Georg Mühlen-Schulte (* 30. Juni 1882; † 1964 in Berlin-FrohnauGeorg Mühlen-Schulte. In: Filmportal.de, abgerufen am 10. September 2026.) war ein deutscher Humorist, der als Autor von Bildergeschichten, Schriftsteller und Drehbuchautor hervortrat.
Leben Seit den 1900er Jahren zeichnete er Karikaturen und kurze, lustige Bildergeschichten für Zeitschriften unter Titeln wie Kleingärtner, Bettlers Rache (beide 1909) oder Besetzt! (1911). 1914 wurde Mühlen-Schulte künstlerischer Leiter und Bildredakteur bei den Berliner Lustigen Blätter und steuerte in dieser Funktion maßgeblich die propagandistische Ausrichtung der sogenannten „Kriegs-Nummern“ des Satireblattes, die der Zeitschrift während des Ersten Weltkrieges einen ungeheuren wirtschaftlichen Erfolg bescherten.Eckart Sackmann: Lustige Blätter. In: Ders. mit Helmut Kronthaler, Gerd Lettkemann (Hrsg.): Deutsche Comicforschung 2014 (= Jahrbücher: Deutsche Comicforschung. Band 10). Comicplus+, Leipzig 2013, ISBN 978-3-89474-245-4, S. 18–36. Neben Zeichnern wie Walter Trier, Robert L. Leonard (1879–1945), Carl O. Petersen und Paul Simmel zeichnete er die „Kriegsbilderbogen“ (ganzseitige Comics) dieser Ausgaben. Zum Kriegsprogramm des Verlags der Lustigen Blätter gehörte auch die Reihe Tornister-Humor, zu der Mühlen-Schulte mehrere Hefte mit selbst illustrierten Geschichten beisteuerte,Kriegstagebücher und Historische Romane – Bibliographie Deutschland. In: Grensland-Docs, Datenbankabruf im September 2026. etwa die Titel Heimatbriefe der Köchin Anna Kwacktüpfel. Mit Erlaubnis des Empfängers, Heinrich Knetschke, z. Z. im Felde, zusammengestellt und mit würdigen Bildern geschmückt (Band 16, 1916), Knetschke Nr. 2. 13 neue Briefe des braven Gefreiten an seine geliebte Anna. Illustriert vom Verfasser (Band 37, 1917) oder Heinrich Knetschke und Anna Kwacktüpfel. 16 neue Abenteuer (Band 65, 1918).
Nach dem Krieg veröffentlichte er seine Bildergeschichten auch für die Werbung, etwa die Reiseabenteuer des Kapitäns Pitje Backspiers, der für den in den 1920er Jahren neu auf den Markt gekommenen Heißluft-Haartrockner mit dem Markennamen „Fön“ wirbt.H. K. Frenzel (Hrsg.): Gebrauchsgrafik. Monatsschrift zur künstlerischen Reklame. Heft 5/1924, S. 40–42. Als Nachfolger des Blattgründers Alexander MoszkowskiLustige Blätter: schönstes buntes Witzblatt Deutschlands – digital. In: Kunstwissenschaftliche Literatur – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg, abgerufen am 11. September 2026.Winfried B. Lerg: Die Publizistik der Weimarer Republik. In: Ders. mit Hanno Hardt, Elke Hilscher (Hrsg.): Presse im Exil (= Dortmunder Beiträge zur Zeitungsforschung. Band 30). K. G. Saur, München u. a. 1979, ISBN 3-598-02530-0, S. 37. wurde Mühlen-Schulte ab 1928 (bis 1931) verantwortlicher Chefredakteur der Lustigen Blätter.Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, 96. Jg., Nr. 80 (8. April 1929), S. 2774: Lustige Blätter. (Red.: Alexander Moszkowski, R. Presber, G. Mühlen-Schulte. Verantw.: G. Mühlen-Schulte.). Während der Weimarer Republik verfasste er auch die Texte zu humoristischen Szenen, die, von namhaften Kabarettisten wie Felix Bressart, Paul Graetz und Eugen Rex gesprochen, seit den späten 1920er Jahren auf Grammophonplatten erschienen.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten stand er im Oktober 1933 zusammen mit weiteren 87 Schriftstellern in der Liste der Unterzeichner des Gelöbnisses treuester Gefolgschaft für Adolf Hitler.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 419. In den folgenden Jahren verfasste er vor allem Drehbücher für Tonfilme, darunter drei für Harry Piel. Er war einer der Mitautoren des Drehbuchs zu dem frühen antisemitischen Propagandafilm Nur nicht weich werden, Susanne! (1934).Karsten Kruschel: Mühlen-Schulte, Georg. In: Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Band 42. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2024, S. 518.
Bekannt wurde Mühlen-Schulte neben Comics und Witzbüchern durch mehrere Verfilmungen seiner Romane. Die 1924 erschienene Kriminalgeschichte Die 3 Kuckucksuhren wurde von Lothar Mendes 1926 verfilmt; Die Buschhexe (1930), Der unmögliche Herr Pitt (1938) und Rittmeister Styx (1939) in der Zeit des Nationalsozialismus. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat er nicht mehr künstlerisch in Erscheinung.
Druckwerke (Auswahl) Ein Hundert Witze, Dr. Eysler & Cie., Berlin 1914 Hindenburg, der Russenschreck. Lustige Verse, Concordia Deutsche Verlags-Anstalt, Berlin 1915 Im Wurschtkessel. Gepfefferte Worte und Bilder über unsere Feinde, Dr. Eysler & Cie., Berlin 1916 Lustiger Radio-Almanach. Heitere Wellen für alle Freunde des Rundfunks, Dr. Eysler & Co., Berlin 1924 Die 3 Kuckucksuhren, Ullstein, Berlin 1924 (Kriminalroman, 1926 verfilmt) Bobby erwacht, Dr. Eysler & Co., Berlin 1926 Die Buschhexe, Velhagen und Klasing, Bielefeld/Leipzig 1930 (1935 verfilmt als Der Dschungel ruft) Der unmögliche Herr Pitt, Fritz Mardicke und Hans Müller Verlag, Hamburg 1938 (im selben Jahr verfilmt) Hölle ahoi, Fritz Mardicke und Hans Müller Verlag, Hamburg 1939 Rittmeister Styx, Erich Zander Verlag, Berlin 1939 (1942 verfilmt) Der Tintenfisch und viele andere Schnurren, Militärverlag Karl Siegismund, Berlin 1940 Verzwickeltes Garn. Heitere Geschichte, Zeitungsveröffentlichung 1942Der Sächsische Erzähler, 97. Jg., Nr. 178 vom 3. August 1942, S. 2 (Digitalisat)
Tondokumente Zahn um Zahn (Text: Georg Mühlen-Schulte) Eugen Rex, Humorist. Rezitation. Grammophon braun 882 A (mx. 4748 BD) Scharrvogel hat seinen Kneifer verloren (Text: Georg Mühlen-Schulte) Eugen Rex, Humorist. Rezitation. Grammophon braun 882 B (mx. 4749 BD-III), aufgenommen in Berlin 1932mit Felix Bressart, vgl. Wolfgang Schneidereit: Discographie der Gesangsinterpreten der leichten Muse von 1925 bis 1945 im deutschsprachigen Raum: Eine Discographie mit biographischen Angaben in 3 Bänden. Band 3: Ethel Reschke bis Slobodan Zivojnovic. Verlag BoD – Books on Demand, 2019, ISBN 978-3-7528-2843-6, S. 1129. Zwischenfall in der Garderobe. Hörspiel (Text: Georg Mühlen-Schulte) Paul Graetz mit Ensemble. Parlophon B.12335-I (mx. 38771), aufgen. Berlin, 24. Oktober 1930 Der Tintenfisch (Text: Georg Mühlen-Schulte) Paul Graetz. Parlophon B.12360-I (mx. 38814), aufgen. Berlin, 8.11.30 1000 Worte Berlinisch (Text: Georg Mühlen-Schulte) Paul Graetz. Parlophon B.12360-II (mx. 38815), aufgen. Berlin, 8.11.30
Filmografie 1926: Die drei Kuckucksuhren 1934: Nur nicht weich werden, Susanne! 1934: Der Herr der Welt 1935: Der Dschungel ruft 1938: Der unmögliche Herr Pitt 1942: Die Sache mit Styx
Weblinks
Literatur Karsten Kruschel: Mühlen-Schulte, Georg. In: Lutz Hagestedt, Wilhelm Kosch (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das 20. Jahrhundert. Biographisch-bibliographisches Handbuch. Band 42: Mimo – Müller, Gert. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2024, ISBN 978-3-11-131486-0, S. 518 f.
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