Die Texanischen Indianerkriege waren eine Reihe von Konflikten zwischen texanischen Siedlern, Armeeeinheiten und Prärie-Indianern. Diese Auseinandersetzungen begannen bereits zu Zeiten, als das texanische Territorium noch unter spanischer Herrschaft stand und die ersten Siedler sich dort niederlassen wollten. Sie setzten sich fort, als Texas zu Mexiko gehörte, dauerten an, als Texas eine eigenständige Republik wurde, und endeten erst 30 Jahre später, nachdem es sich den Vereinigten Staaten angeschlossen hatte. Während es zu Beginn des etwa 50-jährigen Kampfes zwischen den Indianern und den Texanern noch verhalten zuging, intensivierte sich die Auseinandersetzung ab der Unabhängigkeit Texas’ immer mehr. Dieser Krieg wurde geprägt von tiefer Abneigung, gegenseitigen Massakern und schließlich totaler Vertreibung der Indianer.
Etwa um 1721 begannen die ersten Einwanderer aus Europa sich im Gebiet von Nacogdoches anzusiedeln. Dieser Artikel befasst sich mit den Auseinandersetzungen zwischen 1820, kurz bevor Mexiko seine Unabhängigkeit von Spanien erlangte und 1875, als die letzte frei lebende Indianergruppe, die Comanche unter ihrem Häuptling Quanah Parker, kapitulierten und in die Fort Sill Reservation in Oklahoma zogen. Obwohl der Sieg ziemlich einseitig zugunsten der Texaner ausfiel, war die Anwendung von Gewalt auf beiden Seiten gleichmäßig vertreten.
Indianer in Texas Die Comanche (dt. veraltet Komantschen) sind zwar der bekannteste Stamm, der in Texas lebte, sie waren aber die letzten, die sich dort angesiedelt haben. Ihre Verbündeten, die Kiowa und die Kiowa-Apachen lebten in Westtexas, die Tonkawa, Delaware, Caddo, Wichita und Cherokee im Osten des Gebiets. Bis etwa 1650 waren die Comanche Teil der Shoshone (dt. veraltet Schoschonen), die den Oberlauf des Platte River in Wyoming besiedelten. Als die Comanche, wahrscheinlich durch Vermittlung der stammesverwandten Ute sowie der feindlichen Apachen, die Möglichkeiten, die ihnen Pferde bei der Jagd und zur Fortbewegung boten, erkannten, zogen immer größere Verbände und Gruppen (engl. bands) der Comanche nach Süden auf die texanischen Plains.Ernest Wallace, Hoebel E. Adamson: The Comanches: Lords of the Southern Plains. University of Oklahoma Press. (The Civilization of the American Indian Series 34) 1952.
Ihre Wanderung führte sie durch die zentralen Great Plains und weiter nach Süden in ein Gebiet zwischen dem Arkansas River und nördlich des Colorado River in Zentraltexas. Der Stamm vergrößerte sich fortwährend. Dafür waren drei Gründe ausschlaggebend: Der Überfluss an Bisons, die damit eine verlässliche Nahrungsquelle darstellten, zweitens ein Zustrom von weiteren Shoshone sowie Arapaho und schließlich die große Anzahl von erbeuteten Frauen und Kindern, die man bei rivalisierenden Stämmen (besonders den Apachen, Pawnee, Navajo, Ute, Osage u. a.) gefangen genommen hatte.Lee Sultzman: Comanche History: Part One. 2006 (tolatsga.org). Abgerufen am 7. September 2007.
Die Comanche bildeten keinen einzelnen großen Stammesverband, sondern es gab etwa ein Dutzend autonome Gruppen, die sich dann weiter in etwa 45 Dorfgemeinschaften aufteilten. Die Gruppen sprachen zwar dieselbe Sprache und hatten eine gemeinsame Kultur, bekämpften sich aber genauso oft wie sie kooperierten. Die wichtigsten Gruppen bildeten hierbei die Kʉhtsʉtʉʉka (meistens Kotsoteka – ‘Büffelesser’), Kwaaru Nʉʉ/Kwahare (meistens Kwahadi/Quahada – ‘Antilopenesser’), Nokoninʉʉ (meistens Nokoni – ‘Die (Um-)Herumreisenden’), Penatʉka Nʉʉ (meistens Penateka – ‘Honigesser’) sowie die Yaparʉhka (meistens Yamparika – ‘(Yap)Wurzelesser’).
Vor 1750 waren die östlichen Apachen-Gruppen der Jicarilla, Mescalero und Lipan die dominierende militärische Macht in Texas. Dies änderte sich allerdings mit der Ankunft der Comanche. Etwa 1740 ließen sie sich im Bereich des Llano Estacado nieder. Dieses Gebiet reicht von Südwestoklahoma über den Texas Panhandle bis nach New Mexico. In einer Reihe von Kriegen entrissen die Comanche zusammen mit ihren Verbündeten (Ute, Pawnee, Wichita, Tonkawa, Caddo) den Apachen die Kontrolle über die östlichen Plainsgebiete der Apacheria. Die Apachen zogen sich daraufhin in die Berge New Mexicos, Colorados und Mexikos (Chihuahua, Coahuila, Nuevo León, Tamaulipas) und die Randzonen der Plains zurück. Das somit von den Comanche neu gewonnene Gebiet wurde bald von den Spaniern als Comancheria bezeichnet. Nun beherrschten sie ein Gebiet, das sich vom Südufer des Arkansas River über Zentraltexas bis in die Umgebung von San Antonio erstreckte, einschließlich des gesamten Edwards Plateau, westlich bis zum Pecos und dann weiter nach Norden entlang der Rocky Mountains wieder bis zum Arkansas River. mini|200px|Karte der Comancheria im Jahre 1858
Nachdem die Comanche die Apachen vertrieben hatten, wurden sie zwischen 1780 und 1781 von einer Windpockenepidemie heimgesucht. Sie war so heftig, dass sie keinerlei Überfälle mehr ausführten und einzelne Dörfer sich auflösen mussten. Eine zweite Windpockenepidemie gab es im Winter 1817. Vorsichtigen Schätzungen nach soll die Hälfte der Comanche der Krankheit zum Opfer gefallen sein.T. R. Fehrenbach: Comanches, The Destruction of a People.
Im Herbst 1790 hielt sich ein Krieger der Kiowa längere Zeit bei den Comanche auf und vermittelte einen dauerhaften Frieden, so dass sich die beiden vormals erbittert verfeindeten Völker (zusammen mit den Freunden der Kiowa, den sog. Kiowa-Apachen – die für Comanche sich wie Apachen anhörten und daher Misstrauen hervorriefen) verbündeten. Hintergrund dieses Zusammenschlusses dürfte der vermehrte Zustrom von Siedlern gewesen sein. Man hoffte auf diese Weise, die Jagdgründe und sich selbst besser schützen zu können.
Anglo-texanische Siedler Gegen Ende der spanischen Herrschaft in Texas kam zunächst nur eine geringe Anzahl englischer Siedler nach Texas, da die spanischen Behörden den ausländischen Zuzug stark limitierten. Stephen F. Austin war einer der wenigen Amerikaner, die ein Stück Land in Texas zugewiesen bekamen. Als Mexiko 1821 seine Unabhängigkeit von Spanien erhielt, war der neue Staat bemüht, seine spärlich besiedelten nördlichen Provinzen zu bevölkern und gleichzeitig die Herrschaft der Comanche über die Comancheria zu bekämpfen. Da die Regierung Probleme hatte, Mexikaner dazu zu überreden, in den dünn besiedelten Provinzen zu siedeln, warben sie amerikanische Siedler dazu an.
Frühe texanische Besiedlung (1821–1836) mini|Stephen F. Austin, der auch „Vater von Texas“ genannt wird In den 1820er Jahren versuchten die mexikanischen Behörden, den Norden weiter zu stabilisieren, und schlossen eine Vereinbarung mit Stephen F. Austin. Neben der Bestätigung seiner von den Spaniern erlangten Landrechte erlaubten sie mehreren Hundert Siedlern, ins Land zu kommen. Dass dort fruchtbares Land zu bekommen war, sprach sich schnell unter den Amerikanern herum. Mehrere tausend Siedler kamen ins Land, hatten aber kein Interesse, von Mexiko regiert zu werden. Als Mexiko 1829 die Sklaverei abschaffte, unterliefen einige texanische Ansiedlungen diese Gesetze, andere erhielten von der Regierung Ausnahmegenehmigungen.
1821 handelte Francisco Ruiz einen Vertrag mit den südlichsten und zu den größten Gruppen der Comanche gehörenden Penateka, aus, die direkt neben den Niederlassungen der Siedler in Ost- und Zentraltexas lebten. Gemäß diesem Vertrag, der im Dezember 1821 in Mexiko-Stadt unterzeichnet wurde, sollten Frieden und Freundschaft zwischen ihnen herrschen. Als die mexikanische Regierung aber zwölf Monate lang die versprochenen Geschenke nicht lieferte, begannen die Penateka mit Überfällen auf die Siedler. Nicht gehaltene Versprechungen waren auch der Grund, warum der Vertrag in New Mexico nicht eingehalten wurde, und so gab es Krieg entlang des gesamten Rio Grande.
In den Jahren 1826 und 1834 wurden zwar weitere Friedensverträge geschlossen, doch jedes Mal hielt die mexikanische Regierung ihre Versprechungen nicht ein. Die Comanche fanden unter den Siedlern in Texas vergleichsweise leichte Beute, obwohl die mexikanische Regierung 1835 wieder Kopfgelder für indianische Skalps erlaubte. Aus dem Osten waren die neuangekommenen Siedler nur friedlichere Indianerstämme gewohnt und wurden durch die Grausamkeit der Comanche und Kiowa völlig überrascht. Die Überfälle auf die Siedler nahmen derartig ernste Formen an, dass dies sogar in Washington, D.C. bekannt wurde. Die amerikanische Regierung versuchte daraufhin die amerikanischen Siedler zu schützen. Als Sam Houston als Diplomat im Jahre 1833 nach Texas kam, um einen Friedensvertrag mit den Penateka-Comanche auszuhandeln, reagierten die mexikanischen Behörden empört, dass ein amerikanischer Diplomat auf ihrem Staatsgebiet mit den Indianern über einen Vertrag verhandelte. Houston wurde zur persona non grata erklärt und aufgefordert, das Land zu verlassen.
Tonkawa und Lenni Lenape (dt. veraltet Delaware) dagegen erklärten sich zu Freunden der Siedler, weil sie Todfeinde der Comanche waren und so Verbündete suchten. Die Comanche hassten besonders die Tonkawa, da sie Kannibalen waren und dies besonders abschreckend auf sie wirkte. Es existiert keine amerikanische Quelle, die dieses Verhalten der Tonkawa rügte, solange sie keine Siedler verspeisten.
Während der gesamten Zeit zwischen 1821 und 1835 dauerten die Indianerüberfälle an, obwohl bereits 1823 die Texas Rangers gegründet worden waren. Stephen F. Austin hatte erkannt, dass spezielle Truppen nötig waren, um gegen die Indianer, insbesondere die Comanche, zu kämpfen. Diese machten keinerlei Unterschiede zwischen mexikanischen oder amerikanischen Opfern bei ihren Überfällen. Austin gründete die erste Rangertruppe, indem er zehn Männer dafür bezahlte, die Indianer zu bekämpfen und die Grenzsiedlungen zu beschützen. Bald darauf bildeten die Siedler andere Rangerkompanien. Nach der Gründung der Republik Texas setzte sich dieser Trend fort. Für die Aufstellung einer eigenen Armee war jedoch noch kein Geld vorhanden.
Fort-Parker-Massaker Am 19. Mai 1836 überfiel ein großer Kriegstrupp aus Comanche, Kiowa, Wichita und Lenni Lenape den Siedler-Außenposten Fort Parker. Dieses Fort war im März 1834 fertiggestellt worden, um den Siedlern einen befestigten Fluchtpunkt gegen Überfälle durch Indianer zu bieten, die den Friedensvertrag nicht einhielten, den Elder John Parker mit den umliegenden Stämmen ausgehandelt hatte. Unglücklicherweise gehörten die angreifenden Comanche nicht zu den Stämmen, die an den Friedensverhandlungen teilgenommen hatten. Beim Angriff auf Fort Parker wurden fünf Männer getötet, zwei Frauen und drei Kinder wurden verschleppt. Der amerikanische Teil Texas’ reagierte geschockt auf diesen Vorfall. Der Überfall war möglicherweise die Vergeltung für den Mord an einem Lenni Lenape und seinen Söhnen wegen eines Pferdediebstahls, den sie nicht begangen hatten. Ebenso wird vermutet, dass die Stationierung einer Rangerabteilung in Fort Parker und deren Aktionen gegen die Comanche und Kiowa die Indianer wütend machte.J. A. Exley: Frontier Blood: The Saga of the Parker Family. mini|Kiowa-Krieger
Die entführten Parkers bei den Comanche