Rottenburg am Neckar (schwäbisch Raotaburg; bis zum 10. Juni 1964 nur Rottenburg) ist eine Mittelstadt im Landkreis Tübingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie liegt rund 50 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Stuttgart und etwa elf Kilometer südwestlich der Kreisstadt Tübingen. Nach Tübingen ist sie die zweitgrößte Stadt des Landkreises Tübingen und bildet ein Mittelzentrum für die umliegenden Gemeinden.

Seit dem 1. Mai 1972 ist Rottenburg am Neckar eine Große Kreisstadt. Mit den Gemeinden Hirrlingen, Neustetten und Starzach hat die Stadt Rottenburg am Neckar eine Verwaltungsgemeinschaft vereinbart.

Die Stadt ist Sitz der katholischen Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Geographie mini|hochkant=1.25|Der Neckar in Rottenburg Lage Die Römer- und Bischofsstadt liegt am Übergang des Neckars aus dem engen Tal des Oberen Gäus in ein weites Tal zwischen den Höhen des Schönbuchs im Norden und dem Rammert im Süden. Der Neckar erreicht von Horb und Starzach kommend im Südwesten das Stadtgebiet unweit des Stadtteils Bieringen, den er zunächst durchfließt. Anschließend fließt er in nordöstlicher Richtung an den Stadtteilen Obernau, Schwalldorf und Bad Niedernau vorbei und erreicht dann die Kernstadt. Diese durchfließt er ebenfallsKarin Heiligmann: Sumelocenna – Römisches Stadtmuseum Rottenburg am Neckar. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-1073-X. in nordöstlicher Richtung (die Altstadt liegt am linken Ufer) und verlässt nördlich des Stadtteils Kiebingen das Stadtgebiet in Richtung Tübingen wieder. Er durchfließt das Stadtgebiet auf einer Länge von 14,5 km.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Rottenburg, sie werden im Norden beginnend im Uhrzeigersinn genannt: Ammerbuch, Tübingen, Dußlingen, Ofterdingen, Bodelshausen, Hirrlingen, Rangendingen¹, Starzach, Eutingen im Gäu², Nagold³, Neustetten, Mötzingen⁴, Bondorf⁴ und Gäufelden⁴. Sie gehören zum Landkreis Tübingen beziehungsweise zu den Landkreisen Zollernalbkreis¹, Freudenstadt², Calw³ und Böblingen⁴.

Stadtgliederung Das Stadtgebiet besteht aus der Kernstadt und den im Rahmen der Gemeindereform der 1970er Jahre eingegliederten, in nachfolgender Tabelle aufgeführten Stadtteilen.

Wappen Stadtteil Einwohner (31. Juli 2018) Fläche in ha Eingemeindung 30px|Wappen Rottenburg (Kernstadt) 17.764 4006 30px|Wappen Bad Niedernau 524 410 30px|Wappen Baisingen 1.266 720 30px|Wappen Bieringen 667 686 30px|Wappen Dettingen 1.732 962 30px|Wappen Eckenweiler 561 198 30px|Wappen Ergenzingen 4.315 1004 30px|Wappen Frommenhausen 482 362 30px|Wappen Hailfingen 1.677 751 30px|Wappen Hemmendorf 842 657 30px|Wappen Kiebingen 2.088 518 30px|Wappen Obernau 508 378 30px|Wappen Oberndorf 1.492 614 30px|Wappen Schwalldorf 772 581 30px|Wappen Seebronn 1.705 811 30px|Wappen Weiler 1.065 384 30px|Wappen Wendelsheim 1.639 470 30px|Wappen Wurmlingen 2.600 714

Die eingemeindeten Orte sind zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung, das heißt, sie haben einen von den Wahlberechtigten bei jeder Kommunalwahl neu zu wählenden Ortschaftsrat mit einem Ortsvorsteher als Vorsitzenden.

In der Kernstadt werden zum Teil weitere Wohngebiete mit eigenem Namen unterschieden, deren Bezeichnungen sich im Laufe der Geschichte aufgrund der Bebauung ergeben haben und die jedoch meist nicht genau abgrenzbar sind. Hierzu gehören beispielsweise Kreuzerfeld, Burgäcker/Äuble und Hohenberg.

Ferner gehören zur Kernstadt einige räumlich getrennte Wohnplätze mit eigenem Namen, die sehr wenige Einwohner haben. Hierzu gehören Dürrbachhöfe, Eratskirche, Hammerwasen, Heuberger Hof, Kalkweil, Oberwörthaus, Papier- oder Bronnenmühle, Schadenweilerhof und Weggental. Auch in einigen Stadtteilen gibt es räumlich getrennte kleine Wohnplätze, z. B. in Baisingen (Bühlhof, Fichtenhof und Jungholzhof), in Bieringen (Hennental) und in Weiler (Katzenbacher Ziegelhütte).

Raumplanung Rottenburg am Neckar bildet ein Mittelzentrum innerhalb der Region Neckar-Alb, zu dessen Mittelbereich neben Rottenburg die Gemeinden Hirrlingen, Neustetten und Starzach des Landkreises Tübingen gehören.

Klima

Schutzgebiete

In Rottenburg gibt es mit Kochhartgraben und Ammertalhänge, Burglehen, Oberes Steinach, Trichter-Ehehalde, Rappenberg, Katzenbach-Dünnbachtal, Vollmershalde und Kapfhalde acht Naturschutzgebiete.

Daneben hat Rottenburg Anteil an den sieben Landschaftsschutzgebieten Pfaffenberg, Spitzberg, Heuberg, Vollmershalde, Rammert, Rauher Rammert und Oberes Neckartal mit den Seitentälern Rommelstal, Starzeltal und Eyachtal.

Auch die drei FFH-Gebiete Neckar und Seitentäler bei Rottenburg, Rammert und Spitzberg, Pfaffenberg, Kochhartgraben und Neckar liegen teilweise auf dem Rottenburger Stadtgebiet. Die Stadt hat Anteile an den Vogelschutzgebieten Kochhartgraben und Ammertalhänge, Mittlerer Rammert und Schönbuch.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Frühgeschichte und Römerzeit Rottenburg liegt in einer seit vorgeschichtlicher Zeit dicht besiedelten Region (siehe Urgeschichte Baden-Württembergs). Grabungen wurden in Fundstellen des Mesolithikums (in Siebenlinden), des Neolithikums und der Hallstattzeit durchgeführt.

Vermutlich im Jahre 98 n. Chr. kam mit der Errichtung des Neckar-Odenwald-Limes unter Trajan das Gebiet um Rottenburg unter römische Herrschaft. Die Datierung dieser Eroberung auf die Chattenkriege Domitians in den Jahren 83 und 85 gilt heute als überholt, auch wenn das Gebiet wohl bereits seit dem Bau der Kinzigtalstraße im Jahre 73/74 unter römischem Einfluss stand (vgl. Alblimes, Kaiser Vespasian).

Das Gründungsjahr der römischen Siedlung Sumelocenna (auch: Samulocenis, Samuloconnae) ist unbekannt, das Jahr 98 gilt – analog zur Gründung Rottweils im Jahre 73 – als plausibel. Sumelocenna lag an der römischen Fernstraße Cannstatt – Rottweil (Arae Flaviae) – Hüfingen (Brigobanne) – Schleitheim (Iuliomagus) – Windisch/CH (Vindonissa). Im 2. Jahrhundert n. Chr. wurde Sumelocenna urbanes Zentrum einer Civitas. Diese Gebietskörperschaft ist in ihrer Bedeutung ungefähr mit einem Regierungsbezirk vergleichbar und umfasste wohl das gesamte mittlere Neckarland. Der Name Sumelocenna stammt aus dem Keltischen. Vermutlich bedeutete er Die Leute des Sumelo, einer damaligen keltischen Sippe.

mini|Hypocaust des römischen Bades hinter der Rottenburger Altstadt. Aquarell von General Eduard von Kallee im Herbst 1884Karin Heiligmann: Sumelocenna – Römisches Stadtmuseum Rottenburg am Neckar. Führer zu archäologischen Denkmälern in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1992, ISBN 3-8062-1073-X

Sumelocenna gehörte zu den bedeutendsten Römerstädten im heutigen Baden-Württemberg. Das römische Sumelocenna wurde über eine 7 km lange Wasserleitung mit Quellwasser aus dem Rommelstal versorgt. Im Stadtgebiet gab es mehrere öffentliche Bäder. Im späten 2. oder frühen 3. Jahrhundert nach Christus wurde die Stadt – mutmaßlich zum Schutz gegen Angriffe durch Alemannen oder andere germanische Stämme – ummauert (denkbar ist aber auch, dass die Mauer aus nicht-militärischen Gründen erbaut wurde, wie dies etwa um dieselbe Zeit in Trier geschah). Nur in zwei weiteren Städten in Südwestdeutschland ist eine römische Stadtmauer belegt, nämlich in Ladenburg (Lopodunum) und in Bad Wimpfen im Tal. Die ummauerte Fläche umfasste in Rottenburg wie in Ladenburg rund 32 Hektar, in Bad Wimpfen waren es ca. 19 Hektar.

Bald nach heftigen Kämpfen am Limes im Jahre 259/260 n. Chr. und der anschließenden militärischen Räumung des Dekumatlandes ging das römische Sumelocenna unter. Der Bischofssitz in Rottenburg stammt erst aus dem 19. Jahrhundert, er ist deswegen (anders als bei anderen Römerstädten wie etwa Chur oder Worms) kein Hinweis auf eine Siedlungskontinuität in der Spätantike.

In alemannischer Zeit verlagerte sich das Siedlungszentrum etwas nach Osten, wo der Ort Sülchen entstand. Die Herleitung des Ortsnamens Sülchen aus einer vulgärlateinischen Form Sulocenna gilt als möglich. Im alten römischen Stadtgebiet sind zwar einige alamannische Sonderbestattungen, aber keine Siedlungsreste bekannt. Offenbar verfiel die alte Römerstadt.

Im deutschsprachigen Raum gibt es mehrere Städte mit dem Namen Rottenburg. Meistens bedeutet dieser Name eine aus Ziegelsteinen errichtete rote Burg bzw. rote Stadt (althochdeutsch burg: (ummauerte) Stadt). Mit zwei t geschrieben könnte dieser Name aber auch zerstörte, verfallene Stadt bedeuten, was im Falle von Rottenburg am Neckar für die mutmaßliche Entstehungszeit des Namens im frühen Mittelalter durchaus passen könnte (vgl. Rottweil und Kastelruth sowie die nach ehemaligen Römerkastellen benannten Städte Neckarburken und Osterburken). Eine Übertragung des Burgnamens der vermutlich im 11. Jahrhundert erbauten Rotenburg auf den Namen einer vormaligen Siedlung Rotenburg, die der späteren Stadt Rottenburg den Namen gab, ist ebenfalls denkbar.Franz Quartal: Graf Albrecht II von Hohenberg. In: Graf Albrecht II und die Grafschaft Hohenberg. 2001, S. 24

Mittelalter und frühe Neuzeit mini|hochkant=0.55|Marktbrunnen (1482/83) Die Siedlung Rottenburg wird in einer Urkunde von 1274 erstmals auf eine eindeutige Weise erwähnt, in der ein „Konrad, genannt Herter“, als Rottenburger Bürger, als „civis in Rotenburg“ bezeichnet wird.: „Cůnradus dictus Herter civis in Rotenburg“ Dass sich mit dieser Erwähnung dieses „Bürgers“ bereits ein Hinweis auf eine Stadt Rottenburg finden ließe, gilt mittlerweile als strittig. Franz Quartal: Graf Albrecht II von Hohenberg. In: Graf Albrecht II und die Grafschaft Hohenberg. 2001, S. 25

Um das Jahr 1280 gründete Graf Albrecht II. von Hohenberg eine neue Stadt, eine civitas nova, in der Nähe dieser Siedlung. Die Chronisten der Sindelfinger Annalen schrieben über das Jahr 1280: „In diesem Jahr begann man mit dem Bau der neuen Stadt bei Rottenburg, mit Mauern und neuen Gebäuden“.Annales Sindelfingenses 1083–1483, hrsg. von Hermann Weisert, Sindelfingen 1981, S. 113, zit. n. Franz Quartal: Graf Albrecht II von Hohenberg, ebd., S. 26: „Civitas nova prope rotinburch muris et novis aedificiis fuit in coata“

Diese neue Stadt, die schon 1291 „rothinburch“ genannt wurde, wurde als der Verwaltungsmittelpunkt der Grafschaft Hohenberg ausgebaut – eine Folge der beständigen Gebietserweiterungen der Hohenberger in Richtung Neckartal. Im Jahr 1292 wurde die Hohenberger Stiftung des Karmeliterklosters in der Stadt durch den Bischof von Konstanz in seinen Rechten bestätigt. Im Jahr 1296 wurde erstmals der erste der beiden Stadttürme erwähnt, im Jahr 1315 die Ringmauer der Stadt und zwei Jahre später die Neckarbrücke, die den freien Zugang zu der späteren Spitalstadt ermöglichte.

1381 wurde Rottenburg als Teil der Grafschaft Hohenberg an die Habsburger verkauft. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts erlebte Rottenburg eine besondere kulturelle Blüte, nachdem Mechthild von der Pfalz die Stadt nach dem Tod ihres zweiten Ehemanns, Erzherzog Albrecht VI. von Österreich († 1463), des Bruders von Kaiser Friedrich III., zu ihrem Witwensitz erkoren hatte. Sie richtete dort einen Musenhof ein und sammelte Dichter, Musiker, Gelehrte und Künstler um sich. Im Jahr 1477 überredete Mechthild ihren Sohn Eberhard zu einer Universitätsgründung in Tübingen. Herzog Carl Eugen (1728–1793) nannte die Hochschule „Eberhard Karls Universität Tübingen“. Diese glanzvollen Zeiten endeten mit Mechthilds Tod 1482.