weißer und darüber ein schwarzer Querstreifen. Die Haare an den Backen und an der Kehle sind röt.
links|mini|hochkant|Das Verbreitungsgebiet des Weißschwanz-Springaffen Verbreitung und Lebensraum Weißschwanz-Springaffen leben im nördlichen Peru, im östlichen Ecuador und in einem kleinen Gebiet im äußersten Süden Kolumbiens. Ihr Verbreitungsgebiet wird im Süden vom Marañón und im Osten vom Río Ucayali begrenzt. Ihr Lebensraum sind Wälder, sie kommen häufig in Flusswäldern vor.
Lebensweise Über die Lebensweise ist wenig bekannt, sie gleicht vermutlich der des Roten Springaffen überein. Sie sind tagaktiv und halten sich vorwiegend auf den Bäumen auf. Dort bewegen sie sich auf allen vieren und manchmal springend fort. Sie leben in Familiengruppen, bei denen die Partner oft ihr ganzes Leben miteinander verbringen. Diese Gruppen bewohnen feste Reviere, auf die sie andere Tiere durch morgendliche Duettgesänge hinweisen. Ihre Nahrung besteht vorwiegend aus Früchten sowie in geringerem Ausmaß aus Blättern und anderen Pflanzenteilen wie Samen und Blüten. Der Vater beteiligt sich aktiv an der Jungenaufzucht, er trägt das Jungtier herum und bringt es der Mutter nur zum Säugen.
mini|hochkant|Die Zeichnung von Callithrix discolor von Geoffroy Saint-Hilaire zeigt Springaffen ohne weiße Stirn- bzw. Augenbrauenbinde Systematik Der Weißschwanz-Springaffe wurde 1900 durch den spanischen Zoologen Ángel Cabrera Latorre anhand zweier in Ecuador gesammelter Typusexemplare als Callithrix cuprea leucometopa erstmals wissenschaftlich beschrieben. Schon 1848 hatten die Franzosen Isidore Geoffroy Saint-Hilaire und Émile Deville einen Springaffen aus Peru als Callicebus discolor beschrieben. Der britische Mammaloge Philip Hershkovitz hielt beide für eine Art und argumentierte in seinen umfangreichen Revisionen der Springaffen, dass Callicebus discolor der ältere und somit gültige wissenschaftliche Name für die Springaffen in Peru, Ecuador und Kolumbien sei. Er übertrug so den Namen discolor irrtümlich auf die Population mit weißer Stirnzeichnung, die eigentlich der von Cabrera beschriebenen Form Callicebus leucometopa entsprach. Keines der originalen Typusexemplare von C. discolor besitzt die charakteristische weiße Stirnbinde des Weißschwanz-Springaffen. Die Verwechslung wurde erst 2025 bemerkt und der Weißschwanz-Springaffe bekam die wissenschaftliche Bezeichnung Plecturocebus leucometopa. Die Gattung Plecturocebus wurde 2016 für die Springaffen des westlichen und südlichen Amazonasbecks eingeführt. Callicebus discolor ist heute ein Synonym von Plecturocebus cupreus (Roter Springaffe).
Gefährdung Zwar sind sie mancherorts durch die Zerstörung ihres Lebensraums gefährdet, insgesamt zählen Weißschwanz-Springaffen aber laut IUCN nicht zu den bedrohten Arten.[ IUCN-Eintrag]
Literatur Thomas Geissmann: Vergleichende Primatologie. Springer-Verlag, Berlin u. a. 2003, ISBN 3-540-43645-6. Marc G. M. van Roosmalen, Tomas van Roosmalen und Russell A. Mittermeier: A Taxonomic Review of the Titi Monkeys, Genus „Callicebus“ Thomas 1903, with the Description of two New Species: „Callicebus bernhardi“ and „Callicebus stepehnnashi“, from Brazilian Amazonia. In: Neotropical Primates. 10, , 2002, S. 1–52, PDF. J. Vermeer, Julio Tello-Alvarado, Jossy Luna, Anthony B. Rylands (2025). An Update on the Taxonomy and Geographic Distribution of the Northwestern Titi Monkeys, Genus Plecturocebus (Callicebinae). Primate Conservation, (39), 1-38. Don E. Wilson, DeeAnn M. Reeder (Hrsg.): Mammal Species of the World. A taxonomic and geographic Reference. Johns Hopkins University Press, Baltimore MD 2005, ISBN 0-8018-8221-4.
Hazel Byrne, Anthony B. Rylands, Jeferson C. Carneiro, Jessica W. Lynch Alfaro, Fabricio Bertuol, Maria N. F. da Silva, Mariluce Messias, Colin P. Groves, Russell A. Mittermeier, Izeni Farias, Tomas Hrbek, Horacio Schneider, Iracilda Sampaio und Jean P. Boubli: Phylogenetic relationships of the New World titi monkeys (Callicebus): first appraisal of taxonomy based on molecular evidence. Frontiers in Zoology, 201613:10, DOI: 10.1186/s12983-016-0142-4 A. Cabrera (1900): Estudios sobre una colección de monos Americanos. Anales Soc. Esp. Hist. Nat. 2(9): 70–76. I. Geoffroy Saint-Hilaire und E. Deville (1848): Note sur huit espèces nouvelles de singes américains, faisant partie des collections de MM. de Castelnau et Émile Deville. C. R. Acad. Sci. 27: 497–499. Philip Hershkovitz (1963): A systematic and zoogeographic account of the monkeys of the genus Callicebus (Cebidae) of the Amazonas and Orinoco river basins. Mammalia 27(1): 1–79.Philip Hershkovitz (1990): Titis, New World monkeys of the genus Callicebus: a preliminary taxonomic review. Fieldiana Zool. 55: 1–109. J. Vermeer, Julio Tello-Alvarado, Jossy Luna, Anthony B. Rylands (2025). An Update on the Taxonomy and Geographic Distribution of the Northwestern Titi Monkeys, Genus Plecturocebus (Callicebinae). Primate Conservation, (39), 1-38.
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Kategorie:Sakiaffen