mini|Nordseite von St. Maria in der Kupfergasse mini|Ostseite von St. Maria in der Kupfergasse mini|St. Maria in der Kupfergasse um 1830

Die 1715 erbaute römisch-katholische Kirche St. Maria in der Kupfergasse befindet sich in der Kölner Innenstadt an der Neven-DuMont-Straße, Ecke Schwalbengasse. Sie ist eines der wenigen barocken Kirchengebäude der Stadt Köln. Die Kirche umschließt seit ihrer Weihe im Jahr 1715 die in ihrem Inneren zwischen 1673 und 1675 errichtete Laurentinische oder Loretokapelle, in der seit dieser Zeit ein Gnadenbild der Schwarzen Muttergottes verehrt wird.

Geschichte Klostergründung Am Anfang des 17. Jahrhunderts kam es aufgrund konfessioneller Gegensätze in der niederländischen Bevölkerung zu gewalttätigen Ausschreitungen. Dies veranlasste viele Katholiken, ihre Heimat zu verlassen. Viele der Betroffenen suchten in der nicht weit entfernten katholischen Reichsstadt Köln Zuflucht.

So flohen auch erste Ordensleute aus dieser Region nach Köln. Brüder des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten kamen bereits um das Jahr 1614 nach Köln. Sie errichteten auf dem Hofgelände „zum Dau“ in der südlichen Kölner Vorstadt zwischen 1620 und 1628 ein Kloster und eine den Heiligen Josef und Theresia geweihte Kirche.Adam Wrede, Band I., S. 125, Hof zum Dau, des „her Melchior von Mulhem, rentmeister“.

Den Ordensbrüdern folgten in den 1630er-Jahren auch die aus Herzogenbusch im niederländischen Nordbrabant kommenden Nonnen der Unbeschuhten Karmelitinnen nach Köln und ließen sich auf dem vormals von Protestanten bewirtschafteten an der Ecke Lang-, Schwalben- und Kupfergasse gelegenen „Neuenahrer Hof“ nieder.

Kloster und Kapelle mini|Innenraum, Wappen von Groote mini|hochkant|Schwarze Muttergottes, 17. Jahrhundert mini|hochkant|Kapelle, Südwestseite

In den Folgejahren gelang es den Karmelitinnen, unterstützt durch Privilegien und Schenkungen, den alten Neuenahrer HofEine Memorientafel der 1805 niedergelegten Kirche St. Maria ad Ortum nennt den Kölner Zweig der Neuenahr als Stifterfamilie. Die Tafel verblieb in Köln und gelangte in das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud. in eine Klosteranlage umzuwandeln. Unmittelbar an den Klostergebäuden ließen die Schwestern neben einem kleinen Oratorium auf Veranlassung des Ratsherren und späteren Bürgermeisters Johann Jakob Wissius eine Kapelle errichten. Diese wurde nach dem Vorbild der Casa santa im italienischen Loreto gestaltet.

Der durch die Stiftung eines Kölner Bürgers (ein späterer namhafter Stifter ist die Familie von Groote, deren Kölner Wappen die geschmiedeten Gitter neben und in der Laurentinischen Kapelle heute noch zieren) ermöglichte Kapellenbau war von den Ordensschwestern mit einem Gnadenbild, einer aus Lindenholz geschnitzten Figur der Muttergottes, ausgestattet worden. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um das Werk eines niederländischen Meisters um 1630.Angaben der Cellitinnen zur Kopfergasse. Die Kapelle wurde zum Fest Mariä Geburt am 8. September 1675 konsekriert.

In dieser Zeit mit einer auch in Köln besonders stark ausgeprägten Marienverehrung fanden häufig Wallfahrten und Prozessionen zu Orten statt, denen wundertätige Kräfte nachgesagt wurden. Dies betraf auch das Gnadenbild der Kalker Kapelle oder das Marienbild des Karmels St. Maria vom Frieden.

Die Klosterkapelle an der Kupfergasse mit ihrem Gnadenbild gelangte innerhalb kurzer Zeit für den Orden und die Stadt zu hoher Bedeutung. Auch sie entwickelte sich zu einem überregional bekannten Ziel frommer Wallfahrten. Die Pilger schmückten die „Mutter der Barmherzigkeit“, wie man das Gnadenbild auch nannte, mit Schmuckstücken und unzähligen dargebrachten Opferkerzen, sodass das Abbild der Mutter Jesu im Laufe der Jahre eine dunkle Tönung erhielt. Die stetig steigende Besucherzahl verhalf dem Kloster durch zahlreiche Messstiftungen zu einem soliden Wohlstand, sodass der Bau eines größeren Gotteshauses erwogen wurde. Erste Baumaßnahmen begannen jedoch erst 1705. Der Plan, der den Erhalt der Kapelle unter Einschluss in einer neuerbauten Kirche vorsah, erhielt erst durch die wohlwollende Einflussnahme der Kaiserin Wilhelmine Amalie die Baugenehmigung. Nachdem zusätzlich das südlich angrenzende „von Aussemsche Grundstück“Hugo Rahtgens, Verweis auf: Stadtarchiv, Mus. Alfter. 4, S. 165 bis 216, 249 bis 258. an der Langgasse erworben worden war, begannen unter der Aufsicht des Bauleiters Flostorf die Arbeiten, die zehn Jahre andauern sollten. Die bereits im Jahr 1709 gestifteten GlasarbeitenHugo Rahtgens, Verweis auf: v. Mering-Reischert, Bisch. u. Erzb. I, S. 355 und 357. lassen den Rückschluss auf einen schon weit fortgeschrittenen Bau zu.

Laurentinische Kapelle und Schwarze Madonna mini|Die Casa santa im Kirchengebäude mini|hochkant|Kapellenwestwand

Die „Gnadenkapelle“ lag und liegt als eigenständiger Einbau zwischen den zwei Eingängen der nachträglich um sie herum erbauten Hauptkirche. Sie stellt eine verkleinerte Nachbildung des „heiligen Hauses“ von Loreto dar. Die Außenwände des kleinen tonnengewölbten Bauwerks hatten an der Südseite eine aufwändige geschnitzte Holzverkleidung. Zugeordnet werden die Schnitzarbeiten Johann Franz van Helmont und dessen Schüler Johann von Rick.Rahtgens, Verweis auf „Johann Franz van Helmont“: Mitteilungen des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Heimatschutz V, S. 76. Zwischen den jeweils vier ionischen Pilastern der drei freien Außenseiten befanden sich geschnitzte Reliefs.

Die Wandflächen blieben nach den Kriegszerstörungen ohne Täfelungen. Lediglich die Schmalwand, die ehemals auch das von schwebenden Engeln gehaltene Wappen der Reichsgräfin Anna Bernhardine von Limburg-Stirum (1696–1723), der Stifterin der Schnitzereien, zeigte,Hugo Rahtgens, S. 280, Laurentinische Kapelle. trägt heute als Schmuck ein Bildmotiv der Marienverehrung. Das Dach der mittig von der Nordwand in das Kirchenschiff ragenden Kapelle dient heute als Orgelempore. Die mit einer kleinen Anzahl von Gebetsbänken versehene Kapelle ist in ihrem letzten Drittel ebenfalls wie die seitlichen Zugänge in das Mittelschiff der Kirche mit einem schmiedeeisernen Gitter im Stil des Rokoko separiert. Dahinter ist, bis auf wenige ausnehmende Anlässe, das Gnadenbild der Marienkirche, die Schwarze Muttergottes, aufgestellt.

Die Schwarze Muttergottes in der Kupfergasse gehört zu den bedeutendsten Gebetsstätten im Erzbistum Köln und ist nach einer Studie eine von insgesamt 270 Schwarzen Madonnen im europäischen Raum. In der Zeit vor der Corona-Pandemie wurden dort jede Woche etwa 5000 Opferkerzen aufgestellt, verbunden mit zahlreichen Bitten um Hilfe in den verschiedensten Situationen. Aus Dankbarkeit wurde die Schwarze Madonna im Laufe der Zeit mit Schmuck geradezu überladen.

Traditionell besucht auch das Kölner Dreigestirn am Karnevalssonntag die Heiligenfigur, um eine mit Karnevalsmotiven verzierte Kerze anzuzünden und um gutes Wetter und einen erfolgreichen Ablauf des Rosenmontagszugs zu bitten.

Eine besondere Art der Verehrung erfuhr die Schwarze Muttergottes durch den Kölner Krätzchensänger, Komponist und Textdichter Ludwig Sebus. Er widmete ihr das von ihm komponierte und getextete Lied mit dem Titel Bei d’r schwazze Madonna en d’r Kofferjass.

Das Lindenholz, aus dem die Madonna gefertigt ist, hatte ursprünglich eine weiß-gelbliche bis hellbräunliche Farbe, ist jedoch vermutlich vom Ruß der vielen Opferkerzen immer mehr geschwärzt worden.Die Schwarze Madonna in der Kupfergasse – eine Heilige mit Bodenhaftung Der Köln-Lotse vom 13. März 2021, abgerufen am 14. Dezember 2023.

1630 kam die Heiligenfigur mit den flämischen Unbeschuhten Karmeliterinnen nach Köln. 1675 wurde ihr zu Ehren die Loretokapelle gebaut, die seit Beginn des 18. Jahrhunderts von einem barocken Kirchenbau umgeben ist.Welche Hautfarbe hatte Maria? Schwarze Mutter Gottes in der Kupfergasse aus koeln.de, abgerufen am 14. Dezember 2023.Bernd Imgrund (Autor), Britta Schmitz (Fotografin): 111 Kölner Orte die man gesehen haben muss, Emons Verlag, Köln 2015, ISBN 978-3897056183.

Am 8. Dezember 1675 ließ Kurfürst Maximilian Heinrich das Bild der Gottesmutter durch seinen Generalvikar Außemius mit einer kostbaren goldenen Kette schmücken. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts hing neben der Schwarzen Madonna eine doppelherzförmige Lampe mit den entsprechenden Organen eines Fürstenpaares, das zum Katholizismus konvertierte. Nach der Säkularisierung durch die Franzosen ging die Lampe verloren.

Am 7. Juni 1925 krönte Kardinal Karl Joseph Schulte das Gnadenbild mit einer Miniatur der Papstkrone Papst Pius XI., die dieser der Schwarzen Mutter Gottes geschenkt hatte. Bis heute trägt Maria als Mutter der Barmherzigkeit diese dreifache Krone unter einem Kranz von zwölf Sternen.

Den Zweiten Weltkrieg überstanden nur das Sanctissimum und das Gnadenbild, während die Kirche und alle zur Pfarre gehörenden Gebäude mitsamt dem ganzen Inventar ausbrannten.

In der Woche um den 8. September, den Weihetag der Kapelle und der Kirche, wird traditionell das Gnadenbild in einer Lichterprozession durch die Straßen getragen.Maria in der Kupfergasse in pfarr-rad.de, abgerufen am 14. Dezember 2023.

Kirche St. Josef Exakt 40 Jahre nach der Weihe der Kapelle wurde am 8. September 1715 die neue, zu Ehren des heiligen Josef errichtete Klosterkirche zusammen mit ihrem neuen Hochaltar feierlich durch den Kölner Kurfürsten und Erzbischof Joseph Clemens geweiht. Sie ist Kölns erste Backsteinkirche. Mit ihrem Baustil in Niederländischem Barock erinnerte die Kirche an die Heimat der Karmelitinnen. Im 17. bzw. 18. Jahrhundert traten in den hiesigen Konvent die Wittelsbacher Prinzessinnen Amalia Maria Therese von Pfalz-Sulzbach (1651–1721) und Maria Anna Amalia Auguste von Pfalz-Sulzbach (1693–1762) ein. Erstere wurde wegen ihrer Armut im Volksmund „die Bettlerin von St. Joseph“ genannt, letztere amtierte lange Jahre als Priorin.Christian Haeutle: Genealogie des erlauchten Stammhauses Wittelsbach, München, 1870, S. 188 und 189 (Digitalscan). Der Bruder bzw. Neffe der beiden Karmelitinnen Joseph Karl von Pfalz-Sulzbach († 1729), damals präsumtiver Thronerbe in der Kurpfalz, ließ in seinem Todesjahr, nach dem Vorbild des Kölner Klosters, in Oggersheim bei Mannheim eine Loretokapelle mit Gnadenbild der schwarzen Madonna errichten, die noch existiert und später zur Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt erweitert wurde.

1798 mussten die Karmelitinnen erneut fliehen. Das Kloster war durch die französischen Besatzer aufgehoben worden, und die Gebäude gingen in städtischen Besitz über. Die Klosterkirche wurde als eine von wenigen Sakralbauten nicht abgerissen, sondern 1802 zur Pfarrkirche erhoben.Stephanie Habeth-Allhorn, 175 Jahre Cellitinnen zur hl. Maria in der Kupfergasse, S. 29 f.Hugo Rahtgens, S. 278, Baugeschichte Maria in der Kupfergasse. Der erste Pfarrer der Gemeinde war Peter Joseph Schäffer (auch Scheefer), der 1803 wegen Doppelmordes zum Tode verurteilt und mit der Guillotine hingerichtet wurde. Der 1865 als Pfarrer in der Kupfergasse tätige Friedrich Ludger Kleinheidt wurde 1893 zum Kölner Domdechanten ernannt.

Pfarrkirche St. Maria in der Kupfergasse mini|Hauptaltar mini|Gabelkreuz, Seitenschiff

Die Pfarrkirche trug nun das Patrozinium Maria Himmelfahrt.kupfergasse.de: Kurzbeschreibung unserer Kirche 1873 wurde sie an ihrer Westseite unter Einbeziehung der alten Sakristei um ein niederes Seitenschiff erweitert. Die neue Sakristei schloss sich nun dem Chor an. Zur gleichen Zeit wurden äußere und innere Instandsetzungen durchgeführt, die sich im Jahr 1939 wiederholten. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Kirche wiederholt von Bomben getroffen und brannte 1944 völlig aus. Ihre bis dahin noch erhaltene aufwendig gestaltete Nordfassade wurde noch im letzten Kriegsjahr stark beschädigt.