Die Feuerwehr Hannover besteht aus der Berufsfeuerwehr der Stadt Hannover, 17 Ortsfeuerwehren der Freiwilligen Feuerwehr sowie sieben Werkfeuerwehren.Liste der Werkfeuerwehren in der Region Hannover Die Berufsfeuerwehr ist als Fachbereich (OE37) der Stadtverwaltung Hannover zugeordnet, seit Oktober 2020 dem Dezernat II für Finanzen, Ordnung und Feuerwehr. Die Feuerwehr Hannover ist zuständig für Brandschutz, Hilfeleistung, Rettungsdienst sowie Zivil- und Katastrophenschutz.Landeshauptstadt Hannover: Personal-, Bildungs-, Jugend- und Familiendezernat Die Berufsfeuerwehr unterhält fünf Feuer- und Rettungswachen.
Geschichte Vor der Gründung mini|Revidirte Feur-Ordnung-Hannover 1681
Dem Brandschutz wurde in Hannover bereits früher eine große Bedeutung zugemessen. Die ersten erhaltenen Regelungen der Stadt waren die „Revidirte Feur-Ordnung E. E. Raths der Stadt Hannover“ von 1681 und 1708. In der Ausgabe von 1708 werden erstmals zwei „Schlangenspritzen“ erwähnt. Bei diesen Spritzen handelte es sich um Handdruckspritzen, bei denen das Löschwasser nicht über ein fest aufgesetztes Rohr abgegeben werden musste, sondern über Druckschläuche (so genannte Schlangen) zur Brandstelle geleitet werden konnte. 1789 erwähnen die städtischen Quellen erstmals zwei „Feuerlöscher-Corps“, die sich gegenseitig Hilfe leisteten. Die Corps waren in der Altstadt und der damals noch selbstständigen Calenberger Neustadt aufgestellt und hatten eine Stärke von 150 sowie 100 Mann. Ebenfalls zu dieser Zeit wird ein „Rettungsverein“ der Kaufleute Hannovers zur Rettung ihres Eigentums bei Feuersgefahr erwähnt.
Am 15. Mai 1850 gab der Magistrat der Stadt Hannover eine 58 Paragraphen umfassende „Dienstordnung für die Feuerwehrmänner der Königlichen Residenzstadt Hannover“ heraus. Dies führte zu einer völligen Umgestaltung des Feuerlöschwesens und der Einführung einer Pflichtfeuerwehr, dem „Corps der Feuerwehrmänner“. Das Corps umfasste 96 Feuerwehrmänner und war in fünf Wachmeisterschaften eingeteilt. Je drei Mann des Corps hatten nachts Wache zu halten und die Spritzen zum Ausrücken vorzubereiten. Im Jahr 1849 hatte sich im Männerturnverein Hannover eine Rettungsschar gebildet, die von der Stadt Hannover anerkannt wurde und ebenfalls dem „Feuerkommando“ unterstellt wurde. Über die Jahre stiegen die Anforderungen an die hannoverschen Brandschützer. Mit den Dienstordnungen von 1853 und 1858 wurde ein 24-stündiger Bereitschaftsdienst gegen Vergütung für einen Wachtmeister und zehn Feuerwehrmänner des Corps eingeführt.Chronik: 100 Jahre Berufsfeuerwehr Hannover 1880–1980
1880 bis 1945 mini|1902: Der Hannoversche Feuerlöschzug von 1902 vor der Feuerwache II
mini|Eine 1941 im Polizei-Tannengrün ausgelieferte Magirus-Kraftfahrleiter
Die im Jahr 1880 gegründete Berufsfeuerwehr Hannovers beschränkte sich in ihren frühen Jahren hauptsächlich auf die Brandbekämpfung. Im Jahr 1902 wurde sie erstmals mit dem Transport von Zivilpersonen mit ansteckenden Krankheiten beauftragt. Drei Jahre später befand sich das gesamte Krankentransportwesen der Stadt in der Zuständigkeit der Berufsfeuerwehr, weshalb ab diesem Zeitpunkt jeder Feuerwehrmann eine Ausbildung als Sanitäter zu absolvieren hatte. Im Jahr 1888 fand der 13. Deutsche Feuerwehrtag in Hannover statt.
Der Hannoversche Feuerlöschzug von 1902Helmut Plath (Bearb.): Der erste automobile Feuerlöschzug, in ders.: Hannover im Wandel der Zeiten ( = Führer des Niedersächsischen Heimatmuseums der Hauptstadt Hannover, Bd. 6), Katalog zur stadtgeschichtlichen Ausstellung, 2. Auflage, Hannover: Niedersächsisches Heimatmuseum, 1958, S. 70 wurde in der Nordstadt in Betrieb genommenFeuerwache II, Am Kleinenfelde 11, in: Verwaltungsbericht des Magistrats der Königlichen Haupt- und Residenzstadt Hannover, Hannover: Druck von August Eberlein & Co., 1908, S. 305f. und bildete im Jahr 1902 mit seinen drei Fahrzeugen den ersten Automobil-Löschzug der Welt.
Während im Jahr 1911 noch ungefähr 500 Unfall- und Krankentransporte monatlich durchgeführt wurden, stieg diese Zahl während einer Typhusepidemie im Jahr 1926 auf über 200 Transporte täglich. Die Feuerwehr musste ihre Transportkapazitäten steigern, weshalb pferdebespannte Wagen durch Einsatzfahrzeuge mit Benzinmotor ersetzt wurden. Nachdem ein Jahr später alle Pferdewagen abgeschafft wurden, erhielten die neuen Feuerwehrfahrzeuge und Krankenwagen im Jahr 1928 erstmals Fanfaren.
Nach der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP Ende Januar 1933 wurde ein erstes Feuerlöschgesetz (FLG) erlassen, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat. Obwohl es diese Bezeichnung offiziell nicht gab, fand sich dort bereits der Begriff „Feuerlöschpolizei“. Mit dem dann im November 1938 erlassenen „Gesetz über das Feuerlöschwesen“Reichsgesetz über das Feuerlöschwesen, Reichsgesetzblatt, Jahrgang 1938, Teil I, S. 1662 ff., abgerufen von der Österreichischen Nationalbibliothek erfolgte die amtliche Umbenennung in Feuerschutzpolizei. Ebenfalls mit dem Gesetz wurden die Ausrüstung der Wagen mit Blaulicht, die einheitlichen Storz-Kupplungen für die Schläuche und Hydranten sowie die zentrale Alarmierung über Sirenen geregelt. Die im Oktober 1938 vom Reichs- und Preußischen Minister des Innern Wilhelm Frick erlassene Durchführungsverordnung zu diesem Gesetz entzog den Ländern schließlich die umfassende Zuständigkeit für das Feuerwehrwesen. Zwar mussten die Kommunen weiterhin alle Kosten für Personal, Ausrüstung, Gebäude etc. tragen, die Dienstaufsicht und damit auch das Weisungsrecht gingen jedoch auf das Reich über. Alle Feuerwehren, auch die Werk- und Freiwilligen Feuerwehren, unterstanden nun den örtlichen Dienststellen der Ordnungspolizei des „Reichsführers SS“ und Chefs der Deutschen Polizei Heinrich Himmler. Um dies auch äußerlich zu kennzeichnen, waren die ab 1940 ausgelieferten Einsatzfahrzeuge im Tannengrün (RAL 6009) der Polizei lackiert.
Die Neue Synagoge wurde bei den Novemberpogromen am 9. November 1938 in Brand gesteckt. Sie brannte dabei völlig aus. Die SS sperrte die Synagoge ab und um 02:35 Uhr wurde Feueralarm durch die Staatspolizei durchgegeben. Die spät alarmierte Feuerwehr beschränkte sich auf den Schutz der umliegenden Häuser.
Im Zweiten Weltkrieg kamen bei den 88 Luftangriffen auf Hannover,Alfred Gottwaldt: Hannover und seine Eisenbahnen, Alba, Düsseldorf 1992, ISBN 3-87094-345-9, S. 83.Heinz Koberg: Hannover 1945. Zerstörung und Wiedergeburt. S. 9. die USSBS gibt eine Zahl von 125 an, auch viele Angehörige der Feuerwehren ums Leben. Nach dem letzten Luftangriff am 28. März 1945 waren die Mehrzahl der Feuerwachen und Einsatzfahrzeuge zerstört. Die Neuanschaffung von speziellen Feuerwehrfahrzeugen nebst Ausrüstung war in der Nachkriegszeit schwierig bis unmöglich und es galt, zu improvisieren.
1945 bis heute mini|Denkmalgeschütztes Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Feuerwache 1 in der Calenberger Neustadt
Nach Kriegsende wurde die Feuerschutzpolizei wieder in Feuerwehr Hannover umbenannt. Sie nahm mit britischen Einsatzfahrzeugen den Rettungsdienst auf. Am 1. April 1946 wurde der Krankentransportdienst bei der Berufsfeuerwehr Hannover durch eine Anweisung der Militärregierung wieder eingeführt. Aufgrund großer Produktionseinschränkungen musste der Dienst zunächst mit alten Fahrzeugen durchgeführt werden.
Bei dem Eisenbahnunfall von Linden kamen am 22. Juni 1969 acht Männer der Feuerwache 4 und vier Bahnmitarbeiter ums Leben, als im Güterbahnhof Fischerhof ein mit Munition für die Bundeswehr beladener Waggon explodierte.
Im Jahr 1972 wurde der erste Notarztwagen eingesetzt, dessen Standort das Klinikum Siloah war. 1974 wurde eine gemeinsame Leitstelle der Berufsfeuerwehr und der Rettungsdienste Hannovers als Rettungsleitstelle Hannover gebildet. Im Jahr 1977 wurde die Rettungssanitäterschule der Berufsfeuerwehr Hannover gegründet, um jeden Feuerwehrmann im Rettungsdienst zum Rettungssanitäter auszubilden.
Im Jahr 1989 entstand das neue Berufsbild des Rettungsassistenten, die Ausbildung wurde durch das Rettungsassistentengesetz und die Ausbildungs- und Prüfungsverordnung bundeseinheitlich geregelt. Am 1. September 1989 erhielt die Berufsfeuerwehr Hannover als eine der ersten Ausbildungsstätten im Bundesgebiet die staatliche Anerkennung als Rettungsassistentenschule. Seit 1989 werden alle Feuerwehrbeamten im Rettungsdienst zu Rettungsassistenten aus- und fortgebildet.
Der 29. Deutsche Feuerwehrtag fand vom 20. bis 25. Juni 2022 zum dritten Mal in Hannover statt und wurde in Verbindung mit der Weltleitmesse Interschutz, die bereits zum sechsten Mal in Hannover stattfand, durchgeführt.
Heute ist aus der Behörde für Brandbekämpfung ein Dienstleistungsbetrieb für Brandschutz, Hilfeleistung, Rettungsdienst sowie Zivil- und Katastrophenschutz geworden. Zusätzlich befasst sich die Feuerwehr Hannover mit verschiedenen Sonderaufgaben, wie der Einweisung psychisch Kranker oder der Organisation von Evakuierungen im Rahmen der Kampfmittelbeseitigung, die der KBD Niedersachsen durchführt.
Einsätze mini|Rettungswagen der Feuerwehr Hannover
EinsätzeJahresberichte der Feuerwehr Hannover 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 201520162017201820192020202120222023 Brand 1.011 963 1.079 915 909 975 847 994 941 836 776 7796746747647126617.979 (insgesamt, Brand/TH)7.084 (insgesamt, Brand/TH)7.083 (insgesamt, Brand/TH) Falschalarm Brand 1.214 1.332 1.410 1.180 1.356 1.599 1.653 1.950 2.185 2.402 2.119 2.1432.3012.3322.4122.1691.898 - - - Techn. Hilfeleistung 3.352 3.338 4.109 4.201 3.885 4.257 3549 3.232 2.649 3.486 3.242 3.3033.3883.9033.5973.1761.822Siehe oben - - Falschalarm TH 688 693 799 895 698 1.006 1.367 1.120 948 1.203 1.008 1.0591.1271.4011.1911.5501.030 - - - Rettungsdienst 40.304 41.486 41.757 41.725 41.760 42.734 45.422 47.823 50.397 52.626 58.037 60.06262.47562.11961.12160.92857.06859.37261.15852.658 Gesamt 46.569 47.812 49.154 48.916 48.608 50.571 52.838 54.192 57.120 60.553 65.182 67.34669.96570.42969.08568.13562.47967.35168.54259.741
Fachgruppen Die Feuerwehr Hannover verwendet das Fachgruppenkonzept. Es gibt neun Fachgruppen, teilweise mit weiter spezialisierten Untergruppen: Höhenrettung, Wasserrettung, Führung und Kommunikation (FüKom), Massenanfall von Verletzten (ManV), Verpflegung und Betreuung, schwere Technische Hilfeleistung, Logistik, ABC-Gefahrenabwehr sowie Hochwasserschutz.Fachgruppen der Feuerwehr Hannover
Die Feuerwehren sind gemäß ihrer Fachgruppe speziell ausgebildet und ausgestattet. Die Ausrüstung wird jeweils an einer Feuer- und Rettungswache konzentriert. Die einzelnen Freiwilligen Feuerwehren werden bestimmten Fachgruppen zugeordnet. Je nach Einsatzart wird die zuständige Freiwillige Feuerwehr alarmiert, welche die Berufsfeuerwehr auf deren Wachen und am Einsatzort unterstützt.
Höhenrettung Die Fachgruppe Höhenrettung wird nur durch die Berufsfeuerwehr gestellt. Sie ist für die Rettung von Personen aus großen Höhen oder Tiefen bis zu 200 Metern zuständig. Die 30 Mitglieder dieser Fachgruppe rücken im Einsatzfall mit dem auf der Feuerwache 5 stationierten Gerätewagen Höhenrettung aus. Typische Einsatzstellen sind z. B. Hoch- und Tiefbaustellen, Windkraftanlagen und Hochhäuser.
Gegebenenfalls wird die Fachgruppe Höhenrettung von der Fachgruppe schwere Technische Hilfeleistung unterstützt, zu der der Feuerwehrkran und der AB-Rüstmaterial, der Materialien für Hoch- und Tiefbauunfälle, Einstürze, Schüttgutunfälle und Schachtunfälle enthält, gehören. Außerdem wird die Teleskopmastbühne 54 häufig zu gemeinsamen Einsätzen mit der Fachgruppe Höhenrettung alarmiert.
Wasserrettung Die Fachgruppe Wasserrettung ist Schwerpunktaufgabe der Feuer- und Rettungswache 4. Sie wird unterstützt von den Ortsfeuerwehren Anderten, Misburg, Vinnhorst und Ricklingen. Sie ist neben der Rettung und Bergung von Personen, Tieren und Objekten aus dem Wasser für die Eisrettung und den Hochwasserschutz und Hochwassereinsätze zuständig.