Doberschau-Gaußig, , ist eine nach den beiden Orten Doberschau und Gaußig benannte Gemeinde im Landkreis Bautzen in der sächsischen Oberlausitz. Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist Gnaschwitz. mini|ohne|Gaußig im Luftbild mini|ohne|Blick über den Ortsteil Doberschau, im Hintergrund die Stadt Bautzen

Geografie Doberschau liegt etwa vier, Gaußig etwa neun Kilometer südwestlich der Großen Kreisstadt Bautzen im Oberlausitzer Gefilde und am Nordrand des Lausitzer Berglandes.

Nachbargemeinden

Alle umliegenden Gemeinden zählen zum Landkreis Bautzen.

Ortsgliederung Die Gemeinde gliedert sich in 21 Ortsteile (Einwohnerzahlen vom 31.12. des Jahres):Gemeinde Doberschau-Gaußig + Ortsteile 2000 2005 2010 2015 2020 2021 2022 2023 2024 2025 Arnsdorf (Warnoćicy) 168 163 144 155 143 146 153 142 139 140 Brösang (Brězynka) 67 67 71 54 52 52 56 58 55 54 Cossern (Kosarnja) 86 88 86 82 79 80 80 75 72 70 Diehmen (Demjany) 273 256 231 209 185 184 187 181 185 180 Doberschau (Dobruša) 1315 1232 1185 1154 1174 1172 1171 1172 1174 1160 Drauschkowitz (Družkecy) 81 79 68 69 74 76 74 77 71 72 Dretschen (Drječin) 129 121 114 108 107 104 109 107 105 102 Gaußig (Huska) 646 608 611 614 619 625 623 628 618 621 Gnaschwitz (Hnašecy) 374 343 328 317 313 308 299 306 299 284 Golenz (Holca) 113 100 98 105 93 90 95 91 83 89Grubschütz (Hrubjelčicy) 283 267 263 259 278 283 279 284 275 271 Günthersdorf (Hunćericy) 105 101 106 108 99 97 92 94 92 89 Katschwitz (Kočica) 49 43 43 42 37 41 42 39 36 36 Naundorf (Nowa Wjes) 381 368 365 324 331 331 325 314 303 319 Neu-Diehmen (Nowe Demjany) 33 43 40 31 38 38 42 35 39 38 Neu-Drauschkowitz (Nowe Družkecy) 40 35 35 34 34 34 33 30 31 29 Preuschwitz (Přišecy) 59 57 51 61 55 60 66 67 69 65 Schlungwitz (Słónkecy) 464 334 229 222 215 206 215 249 274 284 Techritz (Ćěchorjecy) 113 100 86 90 93 93 93 93 86 74 Weißnaußlitz (Běłe Noslicy) 98 86 78 83 90 87 91 85 86 83 Zockau (Cokow) 116 107 109 105 85 92 93 94 92 85 Gemeinde Doberschau-Gaußig (Gmejna Dobruša-Huska) 4993 4598 4341 4244 4194 4199 4218 4222 4184 4145 mini|Zweisprachiges, besonders ausführlich beschriftetes Ortsschild des Ortsteils Weißnaußlitz Abgesehen von Naundorf und Cossern zählen alle Ortsteile zum amtlichen sorbischen Siedlungsgebiet in Sachsen.Sächsisches Sorbengesetz, Anlage zu § 3 (2).

Geschichte Der Ort Doberschau wurde 1241 erstmals in der Oberlausitzer Grenzurkunde erwähnt. Südlich von Doberschau liegt an der Spree die Doberschauer Schanze, die früher als Wallburg den Einwohnern als Zuflucht diente. Sie konnte gut verteidigt werden, da sie in südlicher Richtung durch das steil abfallende und felsige Tal der Spree begrenzt wird. Überreste des Walls sind noch heute erkennbar. Den Erzählungen nach soll ein unterirdischer Tunnel von der Schanze zum ehemaligen Rittergut in Doberschau existiert haben. Ob die Schanze mit dem 1007 erstmals erwähnten castellum Trebista identifiziert werden kann, ist umstritten. Auf dieser Erwähnung basierte die 1000-Jahr-Feier des Ortes im Jahr 2007.

In der Reformationszeit kam es zu einem langjährigen Streit um die Pfarrei Gaußig. Der Ort war im Besitz des katholischen Domstifts Bautzen, das Präsentationsrecht für die Pfarrstelle hatte aber der evangelische Pfarrer von Göda. Letzterer wurde vom sächsischen Kurfürsten unterstützt, zu dessen Gebiet Göda, nicht aber Gaußig, seit 1559 gehörte. Die Protestanten konnten sich schließlich in den 1560er Jahren endgültig durchsetzen.

Eingemeindungen

Ehemalige Gemeinde Datum Anmerkung Arnsdorf 01.04.1936 Eingemeindung nach Dretschen Brösang 1840 Eingemeindung nach Drauschkowitz Cossern 1934 Eingemeindung nach Naundorf Diehmen 01.01.1973 Eingemeindung nach Gaußig Doberschau 01.01.1994 Zusammenschluss mit Gnaschwitz zu Gnaschwitz-Doberschau Drauschkowitz 01.01.1974 Eingemeindung nach Gaußig Dretschen 01.01.1974 Eingemeindung nach Gaußig Gaußig 01.01.1999 Gnaschwitz 01.01.1994 Zusammenschluss mit Doberschau zu Gnaschwitz-Doberschau Gnaschwitz-Doberschau 01.01.1999 Golenz 01.04.1936 Eingemeindung nach Gaußig Grubschütz 01.07.1950 Eingemeindung nach Doberschau Günthersdorf 1935 Eingemeindung nach Gaußig Katschwitz 01.01.1974 Eingemeindung nach Gaußig Naundorf 01.01.1994 Eingemeindung nach Gaußig Preuschwitz 1936 Eingemeindung nach Doberschau Schlungwitz 01.04.1936 Eingemeindung nach Doberschau Techritz 01.04.1936 Eingemeindung nach Gnaschwitz Weißnaußlitz 1936 Eingemeindung nach Gnaschwitz Zockau 01.07.1950 Eingemeindung nach Gaußig

Politik Gemeinderat Nach der Gemeinderatswahl am 9. Juni 2024 verteilen sich die 12 Sitze (Normalgröße: 16 Sitze) des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen: CDU: 6 Sitze AfD: 1 Sitz (vier Sitze bleiben mangels Kandidaten unbesetzt) Evangelisches Wahlbündnis: 2 Sitze Gaußiger Sportler (GS): 1 Sitz FDP: 1 (1) Sitz Bündnis 90/Die Grünen: 1 (1) Sitz

+letzte GemeinderatswahlenSitze202420192014Sitzein %Sitzein %Sitzein %CDU635,7531,8845,0AfD130,8121,5––Evangelisches Wahlbündnis213,6316,2212,8Gaußiger Sportler18,3211,9216,8FDP15,917,418,2Grüne15,716,6––WV Bürgerbewegung Naundorf–––4,718,6Linke––––18,5Wahlbeteiligung73,1 %69,0 %51,5 %

Bürgermeister Nachdem der langjährige Amtsinhaber Michael Schulze (CDU) sein Amt vor dem Ende der Wahlperiode niederlegte, waren 2016 Bürgermeisterwahlen nötig. Alexander Fischer (CDU), verfehlte bei 5 Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit im ersten Wahlgang im März 2016 knapp. Im zweiten Durchgang mit 59,9 % der Stimmen wurde er dann gewählt. Die Wahlbeteiligung lag bei 49,8 %.Ergebnis der Bürgermeisterwahlen 2016 in Doberschau-Gaußig Die nächste turnusmäßige Bürgermeisterwahl war am 19. März 2023. Amtsinhaber Alexander Fischer trat als einziger Kandidat an und wurde mit 98,1 % für weitere 7 Jahre Amtszeit wiedergewählt.Ergebnis der Bürgermeisterwahlen 2023 in Doberschau-Gaußig

+letzte BürgermeisterwahlenWahlBürgermeisterVorschlagWahlergebnis (in %)2023Alexander FischerCDU98,1201659,92013Michael Schulze95,2200698,0

Wirtschaft mini|Warnschild am Betriebsgelände des Sprengstoffwerk Gnaschwitz Bekannt ist der Ortsteil Gnaschwitz vor allem durch das Sprengstoffwerk Gnaschwitz, welches seit 2026 der Czechoslovak Group gehört (vorher Maxam). Hier wurden in den 1960er Jahren große unterirdische Anlagen in dem überwiegend aus Granit bestehenden Untergrund angelegt, in welchen die Produktion und Lagerung stattfand. Der VEB Sprengstoffwerk Gnaschwitz war bis 1990 Teil des Kombinats Synthesewerk.

Es kam zu mehreren Unfällen – meist durch menschliches Versagen – und die entstandenen Druckwellen breiteten sich im Spreetal kilometerweit aus. Zu Zeiten der DDR fanden jeden Mittwochnachmittag Tests der Sprengmittel auf dem Betriebsgelände statt, die weithin zu hören waren.

Im März 2023 ging der zurzeit größte Solarpark in Sachsen mit 42 MW Leistung ans Netz. Der Solarpark erstreckt sich über die Gemeinden Göda und Doberschau-Gaußig und wurde von der Firma Anumar (Sitz Ingolstadt) errichtet. Für dieses Solarkraftwerk musste ein eigenes Umspannwerk errichtet werden und erzeugt rechnerisch grünen Strom für 10.500 Haushalte.

Daneben gibt es mehrere landwirtschaftliche Großbetriebe, die aus den Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR hervorgegangen sind.

Vereine Sportverein Gaußig e. V. Sportverein Gnaschwitz-Doberschau e. V. Heimatverein Gaußig e. V. Kleingartenverein „Am Schwanenteich“ e. V. Gaußig

Bildungseinrichtungen Evangelisches Schulzentrum Gaußig

Evangelische Grundschule Gaußig Evangelische Oberschule Gaußig Evangelisches Gymnasium Gaußig (mit den Fachrichtungen Gesundheit- und Sozialwesen sowie Wirtschaftswissenschaften)

Sehenswürdigkeiten

mini|hochkant=1.2|Schloss Gaußig (Hotel) mini|hochkant|Kirche am Schlosspark

In Gaußig steht das Schloss Gaußig, ein palladianisch umformter Barockbau mit Rhododendrenpark. Das Schloss war bis 1945 in Besitz der Reichsgrafen Schall-Riaucour, im Zuge der Bodenreform wurden sie enteignet und nach Rügen in ein Sammellager deportiert. Nachdem das Schloss zu DDR-Zeiten als Ferienheim der Technischen Universität Dresden genutzt wurde, erfolgte danach seine Renovierung und private Nutzung, ab August 2008 auch als Schlosshotel. Der Park ist weiterhin zugänglich. Am Schloss befindet sich eine römisch-katholische Kapelle. Hier befand sich von 1895 bis 1998 der berühmte Flügelaltar von 1471, der sich ursprünglich in der hiesigen evangelischen Pfarrkirche befand, bis diese 1874 von Carl August Schramm umgebaut wurde. Da es keine Nachweise über eine Übereignung des Altars gab, holte der evangelische Pfarrer vor der Rückgabe des beweglichen Inventars an den nutzungsberechtigten früheren Eigentümer des Schlosses 1998 den Altar aus der katholischen Kapelle in die evangelische Kirche zurück.

Naturschutz

Persönlichkeiten Marie Salome Simon (1824–1877), Mitbegründerin des Deutschen Roten Kreuzes Sachsen, geboren in Doberschau Michael Rostock (1821–1893), sorbischer Lehrer und Naturforscher in Dretschen, gestorben in Gaußig Herbert Gruhl (1921–1993), Politiker (CDU, Grüne, ÖDP) und Autor (Ein Planet wird geplündert), geboren in Gnaschwitz Gert Heidler (* 1948), Fußballspieler, u. a. DDR-Nationalmannschaft, Fußballtrainer, geboren in Drauschkowitz Bernd Stange (* 1948), Fußballtrainer verschiedener National- und Clubteams, geboren in Gnaschwitz

Literatur Ernst Panse: Palladianisches Schloß im Dornröschenschlaf. Schloßpark Gaußig; in: Ders. (Hrsg.): Parkführer durch die Oberlausitz. Lusatia Verlag, Bautzen 1999, ISBN 3-929091-56-9, S. 89–94. Moritz Grimmel: Drauschkowitz. In: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. III. Section: Markgrafenthum Oberlausitz. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, S. 215–216 (Volltext [Wikisource]). Moritz Grimmel: Diehmen. In: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen. III. Section: Markgrafenthum Oberlausitz. Expedition des Albums Sächsischer Rittergüter und Schlösser, Leipzig 1859, S. 223–224 (Volltext [Wikisource])

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Gemeindegründung 1999