Strzyżów [] (jiddisch Strizev, deutsch Strezow; altertümlich auch Strzezow genannt) ist eine Kreisstadt im Südosten Polens in der Woiwodschaft Karpatenvorland. Sie ist Sitz des Powiats und der gleichnamigen Stadt-und-Land-Gemeinde mit etwa 20.800 Einwohnern.
Geographie Strzyżów liegt im Süden der Woiwodschaft Karpatenvorland am Zusammenfluss der Flüsse Wisłok und Stobnica. Die Stadt liegt genau zwischen den beiden für die Region wichtigen Städten Krosno und Rzeszów (je etwa 22 km Luftlinie).
Geologie Das Gebiet um Strzyżów liegt im Norden der äußeren Ostkarpaten, den sogenannten Waldkarpaten. Charakteristisch für die Gegend ist das sanfte Hügelland, ähnlich dem Waldviertel in Niederösterreich.
Klima Das Klima von Strzyżów wird stark beeinflusst durch die Bergregion und die Tallage der Stadt. Diese Kombination bewirkt ein in der Umgebung unvergleichliches Mikroklima. Charakteristisch ist das Auftreten von Temperaturunterschieden zwischen dem umgebenden Hügelland und der Stadt, wobei die Temperatur im Zentrum der Stadt um einige Grade niedriger ist als auf den umliegenden Hügeln. In extremen Fällen kann dieser Temperaturunterschied bis zu 10 °C betragen. Diese Extreme entstehen in klaren und windstillen Nächten. In einem solchen Fall tritt durch die Schwerkraft ein Abfluss der Luftmassen in Richtung Strzyżów, wobei die Luftschadstoffe akkumuliert werden. Dieses Phänomen ist vor allem im Winter besonders gefährlich, wenn durch das Verbrennen von Kohle und Holz in den Haushalten intensive Feinstaubemissionen auftreten. Die durchschnittliche Lufttemperatur in Strzyżów beträgt 7,4 Grad Celsius, wobei es im statistischen Durchschnitt der letzten Jahre wärmer wurde. Die Folgen der globalen Erwärmung sind in Strzyżów schneller zu bemerken als anderswo: Die durchschnittliche Lufttemperatur hat sich in den letzten 50 Jahren durchschnittlich um 2 Grad Celsius erhöht, wobei die größte Erwärmung im Winter und Frühjahr auftritt. Niederschlag gibt es in Strzyżów an 157 Tagen im Jahr, wobei es durchschnittlich 109 Tage regnet und 41 Tage schneit. Schneeregen tritt durchschnittlich an 7 Tagen im Jahr auf. Eine Schneedecke gibt es im Durchschnitt an 64 Tagen im Jahr und sie hat eine durchschnittliche Höhe von 12 Zentimetern. Der jährliche Gesamtniederschlag beträgt 705 Millimeter, was sehr viel für das Karpatenvorland ist. Die größte durchschnittliche Regenmenge gibt es im Dezember, die niedrigste Niederschlagsmenge im Juli. Während der mittlere und nördliche Teil des Karpatenvorlandes durch Westwinde dominiert ist, dominieren in Strzyżów Südwinde.
Die Umgebung von Strzyżów zeichnet sich durch viele Sonnentage aus, wodurch die Region in einem Gebiet mit großen Potential für die Erzeugung von Strom durch Sonnenenergie liegt. Die teilweise sehr hohen Windgeschwindigkeiten von 4 m/s in einer Höhe von 10 Meter über dem Boden, ermöglichen den Ausbau von Windenergie. Besonders hervorragende Windbedingungen herrschen in der kalten Jahreszeit, wenn die Nachfrage nach Energie hoch ist. Diese herausragenden klimatischen Bedingungen fördern die Entwicklung von Hybrid-Techniken in Strzyżów, nämlich den Einsatz von Sonnenenergie im Sommer und der Windenergie im Herbst und Winter.
Geschichte Legende der Entstehung und Vorgeschichte Die Legende zur Entstehung von Strzyżów besagt, dass ein heidnischer Adliger der Wislanen im 9. Jahrhundert zum Schutz seiner östlichen Besitzungen an der Grenze des Wislanenreiches einen Wachturm errichten ließ. Dieser sollte genau an der Grenze zum Reich der Kiewer Rus stehen, wo der Fluss Stobnica in den Wisłok mündet. Diese Verteidigungsanlage wurde Strzeżno genannt, was sich wahrscheinlich vom polnischen Wort für „bewachen“ (strzec) herleitet. Der Legende nach war das der Beginn der Entstehung von Strzyżów. Es gibt auch die Theorie, dass sich der Stadtname vom polnischen Wort „strzyc“ („scheren“, im Sinne von „Schafe scheren“) herleitet. Da es sich aber um eine Furt an einer ehemaligen Grenze handelt, ist die Theorie der Verteidigungsanlage wesentlich wahrscheinlicher.
Die onomastische Erläuterung des Namens leitet den besitzanzeigenden Namen vom Personennamen des vermuteten Gründers oder Erstbesitzers Strzeż bzw. Strzyż ab. Solche Namen wurden erst in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts urkundlich bestätigt, aber schon im 12. Jahrhundert wurden die ähnlichen [in der Aussprache] Personennamen Strzesz (1136, 1193, 1204, 1220), Strzeszko (1210), Strzeszek (1228) erwähnt.
Archäologische Funde bestätigen eine Siedlung an diesem Ort im 12. und 13. Jahrhundert, aber keinen Wachturm. Dagegen wurden Spuren der Wallburgen in Grodzisko und Jazowa gefunden.
Ende des 10. Jahrhunderts kam das Gebiet der ausgestorbenen Wislanenherrscher zum polnischen Piastenreich. Im 11. Jahrhundert überließ der polnische König Bolesław der Tapfere die Gebiete dem Geschlecht der Bogoria zum Dank für geleistete Kriegsdienste. 1185 überließ Nikolaus von Bogoria einen Teil der Dörfer aus seinem Besitz dem Kloster der Zisterzienser in Koprzywnica. Damals wurden Dobrzechów und Lubla erwähnt, als Dobrzechów zum Sitz der Pfarrei wurde, die bis 1335 das 1279 erstmals erwähnte Strzyżów umfasste.
Erste Erwähnungen Die erste bekannte urkundliche Erwähnung von Strzyżów stammt aus dem Jahr 1279. Der päpstliche Legat Bischof Filip erteilte in Bud (Ungarn) dem Abt des Zisterzienserordens in Koprzywnica das Recht, Steuern in Strzezow und Szugcz seu Sugez (Czudec) einzutreiben. Später wurde es als Strzeschow (1373), Strzezow (1376, 1397, 1398, 1475), Strzessow (1419) erwähnt.
Bereits im 13. Jahrhundert war Strzyżów dreimal von den Tataren ausgeraubt und in Brand gesteckt worden (später auch noch Anfang des 16. Jahrhunderts). Nach diesen Verwüstungen, aber besonders nach der Einnahme des Rotrutheniens durch Polen (um 1344) erfolgte der Landesausbau der Region, darunter die Ansiedlung von deutschen Kolonisten (siehe auch Walddeutsche).
Die Parochie Strzyżów wurde 1335 erstmals erwähnt, und zwar zwischen den ältesten Dörfern ursprünglich im Besitz der Familie Bogoria. mini|300px|rechts|Panoramablick auf Strzyżów von Żarnowa aus
Stadt Es ist nicht sicher, wann genau Strzyżów zur Stadt wurde. Die erste urkundliche Bestätigung für die Stadt Strzyżów stammt aus dem Jahr 1419. Damals wurden Vogt, Ratsgeber und Schöffen erwähnt. In den Jahren 1382 bis 1402 wurde eine unidentifizierte Stadt namens Schiltberg, etwa in dieser Gegend, erwähnt, deren Ortsname eine freie Übersetzung von Strzyżów (vergleiche die Legende der Entstehung) sein könnte (analog zu Ostrzeszów, deutsch Schildberg in Großpolen). Bereits 1400 gab es erste Studenten aus Strzyżów an der Krakauer Universität und 1413 gab es derer bereits 37. Die erste Grenzziehung der Stadt soll nach einigen Forschern zwischen 1373 und 1397 stattgefunden haben, die zweite 1480.
1373 ging Strzyżów von den Zisterziensern in das Eigentum des Ritters Wojtko Pakosza über. Dieser vererbte die Ortschaft an seine Söhne, Jan und Mikołaj Strzeżowski (15. Jahrhundert). Diese haben den Vulgonamen Strzeżowski als den Familiennamen angenommen (zu deutsch etwa Jan und Mikołaj von Strzeżów). Danach gehörte die Stadt bis in das 20. Jahrhundert unterschiedlichen Familien: den Familien Świerczowski und Wielopolski im 16. Jahrhundert, Bączalski und Boner, Szczepiecki und danach wieder der Familie Wielopolski im 17. Jahrhundert. die Familie Radziwiłł im 18. Jahrhundert die adligen Familien Starzeński, Skrzyński, Wołkowicki und Konopek im 19. und frühen 20. Jahrhundert.
Frühe Neuzeit mini|300px|rechts|Sicht auf Strzyżów von Norden Im 15. bis 17. Jahrhundert verfügte die Stadt über folgende Einrichtungen: Zwei Marktplätze, drei Kirchen, ein Rathaus, ein Bad, ein Spital für Obdachlose, drei Mühlen, ein Gasthaus, eine Wodkabrennerei, zwei Bierbrauereien, eine Zuckerfabrik, eine Pfarrschule, ein Zollamt, zwei Brücken, einen Fischteich. In Strzyżów wurden unter anderem Salpeter, Schwarzpulver und Zelte produziert. Um die Stadt herum gab es einen Verteidigungswall aus aufgeschütteter Erde. Bis heute gibt es die Straße ul. Zawale (übersetzt etwa Wallstraße). Es gab viele Handelskontakte mit Städten in Polen, Ungarn und der Slowakei. Das waren Zeiten einer großen Blüte der Stadt mit viel Handwerk und Kultur. Es gab acht unterschiedliche Handwerkszünfte in der Stadt. Die berühmtesten waren Tuchmacher, Schmiede, und Kürschner. Bereits im 15. Jahrhundert wurde Strzyżów mit 10 anderen Städten der Region genannt, die sich als besonders wirtschaftsrelevant hervortaten.
Eine jüdische Gemeinde ist in Strzyżów seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Die erste Synagoge wurde allerdings erst im 18. Jahrhundert gebaut. Heute gibt es keine jüdische Gemeinde mehr in Strzyżów. Im Gebäude der Synagoge befindet sich heute eine Bibliothek.
1684 erlaubte der polnische König der Stadt das Abhalten von vier Jahrmärkten im Jahr. Überfälle gab es im 17. und 18. Jahrhundert mehrere Male von Ungarn, Schweden und Russen. Am 15. August 1769 fand unter dem Bild der unbefleckten Madonna in Strzyżów das Gelübde der Konföderation von Bar statt. Dieses Bild wurde in der Fahne der Konföderation verewigt. 1772 fiel die Stadt mit der ersten Teilung Polens an Österreich, wo sie als Teil des Königreichs Galiziens ein Bestandteil Österreichs, bzw. Österreich-Ungarns bis 1918 blieb.
Zur Entwicklung der Stadt trug 1796 die Eröffnung einer Schule wesentlich bei. In den Jahren 1794–1798 entstand die befestigte Straße Rzeszów–Strzyżów–Krosno (heute Woiwodschaftsstraße 988). 1880 waren unter den Einwohnern der Stadt 930 Polen, 212 Juden und 185 Deutschsprachige. 1890 entstand die Bahnlinie Strzyżów–Rzeszów–Jasło.
Insgesamt sind in der Stadtchronik neun große Stadtbrände verzeichnet. Nach dem letzten großen Stadtbrand im Jahr 1895 wurden die Häuser steinern wiederaufgebaut. Trotzdem besteht der historische Stadtkern auch heute noch zu einem guten Teil aus einstöckigen Holzhäusern.
Moderne bis 1945
Seit dem 11. November 1918 ist Strzyżów wieder Teil Polens.
1945 bis heute
Von 1975 bis 1998 gehörte Strzyżów zur Woiwodschaft Rzeszów. Seit 1998 gehört es zur Woiwodschaft Karpatenvorland. In den 1960er und 1970er Jahren entstanden in Strzyżów viele Fabriken, Unternehmen, Schulen und kulturelle Einrichtungen.
Strzyżów war in den Jahren 1896–1932 sowie 1954–1975 und ist seit 1999 wieder Kreisstadt.
Eingemeindungen 1925 wurden die Vororte Przedmieście Żarnowskie und Przedmieście Dobrzechowskie an die Stadt angegliedert. 1984 wurden einige Dörfer, die direkt an die Stadt grenzten, in das Stadtgebiet eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Mit Stand 2006 teilten sich die Einwohner wie folgt auf: Gesamt: 8734 Einwohner, davon 4193 männlich, 4541 weiblich. 0- bis 14-Jährige: 1294 Einwohner Einwohner im erwerbstätigen Alter (15- bis 59-jährige Frauen, 15- bis 64-jährige Männer) insgesamt: 6134 Einwohner Pensionisten: 1225 Einwohner
2006 gab es 65 Geburten und 66 Todesfälle.
Politik Wappen Der Schutzheilige der Stadt ist der heilige Michael. Dieser ist auch auf dem Wappen der Stadt zu sehen. In der linken Hand hält er eine Waage und ein Schwert und sein Fuß ruht auf dem Kopf des besiegten Drachen. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Strzyżów den Status einer freien königlichen Stadt erhielt, wurde der Figur auf dem Wappen eine Krone hinzugefügt.
Städtepartnerschaften Lassee (Österreich) Kisvárda (Ungarn) Horodok (Ukraine) Bagnacavallo (Italien) Svidník (Slowakei)
Die Gemeinde ist zudem Mitglied der European Charter – Villages of Europe, eine Gruppe ländlicher Gemeinden aus allen 28 EU-Ländern.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Jüdische Friedhöfe