mini|hochkant=1.4|Altes Gerichtsgebäude am Volgersweg/Ecke Augustenstraße (2015)
Das Amtsgericht Hannover in Hannover ist ein Amtsgericht im Landgerichtsbezirk Hannover. Es ist nicht dem Landgericht Hannover unterstellt, sondern agiert als eigenständiges Präsidialgericht.o. V.: Geschichte des Amtsgerichts Hannover auf der Seite amtsgericht-hannover.niedersachsen.de [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 22. Juli 2022
Das Amtsgericht Hannover hatte 2021 insgesamt 600 Mitarbeiter, darunter 104 Richter und 97 Rechtspfleger. Es ist das größte Gericht Niedersachsens. Seit Juni 2023 ist mit Christiane Hölscher erstmals die Leitung mit einer Frau besetzt.Dr. Christiane Hölscher ist neue Präsidentin des Amtsgerichts Hannover, Presseinformation des Niedersächsischen Justizministeriums vom 9. Juni 2023Größtes Amtsgericht Niedersachsens erstmals unter weiblicher Führung, Presseinformation des Niedersächsischen Justizministeriums vom 18. Januar 2024
Das Alte Gerichtsgebäude am Volgersweg/Ecke Augustenstraße wurde 1907 bis 1911 vom Architekten Paul Thoemer erbaut.
Zugehörigkeit Der Landgerichtsbezirk Hannover umfasst sechs Amtsgerichte, darunter neben dem Amtsgericht Hannover die Amtsgerichte in Burgwedel, Hameln, Neustadt am Rübenberge, Springe und Wennigsen (Deister).
Zuständigkeit Der Gerichtsbezirk des Amtsgerichtes Hannover umfasst die Landeshauptstadt Hannover sowie die angrenzenden Städte Hemmingen, Laatzen, Seelze und Langenhagen, einschließlich des dort befindlichen Flughafens Hannover. Das Amtsgericht Hannover hat somit etwa 750.000 Gerichtseingesessene. Zweitinstanzlich übergeordnetes Gericht ist das Landgericht Hannover bzw. das Oberlandesgericht Celle z. B. in Grundbuch- und Familiensachen.
Geschichte mini|Blick nach 1911 auf den Bau am Volgersweg mit Verbindungsgang zum Landgericht (links im Bild); kolorierte Ansichtskarte mit der fortlaufenden Nummer 17 der Norddeutschen Papier-Industrie
Das Amtsgericht wurde 1852 im Zuge der „Großen Justizreform“ im Königreich Hannover gegründet. Es war als Stadtgericht zunächst nur für die Stadt Hannover zuständig, wurde jedoch schon 1856 mit dem Amtsgericht, das für den Landkreis Hannover zuständig war, zusammengelegt. Im Jahre 1859 wurde das Amtsgericht Langenhagen eingegliedert.
Zu keiner Zeit standen dem Gericht ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung, daher wurden von Anfang an zusätzliche Gebäude in der hannoverschen Innenstadt angemietet. Sitze des Amtsgerichtes waren im Laufe seiner über 150-jährigen Geschichte 1852 vor allem das Reden’sche Palais n der Osterstraße 33, von wo aus es 1888 zusammen mit dem Landgericht und der Staatsanwaltschaft Hannover in das neu errichtete „Alte Justizgebäude“, auch Justizpalais genannt, übersiedelte, das im Zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört wurde und auf dessen Grundstück später das neue Landgerichtsgebäude errichtet worden war.
Schon zuvor war das Amtsgericht Hannover im Jahr 1943 aufgrund seiner Größe selbständig geworden, als eigenständiges Präsidialgericht unterstand es seitdem nicht mehr dem Landgericht Hannover. Zu beachten ist allerdings, dass damit nicht der Instanzenzug gemeint ist. Hinsichtlich dessen unterstand das Amtsgericht Hannover in zweiter Instanz dem Landgericht Hannover.
Nachdem aufgrund der Raumnot zahlreiche weitere Gebäude für die Aufgaben des Amtsgerichtes genutzt worden waren, konnte 1985 ein zusätzlicher Neubau auf dem Nachbargrundstück in die Verwaltungsabläufe mit einbezogen werden.
Im Jahre 1977 wurde durch den rechtsradikalen Paul Ernst Otte, der Mitglied der Braunschweiger Gruppe und auch V-Mann des Verfassungsschutzes war, ein Bombenanschlag auf das Amtsgericht Hannover verübt. Der Anschlag fiel in eine Reihe von Anschlägen, bzw. Anschlagsversuchen auf Grenzanlagen in der DDR, Lastwagen im Transitverkehr nach West-Berlin, das jüdische Gemeindehaus in Hannover, die Amtsanwaltschaft Flensburg.
Richter Wilhelm Mommsen, Amtsgerichtsrat ab 1899
Siehe auch Liste deutscher Gerichte Liste der Gerichte des Landes Niedersachsen
Literatur Monografie: Volker Lessing: Amtsgericht Hannover. Ein Lesebuch mit Bildern. Tertulla-Verlag, Soest, Westfalen 2014, ISBN 978-3-9815602-4-4 zum Gebäude: Arnold Nöldeke: Die Kunstdenkmale der Stadt Hannover, Teil 1, Denkmäler des "alten" Stadtgebietes Hannover, Die Kunstdenkmäler der Provinz Hannover Bd. 1, H. 2, Teil 1, Hannover, Selbstverlag der Provinzialverwaltung, Schulzes Buchhandlung, 1932, S. 337 f. Neudruck im Verlag Wenner, Osnabrück 1979, ISBN 3-87898-151-1 Gerd Weiß, Marianne Zehnpfennig: Königstraße mit Nebenstraßen und Volgersweg. In: Hans-Herbert Möller (Hrsg.): Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Baudenkmale in Niedersachsen, Stadt Hannover, Teil 1, Band 10.1. ISBN 3-528-06203-7, S. 77 ff., hier: S. 79; sowie Mitte im Addendum Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985. Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Institut für Denkmalpflege, S. 5 ff. Günther Kokkelink, Harold Hammer-Schenk (Hrsg.): Laves und Hannover. Niedersächsische Architektur im neunzehnten Jahrhundert, revidierte Neuauflage der Publikation Vom Schloss zum Bahnhof…, Ed. Libri Artis Schäfer, 1989, ISBN 3-88746-236-X, S. 322–326 Helmut Knocke, Hugo Thielen: Volgersweg 1. In: Hannover Kunst- und Kultur-Lexikon, S. 210 Helmut Knocke: Justizgebäude. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 331.
Weblinks
Internetpräsenz des Amtsgerichtes Hannover Übersicht der Rechtsprechung des Amtsgerichtes Hannover
Einzelnachweise
Hannover Hannover Kategorie:Gericht (Hannover) Kategorie:Baudenkmal in Hannover
Kategorie:Mitte (Hannover) Kategorie:Gerichtsgründung 1852