300px|mini|Deutlich sichtbare Reliefversteilung am Übergang von Mittlerer Flächenalb zu Mittlerer Kuppenalb im Bereich der Klifflinie bei Temmenhausen (Blickrichtung in etwa west-nordwest)
Als Klifflinie wird eine Höhenstufe, d. h. eine relativ abrupte Versteilung des Reliefs und Zunahme der mittleren Höhe über dem Meeresspiegel, an der Südflanke der Schwäbischen Alb bezeichnet.
Die Klifflinie zieht sich von Tuttlingen im Südwesten bis etwa zum Nördlinger Ries im Nordosten über die gesamte südliche Abdachung der Schwäbischen Alb. Die Klifflinie liegt heute bei Tuttlingen in ca. 900 m und östlich der Brenz in ca. 500 m Höhe über dem Meeresspiegel. Sie gilt als Beleg für die starke Verkippung und Hebung der Alb seit dem Miozän. Sie trennt die eher flache Flächenalb mit ihren fruchtbareren Lösslehmböden von der sich nordwestlich anschließenden, hügeligeren Kuppenalb mit ihren steinigeren, tonigen Lehmböden.
Geologie Die Felsen der Klifflinie bestehen aus den Gesteinen Weißen Juras, vorwiegend Kalksteine, die prägenden Festgesteine der Schwäbischen Alb. Die Klifflinie selbst entstand in der Brandungszone eines Meeres, das sich im Ottnangium (Miozän) vor etwa 18 bis 17 Millionen Jahren über das nördliche Alpenvorland (seinerzeit der sogenannte Voralpentrog, auch Molassebecken genannt) bis zur Schwäbischen Alb erstreckte. Sie ist somit als Teil der Küstenlinie dieses Binnenmeeres, des sogenannten Molassemeeres, anzusehen. Die Klifflinie zeigt alle Merkmale einer Kliffküste und ist daher ein fossiles Relikt von Erosionsprozessen, die weltweit auch gegenwärtig zu beobachten sind. Südöstlich der Klifflinie sind Ablagerungsgesteine des Molassemeeres (Obere Meeresmolasse) erhalten geblieben, die heute noch Teile der Albhochfläche überdecken.
mini|links|Brandungshohlkehle am Heldenfinger Kliff mini|Verlauf der miozänen Klifflinie auf der Alb mini|Auch nördlich von Gammertingen ist die Klifflinie in Richtung Fehlatal eindrücklich ausgebildet
Aufschlüsse Die Felsen des „Kliffs“ sind heute nur noch an wenigen Stellen erhalten. Die Typlokalität und entsprechend der besterhaltene Fels der Brandungszone ist das sogenannte Heldenfinger Kliff am Rand des Dorfes Heldenfingen. Dort ist heute noch eine knapp 5 Meter hohe Geländestufe aus Massenkalk mit Brandungshohlkehle und zahlreichen Bohrmuschellöchern zu besichtigen. Ein weiterer sehr gut erhaltener Fels des Kliffs befindet sich am westlichen Ortsrand vom Altheim (Alb). In der nahegelegenen ehemaligen „Ballendorfer Sandgrube“ ist ebenfalls von Bohrmuschellöchern übersäter Weißjurakalkstein aufgeschlossen, der dort von Sanden des Molassemeeres überlagert wird und damit den Vorstoß dieses Meeres bis zur Klifflinie dokumentiert. Heldenfinger Kliff und Ballendorfer Sandgrube sind zudem als Geopoints des UNESCO Global Geoparks Schwäbische Alb ausgezeichnet.
Literatur Johannes Baier: Über die Tertiärbildungen im Ulmer Raum. Documenta naturae, 168, 2008, ISBN 978-3865441683, S. 1–31. Johannes Baier: Die Geologie des Ulmer Raums. Documenta naturae, 173, 2009, ISBN 978-3865441737, S. 1–44. Ronald Böttcher, Elmar P. J. Heizmann, Michael W. Rasser, Reinhard Ziegler: Biostratigraphy and palaeoecology of a Middle Miocene (Karpathian, MN 5) fauna from the northern margin of the North Alpine Foreland Basin (Oggenhausen 2, SW' Germany). Neues Jahrbuch für Geologie und Paläontologie, Abhandlungen. 254, Nr. 1/2, 2009, S. 237–260, doi:10.1127/0077-7749/2009/0011
Weblinks „Ein Tauchgang am Heldenfinger Kliff vor 20 Millionen Jahren“ auf lonetal.net
Einzelnachweise
Kategorie:Geographie (Schwäbische Alb) Kategorie:Geologie der Schwäbischen Alb