mini|hochkant=1.2|Luftaufnahme von Weißensee
Weißensee (Aussprache endbetont) ist ein Ortsteil des Bezirks Pankow in Berlin. Er ist hervorgegangen aus einem im 13. Jahrhundert gegründeten Straßendorf östlich des Weißen Sees, das von 1540 bis 1880 ein Rittergut war. Weißensee war nach der Bildung Groß-Berlins im Jahr 1920 bis zur Verwaltungsreform 2001 der namensgebende Ortsteil des damaligen Bezirks Weißensee, zu dem auch Nachbarorte gehörten.
Bis zur Auflösung im Jahr 2000 war der Bezirk Weißensee der bevölkerungsmäßig kleinste Bezirk Berlins. Am 1. Januar 2001 wurden die drei bis dahin eigenständigen Bezirke Weißensee, Pankow und Prenzlauer Berg zum neuen Verwaltungsbezirk Pankow fusioniert. Der ehemalige Bezirk Weißensee umfasste neben dem namensgebenden Ortsteil Weißensee auch die Ortsteile Heinersdorf, Blankenburg, Karow und Stadtrandsiedlung Malchow.
Ortslagen
Alter Ortskern / Berliner Allee Die Berliner Allee existiert als Fernhandelsweg von Berlin nach Norden bereits seit dem Mittelalter. Der durch das Dorf Weißensee führende Abschnitt hieß Dorfstraße. 1880, mit der Bildung der Landgemeinde Neu-Weißensee, wurde der spätere südliche Abschnitt als Königschaussee bezeichnet. Der Abschnitt im Dorfkern Weißensee erhielt ab 1880 die Bezeichnung Berliner Straße. Beide Abschnitte wurden 1910 zusammengelegt und in Berliner Allee umbenannt. Am 13. Juni 1953 erfolgte eine Umbenennung in Klement-Gottwald-Allee, nach dem tschechoslowakischen Politiker Klement Gottwald. mini|Der Weiße See Nach der politischen Wende wurde am 1. September 1991 der ursprüngliche Name Berliner Allee wiederhergestellt. Als Ortszentrum gilt der hier gelegene Antonplatz, der in den 2000er und 2010er Jahren neu strukturiert, bebaut und neu begrünt wurde.
Mit der Begrünung der Freifläche Grüner Hering und der Aufwertung der Wohnumgebung im Rahmen der Sanierung von Weißensee-Süd wurde die Ortslage, die teilweise noch Kriegsschäden aufwies, verbessert. Dazu gehörte auch die Anpassung des Verkehrs, insbesondere für den Straßenbahnverkehr zwischen Hohenschönhausen/Lichtenberg und Berliner Innenstadt/Wedding.
Komponistenviertel
Während es viele Immobilienspekulanten Berlins nach Westen zog, erwarb 1872 der Hamburger Kaufmann Gustav Adolf Schön das Gut Weißensee für 700.000 Taler, das er parzellieren ließ und flächenweise weiter veräußerte. Ernst Gäbler errichtete mit seiner Gesellschaft für Mittelwohnungen südöstlich der Königschaussee das Französische Viertel. Auf Grund der Namenswahl nach Schlachten und Ergebnissen des Deutsch-Französischen Krieges wurden 1951 in einer antimilitaristischen Aktion die betroffenen Straßen nach Komponisten umbenannt, woraus sich seither die Bezeichnung Komponistenviertel ergibt.
Das Viertel südöstlich der Berliner Allee ist ein Komplex von Mehrfamilienhäusern, der bis an den Jüdischen Friedhof reicht. Es hat den Charakter einer nicht-innerstädtischen Gründerzeitbebauung.Sanierungsgebiet Komponistenviertel, bewahren und erneuern. Bezirksamt Pankow von Berlin, Stadtentwicklungsamt, Berlin 2010. Zwischen Mitte der 1990er und den 2000er Jahren war das Komponistenviertel gemeinsam mit dem an der Berliner Allee gegenüber angrenzenden Quartier ein ausgewiesenes Sanierungsgebiet. Dabei wurden auch unter Nutzung von EU-Fördermitteln die Wohnbebauung und die Wohnumgebung verbessert.
mini|Altbau der Heinz-Brandt-Schule von 1890 Gründerviertel Die nordwestlich der Berliner Allee liegenden Flächen wurden entlang der Langhansstraße bebaut. Bis an das damalige Berliner Stadtgebiet heran wurden dabei an der Streustraße Gewerbebauten von der Gemeinde eingerichtet, die den dort siedelnden Gewerben die Einheit von Wohnen und Arbeit boten. Ergänzt wurde dies mit einer Gemeindeschule, der heutigen Heinz-Brandt-Schule in der Langhansstraße 120.
Munizipalviertel mini|Weißenseer Gründerarchitektur im Munizipalviertel von Carl James Bühring (Paul-Oestreich-Straße)
Anfang des 20. Jahrhunderts setzten umfangreiche Wohnungsbauprojekte ein, da viele Berliner in den Vorort Weißensee zogen. Der Bereich am Kreuzpfuhl war als neues Ortszentrum geplant und erhielt die Bezeichnung Munizipalviertel. Als erstes entstand um 1910 für die gewachsene Kommune das Gemeindeforums am Kreuzpfuhl, ein repräsentatives, parkartig gestaltetes Zentrum. In diesem Gebäude hat im 21. Jahrhundert der Verein Frei-Zeit-Haus e. V. seine Heimat gefunden. Das Gemeindeforum und die Wohnhäuser Woelckpromenade 2–7 sind inzwischen eine anerkannte städtebauliche und architektonische Meisterleistung des Architekten Carl James Bühring. Zur Herausbildung eines neuen Zentrums kam es jedoch nicht.
Taut-Siedlung Buschallee Mit der Eingemeindung nach Groß-Berlin im Jahr 1920 stieg der Bedarf an Wohnraum abermals. Ab 1925 entstand in der Buschallee ein Wohnhausensemble, das von Bruno Taut nach den Gesichtspunkten des Neuen Bauens entworfen wurde. Die Bauten aus dieser Zeit sind erhalten und teilweise schön saniert. Sie stehen unter Denkmalschutz.
Nachkriegsbauten In den 1950er Jahren mussten in Berlin die Kriegsverluste an Wohnungen ersetzt werden. Bald erreichte dieser Bauboom auch den Außenstadtbezirk Weißensee. 1959 entstanden Wohngebiete am Hamburger Platz, 1967 an der Else-Jahn-Straße und 1975 das Gebiet Falkenberger Straße Süd. In den 1990er Jahren wurde im Ortsteil Karow das neue Wohngebiet Karow Nord mit Wohnraum für rund 20.000 Menschen gebaut.
Geschichte 13. Jahrhundert Weißensee wurde um 1230 als Straßendorf an der mittelalterlichen Fernhandelsstraße von Berlin über Weißensee, Malchow und Bernau nach Oderberg gegründet. Seinen Namen erhielt es vermutlich vom Weißen See (Wittenze , der zu dieser Zeit auch Großer See genannt wurde), an dessen Ostufer das Dorf von deutschen Siedlern angelegt wurde. Seine indirekte urkundliche Ersterwähnung geht auf eine Nebenurkunde über eine Verpfändung an Conradus von Widense (vermutlich der erste Lehnschulze des Dorfes) aus dem Jahr 1242 zurück. Der fischreiche See bildete die Ernährungs- und Erwerbsgrundlage der ersten Bewohner, die den umliegenden Wald rodeten und Getreidehufen anlegten; ein Fischerdorf war Weißensee jedoch nie. Die vorauszusetzende Dorfkirche aus Holz erhielt in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen Turm aus wenig regelmäßig gequaderten Feldsteinen (Kennzeichen der Spätgotik). Katharina von Alexandrien ist die Schutzheilige dieser Pfarrkirche. Das Wappen von Weißensee bezieht sich auf das Rad, mit dem sie gerädert, und auf das Schwert, mit dem sie gevierteilt wurde. Gegenüber der Kirche befand sich ein Lehnschulzenhof. Der Ort dehnte sich mit seinen Bauern- und Kossätenhöfen in einer Länge von 500 Meter beiderseits der Dorfstraße aus.
14. Jahrhundert In einer Urkunde aus dem Jahr 1313 wurde das Dorf Weißensee zum ersten Mal erwähnt, als dem Heilig-Geist-Hospital in Berlin Rechte über vier Hufen aus Wittense (niederdeutsch: Heller See) veräußert wurden. 1375 ließ der in Prag residierende Kaiser Karl IV. Weißensee wie alle Dörfer seines Herrschaftsbereichs in das „Landbuch der Mark Brandenburg“ eintragen. Das Dorf hatte insgesamt 58 Hufen, davon fünf Pfarrhufen, eine Kirchenhufe, acht Hufen des Lehnschulzen und drei Hufen, die sich neun Kossäten teilten. Ein Krug und Fischereirechte wurden nicht erwähnt. Im 14. Jahrhundert waren vorrangig Berliner Bürger Eigentümer oder Pächter des Dorfes. In dieser Zeit entstand der Westturm der Dorfkirche aus spätgotisch-unregelmäßigem Feldsteinmauerwerk.
15.–18. Jahrhundert Im Jahr 1486 belehnte Kurfürst Johann Cicero den Berliner Bürgermeister Thomas von Blankenfelde mit einem Bauernhof und machte ihn zum ersten Gutsherrn von Weißensee.
Um 1540 wurde in Weißensee ein Rittergut eingerichtet, das in der Folgezeit mehrere Male geteilt wurde und häufig seinen Besitzer wechselte. Während des Dreißigjährigen Kriegs (1618–1648) wurde Weißensee mehrmals besetzt, so 1636 und 1639 von den Schweden. Nach dem Ende des Krieges lebten in Weißensee nur noch drei Familien. Erst 30 Jahre später wohnten hier wieder 143 Menschen.
Carl Gottlob von Nüßler vereinigte 1745 die getrennten Güter und errichtete am Südufer des Sees ein schlichtes Gutshaus.
19. Jahrhundert mini|Weißer See vor der damaligen Stadtgrenze auf einem Plan von 1866 mini|Plan der Gemeinden Weißensee und Neu-Weißensee von 1880 bis 1905 Noch im Jahr 1798 verlief die Bernauer Chaussee weitab von Weißensee an der Westseite des Weißen Sees. Ab 1804 begann der Bau der Provinzial-Chaussee Berlin–Weißensee–Bernau. Allerdings reichten die Mittel für diese Straße nur bis Weißensee. Erste wirtschaftliche Impulse kamen mit dem Brennen von Kartoffelschnaps durch den 1817 von Johann Pistorius patentierten Brennapparat.
Am 1. April 1880 wurde der Gutsbezirk Weißensee aufgelöst. Begleitet von einem Gebietsaustausch mit der Gemeinde Weißensee wurde aus seinem Gebiet die Gemeinde Neu-Weißensee gebildet.Auflösung des Gutsbezirks Weißensee und Bildung der Gemeinde Neu-Weißensee. In: Amtsblatt der Regierung zu Potsdam, 26. März 1880, Nr. 13, S. 112; . Dieser Vorgang wurde durch das finanzielle Engagement der Hamburger Unternehmerfamilie Schön unter Führung von Gustav Adolf Schön unterstützt. Bis 1900 wuchs Neu-Weißensee auf über 30.000 Einwohner.
20. Jahrhundert
mini|hochkant|Olympia-Glocke in Weißensee, Olympische Sommerspiele 1936 Am 1. Januar 1905 wurden die Gemeinden Weißensee und Neu-Weißensee zu einer Gemeinde mit dem Namen Weißensee vereinigt.Zusammenschluss der Gemeinden Weißensee und Neu-Weißensee. In: Amtsblatt der Regierung zu Potsdam, 1904, S. 112/113; books.google.de Zur gemeinsamen Beantragung des Stadtrechts wurden Infrastrukturen wie ein Städtischer Friedhof, ein Krankenhaus, ein Gerichtsgebäude, Schulen geschaffen. Zudem wurde für die angestrebte Stadt ein Wappen benötigt. Pfarrer Alexander Giertz wählte aus den Heiligen seiner Kirche die Heilige Katharina, die mit Rad und Schwert den Märtyrertod erhielt. panke-guide.de Der zuständige Landrat lehnte jedoch die Erteilung des Stadtrechts ab. 1910 suchte die Gemeinde erneut um das Stadtrecht nach, dies wurde aber wiederum abgelehnt. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Weißensee 1920 zusammen mit den umliegenden Gemeinden Hohenschönhausen, Malchow, Falkenberg und Wartenberg sowie den Gutsbezirken Falkenberg, Malchow und Wartenberg zum 18. Verwaltungsbezirk von Groß-Berlin vereinigt. Das Rathaus des Bezirks Weißensee war ein Gebäude in der Amalienstraße 6. Verwaltungstechnisch entstanden 21 Ortsbezirke, nach Straßen unterteilt. Hinzu kamen vier Schiedsmannsbezirke und 16 Bereiche mit Armen- und Waisenräten.
Vom September 1943 bis April 1945 befand sich in Weißensee ein Außenlager des KZ Moringen für Jungen.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Weißensee ein Teil des sowjetischen Sektors von Berlin, eine neue Verwaltung nahm ihre Arbeit auf.C Rep 148. Landesarchiv Berlin. Im Jahr 1952 erhielt die Verwaltungseinheit seitens des Magistrats die offizielle Bezeichnung Stadtbezirk Berlin-Weißensee und die Amtsgeschäfte übernahm der Rat des Stadtbezirks. Sitz dieser Bezirksverwaltung wurde ein Schulgebäude in der Parkstraße 82. 1979 wurde der Südbereich von Falkenberg ausgegliedert und kam zum neuen Stadtbezirk Marzahn. Am 1. September 1985 wurden die Ortsteile Hohenschönhausen, Wartenberg, Falkenberg sowie der östliche Teil von Malchow nach umfangreichen Wohnungsneubauten aus dem Bezirk Weißensee ausgegliedert und zum neuen Stadtbezirk Hohenschönhausen zusammengefasst. Dafür wurden am 1. Januar 1986 die Ortsteile Blankenburg, Heinersdorf und Karow aus dem Stadtbezirk Pankow dem Stadtbezirk Weißensee zugeordnet.
Mit der deutschen Wiedervereinigung im Jahr 1990 kam der Stadtbezirk Weißensee mit allen anderen Ost-Berliner Stadtbezirken in die Verwaltung des wiedervereinigten Berlins unter Hoheit des Senats.
21. Jahrhundert