360px|rechts Die Liste Lübecker Domherren führt bekanntere Domherren des Domkapitels des Lübecker Doms, das mit Verlegung des Bistums 1160 gegründet wurde. Es bestand nach der Reformation noch bis in das 19. Jahrhundert fort, und zwar nach einem festen Schlüssel aus evangelischen und zuletzt jeweils vier katholischen Domherren. Der letzte Domherr verstarb erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Ländereien des Kapitels lagen nach der Reformation größtenteils im Hochstift Lübeck, allein die innerhalb der Lübecker Landwehr liegenden Kapitelkirchdörfer (wie Genin) lagen im Landgebiet der Hansestadt und unterstanden bis 1803 der Jurisdiktion und Verwaltung des Kapitels. Die Liste ist eine Auswahl von Artikeln in der Wikipedia und keineswegs abschließend.
Römisch-katholisches Bistum Lübeck Lübecker Domherren 1160–1571 Name Beruf Domherr Anmerkungen Abbildung Marold Schreiber um 1225 Veränderte das Barbarossa-Privileg in einer von ihm gefertigten Abschrift im Interesse der Stadt Lübeck 70px|zentriert Dietrich 1229–23. August 1239 Ab 1240 Bischof in Schwerin. Bruno von Schauenburg 1229 Ab 1245 Bischof in Olmütz. 70px|zentriert Siegebod Schack 15. März 1234–24. Oktober 1259UB St Lüb 1 Nr. 59, 143. Seit 1248 Propst zu Lübeck, 1240–1251 Domherr zu Schwerin. Johannes von Tralau um 1250 ? 70px|zentriertAlbrecht Graf von Schaumburg und Holstein 1266 gest. 1300 Nikolaus III. (Mecklenburg) 9. Januar 1266Urkundenbuch des Bisthums Lübeck Nr. 178. Seit 28. Juni 1271 Propst, ab 6. Mai 1285 Minorpräbende des Lübecker Domkapitels. Volrad von Crempa 27. Oktober 1273–9. August 1296.UB Bt Lüb Nr. 232. 1280–1296 Domherr zu Schwerin. Hermann von Mohr (Morum) um 1290 Erster Bauherr der Domherrenkurie, die als letzte von ursprünglich dreizehn verblieben ist, heute Schloss Rantzau. Johann Livio um 1292 Dekan († 1292) und Stifter der beiden sog. Livonisten-Präbenden (Sie berechtigten nur zu Einkünften, aber nicht zu Sitz und Stimme im Kapitel.) Johann Gans zu Putlitz 14. März 1306–2. Februar 1314 Ab 11. Dezember 1304 Vikar zu Lübeck, 1323–1331 Bischof von Schwerin. Leo von Erteneburg 21. Juli 1312–1. Februar 1320 Wegen Streitigkeiten mit dem Bremer Erzbischof von Papst Johannes XXII. nach Rom zitiert. Burkhard von Serkem † 1317 Hauptpastor an der Lübecker Marienkirche vor 1276 Ab 1276 Bischof von Lübeck. 70px|zentriert Heinrich II. Bochholt † 1341 seit 1308 Ab 1308 Domdechant, 1312 Dompropst und 1317 gewählter Bischof von Lübeck. 70px|zentriert Johannes Mul † 1350 vor 1315 Bischof in Lübeck von 1341 bis 1350, starb an der Pest. Doppelgrabplatte aus Messing gemeinsam mit Bischof Burkhard von Serkem. 70px|zentriert Nikolaus von Stralendorf 25. Februar 1319–4. Juni 1333 seit 1323 auch Domherr zu Schwerin. Wilke von Kraack seit 30. Juni 1319 Vom 7. März 1327 an Dekan zu Lübeck, 1328 vom Lübecker Bischof seiner Ämter enthoben.Urkundenbuch Bisthum Lübeck Nr. 622, S. 788. Andreas Stephani 1320 Heinrich von Dassow (Dartzow) 1321 Am 26. Juli 1321 verlieh ihm Papst Johannes XXII. ein Kanonikat mit Expektanz auf eine Dompräbende und die Domkantorei zu Lübeck.MUB XXV. A (1936) Nr. 13948. Heinrich I. von Bülow 14. Februar 1326–7. Dezember 1333Mecklenburgisches Urkundenbuch MUB VII. (1872) Nr. 4696, MUB VIII. (1873) Nr. 5467. Fungierte 1332 als Bevollmächtigter des Domkapitels bei Güterstreitigkeiten, 1339–1376 Bischof in Schwerin 70px|zentriert Dietmar Schulop 8. April 1327–11. Januar 1331Urkundenbuch des Bisthums Lübeck Nr. 525. 1321–1331 als Syndicus im Dienst des Lübecker Rates, seit 7. Dezember 1321 auch Schweriner Domherr. Hinrich von Alverstorp 1329 Gerhard von Lochem 1331–1341Urkundenbuch der Stadt Lübeck 2 Nr. 825, 3 Nr. 102. Heinrich von Bülow 25. Mai 1333–13. August 1376MUB IX. (1875) Nr. 10913. Urkundenbuch des Bisthums Lübeck 577. Beim Streit um die Rückgabe der den Bülows verpfändeten Stiftsgüter mit dem Schweriner Bischof verwickelt und mit Kirchenbann belegt.Ernst Deecke: Nachrichten zur Geschichte des Bisthums Schwerin, in: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde, Bd. 21 (1856), S. 180–181 (Digitalisat) Johann von Uelzen 1334 Johann de Ponte 1345–1. September 1347Urkundenbuch der Stadt Lübeck 2 Nr. 872. 1345–1348 an der Universität Bologna immatrikuliert.G. Knod: Deutsche Studenten in Bologna (1289–1562) Berlin 1899. Paul Hake 1. Oktober 1345–21. April 1358Urkundenbuch der Stadt Lübeck 2 Nr. 823. MUB XIII. (1884) Nr. 8075. Führte vom 16. März 1349–30. Mai 1350 Prozess um seine Pfründe. Dietrich von Wittingen 1348 Am 26. Januar 1348 wurde ihm das Dekanat zu Lübeck verliehen,MUB XXV. A (1936) Nr. 14283. bis zum 25. Januar 1360 als Dekan nachweisbar. Nikolaus Hut 23. Juni 1348–17. September 1355MUB XXV. A (1936) Nr. 14292. Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim 5. Nr. 611 Verlor am 4. April 1348 den Prozess um eine Dompräbende zu Lübeck. Konrad Campsor (Wechsler) 21. Mai 1350–26. Juli 1367 1335 päpstlicher Richter Heinrich von Vemern 20. Juni 1351 vorher Prokurator an der päpstlichen Kurie in Avignon, ab 1351 auch Domherr in Schwerin Jakob von Crumbeck 16. Mai 1352–1387 1345–1374 Domherr zu Hamburg, ab 1352 auch Domherr zu Schwerin. Lambert Kröpelin 1352–1363 1352 auch Dekan zu Güstrow und 1357 zu Bützow, 1363 providierte ihn der Papst mit einer Domherrenstelle zu Halberstadt. Albert Goldgemak 1355 Goswin Borentin um 1372 Am 25. August 1372 als Lübecker Domherr nachweisbar.Schleswig-Holstein (Lauenburg)ische Regesten und Urkunden (SHRU) 4. Nr. 1459. Eberhard von Attendorn 1356–1387 1387–1399 Bischof zu Lübeck Konrad Vorrade 1358 Hinric Biscop 1360 Johannes von Klenedenst 1361 Bischof von Lübeck Johannes Borgermester 15. März 1361–24. April 1368MUB XIV. (1886) Nr. 8599, MUB XV. (1890) Nr. 8850, MUB XVI. (1893) Nr. 9779. Vertrat 1359–1360 Herzog Albrecht II. im Streit mit dem Lübecker Domkapitel, dem er danach angehörte Johannes Bretling 1362 Johannes von Rostock 1363 1381 bacc. Art. Prag Hermann von Rostock 1366 Anton von Plessen 1367 † 1367 Marquard Bermann 1367 1353–1375 Propst des Benediktinerinnen/Prämonstratenserinnenklosters Rehna, 1376–1378 Bischof von Schwerin Werner von Bülow 1374 Als Domherr von Lübeck und Schwerin 1374 an der Universität Bologna immatrikuliert. Albert Rodenborch 1381 1376 bacc. Art. Prag. Ratssekretär in Lübeck. Gesandter der Hanse in Flandern. Heinrich Wolers 1380 1355–1376 Prag, zuletzt Mag. Art. Johann von Gatzekow 1391 (?) Wahrscheinlich aus Greifswalder Ratsfamilie, 1380 Domherr (Vizedominus) Kammin. 1386 Kanoniker Kolberg; 1386 bacc. Dect., 1393 immat. Jur. Uni. Prag, 1401 Dr. dect. Ab 1395 Inhaber des Dekanats von Lübeck, 1398 Tausch gegen die Propstei zu Lübeck Johannes Hundebeke 1390 70px|zentriert Siegfried von Urden 1390 1377 bacc. Art Prag Nikolaus de Insula (vom Werder) 29. Mai 1393–1409 Dompropst Hermann Dwerg 1400–1430 resignierte 1427/28 als Domscholaster Albrecht Gotgemak vor 1403 Eckhard von Oldendorp 1. Februar 1403–5. Mai 1408 Ab 1390 Domherr von Verden und Schwerin. Gotfridus van der Krempen um 1407 Berthold Rike 1409–1436 Dompropst Borchardus de Osta 1416–1463 Johannes Bonrade † 1448 1417 Rechtswissenschaftler, Professor in Paris, Angers Rostock und Köln Johannes Schele † 1439 nach 1413 und vor 1420 Bischof von Lübeck ab 1420. Bedeutender Kirchenpolitiker. Starb an der Pest auf Reisen in Ungarn. 70px|zentriert Johann Wolteri 1429–1440 Auch Domherr zu Schwerin. Johannes Walling 1436 Nikolaus Sachau 1437 Heinrich Bentzin stammte aus Lübeck, war seit 1437 Sekretär und Kanzler der Grafen von Schwerin; ab 1448 Schreiber der Herzöge von Mecklenburg; war Pfarrer an St. Jacobi in Rostock; Archidiakon in Rostock; Mitreformator des Johannisklosters in Rostock; herzoglicher Rat, Notar, Sekretär und Kaplan; Subkonservator der Universität Rostock; 1487 Dekan des neugegründeten Universitätsstifts in Rostock; begraben im Lübecker Dom Nicolaus Böddeker 1440 1444–1457 Bischof von Schwerin, 3. September 1459 im Lübecker Dom bestattet. Gottfried Lange 1440 1457–1458 Bischof von Schwerin Ludolf Quirre Anfang der 1440er 70px|zentriertArnold Westphal 1444 70px|zentriert Konrad Loste 1450–1495 1482–1503 Bischof von Schwerin 70px|zentriert Albert von Krummendiek Anfang der 1450er ? 70px|zentriertWerner Wolmers 1455–1458 1458–1473 Bischof von Schwerin Moritz III. (Oldenburg-Delmenhorst) Erwähnung 1456 Nikolaus van der Molen † 1464 Sohn des Lüneburger Ratsherren Johannes von der Molen († 1423). Grabplatte im Dom 70px|zentriertVolkmar von Anderten 1463 Aus Hannover, Offizial des Kapitels und Begründer der Ratsbibliothek Hannover. Grabplatte im Lübecker Dom. Wilhelm Westphal 1460er (?) 70px|zentriert Arnold Sommernat Mitte der 1460er (?) Thomas Grote vor 1472 70px|zentriert Johannes Osthusen 1475 Levo Leve um 1480 Dietrich von Bülow 1482 70px|zentriert Dietrich Arndes 1488 Johannes Brandes 1493 Adolf Greverade 1497 70px|zentriert Bernhard Sculteti 1499 Johannes Grimholt um 1500 ? 70px|zentriert Franz Diemann um 1500 ? Johannes Rode 1508 70px|zentriert Heinrich Bockholt 1508 70px|zentriert Ketel (Propst) 1510 Henning Osthusen 1513 Franz Grambek † 1536 1514 Johannes Pumpel † 1544 1515 Jordan Basedow 1515 Zutfeld Wardenberg 1515 Johann Knutzen 1520 Georg von Blumenthal 1521 70px|zentriert Hieronymus Wigerinck 1524 Berthold Boldewin † 1539 1525 Bernhard Cloenewinkel † 1548 1528 70px|zentriertPaulus van dem Velde 1528 Johannes Tiedemann † 1561 seit 1530 Dekan seit 1548, 1559–61 Bischof von Lübeck. Doppelepitaph gemeinsam mit seinem Bruder Christoph und Bronzegrabplatte im Dom. 70px|zentriert Bertold Bischopinck vor 1534 Jodokus Hodfilter seit den 1530ern ? 70px|zentriertJohannes von Weeze 1540 70px|zentriert Peter Gercken 1540 Andreas Angerstein 1545 1561 Dekan 70px|zentriert Christoph Tiedemann † 1561 vor 1XXX 1545 Sekretär des Erzbischofs von Bremen. Domherr in Lübeck und im Kapitel des Ratzeburger Doms. Gemeinsames Epitaph mit seinem Bruder Johannes im Lübecker Dom. 70px|zentriert Johannes Holthusen * um 1510, † 1586 seit 9. September 1547 Kantor und seit 1570 Dekan. Epitaph im Dom. 70px|zentriertTheodor von Rheden 1551 Richard von Wolde 1573 Auch Domherr zu Hamburg Augustinus van Ghetelen 1557 Letzter Lektor, auch Domherr zu Riga und Domdekan zu Ösel
Hochstift und Zeit der protestantischen Fürstbischöfe Dompröpste Der Dompropst vertrat das Kapitel nach außen und war dessen erste Dignität. Im nachreformatorischen Lübeck bestand der Sonderfall, dass der Rat schon seit 1505 durch päpstliches Privileg ein Präsentationsrecht innehatte. Im Vergleich zwischen Rat und Domkapitel von 1595 wurde vereinbart, dass die Pröpste abwechselnd vom Kapitel gewählt und vom Rat präsentiert werden. Die städtischen Dompröpste, in der Regel zugleich Ratssyndici, erhielten die Einkünfte, waren aber wegen ihres Interessenkonflikts von der Mitwirkung im Kapitel ausgeschlossen und galten nicht als Domherren.Prange (Lit.), S. 428