mini|Burgau von Oben|300x300px Burgau ist eine Stadt im schwäbischen Landkreis Günzburg in Bayern.

Die Stadt verfügt über eine wechselvolle Geschichte. Die einstige Markgrafschaft Burgau gehörte über 500 Jahre (1301–1805) zu Vorderösterreich. Heute ist die Stadt auch durch die hier beheimatete und vom Bezirk Schwaben geförderte Rehabilitationsklinik für schwer Schädel- und Hirnverletzte bekannt.

Geographie Geographische Lage Burgau liegt an der Mindel, einem rechten Nebenfluss der Donau. Die Stadt ist Teil des Schwäbischen Barockwinkels und Ober- bzw. Mittelschwabens. Naturräumlich gehört sie zum Alpenvorland bzw. zur Donau-Iller-Lech-Platte;

Der höchstgelegene Punkt ist der „Sulzkopf“ mit 521 m ü.NHN im Süden, der niedrigste Punkt ist nördlich des Silbersee (Remshart) mit 442 m ü. NHN.

Es gibt 7 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es existieren folgende Gemarkungen: Burgau, Großanhausen und Limbach.

Flächenerhebung +FlächenerhebungSiedlung436 ha16,8 %Wohnbaufläche197 ha7,6 %Industrie- u. Gewerbefläche119 ha4,6 %Verkehr252 ha9,7 %Vegetation1867 ha72 %Landwirtschaft1364 ha52,6 %Wald412 ha15,9 %Gewässer37 ha1,4 %Bodenfläche gesamt2593 ha100 %Siedlungs- u. Verkehrsfläche677 ha26,1 % Flächenerhebung zum 31. Dezember 2020

Nachbargemeinden Die Gemeinden in der Umgebung sind im Uhrzeigersinn die Gemeinde Dürrlauingen, die Gemeinde Haldenwang (Landkreis Günzburg), die Gemeinde Röfingen, der Markt Jettingen-Scheppach, die Gemeinde Kammeltal, die Gemeinde Kötz sowie die Gemeinde Rettenbach (Landkreis Günzburg).

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert Anno 1147 wurde Bruno von Burgau erstmals urkundlich erwähnt. Das Entstehen der „Burg ob der Au“ wird um das Jahr 1100 herum vermutet. Die Edlen von Burgau werden letztmals 1211 im Schenkungsbuch des Klosters Wettenhausen genannt. Die Grafen von Burgau aus dem Hause Berg (bei Ehingen) übernahmen dann vor April 1212 die Herrschaft. Zwischen Mitte 1214 und September 1216 erscheint Heinrich I. von Burgau dann erstmals mit dem Markgrafentitel. Er hatte diesen über seine Mutter Adelheid von den im April 1212 im Mannesstamm ausgestorbenen Markgrafen von Ronsberg geerbt. Zur Geschichte der Burgauer Markgrafen aus dem Hause Berg (1212 bis ca. 1301) siehe Markgrafen Heinrich I., Heinrich II. und Heinrich III. von Burgau. Am 23. November 1288 heiratete der Enkel von Heinrich II., der spätere Markgraf Heinrich III. von Burgau, Margareta von Hohenberg. Margareta war die Nichte des Habsburgers König Rudolf I. und die Cousine des späteren Königs Albrecht (1298–1308). Diese Verbindung dürfte mit entscheidend für die Übergabe der Markgrafschaft um 1301 an die Habsburger gewesen sein. Markgraf Heinrich III. von Burgau hatte keine Söhne und war vermutlich in wirtschaftlich schwieriger Lage. Nach Übergabe der Herrschaft an die Habsburger ging er nach Augsburg ins Kloster. Im Totenbuch des Dominikanerinnenklosters Sankt Katharina ist er als Frater Heinrich vermerkt.

Zur Geschichte der Markgrafschaft Burgau unter österreichischer Herrschaft siehe Markgrafschaft Burgau. Der Wittelsbacher Kaiser Ludwig IV. (der Bayer) belagerte am Ende des Jahres 1324 vergebens die Stadt.

mini|Ansicht der Stadt Burgau in der Markgrafschaft Burgau im Jahr 1559 aus dem "Ehrenspiegel des Hauses Österreich" Im Bauernkrieg 1525 unterstützten die Burgauer die Leipheimer Aufständischen, konnten deren Niederlage aber nicht abwenden. Schwere Zeiten durchlitt die Stadt im Dreißigjährigen Krieg und im Spanischen Erbfolgekrieg.

1806 wurde Burgau ins Königreich Bayern eingegliedert. 1834 hielt das Industriezeitalter in Burgau ein mit dem ersten Industriebetrieb, einer Bandweberei. Die Eröffnung der Bahnstrecke Augsburg-Ulm im September 1853 führte zu einem weiteren wirtschaftlichen Aufschwung. Durch eine bayerische Verwaltungsreform im Jahr 1862 wurde ein Amtsgericht, ein Notariat und ein Finanzamt geschaffen. Im Folgejahr bewirkte ein Großbrand das Entstehen der Freiwilligen Feuerwehr. Das Jahr 1904 brachte das elektrische Licht, 1908 folgte der erste Telefonanschluss, 1911 wurde die moderne Wasserversorgung der Stadt in Angriff genommen.

20. Jahrhundert mini|Nahe dem einstigen Lagerareal erinnert ein Gedenkstein an die Häftlinge des KZ Burgau

Vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden im Februar 1945 ein Konzentrationslager in Burgau, nämlich ein Männerlager und im März ein Frauenlager, als Außenlager des KZ Dachau errichtet. Die über 1000 Häftlinge, darunter 500 jüdische Frauen und Mädchen aus Polen und Ungarn, hierher verlegt aus den Konzentrationslagern Dachau, Bergen-Belsen und Ravensbrück, mussten unter elenden Bedingungen in den Kuno-Werken im Scheppacher Forst beim Flugzeugbau Zwangsarbeit verrichten. 18 von ihnen starben und wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ichenhausen begraben.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 149. Die meisten der verbliebenen Häftlinge, vor allem die jüdischen Frauen, wurden im März und April 1945 über das KZ-Außenlager Kaufering VI – Türkheim nach Allach mit einem Todesmarsch „evakuiert“ und dort schließlich größtenteils befreit.Alois Epple: KZ Türkheim. Das Dachauer Außenlager Kaufering VI. Lorbeer Verlag, Bielefeld 2009, ISBN 978-3-938969-07-6.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden rund 1600 Heimatvertriebene der Stadt zur Unterbringung zugewiesen.

Eingemeindungen Infolge der bayerischen Gebietsreform wurden am 1. Mai 1978 die Gemeinden Oberknöringen, Unterknöringen mit Großanhausen (bis 1865 Groß- und Kleinanhausen, am 1. Juli 1970 nach Unterknöringen eingemeindet) und Limbach eingegliedert.

Bevölkerungszahlen Im Stadtgebiet leben 10.784 Einwohner (1. November 2025), die sich wie folgt auf die Ortsteile verteilen: Ortsteil Burgau (8374 Einwohner) Ortsteil Großanhausen (105 Einwohner) Ortsteil Kleinanhausen (210 Einwohner) Ortsteil Limbach (287 Einwohner) Ortsteil Oberknöringen (922 Einwohner) Ortsteil Unterknöringen (886 Einwohner)

Einwohnerentwicklung Zwischen 2010 und 2025 wuchs die Stadt von 9290 auf 10784 um 1494 Einwohner bzw. um 16,1 %. links|mini|500x500px

+Jahr18401874190019251939195019611970198720082009201020112012201320142015201620172018201920202021202220232025Einwohner36193421323734553646592171577847811193079254929093279361940194249579961797779923101231015910278105091068310784

Religion Es bestehen die drei Pfarreien Mariä Himmelfahrt in Burgau, St. Martin in Unterknöringen und St. Stephan in Limbach. Sie gehören zum Dekanat Günzburg und bilden zusammen die Pfarreiengemeinschaft Burgau.

Mit Stand vom 15. Mai 2022 sind von den 10.235 Einwohnern in Burgau 5328 Römisch-Katholisch, 962 Evangelisch und 3945 sind Bekenntnislose bzw. gehören einer anderen Religion an.

Die Muslimische Gemeinschaft organisiert sich im Türkisch-Islamischen Verein DITIB und verfügt über eigene Gebetsräume.

Politik Stadtrat Der Stadtrat hat 24 Mitglieder. Bei den vergangenen Kommunalwahlen 2026 verteilten sich die Sitze folgendermaßen auf die einzelnen Listen: Sitzverteilung bei der Kommunalwahl 2002 2008 2014 20202026 CSU 6 5 5 66FW Bayern / Freie Wähler Vereinigung75445AfD––––4Christliche Wählergemeinschaft33423SPD33323FDP/Freie Bürger12222 Bündnis 90/Die Grünen - - - 21Aktive Bürger Burgau–221–Die Partei–––1–

Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2020 Martin Brenner (CSU), der am 15. März 2020 bei vier Bewerbern mit 37,6 % der Stimmen noch hinter Amtsinhaber Konrad Barm (39,4 %) lag, jedoch in der Stichwahl am 29. März 2020 mit 56,9 % der Stimmen gewählt wurde. Sein Vorgänger war von Mai 2002 bis April 2020 Konrad Barm (Freie Wählervereinigung)., abgefragt am 13. Juli 2010. Er war zuletzt 2014 mit 79,2 % der Stimmen im Amt bestätigt worden. Martin Brenner wurde am 22. März 2026 in der Stichwahl gegen Martin Ruf mit 59,3 % wiedergewählt.

Wappen

Städtepartnerschaften : Bereits seit Mitte der 1970er Jahre bestehen Kontakte zur Marktgemeinde Burgau in der Steiermark. Offiziell besiegelt wurde die Städtepartnerschaft im Jahr 1982. : Bereits seit 1978 pflegen insbesondere die Einwohner der Gemeindeteile Ober- und Unterknöringen den Kontakt zur Partnergemeinde Knöringen (bei Landau in der Pfalz).

Kultur und Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

Bodendenkmäler

Museen Museum der Stadt Burgau im Schloss Tiermuseum Burgau (derzeit geschlossen) Das Automuseum Burgau stellte zwischen 1974 und 1991 alte Automobile und Motorräder aus.

Bauwerke Das Stadtbild prägen: der 1614 errichtete Blockhausturm (das einzig erhaltene Stadttor) der Marienbrunnen (sog. „Röhrenkasten“) am Kirchplatz mit einer von Franz Schäfferle 1696 konzipierten, 1731 aufgestellten Figur die Sankt-Leonhards-Kapelle von 1668 mit barocker Fassade die von 1788 bis 1791 errichtete Stadtpfarrkirche das hoch über dem Mindeltal thronende Schloss das ehemalige Kapuzinerkloster. In dessen Kirche befand sich ursprünglich in der Apsis das Bild von Leonardo da Vinci „Madonna mit der Nelke“, welches sich heute in der Münchner Alten Pinakothek befindet. die Loretokapelle mit schwarzer Madonna die alte Mädchenschule das alte Rathaus. Im ehemaligen Sitzungssaal ist in der Stuckdecke noch der österreichische Adler zu sehen. das älteste Wohnhaus Burgaus aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges am Weg zum Schloss die alte Münzprägestätte. Auch hier ist noch eine Stuckdecke mit dem österreichischen Adler zu sehen.

Regelmäßige Veranstaltungen Historische Feste Im Jahr 1997 feierte die Stadt das 850-jährige Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung mit einem aufwändigen „Historischen Fest“. In etwas verkleinerter Form wurden weitere historische Feste in den Jahren 2001, 2005, 2009, 2013, 2017 und 2023 gefeiert.

Die gefeierten Anlässe hierzu waren: 2001: 700 Jahre Zugehörigkeit zu Vorderösterreich 2005: 200 Jahre Zugehörigkeit zu Bayern 2009: Burgau im Mittelalter (kein konkreter historischer Anlass) 2013: Burgau kehrt ins Mittelalter zurück (kein konkreter historischer Anlass) 2017: Burgau im Lutherjahr

Zum Historischen Fest 2023 gab es keinen konkreten Anlass. Das Fest erhielt den neuen Markennamen: Markgrafafescht.

Diese fünftägigen Feste wurden von tausenden Gästen besucht.

Burgauer Fasching Die Kinderbrotspeisung Burgau ist der älteste Faschingsbrauch in der Markgrafenstadt Burgau. 1594 beschloss der Magistrat – begründet durch eine Hungersnot – am Rosenmontag Lebensmittel an die Kinder zu verteilen. Der 425 Jahre alte Brauch der Kinderbrotspeisung wurde auch in der Zeit des Dreißigjährigen Kriegs fortgesetzt – trotz Hunger und Pest. Anfang der 1950er Jahre wurde dieser Brauch von Albert Vogele sen. wieder belebt. Seither zieht die Figur des Trommler-Alberts im Fasching mit Kindern durch die Innenstadt und erhält auf das Rufen von Faschingssprüchen von Geschäftsleuten Essen sowie Süßigkeiten für die Kinder. In der Nachfolge verkörperte Albert Vogele jun. für 40 Jahre den trommelnden Stadtsoldaten. 2017 übernahm dessen Schwiegersohn Bernd Burkhardt die Familien-Tradition weiter und schlüpft in die Rolle des Trommler-Alberts. An diesem Burgauer Faschingsbrauch sind neben dem Trommler-Albert, die Burgauer Stadtsoldaten und die Musikvereinigung der Handschuhmacher beteiligt. Für den Erhalt des Faschingsbrauchtums der Kinderbrotspeisung wurde der Heimatpreis Schwaben im Januar 2018 durch den Bayerischen Heimatminister Markus Söder verliehen.

Einige Beispiele für solche Faschingssprüchlein und Rufe: Burga zua, Burga zua – Ohne Strempf und ohne Schuah! Hio! I ond Du, ond no a paar, sind mas rechte Lompa, und wenn ma s’Geld versoffa hand, dann mias ma Wassr gompa. Hio! I bin a kloina Pumprnikl, i bin a kloina Bär, ond wia mi Gott erschaffa hat, so trab i halt daher. Hio! Brezga raus, Brezga raus! Hio! Beim Käppelewirt, beim Käppelewirt, dau kehrat d’ Maschker ei. Sie saufat Bier und Branntawei und schiabat d’ Gläsla ei! Hio!