mini|St. Konrad vom Südwesten, rechts Pfarrzentrum mini|Westseite, Blick über den Heinrich-Lang-Platz auf die Nordwest- und Südwestfenster mini|Südseite St. Konrad, deutlich die tiefgeschwungene Dachform zwischen den Hochpunkten im Osten und Westen
St. Konrad ist eine Kirche mit Pfarrzentrum, Pfarrsaal, Pfarrhaus, Kindergarten, Jugendzentrum und einem alten Schwesternhaus und ist der Mittelpunkt der gleichnamigen katholischen Pfarrgemeinde im Stadtteil Speyer-Nord von Speyer. Namenspatron ist der Heilige Konrad von Parzham. Die Kirche und das Pfarrzentrum mit Jugendzentrum im Keller des Pfarrzentrums und Kindergarten sind ein typisches Zeugnis der Betonarchitektur der 1970er-Jahre. Der heutigen Kirche von 1969 ging eine Kirche gleichen Namens aus dem Jahr 1934 voraus. Enge ökumenische Beziehungen bestehen zur benachbarten evangelischen Gemeinde der Christuskirche. Im Glockenhaus des Kirchturms lebt im Sommer eine große Kolonie Fledermäuse.
Neubau Gründe Während der 1960er-Jahre wuchs der erst 1932 entstandene Stadtteil Speyer-Nord stark. Aus etwa 300 Katholiken 1932, etwa 400 (1933), etwa 500 (1935) und 652 (1938) wurden 1.208 im Jahr 1951 und 1.642 im Jahr 1959.Ferdinand Schlickel (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Konrad 1969/1994. Progressdruck, S. 9. Zusätzlich zogen im Dezember 1962 bzw. Januar 1963 die Fallschirm-Pionierkompanie 260 aus Mannheim und das Fallschirm-Artilleriebataillon 265 aus Großengstingen in eine neu errichtete Kaserne nördlich der Siedlung. Der Zuzug von ca. 550 katholischen Soldaten mit ca. 150 kath. Familienangehörigen führte zur Errichtung eines kath. Militärseelsorgebezirkes für die Standorte Speyer, Germersheim, Bad Bergzabern, Landau und Neustadt mit Sitz in Speyer und St. Konrad als Garnisonkirche. Pfarrer Josef Keiser und der Kirchenrat entschieden sich für den Abriss der alten als zu klein empfundenen Kirche und einen Neubau.Ferdinand Schlickel (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Konrad, 1969/1994. Progressdruck, S. 19–20.
Am 1. Mai 1963 wurde Militärpfarrer Oswald Simon mit der Seelsorge im Bezirk vertraut und St. Konrad Garnisonskirche.Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 25.
Architekt und Bauplanung Als Architekt wurde Oberbaurat Alois Atzberger vom Bischöflichen Bauamt ausgewählt. Atzberger plante eine Anlage von 22 auf 32 Metern in Sichtbeton. Daneben stellte er in die Südwestecke einen rechteckigen 22 Meter hohen Glockenturm ebenfalls in Sichtbeton.
Im Innenraum bilden drei große Bankblöcke und ein kleiner mit geraden Holzbänken und 600 Sitzplätzen einen Halbring um einen Betonaltar, einen Beton-Tabernakel, Beton-Sedilien und Beton-Ambo. Auch der Taufstein und die Marienfigur von Jakob Adlhart sind aus Beton gefertigt. Der Kirchenraum wird überwölbt von einer Spannbetondecke, die sich hinter dem Altarraum auf der Ostseite an zusammenlaufenden Wänden und ebenso gegenüber auf der Westseite zu einer Höhe von 16 Metern aufschwingt. Von diesen beiden Höhepunkten im Osten und Westen schwingt sich die Decke um vier Meter zur Mitte nach unten.Ferdinand Schlickel (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Konrad, 1969/1994. Progressdruck, S. 20.
Alois Atzberger schrieb 1969:
Dem Besucher dieser Kirche wird die konstruktive Tendenz der Gegenwartskunst erkennbar, zumal gleichsam aus dem Material Beton herausgeholt wurde, was in ihm steckt. Es wurden keine kostbaren, von Künstlerhand verarbeiteten Materialien zur Ausschmückung verwendet. Alle Einzelteile sind vom Entwurfsverfasser gestaltet und ordnen sich der Architektur unter. Abstraktion, systematisches, mathematisches Denken wird anschaulich erlebbar, eine konstruktive Möglichkeit demonstrativ ausgeschöpft. Alles Gestalten bleibt, wie in der gesamten konstruktiven Richtung auf ein Material beschränkt. Es konzentriert sich ganz auf den Beton, den konstruktiven Ausgangspunkt der Form. ... Bei aller Einfachheit und Einheitlichkeit des Raumes wird, ... , der Altar doch deutlich Mittel- und Höhepunkt des Raumes, ja die ganzen Raumgestaltung will das Geschehen auf dem Altar der Gemeinde näher bringen.Alois Atzberger: Der Altar – Mitte und Höhepunkt des Raumes. In: Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 43.
Betonplastik Für den Bereich hinter dem Altarraum wurde von dem Salzburger Professor Jakob Adlhart eine rechteckige 14 Meter hohe monumentale Betonplastik konzipiert. Oben thront als Symbol des Überirdischen das Lamm Gottes. Darunter symbolisieren rechts Fabrikanlagen und Fabrikschlote die irdische Welt, links Hochhäuser, ein Fernsehturm und im Vordergrund die alte St. Konradskirche. Im unteren Bereich sind links Dreiecksstrukturen zu erkennen, die an Mineralien oder Felsen denken lassen, rechts meint man Fische im Wasser zu erkennen. Die massive Betonstruktur ist durchbrochen im Mittelteil mit einer ovalen Form, zur Herausarbeitung des mittig gestellten Lammes oben und im oberen Bereich mit weiteren schlanken Durchbrüchen.
Baugeschehen Die Arbeiten begannen am 15. August 1967. Eine Besonderheit ist, dass zunächst vom alten St. Konrad-Kirchlein nur der überdachte Eingang und die Empore abgerissen wurden (ca. ein Drittel des Baus). Die provisorisch verschlossene Kirche wurde während des Baugeschehens weiter für die Gottesdienste genutzt, und zwar bis zum Passionssonntag 1969. Der Grundstein wurde von Domkapitular Josef Schwarz am 22. Oktober 1967 gelegt. Mit der Palmweihe am 30. März 1969 nahm die Gemeinde Abschied von der alten Kirche, die bald darauf abgerissen wurde, und zog in die neue. Die Kirchweihe erfolgte am 19. Oktober 1969 durch Bischof Friedrich Wetter.Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 26–28. In den Altar schloss er Reliquien der heiligen Märtyrer Faustus und Felix aus der alten Vorgängerkirche ein.Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 30, 31. Für den Bau der Kirche wandte die Bischöfliche Finanzkammer 950.000 DM auf. Wegen der Nutzung als Garnisonskirche trug das Bundesministerium der Verteidigung 23 % der Bausumme.Ferdinand Schlickel (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Konrad, 1969/1994. S. 20.
Pfarrzentrum Der zweite Bauabschnitt, das Pfarrzentrum wurde am 20. Juni 1969 begonnen. An der südlichen Ostseite der Kirche schließt sich, entlang des Nußbaumwegs, ein teilunterkellerter Flachbau an mit den Nutzungen (von West nach Ost): Sakristei, drei Versammlungsräume und Teeküche (darunter Jugendzentrum mit Tischtennisraum samt Nebenraum und zwei Gruppenräumen.), Kindergarten (vier Räume à 25 Kinder, Förderraum, Büro und ein Gymnastikraum). Das ebenfalls von Alois Atzberger geplante Pfarrzentrum wurde unter Leitung von Architekt Ernst Imo gebaut. Geweiht wurde das Zentrum, dessen Baukosten 800.000 DM betrugen, am 16. April 1972 von Domkapitular Prälat Bruno Thiebes.Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 33–34.
Kreuzweg Im Jahr 1974 wurde die Westwand mit einem Kreuzweg von 15 Bildern geschmückt. Die Emaillebilder stammen von Pfarrer Herman Matthes (Neuhofen).Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 40, 41.
Orgel
Nachdem lange die Kirchenmusik von einer Kleinorgel unterstützt wurde, wurde am 26. November 1978 eine große Orgel geweiht, welche die Gemeinde von der Pfarr- und Zisterzienserkirche Eußerthal gekauft hatte. Die Orgel wurde an der Westseite der Kirche hinter den dem Altar auf der Ostseite zugewandten Gläubigen eingebaut. In diesem Bereich ist seither auch der Kirchenchor, die Singgruppe oder die Band platziert. Die Kosten für das Instrument wurden von der Gemeinde im Laufe von fünf Jahren aufgebracht und zwar parallel zur Finanzierung der Ausbildung eines Priesters in der Dritten Welt.Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 34
Josefskapelle Auf der Südseite des Kirchenraums wurde im Bereich des früheren Standorts der Kleinorgel und des Kirchenchors für Werktagsgottesdienste eine Kapelle mit 40 Plätzen abgetrennt. Diese wurde am 1. Mai 1981, dem Kirchenfest „Josef der Arbeiter“ von Domdekan Bruno Thiebes zur Josefskapelle geweiht. Die Stirnseite der Kapelle ist mit einem Christusrelief, umgeben von den vier Evangelisten, von Helmut Schollenberger ausgestattet. An der Längsseite wurde Schollenbergers Fries Gestalten des Glaubens – Noah, Abraham, Jakob und Moses angebracht. An der Trennwand zur Kirche befinden sich in der Kapelle Bilder von Pfarrer Hermann Matthes mit eucharistischen Motiven, auf der Außenseite Motive aus der Geheimen Offenbarung.Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 37.
Fenster
Ursprünglich bestanden die großen Fensterflächen aus einfachem Glas. Die farbigen Flächen auf der Innenseite bestanden aus eingefärbtem Glasseidengewebe, das dann mit Kunstharz getränkt wurde.Willi Philippe: Der Kirchenbauverein – was soll der? In: Ferdinand Schlickel (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Konrad, 1969/1994. S. 39. Diese Fenster waren laut Alois Atzberger das Ergebnis langer Versuche auf einfache Weise eine Schallabsorption zu erreichen. Es sei mit Ihnen möglich, allzu große Nachhallzeiten von Betonkörpern durch starke Absorption nahezu zu normalisieren.Alois Atzberger: Der Altar – Mitte und Höhepunkt des Raumes. In: Ferdinand Schlickel, Helmut Schollenberger, Hermann Hemmerich, Günther Ableiter (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 50 Jahre St. Konrad in Speyer. 1934–1984. S. 43.
Im Lauf der Zeit lösten sich die Fensterrahmen aus der Verankerung mit dem Beton und den Stahlstützen. Wasser drang in den Beton und den Innenraum der Kirche ein. Versuche zeigten, dass der beschädigungslose Ausbau der farbigen Teile der Fenster nicht möglich war. Daraufhin entschloss sich die Gemeinde, nach der Sanierung der Fenster eine neue Bleiverglasung zu realisieren. Als ausführender Künstler wurde Thomas Münzer gewonnen.Willi Philippe: Der Kirchenbauverein – was soll der? In: Ferdinand Schlickel (Red.), Kath. Pfarramt St. Konrad (Hrsg.): 25 Jahre Kirche St. Konrad, 1969/1994. S. 39.
Bauprobleme