Libina (deutsch Liebau) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt zwölf Kilometer südöstlich von Šumperk und gehört zum Okres Šumperk. Die Gemeinde entstand 1961 durch Zusammenschluss der Gemeinden Dolní Libina, Horní Libina und Obědné.
Geographie Libina erstreckt sich über acht Kilometer entlang der Bäche Libinský potok und Mladoňovský potok bis zur Oskava von der Úsovská vrchovina (Ausseer Hügelland) bis zum Hornomoravský úval (Obermährische Senke). Südwestlich erheben sich der Bradlo (Bradlstein, 600 m) und der Tří kameny (Dreistein, 558 m), im Osten der Brdo (497 m).
Nachbarorte sind Mladoňov und Václavov im Norden, Oskava und Mostkov im Nordosten, Břevenec im Osten, Šumvald im Südosten, Nová Hradečná und Lipinka im Süden, Kamenná im Südwesten, Nedvězí und Obědné im Westen sowie Benkov, Dlouhomilov, Dolní Olešná, Horní Olešná und Hrabišín im Nordwesten.
Gemeindewappen Seit 2001 besitzt Libina ein neues Gemeindewappen, das aus dem alten Siegel mit der Pfarrkirche St. Georg auf flachem Grund zwischen zwei Laubbäumen entwickelt wurde.Informationen auf der Website der Gemeinde Das Emblem ruft mit dem Banner des roten Georgskreuzes auf weißem Grund in den Pranken des goldenen Löwen die Weihe an den Heiligen in Erinnerung. Der nach links aufgerichtete Löwe bezieht sich auf das Wappen der Herrschaft Šumvald (Schönwald).Der heraldische Löwe der Herren von Šumvald umfasst mit der rechten Tatze einen Zweig mit vier Blättern und drei Eicheln. Die in Rot und Gold geviertelte untere Hälfte des Schildes von Libina repräsentiert das traditionelle rot-goldene Stammwappen der Liechtensteiner. Das blaue Farbfeld des Hintergrunds in der oberen Hälfte soll den Ortsbach Libinský potok symbolisieren, der den gesamten Ort durchfließt. Das Wappen stellt eine heraldisch vereinfachte Fassung des von einer kommunalen Arbeitsgruppe entworfenen Vorschlags dar.
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung des Dorfes erfolgte 1348, als es mit weiteren Orten an die Schönberger Landgüter angeschlossen wurde. 1535 erwarben die Herren von Boskowitz auf Aussee das Dorf und schlugen es ihrer Herrschaft zu. Später gelangte der Ort auf dem Erbwege an Friedrich von Zierotin auf Blauda, der Liebau 1568 der Königsstadt Unczow verkaufte. Zu dieser Zeit wurde zwischen Liebau Dorf, Lhota und Seite unterschieden. Seit dem 17. Jahrhundert wurden die Teile des an der deutsch-tschechischen Sprachgrenze gelegenen Dorfes durch die Attribute Deutsch und Böhmisch (bzw. im Tschechischen mit Moravská) unterschieden. Das Oberdorf wurde wegen seiner deutschen Besiedlung als Deutsch Liebau / Německá Libina bezeichnet, während der untere Teil an der Oskava Böhmisch Liebau / Moravská Libina genannt wurde. 1821 gründete Norbert Langer in Deutsch Liebau eine Textilmanufaktur. mini|Blick auf Libina Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften bildete Deutsch Liebau ab 1850 eine Gemeinde im Bezirk Mährisch Schönberg. Böhmisch Liebau bildete ebenfalls eine eigene politische Gemeinde, sie gehörte zum Bezirk Littau und ab 1907 zum Bezirk Sternberg. Im Jahre 1875 wurde die Sieb- und Drahtgeflechtwarenfabrik Zimmermann gegründet. Zwischen 1886 und 1890 entstand die Langersche Mechanische Spinnerei, die zwischen den Weltkriegen 900 Beschäftigte hatte. Daneben bestand seit 1866 die Textilfabrik Kauer. 1890 kamen mit den Fabriken von Pabel und Federmann zwei weitere hinzu und 1906 entstand die Spinnerei Blaschek. Im Ort wurden des Weiteren drei Steinbrüche, zwei Ziegeleien und drei Mühlen betrieben. Außerdem befand sich in Deutsch Liebau das städtische Forstrevier von Mährisch Neustadt. 1930 lebten in der Marktgemeinde Deutsch Liebau 4224 Menschen, in Liebesdorf waren es 443 und in Böhmisch Liebau 808.
Nach dem Münchner Abkommen wurden alle drei 1938 dem Deutschen Reich angeschlossen. Deutsch Liebau und Liebesdorf gehörten bis 1945 zum Landkreis Mährisch Schönberg; Böhmisch Liebau zum Landkreis Sternberg. 1939 hatte Böhmisch Liebau 751 Einwohner, Deutsch Liebau 3909 und Liebesdorf 420. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgten die Vertreibung der deutschen Bewohner und eine Neubesiedlung mit Tschechen.
1947 wurde Německá Libina in Horní Libina und Moravská Libina in Dolní Libina umbenannt. Der Status von Horní Libina als Městys, einer Marktgemeinde, wurde 1948 nicht erneuert und der Ort sank zum Dorf ab. Zum 1. Jänner 1960 wurde die Gemeinde Libina gebildet, da kam Dolní Libina aus dem aufgelösten Okres Šternberk zum Okres Šumperk.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Libina besteht aus den Ortsteilen Dolní Libina (Böhmisch Liebau), Horní Libina (Deutsch Liebau) und Obědné (Liebesdorf).
Sehenswürdigkeiten mini|links|Pfarrkirche St. Georg mini|links|Pfarrkirche St. Georg, Chorseite außen mini|Marienstatue
Das Dorf ist in das Verzeichnis der Sehenswürdigkeiten des kulturellen Erbes aufgenommenZustand, Pflege und Renovierung sind auf der Website der Gemeinde durch Text und Bild von Andrea Červinková dokumentiert: Liste der Denkmäler.
Pfarrkirche St. Georg
Die dem Heiligen Georg geweihte Kirche Kostel sv.Jiří ist ein barocker Bau aus dem 18. Jahrhundert, dessen Architektur an die Kirche Jungfrau Mariä Himmelfahrt (Kostel Narození Panny Marie) in Nový Malín (Frankstadt) erinnert. Die Liebauer Kirche wurde 1958 in die Liste der Kulturdenkmäler aufgenommen. Ihr barockes Aussehen verdankt sie einem radikalen Erweiterungsumbau im Jahre 1721. Mittelalterlichen Ursprungs sind das Fundament des Turms und möglicherweise der Grundriss der Kirche. Auf der rechten Seite der westlichen Turmfront befindet sich eine barocke Statue des Heiligen Johannes von Nepomuk aus den Jahren 1715–1720, in deutlicher Gegenüberstellung die Statue der Jungfrau Maria, eine Barock-Skulptur. Eingedenk der Pestopfer in der Gemeinde enthielt die ursprüngliche Inschrift die Bitte um Befreiung von Pest, Hunger und Krieg und wies durch hervorgehobene Buchstaben die Jahreszahl 1715 auf.Ernst Kober: Geschichte der Marktgemeinde Deutsch Liebau, Bezirk Mährisch-Schönberg, Nordmähren. In: Deutsch-Liebau. Was ein Dorf zu erzählen weiß, S. 10.
Der einschiffige Bau mündet in einem eingerückten fünfeckigen Chor. Der Altarraum ist ein Tonnengewölbe mit dreiteiligen Lünetten als Abschluss. Als Wandpfeiler dienen Pilaster mit ionischen Kapitellen und Stuckgirlanden mit Blumen und Früchten. Das schlichte Äußere wird flankiert durch zwei Anbauten, der Chorkapelle und der Sakristei. Ein kleinerer Anbau beherbergt eine Grotte mit Jesus auf dem Ölberg.
Die Geschichte der Ausstattung ist bestimmt durch mehrfache Umbauten, Veräußerungen von Sakralgegenständen und Kunstwerken sowie Neuanschaffungen und Renovierungen besonders des Altarbildes des Seitenaltars vom Heiligen GeorgErnst Federmann fasst diese Vorgänge bis zum Jahr 1935 zusammen: Ernst Federmann: Die Pfarrkirche und Pfarre. In: Hermann Leiter: Heimatbuch, S. 263–270. Nach Bohumil Samek befinden sich hinter dem Hauptaltar ein Gemälde des Heiligen Georg von Josef Jansa (1863) und Reste der ursprünglichen Retabel mit den Holzfiguren der Heiligen Petrus und Paulus und der Skulptur der Heiligen Dreifaltigkeit. Von der Erstausstattung sind erhalten die Kanzel, das Marmortaufbecken (1725) und das Altarbild vom Seitenaltar des Heiligen Antonius von Padua von Johann Christoph Handke (1725), das sehr wahrscheinlich aus der Kirche von Mladoñov (Bladensdorf) stammt. Die Orgel aus der Zeit um 1775 ist das Werk eines unbekannten OrgelbauersBohumil Samek: Umělecké památky Moravy a Slezska 2. J–N. S. 344.
Kreuzigungsgruppen links|mini|200x200px|Kalvarie bei der Kirche St. Georg Die Kalvariensäule in der Nähe der Kirche ist eine klassizistische Steinarbeit aus der Wende des 18. und 19. Jahrhunderts.Kalvariensäule bei der Kirche St. Georg Das Kreuz mit dem Gekreuzigten bildet die Mittelachse, auf deren seitlich ausgelegten Konsolen die Figuren der Jungfrau Maria und des Jüngers Johannes stehen. Die Skulpturen mit ihrer bewegten Gestik und dem Faltenwurf der Gewänder kontrastieren zu der Statik des Kreuzes und den massiven Voluten mit den Marterwerkzeugen. Auf dem Sockel befinden sich Reliefs der Heiligen Rosalia. Der kleine KalvarienbergBohumil Samek: Umělecké památky Moravy a Slezska 2, J–N, S. 345 mit Balustrade am Weg nach Dolní LibinaStandort auf dem Besitz von Hausnummer 240, ehemals Bauernhof Siegel wird als einzigartige Rokoko-Skulptur bezeichnet.Sousoší Kalvárie s balustrádou Das Denkmal zeigt den erhöhten Gekreuzigten, flankiert von den Figuren der Mutter Maria und des Evangelisten Johannes auf separaten prismatischen Sockeln mit Voluten. Am Fuße des Kreuzes auf einer erhabenen Kartusche kniet Maria Magdalena. Die einzelnen Figurenelemente fügen sich zu einem bewegten kompositorischen Gesamtbild, das eingefasst wird von einer steinernen Gebetsbank, auf deren Säulen figürliche Reliefs aus dem Leben Christi eingearbeitet sind. Die Rückseite trug in deutscher Sprache die Inschrift: „Errichtet von Friderich Ridel im Jahre 1767“Was ein Dorf zu erzählen weiß, S. 98–99. mini|hochkant|Kreuz am Friedhof Das FriedhofskreuzFriedhofskreuz wurde anlässlich der Weihe des neuen Friedhofs im Jahre 1836 von der Handelsfamilie Josef Sawodny aus Liebesdorf gestiftetDeutsch-Liebau. Was ein Dorf zu erzählen weiß, S. 419. Der Gekreuzigte und die auf felsigem Boden kniende Maria Magdalena ruhen auf einem quadratischen Sockel mit Schriftplatte und dreieckigem Giebel, die Heilige Maria und der Heilige Johannes sind auf niedrigere prismatische Sockel montiert, auf denen die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind und der Heilige Josef mit dem Kind in flach gerundeten Nischen stehen. Die monumentale Skulptur zeigt die Formmerkmale des Historismus. Die Dreifaltigkeitssäule, ein klassizistisches Werk von 1796Sloup se sousoším Nejsvětější Trojice erhebt sich über einem Sockel mit den Reliefs Mariä Verkündigung durch den Erzengel Gabriel und des Heiligen Georg. Die lateinische Inschrift auf dem Sockel stellt das Dorf unter den Schutz der „Allerheiligsten Dreifaltigkeit“.
Kapellen Das im neubarocken Stil von dem akademischen Bildhauer Josef ObethObeths Wirken für den 1934 verstorbenen Firmenchef Adolf Langerzur Biografie des Unternehmers Adolf Langer (1869-1934) vgl. entworfene Mausoleum im jetzt neu gestalteten Liebauer ParkZelená Libina: Neugestaltung des Parks ist ein freistehender Rundbau. Die Frontseite wird durch ein dekoratives schmiedeeisernes Tor und flankierende Säulenpaare mit einfachen Kapitellen gegliedert. Sie tragen einen gespaltenen Volutengiebel mit einer sitzenden Engelsfigur über dem Eingang. Die glockenförmige Dachkuppel wird von einer Laterne gekrönt, auf die ein Kreuz gesetzt ist. Über dem Sarkophag im Inneren der Gruft erhebt sich das Halbrelief des auferstandenen Christus, daneben befindet sich die Marmorbüste von Adolf Langer.Mausoleum der Unternehmerfamilie Langer Kaplička Loučení, die Kapelle des Abschieds,Kapelle des Abschieds unweit des Pfarrgartens ist eine Kapelle mit rechteckigem Grundriss und flacher Apsis. Die Gewölbekuppel ruht auf vier klassischen Säulen. In der zweigeschossigen Nische ist in der oberen Hälfte der Abschied Jesu von der Gottesmutter dargestellt. Darunter befindet sich die Steinfigur der Pestheiligen Rosalia. Architektur und Ausstattung sind original. Die Kapelle wurde 1716 nach den Pestjahren, die 74 Opfer forderten, von Pfarrer Martin Georg Neugebauer aus Dankbarkeit für Schutz und Hilfe in schwerer Not errichtet. Während der Pestzeit feierte der Priester im abgeriegelten Unterort in der St. Rochus-Kapelle (Kaple Sv. Rocha) Gottesdienst.Aurelia und Helene Rotter: Die Pestkapelle in Deutsch Liebau. In dies.: Sagen und Berichte aus dem Kreis Mährisch Schönberg. Quellenverlag Veronika Diwisch, Steinheim am Main 1962, S. 33–36 Beide Pestkapellen sind restauriert. Kapelle in Dolní Libina
Profanbauten mini|200x200px|Neorenaissance-Villa (ehemalige „Langer-Villa“) um 1900 mini|200x200px|Empire-Gebäude mit ursprünglicher Fassade