mini|Ostfassade der Villa Waldrich mit Haupteingang, 2011 mini|Nordwestliche, talwärts gelegene Gartenseite des Hauses mini|Blick auf Siegen vom Balkon der Villa Waldrich Die Villa Waldrich ist ein ehemaliges großbürgerliches Wohnhaus in der Stadt Siegen, Hohler Weg 1, das 1879 im Stil der Neorenaissance erbaut und nach erheblichen Schäden im Zweiten Weltkrieg stark verändert wurde. Heute sind die Räume der Villa für unterschiedliche Zwecke vermietet.
Geschichte Die Villa wurde am Südwesthang des Siegener Giersbergs durch den Unternehmer Heinrich Klein, einen Mitbegründer der Siegener Maschinenbau-AG (SIEMAG), als Familiensitz errichtet. Das dreigeschossige Gebäude mit zusätzlichem, zur Hangseite hin freistehendem Kellergeschoss wurde nach Plänen des Architekten Wilhelm Bovensiepen in (Essen-)Kupferdreh ausgeführt, sein Entwurf folgte stilistischen Vorbildern der italienischen Frührenaissance.
Im Jahr 1938 wurde die Villa von dem Siegerländer Unternehmer Oskar Waldrich als Familiendomizil erworben und dem veränderten Zeitgeschmack entsprechend umgebaut. In den folgenden Jahren diente das nun Villa Waldrich genannte Haus nicht nur als Familiensitz, sondern vor allem auch als Gästehaus für das Unternehmen Waldrich. Zahlreiche internationale Geschäftspartner wurden dort beherbergt, da Hotels in Siegen zu der Zeit rar waren. So wurde die Villa Waldrich zu einem Treffpunkt der europäischen Industrie.
Am 16. Dezember 1944 wurde die Villa beim Luftangriff auf die Stadt Siegen von Brandbomben getroffen und brannte nahezu völlig aus. Die Familie Waldrich hatte in einem Erdbunker im Garten Zuflucht gefunden, die rund 20 Insassen überlebten einen Sprengbombeneinschlag unmittelbar neben dem Rundbunker.
1950 baute der Architekt Ernst Kuhn, der vor dem Krieg schon das Siegener Apollo-Kino entworfen hatte, Erdgeschoss und Untergeschoss der Villa Waldrich wieder auf und platzierte eine auffällige Lichtkuppel dort, wo früher das Treppenhaus ins Obergeschoss geführt hatte. In der Folgezeit diente die Villa Waldrich verschiedenen Zwecken, unter anderem wurde sie auch als Gästehaus der Universität Siegen genutzt.
1981 wurde die Villa Waldrich zum Zentrum des Austauschs zwischen Universität und Region sowie Domizil des Siegener Kunstvereins. In den folgenden Jahren entwickelte sie sich zu einem weit über die Grenzen der Region bekannten Kunst- und Ausstellungszentrum. Namhafte, aber auch unkonventionelle Künstler präsentierten ihre Werke der Öffentlichkeit. Auch Autorenlesungen und andere kulturelle Veranstaltungen fanden ein aufmerksames Publikum.
Zu Beginn der 1990er Jahre musste die kulturelle Arbeit in der Villa eingestellt werden, nicht zuletzt auch wegen des schlechten Gebäudezustands.
Die Villa Waldrich und der angrenzende Grund wurden von einem Investor aus dem Lahn-Dill-Kreis erworben und ab Beginn des Jahres 1999 nach Plänen des Siegener Architekten Friedmund Delius in den jetzigen Zustand umgebaut. In einer Verbindung von Tradition und Moderne wurde die Villa Waldrich auf ihre ursprüngliche Höhe von drei Geschossen über Niveau des Hohler Weg aufgestockt.
Von 2000 bis 2013 wurde die Villa von der Werbeagentur conception und anderen Mietern genutzt.conception.cc: Ehemaliger Mieter der Villa Waldrich, abgerufen am 28. November 2014. Agenturgründer Wolfgang Weißwolfgangweiss.de: Offizielle Internetpräsenz Wolfgang Weiß, abgerufen am 28. November 2014. stellte dort bis Ende 2008 auch expressionistische Kunstwerke der so genannten Verschollenen Generation aus.
Weblinks Informationen über die heutige Nutzung der Villa Waldrich
Einzelnachweise
Waldrich Kategorie:Bauwerk in Siegen Kategorie:Erbaut in den 1870er Jahren Kategorie:Wohngebäude im Kreis Siegen-Wittgenstein