mini|Georgskapelle auf dem Alten Friedhof (2008) mini|Kapelle der Kommende Ramersdorf (Federzeichnung von 1569, Ausschnitt) Die Georgskapelle auf dem Alten Friedhof in Bonn wurde im 13. Jahrhundert errichtet. Das romanische Gebäude mit frühgotischen Bauelementen war ursprünglich Teil der Deutschordenskommende Ramersdorf und diente den Konventsmitgliedern als Gebets- und Gottesdienstraum. Die Kapelle war ausgestattet mit monumentalen mittelalterlichen Gewölbe- und Wandmalereien. Im 19. Jahrhundert brach in den Gebäuden der Kommende ein Brand aus, von dem auch die Kapelle betroffen war. Nach dem Brand beabsichtigte der damalige Besitzer, die Kapelle abzureißen. Sie konnte jedoch gerettet und auf den Alten Friedhof transloziert werden. Dabei wurden die Malereien zerstört. Einige von ihnen sind als Reproduktionen erhalten. Die Rettung der Kapelle gilt als ein spektakuläres Ereignis der Denkmalpflege im Rheinland in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Geschichte mini|Kommende Ramersdorf mit Georgskapelle – Kreidelithografie von Christian Hohe 1832 Die Kapelle wurde um 1230 als Teil des Gebäudekomplexes der Kommende Ramersdorf errichtet. Als Folge der Säkularisation gelangte die Kommende 1807 in Privatbesitz. Die Kapelle verfiel und erlitt 1842 einen Brandschaden, wobei das Dach völlig zerstört wurde. Deshalb sollte die Kapelle 1844 abgerissen werden. 1846/1847 wurde sie auf Initiative des Königlichen Bauinspektors Johann Claudius von Lassaulx auf den Friedhof im heutigen Bonner Zentrum umgesetzt.
Den Prozess der Translozierung der Kapelle hat die Kunsthistorikerin Sabine G. Cremer in ihrer Arbeit Die Ramersdorfer Kapelle – Ein Beispiel für rheinische Denkmalspflege in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dargestellt. Die folgenden Ausführungen in diesem Kapitel stützen sich auf Cremers Studie.
1844, zwei Jahre nach dem Brand, plante der neue Eigentümer der Ramersdorfer Kommende, Joseph zu Salm-Reifferscheidt-Dyck, die gesamte Anlage umzubauen. Diesen Plänen stand die Kapelle im Wege und er beschloss, sie abreißen zu lassen. „Durch einen Freund alter Kunst“Johann Claudius von Lassaulx: Die Kirche zu Ramersdorf bei Bonn. S. 9. erfuhr Johann Claudius von Lassaulx von diesem Vorhaben. Er wandte sich an den Eigentümer, um ihn auf den „besondern Werth des Bauwerks“ hinzuweisen und erreichte, dass der Abbruch aufgeschoben wurde. mini|Lithografie von Johann Claudius von Lassaulx (1845)
Lassaulx wandte sich mit einem Bericht über den geplanten Abriss der Kapelle im Kölner Domblatt an die Öffentlichkeit. Bereits vorher hatte er Bauaufnahmen von der Kapelle gefertigt und einen Kostenvoranschlag über 1200 Taler für die notwendige Restaurierung erstellt. Zur Werbung dafür brachte er eine Lithografie heraus, die neben einer Karte, einem Lageplan der ehemaligen Kommende, einem Grundriss der Kapelle und verschiedenen architektonischen Detailstudien eine Innenansicht sowie einen Quer- und einen Längsschnitt der Kapelle enthielt. Den Turm nahm Lassaulx nicht mit auf, da dieser wohl zum größten Teil bereits abgerissen war.
Prominente Zeitgenossen wie der preußische König Friedrich Wilhelm IV. setzten sich für den Erhalt der Kapelle ein. Trotzdem bestand der Eigentümer weiterhin auf dem Abriss. Lassaulx schlug schließlich die Translozierung auf den Friedhof an der Bornheimer Straße, den heutigen Alten Friedhof in Bonn, vor. Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck war mit diesem Vorhaben einverstanden. Sowohl die Behörden als auch die Bevölkerung begrüßten das Vorhaben. Vor allem Oberbürgermeister Karl Edmund Joseph Oppenhoff und der damalige Kurator der Universität Bonn, Moritz von Bethmann-Hollweg, setzten sich dafür ein. Der Friedhof an der Bornheimer Straße besaß bis dahin keine eigene Friedhofskapelle.
Lassaulx erstellte einen Kostenvoranschlag über 2800 Taler. Die Finanzierung bereitete der Stadt große Probleme, wodurch das Projekt zu scheitern drohte. Eine Spendenaktion wurde unter der Bonner Bevölkerung durchgeführt. Der Stadtrat bewilligte daraufhin zunächst einen Betrag von 300 Talern für die Translozierung der Kapelle. mini|Kapelle nach der Translozierung – Lithografie um 1850 Im Herbst 1845 kam es zu einer weiteren Verzögerung, als in der Ramersdorfer Kapelle mittelalterliche Wandmalereien entdeckt wurden. Oberbürgermeister Oppenhoff bemerkte bei einem Besuch der Kapelle auf dem Gewölbe die Umrisse durchscheinender Malereien. Durch das beschädigte Dach war Regen eingedrungen, so dass sich an einigen Stellen die Kalkübertünchung gelöst hatte. Der Oberbürgermeister wandte sich, weil er den Wert dieser Malereien nicht beurteilen konnte, an den akademischen Zeichenlehrer Nicolaus Christian Hohe und an Gottfried Kinkel. Bei einer Besichtigung waren sich beide einig, dass „ein genaue Abcopirung in kunstgeschichtlichem Interesse liegen“zit. in: würde. Aufgrund des Zeitmangels und der angespannten finanziellen Situation beauftragte der Oberbürgermeister Christian Hohe, die Malereien aufzudecken und zu kopieren. Im Verlauf der Arbeiten entdeckte Hohe weitere Malereien an den Wänden. Nach der Fertigstellung der Kopien legte von Bethmann-Hollweg die Zeichnungen dem preußischen König und dem Generaldirektor der Königlichen Museen in Berlin, Ignaz von Olfers, vor. Sie wurden in die Kunstsammlung der Königlichen Museen in Berlin aufgenommen.
Parallel zur Entdeckung der mittelalterlichen Malereien unternahm Kultusminister Johann Albrecht Friedrich von Eichhorn im September 1845 den letzten Versuch, die Kapelle an ihrem ursprünglichen Standort zu erhalten. Der Fürst zu Salm-Reifferscheidt-Dyck lehnte dies wiederum ab und berief sich darauf, dass die Verhandlungen mit der Stadt abgeschlossen seien. Stattdessen drängte er auf die baldige Durchführung der Translozierung. Aus Geldmangel drohte das Projekt zu scheitern. Durch Vermittlung Ignaz von Olfers erreichte von Bethmann-Hollweg beim König ein „Gnadengeschenk“ von 1200 Talern, wodurch die Translozierung endgültig ermöglicht wurde.
Im Oktober 1846 war der Abbruch in Ramersdorf vollendet, der Wiederaufbau als Friedhofskapelle auf dem Alten Friedhof in Bonn dauerte bis Dezember 1847. Ihre Einweihung erfolgte am 11. November 1850.
Nutzung Die Kapelle diente dem Konvent der Ramersdorfer Kommende, der aus Ritter-, Priester- und Halbbrüdern bestand. Die 12 KonventsmitgliederChristian Schüller: Die Deutschordenskommende Ramersdorf – Anmerkungen zu ihrer Baugeschichte und zu ihrem Schicksal im 19. und 20. Jahrhundert. S. 13. trafen sich dort zum Gottesdienst und zum gemeinsamen Gebet. Dabei saßen sie sich gegenüber. Darauf weisen Säulchen auf Konsolen und Diensten im Innenraum der Kapelle hin, welche die Gewölberippen auffangen. Darunter befand sich vermutlich das Gestühl für die Konventsmitglieder. Die drei Altäre der Kapelle lassen auf eine relativ große Zahl von Priesterbrüdern schließen, die zum mittelalterlichen Konvent gehörten.
Bis zur Aufhebung der Kommende im Jahre 1807 war die Kapelle am Georgstag über ihre normale Bestimmung hinaus das Ziel von Prozessionen aus den Pfarreien Küdinghoven und Oberkassel. Der Pfarrer von Küdinghoven hielt an diesem Tag in der Kapelle ein Hochamt. Seine Bemühungen belohnte die Kommende mit zwei Malter Roggen. In Ausnahmefällen nahm der Bonner Offizial in „des erlauchten Deutschen Ordens Kapelle in Ramersdorf“ eine Trauung vor.aus dem Kopulationsbuch der Pfarrei Küdinghoven, zit. in:
Nach der Translozierung auf den Alten Friedhof erfüllt das Gebäude die Aufgaben einer Friedhofskapelle; außerdem finden dort zu seltenen Anlässen Musikveranstaltungen statt.
Architektur mini|Romeyn de Hooghe: Kommende Ramersdorf (Stich/Ausschnitt 1700) Die Kapelle wurde als ein dreischiffiger Hallenbau mit einem Dreiapsidenschluss errichtet. Sie ist 14,20 m lang und 7,70 m breit.Johann Claudius von Lassaulx: Die Kirche zu Ramersdorf bei Obercassel am Rhein. Im deutschen Kirchenbau der Spätromanik und der Frühgotik gibt es keine vergleichbare architektonische Lösung. Die zahlreichen Schaftringe weisen auf die französische Frühgotik, wie beispielsweise in der Kathedrale von Laon, hin. Die Fensterformen „stehen dagegen ganz in der Tradition der Spätromanik des Rhein-Maas-Gebietes“.
Das Gebäude mini|Innenansicht mit Wandmalereien, Aquarell von Christian Hohe (1847) Ursprünglich waren die Mauerflächen der Kapelle ganz aus Tuff, nach der Translozierung auf den Alten Friedhof wurde er mit Grauwacke und Sandstein gemischt. Die Architekturteile bestehen aus Sandstein.
Die Außenmauern der Kapelle haben an allen Kanten schmale Lisenen und schließen nach oben mit einem nasenbesetzten Rundbogenfries auf alten Tuffkonsolen ab. Das Dachgesims mit „einem kräftigen romanischen Profil“Paul Clemen: Die Kunstdenkmäler der Stadt und des Kreises Bonn. S. 421. musste wegen des erlittenen Brandschadens bei der Translozierung erneuert werden.
Jede Langseite hat drei Vierpassfenster. in den Seitenchörchen befindet sich je ein schmales rundbogiges Fenster, der Mittelchor besitzt davon drei. Auf dem schiefergedeckten Dach ist ein kleiner offener hölzerner Dachreiter mit einem schmiedeeisernen Kreuz angebracht.
Das Portal mit horizontalem Sturz befindet sich nicht mehr an der Südseite, sondern seit der Translozierung auf der Westseite der Kapelle. Eine neu angebrachte Inschrift über dem Portal lautet: SACELLUM RAMERSDORPIO HUC TRANSLATUM 1847. Darüber befinden sich ein Vierpassfenster und eine rundbogige Blendnische, die eine erneuerte Sandsteinplatte mit einem Kreuz im Medaillon umschließt. Den Giebel krönt ein altes Steinkreuz, darunter befindet sich ein erneuerter steinerner Adler.
Zur Kapelle gehörte ein Turm auf der Südseite dicht am Seitenchor, dessen unterer Teil gleichzeitig mit der Kapelle erbaut worden war. Darauf weist eine Seitenmauer der Kapelle hin, die ursprünglich auch zum Turm gehörte.Johann Claudius von Lassaulx: Die Capelle von Ramersdorf. S. 91. Auf einem Bild aus dem Jahr 1700 ist in dem Turm eine Tür zu sehen, die zur Sakristei führte. Von dieser führte eine weitere Tür ins Kapelleninnere. Der Haupteingang der Kapelle befand sich ebenfalls an der Südwand.
Der Innenraum mini|Innenraum (2008) Der Innenraum wird von vier freistehenden schlanken Säulen getragen, deren Basis ein breites lappiges Eckblatt ist. Die Säulen sind in der Mitte durch dreiteilige Schaftringe gegliedert. Die Kapitelle der beiden östlichen Säulen zeigen noch deutlich die „im Übergangsstil“ üblichen Knäufe. Die westlichen Säulen tragen frühgotische schrägstehende Blätter.
Über den achtseitigen Deckplatten steigen die Gurtbögen und Gewölberippen auf. An den Außenmauern entsprechen den Säulen Bündel von je drei Diensten mit einfachen Kelchkapitellen auf Konsolen von 1,80 Meter Höhe. Die Konsolen schließen mit einem Knauf ab, unter dem ein einfacher flacher Pilaster die Fortsetzung bildet. An der Westwand sitzen die beiden Gurte auf einfachen Konsolen auf.
Die Fenster haben nach innen die Form eines Kleeblatts mit tief herabgezogener Sohlbank. Der alte Bodenbelag besteht aus roten und grauen Ziegeln mit weißen Sternchen. In der Mitte des Raumes befindet sich ein großes graues Deutschordenskreuz mit weißer Einfassung.
Veränderungen im Zuge der Translozierung mini|Grundriss der translozierten Kapelle mit Portal auf der ehemaligen Westseite