mini|Eva Högl (2026) Eva Alexandra Ingrid Irmgard Anna Högl, geb. Kampmeyer (* 6. Januar 1969 in Osnabrück) ist eine deutsche Politikerin (SPD). Seit 2025 ist sie Senatorin für Inneres und Sport der Freien Hansestadt Bremen. Davor war sie von 2020 bis 2025 Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages und von 2009 bis 2020 Mitglied des Deutschen Bundestages und dort ab 2013 eine der stellvertretenden Vorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion.

Herkunft, Beruf und Privates Högl wuchs im Bad Zwischenahner Ortsteil Ofen auf und machte im Jahr 1988 ihr Abitur am Gymnasium Bad Zwischenahn-Edewecht. Sie absolvierte ein Jura-Studium und war wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Osnabrück. Im Jahre 1997 promovierte sie über europäisches Arbeits- und Sozialrecht. Nach ihrem Referendariat am Oberlandesgericht Oldenburg und dem zweiten juristischen Staatsexamen arbeitete sie in den Jahren 1999 bis 2009 im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, ab 2006 als Leiterin des Referates für europäische Beschäftigungs- und Sozialpolitik.

Högl ist evangelisch und seit 2001 verheiratet. Sie wohnt im Sprengelkiez in Berlin-Wedding in einem von ihr und ihrem Mann verwirklichten Bauprojekt.Olaf Wedekind: Sozi Steinbrück wohnt jetzt im roten Wedding. In: B.Z., 26. Mai 2013.

Politische Laufbahn Partei Högl trat im Jahr 1987 der SPD bei. Als Vertreterin des reformsozialistischen Juso-Flügels war sie von 1991 bis 1995 stellvertretende Bundesvorsitzende der SPD-Jugendorganisation. Sie war in den Jahren 1997 bis 2001, 2009 bis 2011 und 2017 bis 2019 Mitglied des SPD-Parteivorstands. Sie absolvierte von 2007 bis 2009 die „Führungsakademie der sozialen Demokratie“ der SPD.https://parteischule-wiki.spd.de/_media/praxis:ausschreibung_fuehrungsakademie_2020_web.pdfFellows der Führungsakademie der sozialen Demokratie (2007 - 2015), Parteischule im Willy-Brandt-Haus, November 2015.

Im niedersächsischen Landtagswahlkampf 2008 gehörte sie dem Kompetenzteam des sozialdemokratischen Ministerpräsidenten-Kandidaten Wolfgang Jüttner als „Schattenministerin“ für Regionalentwicklung und Europa an.

Von 2007 bis 2020 war sie Mitglied des Vorstands der SPD Berlin. Von 2007 bis 2018 war sie Berliner Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen und von 2018 bis 2020 Vorsitzende des Kreisverbands Berlin-Mitte. Sie war von 2009 bis 2015 Sprecherin des Netzwerks Berlin, eines Zusammenschlusses von pragmatisch orientierten Bundestagsabgeordneten der SPD.

Abgeordnete Högl war ab dem 12. Januar 2009 Mitglied des Deutschen Bundestages. Sie rückte zunächst über die Landesliste der Berliner SPD für Ditmar Staffelt nach, der sein Mandat abgab.Eine gelernte Beamtin übt Parlament taz.de, 27. Januar 2009 Högl trat bei der Bundestagswahl 2009 erstmals als Direktkandidatin im fast durchgängig von der SPD gehaltenen Berliner Wahlkreis Mitte an und gewann den zwischen vier Parteien hart umkämpften Wahlkreis mit 26,0 Prozent der Erststimmen. Dies war das niedrigste Erststimmenergebnis für den Gewinn eines Direktmandats seit der Bundestagswahl 1953.

Im 17. Deutschen Bundestag (2009 bis 2013) war Högl ordentliches Mitglied des Rechtsausschusses, des Unterausschusses Europarecht, des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie stellvertretendes Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales.

Bei der Bundestagswahl 2013 gewann sie erneut den Wahlkreis Berlin-Mitte mit einem Erststimmenergebnis von 28,2 Prozent. Zugleich war sie Spitzenkandidatin der Berliner SPD. Seitdem war Högl stellvertretendes Mitglied im Sportausschuss. Bundestag www.bundestag.de, abgerufen am 20. September 2014.

Am 4. Dezember 2017 wurde Högl nach 2013 erneut zur stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion gewählt. In dieser Funktion war sie für die Themengebiete Inneres, Recht und Verbraucherschutz, Sport sowie Kultur und Medien zuständig.SPD-Bundestagsfraktion: Wahl des Geschäftsführenden Vorstands, Pressemitteilung vom 4. Dezember 2017. Abgerufen am 23. Januar 2017.

Högl war Vorsitzende des im Juli 2014 konstituierten Untersuchungsausschusses zur Edathy-Affäre. Bundestag, online, abgerufen am 20. September 2014. Sie mache im Untersuchungsausschuss „nicht immer den Eindruck, die Sache restlos unabhängig aufklären zu wollen“, schrieb Christoph Hickmann im Februar 2015.C. Hickmann: Wo sind die anderen? Über junge, zornige Abgeordnete, die der Partei auch heute noch guttun würden. In: Süddeutsche Zeitung Nr. 40, 18. Februar 2015, S. 3.

Bei der Bundestagswahl 2017 wurde sie erneut – mit 23,5 Prozent der Erststimmen (dem niedrigsten Erststimmen-Prozentsatz aller direkt gewählten Abgeordneten bundesweit) – in den 19. Deutschen Bundestag gewählt. Am 7. November 2019 wählte das Plenum des Deutschen Bundestages Högl als Nachfolgerin von Burkhard Lischka in das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr).

Wehrbeauftragte Am 29. April 2020 wurde Högl von der SPD für den Posten der Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages nominiert und am 7. Mai 2020 wählte sie der Deutsche Bundestag mit 389 von 656 Stimmen. Ihre Nominierung wurde kritisiert, weil sie sich in ihrer politischen Laufbahn kaum mit der Bundeswehr befasst hatte. Ihr Vorgänger Hans-Peter Bartels, der an einer weiteren Amtszeit interessiert war, übte Kritik an seiner Ablösung durch Högl. Mit ihrem Amtsantritt als Wehrbeauftragte schied sie aus dem Bundestag aus. Johannes Kahrs, der ebenfalls Ambitionen auf den Posten hatte, legte am 5. Mai 2020 wegen der Entscheidung für Högl alle Ämter und Mandate nieder. 2025 wurde Högl nicht zur Wiederwahl nominiert. Am 21. Mai 2025 wurde Henning Otte zum Wehrbeauftragten gewählt.Henning Otte soll neuer Wehrbeauftragter werden, Meldung auf tagesschau.de vom 14. Mai 2025, abgerufen am 14. Mai 2025

Bremer Innensenatorin Am 11. Dezember 2025 wurde sie von der Bremischen Bürgerschaft zur Senatorin für Inneres und Sport gewählt. Mit sofortiger Wirkung übertrug ihr anschließend der Senat Bovenschulte II das Ressort als Nachfolgerin von Ulrich Mäurer.

Politische Positionen Europapolitik Högls inhaltlicher Schwerpunkt liegt seit dem Studium, verstärkt durch die berufliche Erfahrung in der Ministerialverwaltung, in der Europapolitik. Aufsehen erregte ihre abweichende Haltung zur Griechenlandhilfe am 7. Mai 2010. Gemeinsam mit Hans-Ulrich Klose, Michael Roth und Angelica Schwall-Düren stimmte sie für das „Rettungspaket“, während sich ihre Fraktion enthielt.Bundestag billigt Griechenland-Hilfe: „Die Euro-Zone steht auf dem Spiel“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. Mai 2007.

Ausländerpolitik Högl tritt für eine Einführung des kommunalen Wahlrechts für seit 40 Jahren in Deutschland wohnhafte Türken ohne deutsche Staatsangehörigkeit ein.SPD-Fraktionsvize Högl will Wahlrecht für Ausländer erweitern. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. Juli 2014 (DPA-Meldung).

NSU-Untersuchungsausschuss Im ersten Bundestags-Untersuchungsausschuss zur Terrorgruppe NSU, der auf Antrag der Abgeordneten aller fünf Fraktionen am 26. Januar 2012 im Deutschen Bundestag eingesetzt wurde, war Högl Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion und leitete die Fraktionsarbeitsgruppe. In dieser Funktion wirkte sie daran mit, die Hintergründe der Taten der rechtsextremen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) und der Ermittlungen der Sicherheitsbehörden zu untersuchen sowie Schlussfolgerungen und Empfehlungen für Struktur, Zusammenarbeit und Befugnisse der Sicherheitsbehörden und für eine Bekämpfung des Rechtsextremismus zu erarbeiten. Bundestag, online. Im zweiten NSU-Ausschuss des 18. Bundestages (2015 bis 2017) war Högl stellvertretendes Mitglied.

Prostitutionspolitik In der Prostitutionspolitik tritt Eva Högl für eine Bestrafung von Freiern ein, wenn sie Zwangsprostituierte aufsuchen. Dazu will sie, dass „beide Menschenhandelsparagrafen“ und der „Vergewaltigungsparagraf“ völlig überarbeitet und so „auch das Ausnutzen von Prostituierten, die sich in einer Zwangslage befinden“, unter Strafe gestellt werden. Freier sollen künftig insbesondere wegen Beihilfe zum Menschenhandel belangt werden können. Aufgrund der bisherigen geringen Zahl von Verurteilungen soll dazu der Straftatbestand des Menschenhandels (§ ff. StGB) ausgeweitet werden.250. Sitzung des Deutschen Bundestags vom 27. Juni 2013, Plenarprotokoll 17/250 (PDF; 218 MB). Muss bisher gemäß § 233 StGB dem Täter die Ausnutzung bestimmter Umstände zur Ausbeutung bewiesen werden (subjektive Zwangslage), so sollen zukünftig Täter schon dann bestraft werden, wenn sie die Voraussetzungen für die Ausbeutung schaffen.243. Sitzung des Deutschen Bundestags vom 6. Juni 2013, Plenarprotokoll 17/243 (PDF; 4,0 MB) Kern der bevorstehenden Umdeutung von „Zwang“ im Zusammenhang von „Menschenhandel“ ist dabei der Verzicht auf die bislang geltende „subjektive Ausgestaltung“ dieses Straftatbestands.Öffentliche Anhörung des Rechtsausschusses vom 24. Juni 2013 zum Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Bekämpfung des Menschenhandels und zur Überwachung von Prostitutionsstätten War bisher die Willensbeeinflussung unter Ausnutzung einer Zwangslage entscheidend, soll nach Vorbild der niedersächsischen Bundesratsinitiative zur nationalen Umsetzung der europäischen Menschenhandelsrichtlinie in Zukunft auch „schlechte soziale Verhältnisse im Heimatland“ für sich genommen bereits als „Zwangslage“ gelten, deren „Ausnutzung“ dann strafwürdig wäre. zur Umsetzung der Richtlinie 2011/36/EU des Europäischen Parlaments und des Rates vom 5. April 2011 zur Verhütung und Bekämpfung des Menschenhandels und zum Schutz seiner Opfer sowie zur Ersetzung des Rahmenbeschlusses 2002/629/JI des Rates vom 21. Juni 2013

Abtreibung Högl tritt für eine Streichung des Werbeverbots für Abtreibungen (Paragrafen 219a StGB) ein, damit es . Ein im Zusammenhang mit dieser Debatte von ihr veröffentlichter Tweet, in dem sie Vertreter der Lebensrechtsbewegung in der CDU als bezeichnete, sorgte für Empörung in der Union. Högl löschte später die Nachricht und entschuldigte sich.

Verteidigungspolitik Im Zuge von Enthüllungen von Rechtsextremisten im Kommando Spezialkräfte schlug Eva Högl vor, zur Bekämpfung des Rechtsextremismus in der Truppe die Wehrpflicht wieder einzuführen. Sie nannte in diesem Zusammenhang die Aussetzung der Wehrpflicht einen „Riesenfehler“. Ihr Vorschlag stieß auf breite Kritik, auch aus ihrer eigenen Partei. 2021 plädierte E. Högl für die „Drohnen-BewaffnungKampfdrohnen-Debatte, siehe wikipedia: Drohnen der Bundeswehr mit der Argumentation, dass es hierbei um den Schutz der Bundeswehr-Soldaten ginge“; in diesem Zusammenhang bezeichnete „sie sich als Pazifistin“.Tommy Spree: Ein Museum für den Frieden - 40 Jahre Anti-Kriegs-Museum, Selbstverlag Berlin 2021, S. 46 Im Januar 2023 sagte Högl vor dem Hintergrund der Missstände in der Bundeswehr, dass sie von Experten sowie aus der Truppe erklärt bekommen habe, dass 300 Milliarden Euro nötig wären, um bei der Verteidigung Deutschlands signifikant etwas zu verändern. Ihr „scheint dies nicht aus der Luft gegriffen zu sein.“

Kontroversen