mini|Evangelische Kirche in Allendorf
Allendorf (), amtlich Allendorf a. d. Lahn, ist ein Stadtteil der mittelhessischen Stadt Gießen im Landkreis Gießen.
Geographie Allendorf gehört zum Hüttenberger Land und liegt unweit der Lahn. Es bildet mit Lützellinden den südlichen Teil der Stadt und liegt etwa 5 Kilometer von der Gießener Kernstadt entfernt.
Die offizielle Bezeichnung Allendorf a. d. Lahn, ist irreführend. Der äußerste Punkt des Ortes liegt etwa einen halben Kilometer Luftlinie von dem Fluss entfernt, die kürzeste Wegstrecke von der Außengrenze Allendorfs zum Fluss beträgt etwa einen Kilometer. Allendorf wird in diesem Gebiet durch eine Baggerseenlandschaft von der Lahn getrennt, welche zu den Nachbargemeinden Dutenhofen, Heuchelheim und Kleinlinden gehört, die Ergebnis eines Kiestagebaus von den 1960er- bis 1980er-Jahren ist. Quellen zur Ortsgeschichte Allendorfs legen eine historische Lage des Orts an der Lahn nahe. Es wird berichtet, dass es im 18. und 19. Jahrhundert an der Nordgrenze des Ortes zu Grenzstreitigkeiten kam, da der Mäander bildende Fluss häufig seinen Lauf änderte. Es wird in diesem Zusammenhang auf eine Flussbegradigung um 1850 und eine spätere Flurbereinigung verwiesen.
Durch Allendorf fließt der Kleebach, der im Norden in die Lahn mündet.
Ortsgeschichte Mittelalter Der Ort wurde zwischen 774 und 860 im Kopiar Lorscher Kodex fünf Mal erwähnt. Die Ersterwähnung stammt aus dem Jahre 774, in dem Gerbolt dem Kloster Lorsch eine Wiese in Aldentorph schenkte: „… Gerbolt dedit … in Alderdorph pratum …“Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch; Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdruck der Ausgabe von 1936, Darmstadt. Hessische Historische Kommission 1963. CL III, Nr. 3690 a.
Ein Mann namens Winocho verkaufte im Jahre 790 das Dorf zusammen mit weiteren Besitztümern im Logenehe (Lahngau).
In den Jahren zwischen 780 und 802 schenkte Engeltrût dem Kloster Fulda ihre Güter in Allendorf und späteren Wüstung Walsdorf bei Dutenhofen.Edmund Ernst Stengel: Fuldisches Urkundenbuch. Band 1, Nr. 436, S. 474. Dieser Eintrag stammt aus dem berühmten Codex Eberhardi, einem Kopiar aus der zeit um 1160. Ein Namensforscher bezieht diese Schenkung fälschlich auf Allendorf (Lumda).Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 21.
1275 wird ein „… aduocaciam in Aldendorf … “ genannt.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglichen Hessischen Haus- und Staatsarchiv. 5 Bände. Darmstadt 1860–1873. Band . Nr. 145, S. 103.
Die niederadlige ortsansässige Familie von Allendorf verkaufte 1301 ihren Hof im Ort mit drei zugehörige Hufen nebst Einkünften. Ein Jahr später verkaufte der aus dieser Familie stammende Heinrich von Allendorf, gen. de Werene, dem Marienstift Wetzlar eine Korngülte von seinen Gütern zu Allendorf. Schließlich erwarb 1480 das Stift in Wetzlar eine Gülte aus der Walkmühle und eine Korngülte zu Allendorf im Hüttenberger Land.Urkundenbuch der Stadt Wetzlar. Band 3., Nr. 1070.
Albrecht von Dutenhofen verkaufte 1317 den Nonnen zu Kloster Schiffenberg eine Korngülte von 2 1/2 Malter „… zou Aldindorf …“Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1 - 3. Leipzig 1879 - 1899. Band 3. Nr. 1436, S. 403.
Es gibt verschiedene Deutungsmöglichkeiten des Ortsnamens. Entweder man bezieht es auf das ahd. und mhd. Adjektiv altFriedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 16f. oder auf die Kurzform des Rufnamens alda.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 20.
Allendorf gehörte wie 13 andere Dörfer zum Amt Hüttenberg, das zuvor den Konradinern gehörte. Im 11. Jahrhundert wurde die Ortschaft Teil der Grafschaft Gleiberg. 1363 fiel die Westhälfte der Grafschaft und damit auch Allendorf an die Grafen von Nassau-Weilburg.
Neuzeit Später bildete das Amt Hüttenberg ein Kondominat zwischen der Landgrafschaft Hessen und der Grafschaft Nassau. Dieses wurde in zwei Schritten durch Realteilungen aufgelöst, zuletzt durch den Hüttenberger Hauptteilungsvertrag. Allendorf gehörte fortan zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und hier zum hessischen Amt Hüttenberg. L. Ewald: Beiträge zur Landeskunde. In: Grossherzogliche Centralstelle für die Landes-Statistik (Hg.): Beiträge zur Statistik des Grossherzogthums Hessen. Jonghaus, Darmstadt 1862, S. 54. Seit dieser Zeit trug der Ort offiziell die Bezeichnung Allendorf an der Lahn. Auch lag das Dorf nun im Grenzgebiet, da die Nachbarorte Dutenhofen und Lützellinden zu Nassau gehörten und Münchholzhausen von den Grafen zu Solms regiert wurde.
1803 fasste die Landgrafschaft ihre nördlich des Mains gelegenen Gebiete in dem Fürstentum Oberhessen (später: Provinz Oberhessen) zusammen, wo nun auch Allendorf lag, 1806 wurde die Landgrafschaft zum Großherzogtum Hessen. Dieses führte 1821 eine Verwaltungsreform durch, in der das Amt Hüttenberg aufgelöst wurde. Übergeordnete Verwaltung war nun der Landratsbezirk Gießen, zuständiges Gericht das Landgericht Gießen.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Allendorf:
Allendorf gehörte zum Gebiet des Gemeinen Rechts, das hier ohne die Überlagerung von Partikularrecht galt. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde. Arthur B. Schmidt: Die geschichtlichen Grundlagen des bürgerlichen Rechts im Großherzogtum Hessen. Curt von Münchow, Giessen 1893, S. 100, Anm. 6 und S. 9, 11.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Allendorf an der Lahn wurde per Grenzänderungsvertrag, der am 1. Oktober 1971 in Kraft trat, ein Stadtteil von Gießen. Ebenfalls im Zuge der Gebietsreform wurde die neue Stadt Lahn am 1. Januar 1977 aus den Städten Gießen und Wetzlar sowie mehreren Umlandgemeinden gegründet. Dies hatte zur Folge, dass Allendorf dem Stadtbezirk Dutenhofen zugeordnet wurde und damit auch neuer Ortsteil der „Lahnstadt“ mit mehr als 156.000 Einwohnern wurde. Durch die am 1. August 1979 erfolgte Wiederauflösung der Stadt Lahn kam es zum erneuten Anschluss an die Stadt Gießen. Für die Stadtteile Gießen-Allendorf, Gießen-Kleinlinden, Gießen-Lützellinden, Gießen-Rödgen und Gießen-Wieseck werden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Allendorf angehört(e):
810: Ostfrankenreich, Lahngau 14. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau und Landgrafschaft Hessen) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau und Landgrafschaft Hessen-Marburg)Die Zugehörigkeit des Amtes Hüttenberg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: hessischer Anteil strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Amt Hüttenberg (Kondominium: Grafschaft Nassau-Weilburg und Landgrafschaft Hessen-Darmstadt) ab 1703: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Hüttenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Oberfürstentum Hessen, Amt Hüttenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt HüttenbergNeuste Länder und Völkerkunde, Band 22, S. 419, Weimar 1821 ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Amtsgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Stadt Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Lahn ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Gießen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Gießen
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Allendorf/Lahn 1812 Einwohner. Darunter waren 96 (5,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 243 Einwohner unter 18 Jahren, 765 zwischen 18 und 49, 405 zwischen 50 und 64 und 402 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 873 Haushalten. Davon waren 321 Singlehaushalte, 231 Paare ohne Kinder und 213 Paare mit Kindern, sowie 83 Alleinerziehende und 45 Wohngemeinschaften. In 180 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 528 Haushaltungen lebten keine Senioren. Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon 1629: 152 Bürger, 35 Witwen, 34 Vormundschaften 1577: 26 Hausgesesse 1630: 5 zweispänn., 9 einspännige Ackerleute, 15 Einläuftige, 3 Witwen, 6 Vormundschaften. 1677: 29 Hausgesesse, davon 1 freier. 1742: ein Geistlicher/Beamter, 59 Untertanen, 15 Junge Mannschaften. 1791: 250 Einwohner 1800: 250 Einwohner 1806: 302 Einwohner, 61 Häuser 1829: 341 Einwohner, 61 Häuser 1867: 484 Einwohner, 79 bewohnte Gebäude 1875: 515 Einwohner, 81 bewohnte Gebäude
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1829: 341 evangelische Einwohner • 1895: 642 evangelische Einwohner • 1961: 1013 evangelische, 202 katholische Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1981: Erwerbspersonen: 128 Land- und Forstwirtschaft, 305 Produzierendes Gewerbe, 101 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 93 Dienstleistungen und Sonstige.
Politik Ortsbeirat Für Allendorf besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Allendorf) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus neun Mitgliedern.
Bei der Wahl zum Ortsbeirat 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:Ergebnis der Ortsbeiratswahlen 2021 in Allendorf/Lahn In: votemanager-gi.ekom21cdn.de Ortsbeirat – Kommunalwahlen 2021
Ortsvorsteher Ortsvorsteher ist Thomas Euler (SPD). Dieses Amt hat er bereits seit dem 23. April 1997 inne.
Wirtschaft und Infrastruktur Im Ort befinden sich Kindergarten und Grundschule sowie eine Freiwillige Feuerwehr, eine Mehrzweckhalle und eine Kneippanlage. Auch eine Außenstelle der Stadtverwaltung Gießen ist in Allendorf eingerichtet.