mini|Radler von verschiedenen Brauereien (v. l. n. r. Berliner Kindl, Henninger, Krombacher, Oettinger, Sternburg) Biermischgetränke oder Biermixgetränke werden aus Bier und Erfrischungsgetränken (oft Limonaden) oder anderen Zusätzen gemischt. Frisch zubereitete Biermischgetränke sind spätestens seit Beginn des 20. Jahrhunderts in der Gastronomie und in Haushalten verbreitet, die meisten Varianten fallen unter den Begriff Radler. Es besteht jedoch eine Vielfalt von regional unterschiedlichen Bezeichnungen.
Seit 1993 können fertige Mischungen durch eine Änderung des deutschen Biersteuergesetzes als fertige Flaschen- oder Dosenbiere von Getränkeherstellern angeboten und kommerziell vertrieben werden, zuvor wurden sie ausschließlich in Gaststätten oder privat frisch zubereitet. Dem Abs. 2 des Gesetzes nach sind Biermischgetränke Mischungen von Bier mit nichtalkoholischen Getränken, die der Position 2206 der kombinierten Nomenklatur zuzuordnen sind.Position 2206 der Kombinierten Nomenklatur Ebenso hält es das österreichische Biersteuergesetz,Biersteuergesetz im Bundesgesetzblatt für die Republik Österreich; spätere Änderungen betreffen die Definition in § 2 nicht. das Schweizer Biersteuergesetz schließt ausdrücklich „ausschliesslich durch Vergärung gewonnene“ Beigaben ein.Bundesgesetz über die Biersteuer (BStG) vom 6. Oktober 2006. Zuvor mussten solche Mischungen frisch zubereitet werden. Nicht nur im Rahmen der kommerziellen Vorabfüllung sind auch Varianten mit alkoholfreiem Bier mittlerweile verbreitet. Die absatzstärksten Mischgetränke sind in Deutschland mit einem Anteil von über 40 Prozent Bier-/Limomischungen, also v. a. Radler.
Neben Biermischgetränken im Sinne des deutschen Biersteuergesetzes gibt es weltweit zahllose andere Biermischgetränke, teilweise mit alkoholischen Beigaben, die nicht immer trennscharf als „Biercocktails“ bezeichnet werden. So sind etwa die Altbierbowle oder das Herrengedeck Biermischgetränke, die jedoch in Zutaten, Zubereitungsweise und Darreichungsform sich klar vom Typus „Radler“ unterscheiden. Solche Grenzfälle ist beispielsweise die „Berliner Weiße Spezial“.
Geschichte Biermischgetränke wie der Shandy, auch „shandygaff“, waren in England bereits im 18. Jahrhundert populär. Spätestens in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts werden Biermischgetränke auch im deutschen Sprachraum bekannt, zunächst nur regional und mit unterschiedlichen Bezeichnungen: „Alster(wasser)“ in und um Hamburg, „Potsdamer“ im Raum Berlin und „Radler“ in München. Vermutlich nicht zufällig waren diese drei Städte um die Jahrhundertwende Hochburgen einer deutschen Englandbegeisterung, die eine Übernahme verschiedener Freizeitbeschäftigungen zur Folge hatte, so dass das Aufkommen der Biermischgetränke sicher im Zusammenhang mit dem Ausflugstourismus gesehen werden kann.Vgl. Jürgen Eichhoff: Zu einigen im 20. Jahrhundert entstandenen geographischen Unterschieden des Wortgebrauchs in der deutschen Sprache. In: Reiner Hildebrandt, Hans Friebertshäuser: Sprache und Brauchtum: Bernhard Martin zum 90. Geburtstag Marburg: Elwert 1980, ISBN 3-7708-0687-5, S. 158–175, insbes. S. 160–163.
Während es sich bei Alsterwasser und Radler ursprünglich ausschließlich um Bier mit Zitronenlimonade handelte, wurde unter dem „Potsdamer“ ein Mischgetränk aus Bier und Himbeerlimonade verstanden. Durch die Deutsche Teilung und den Alpentourismus im Westen verbreitete sich die Bekanntheit des Radlers innerhalb der Grenzen der Bundesrepublik Deutschland nordwärts, als Biermischgetränke – auch im Zuge der schrittweisen Verschärfung der Regelungen bzgl. der Trunkenheit am Steuer – flächendeckend bekannt wurden.
Biermischungen
Pils und Helles mini|Almradler Im Verbreitungsgebiet werden ähnliche Bezeichnungen für Mischungen mit Kölsch verwendet Bier mit Zitronen- oder Orangenlimonade: Radler, regional auch: Alster bzw. Alsterwasser, und im Saarland und der Schweiz: Panaché oder Panaschhttps://www.idiotikon.ch/wortgeschichten/panache oder https://www.tagblatt.ch/leben/ein-lob-auf-das-panache-ld.1039360 Bier mit Mineralwasser: Saurer Radler, in der Schweiz: HenachéDurst – Das Gastronomie-Magazin des Unternehmens Feldschlösschen, Nr. 12 (Dezember 2015), S. 15. oder HennachéBiertypen-Quiz, Nr. 11. (Kofferwort aus Panaché und der Mineralwasserquelle Henniez) Bier mit Cola: Colabier, Diesel, Drecksack, Dreckiges Bier, Gespritztes, Gestreiftes, Kalter Kaffee, Krefelder, Mazout, Moorwasser, Schmutz, Schmutziges, Schuss, Pilsschuss (auch mit Malzbier), Schussbiersiehe z. B. https://books.google.de/books?id=8ppgs-BEG_8C&pg=PA259&dq=colabier oder https://brauen.de/braulexikon/biermarken-sorten/cola-bier/ Bier und Almdudler bzw. Kräuterlimonade: Almradler Bier mit Amer/Picon (Orangenlikör): Amer Bière Bier mit Grenadinensirup: Monaco
Hefeweizen Weizenbier mit Obst/Fruchtsaftgetränken: Fruchtweizen, Bananenweizen Weizenbier mit Zitronenlimonade: Weizenradler, Süßer Russ, Russ, Russe, Russ’n oder Russ’n-Maß, Hefelimo (in Südtirol) Weizenbier mit Cola: Colaweizen, Neger, Colaweiße, Hefecola Weizenbier mit Blue Curaçao und Apfel- oder Orangensaft: Isarwasserhttps://www.bayern.by/erlebnisse/essen-trinken/spezialitaeten/bayerisches-bier/biermixgetraenke/; https://www.bayerische-spezialitaeten.net/schmankerl/weissbier.php
Andere Alt- oder Kölsch-Schuss: Altbier bzw. Kölsch mit Malzbier Berliner Weiße mit Schuss: Berliner Weißbier mit Fruchtsirup, meist Himbeer- oder Waldmeistergeschmack Ententeich: meist dunkles Bier mit Himbeerlimonade (roter Fassbrause) in Mitteldeutschlandhttps://www.mueckenschloesschen-leipzig.de/getraenke.html; https://www.myheimat.de/bernburg-saale/kultur/1050-jahre-bernburg-d529324.html Goaß: Dunkelbier mit Cola und Kirschlikör Irish Car Bomb: Stout-Bier, Irish Cream und Whiskey Laternmaß: Helles mit Zitronenlimonade und Kirschlikör
Weblinks
Geschichte des Radlers/Alsterwasser auf bierundwir.de
Einzelnachweise