mini|Ossenbrügge, Keramik auf Betonstele, Osnabrück, 1983 mini|Detail mini|Eule, Keramik, Osnabrück, 1987 Rolf Overberg (* 29. Oktober 1933 in Osnabrück; † 14. Dezember 1993 ebenda) war ein deutscher Keramikkünstler.

Leben Overberg begann 1955 eine Lehre in der Keramikwerkstatt von Ruth Landmann, Osnabrück, einer Schülerin von Wim Mühlendyck. Von 1957 bis 1960 studierte er an der Werkkunstschule Münster bei Irene Brinkhaus (Keramik) und Carl Ehlers (Bildhauerei). Im Jahr 1960 gründete er in Osnabrück seine eigene Werkstatt. 1962 heiratete er Lisa Achelpohl, die seit der Geburt ihrer beiden Kinder in der Werkstatt ihres Mannes mitarbeitete. 1965 wurde das Atelier in die Innenstadt von Osnabrück verlegt und seitdem in Gemeinschaft mit dem Graphiker Johannes Eidt und – für wenige Jahre – mit dem Bildhauer Hermann auf der Heide betrieben.

Im Jahr 1967 erhielt Overberg den Niedersächsischen Staatspreis, 1968 den 3. Preis beim Concorso internazionale della Ceramica d’Arte in Cervia, Italien, und 1969 den Preis des Internationalen Kunsthandwerks, Stuttgart. 1971 bereiste Overberg Japan, um die jahrhundertealte Tradition japanischer Keramik zu studieren, was sich anschließend vor allem in der Verwendung von Holzasche-Glasuren niederschlug. 1972 war er Teilnehmer am Internationalen Keramiksymposium in Stoob, Österreich. Im Jahr darauf erhielt er den Ehrenpreis für "Keramische Objekte" beim Westerwaldpreis für Keramik in Höhr-Grenzhausen, 1974 die "Mention honorable" beim "Norddeutschen Wettbewerb Baum" in Hildesheim. Ebenfalls 1974 nahm Overberg am Internationalen Keramiksymposium in Mettlach/Saar teil. 1975 wurde er zum Membre de l’Académie Internationale de la Ceramique in Genf, Schweiz, erklärt. Als solcher gehörte er 1984 zu den Gründungsmitgliedern der Gruppe 83, der Vereinigung der deutschen Mitglieder der Genfer Académie. 1982 nahm der Keramiker am Internationalen Keramiksymposium in Cork, Irland, teil, 1983 am Deutsch-Russischen Symposium in Höhr-Grenzhausen.

Der Tod seiner Frau Lisa 1986 brachte einen spürbaren Bruch im Werk des Künstlers mit sich. 1989 heiratete er erneut. Einige Tage nach der Eröffnung der Ausstellung im Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück anlässlich seines 60. Geburtstages fiel Rolf Overberg nach einem Hirnbluten in seiner Werkstatt ins Koma und starb wenige Wochen später.

Werk Overberg hat die Möglichkeiten der Keramik auf verschiedenen Gebieten genutzt. Zu Beginn seiner Tätigkeit lag der Schwerpunkt seiner Arbeit auf an der Töpferscheibe gedrehten Gefäßen, Vasen, Schalen und Teegeschirr. Aber schon sehr früh entstanden auf diese Weise auch Tiere und freie Plastiken, für die er gedrehte Formen ergänzte oder verformte. Auch auf dem Gebiet der Baukeramik war er früh tätig. Später verlegte er sich stark auf hängende Objekte, bei denen er sich der Abdrücke von Zeitungsmatern im Ton bediente. Gleichzeitig entstanden Tiere, die aus lederharten Tonkuben herausgeschnitten wurden, vor allem Schnecken und Eulen in immer neuen Varianten. Reliefs und baukeramische Aufträge nahmen im Laufe der Zeit zu, während die Arbeit an der Töpferscheibe immer mehr an Bedeutung verlor. Mit dem Tod seiner ersten Frau Lisa veränderte sich das Werk Overbergs insofern, als er danach den Menschen als Objekt entdeckte. Dieser wurde jetzt, nachdem er 25 Jahre lang kaum eine Rolle im Schaffen des Keramikers gespielt hatte, in Tontafeln eingedrückt, als multiplizierter Torso in Reliefs eingearbeitet und als fast lebensgroße Venus abgebildet. Gleichzeitig entstanden Landschaften, sowohl als Relief, als auch als Plastik. Sie waren Thema seiner letzten Ausstellung. Rolf Overbergs Arbeiten sind in vielen Museen und öffentlichen Sammlungen zu sehen.

Einzelausstellungen (Auswahl) 1965 Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück 1965 Landesmuseum, Oldenburg 1966 Kunstverein, Salzgitter 1968 Kunsthalle, Worpswede 1968 Kunstverein Salzburg, Österreich 1969 Kunstverein, Heilbronn 1970 Kunstverein, Salzgitter 1973 Karl-Ernst Osthaus Museum, Hagen in Westfalen 1974 Keramion – Museum für zeitgenössische keramische Kunst, Frechen 1974 Werkhof Bissendorf, Hannover 1974 Galerie Charlotte Hennig, Darmstadt 1975 Forum Form Clemenswerth, Sögel 1975 Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück 1976 Kunstverein, Heidenheim 1977 Galerie Tiergarten 105, Hannover 1977 Städtisches Museum, Göttingen 1978 Galerie L, Hamburg 1980 Galerie Deproen, Amsterdam, NL 1980 Keramik-Galerie Dr. G.+E. Schneider, Freiburg 1980 Kunstverein, Hameln 1981 Gutenbergmuseum, Mainz 1983 Museum für moderne Kunst, Deidesheim 1983 Bornholmsk Museum, Rönne, Dänemark 1985 Galerie L, Hamburg 1985 Forum, Leverkusen 1986 Galerie Böwig, Hannover 1988 Galerie Lucia Titgemeyer, München 1990 Forum Form Clemenswerth, Sögel 1992 Deutsche Bank, Frankfurt am Main 1993 Seelsorgeamt, Osnabrück 1993 Kulturgeschichtliches Museum, Osnabrück 1996 Deutsche Bundesstiftung Umwelt (post mortem)

Ausstellungsbeteiligungen (Auswahl) 1965 Concorso internationale della ceramica d'Arte, Faenza, Italien 1968 Deutsches Kunsthandwerk, Lyon, Frankreich 1968 Deutsches Kunsthandwerk, Porto, Portugal 1968 Ceramic di Arte, Cervia, Italien 1970 Galerie Dr. Vering, Syke 1970 Galerie Deisenroth, "Deutsche Keramik 70", Fulda 1971 Hetjens-Museum, "Deutsche Keramik 71", Düsseldorf 1971 "10 deutsche Keramiker", Wiesbaden 1972 Galerie Deisenroth, "Deutsche Keramik 72", Fulda 1972 Badisches Landesmuseum, "Deutsche Keramik der Gegenwart, Sammlung Wolf", Karlsruhe 1972 "22 deutsche Keramiker", Kassel 1972 Galerie Charlotte Hennig, Darmstadt 1973 Westerwaldpreis für Keramik, Höhr-Grenzhausen 1973 Ceramic Art of the world, Calgary, Kanada 1975 Galerie Dr. Vehring, Syke 1975 Europäische Keramik, Tokio, Japan 1976 Museum of Modern Art, "Moderne deutsche Keramik", Kyoto, Japan 1976 "Europäische Keramik", Keramion, Frechen 1977 Hetjens-Museum, "Tierdarstellungen in der zeitgenössischen deutschen Keramik", Düsseldorf 1977 Goethe Institut, "Deutsche Keramiker", Sydney, Australien 1977 Goethe Institut, "Deutsche Keramiker", Wellington, Neuseeland 1978 The Craftmen Potter's, London, Großbritanien 1978 Museum für Kunsthandwerk, "Zeitgenössisches deutsches und britisches Kunsthandwerk", Frankfurt am Main 1979 Keramikbilder aus Deutschland, Knokke, Belgien 1979 Museum für Kunst und Gewerbe, "Europäische Keramik seit 1959", Sammlung Dr. Thiemann, Hamburg 1981 Museum für Kunsthandwerk, "Zeitgenössisches deutsches und niederländisches Kunsthandwerk", Frankfurt 1981 "Deutsche Keramik im Keramion", Frechen 1983 Focke-Museum, "Porzellankunst in Deutschland", Bremen 1984 Hetjens-Museum, "Deutsche Keramik heute", Düsseldorf 1984 Washington-Museum, Ausstellung der Académie International de la Céramique, Wenatchee, USA 1984 Städtisches Museum, "Keramik aus Dänemark und Deutschland", Oldenburg 1984 Wilhelm-Hack-Museum, "Objekte", Ludwigshafen 1984 "7 Osnabrücker Künstler", Kalinin, UDSSR 1985 Städtisches Museum, "Zeitgenössische Keramik", Offenburg 1985 Museum, "Europäische Keramik", Bad Hersfeld 1985 Musée du Luxembourg, "Material und Form", Paris, Frankreich 1985 "Kunsthandwerk aus Norddeutschland", Japan, Singapur, Australien, Neuseeland, China 1985 Nationalmuseum, "Deutsche Keramiker, Gruppe 83", Seoul, Korea 1986 "Arte Fiera 86", Bologna, Italien 1986 Museum, "Deutsche Keramiker, Gruppe 83", Höganes, Schweden 1986 Keramion, "Europäische Keramik", Frechen 1987 "Deutsche Keramik", Faenza, Italien 1988 Galerie Kunst und Keramik, "4 deutsche Keramiker", Deventer, Niederlande 1988 "Zeitgenössische Keramik der BRD", Erfurt, Magdeburg, Leipzig, vorm. DDR 1988 Landesmuseum, "Ton in Ton", Darmstadt 1989 Metropolitan Art Museum, "Japan contemporary arts and crafts", Tokio, Japan 1990 "Deutsche Keramiker Gruppe 83", Prag, Tschechische Republik 1994 "Deutsche Keramiker Gruppe 83", Osnabrück (post mortem) ---------->

Literatur (Auswahl) G. Reineking v. Bock: Kunst im Keramion – Rolf Overberg. Frechen 1974 Int. Exhibition of Ceramic Arts ’75. Tokyo, Japan Glenn C. Nelson: Ceramics. New York 1978 R. Overberg, E. Wagner u. a.: Rolf Overberg – Themen seiner Keramik. Löningen 1990

Weblinks

www.rolf-overberg.de

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