Bei der Operation Imposing Law, auch bekannt als Operation Law and Order, handelte es sich um eine Sicherheitsoffensive, die gemeinsam von Koalitionsstreitkräften und irakischen Sicherheitskräften in Bagdad durchgeführt wurde. Im Zuge der Pläne für die „Surge“-Truppenaufstockungen wurde Bagdad in neun Sicherheitszonen aufgeteilt, die dann alle von sunnitischen Aufständischen sowie schiitischen Milizen gesäubert werden sollten. Zudem sollten dort Sicherheitsstellungen für künftige Operationen aufgebaut werden, die zudem die Wiederaufbauprojekte schützen sollten. Der US-Kommandant im Irak, General David Petraeus, ging so weit, zu sagen, dass der Irak „verdammt“ sei, wenn dieser Plan fehlschlage. Diverse amerikanische Kongressabgeordnete haben die Operation als wichtige Phase der US-Präsenz im Irak bezeichnet.
Hintergrund und Planung
Am 10. Februar 2007 hatte General David Petraeus den vorherigen Kommandanten der Multi-National Force Iraq, General Casey, abgelöst. Fast zeitgleich wurde zudem Admiral William Fallon neuer CENTCOM-Befehlshaber. Die Operation wurde vom irakischen General Abboud Qanbar, einem Veteranen der ersten beiden Golfkriege, geleitet. Er war jedoch nur eine Kompromisslösung, da der erste Vorschlag des irakischen Ministerpräsidenten Nouri al-Maliki von der US-Armee abgelehnt worden war. Am ersten Tag der Operation wurden in Bagdad neue Kontrollpunkte errichtet und verstärkt Fahrzeugkontrollen durchgeführt. Zudem begannen erste Patrouillen durch einige Stadtteile. Die Einheiten sollten von Stadtteil zu Stadtteil vorrücken, um der Gewalt durch die Aufständischen in der 6-Millionen-Metropole Einhalt zu gebieten. Die Operation wurde zuerst als Operation Imposing Law bezeichnet, später wurde der Name jedoch fallen gelassen, da die Abkürzung O. I. L. doch zu sehr an die Kritik vieler Organisationen erinnerte, die USA hätten den Irak nur zur Ausbeutung seiner Öl-Vorräte besetzt.
Geplantes Vorgehen
Auf einer Pressekonferenz am 16. Februar 2007 beschrieb der US-General Joseph Fil die Operation folgendermaßen:weeklystandard.com
Die Operation war im Rahmen von The Surge mit einer massiven personellen Verstärkung der Besatzungstruppen und verbündeter irakischer Einheiten hinterlegt. Ende 2006 umfassten diese Truppen rund 49.700 Mitglieder, etwa ein Verhältnis von 1:100 zur Stadtbevölkerung. 2007, mit voller Umsetzung von The Surge, erreichte die Truppenstärke 90.000 und ein Verhältnis von 1:56 zur Bevölkerung.Anthony King: Urban insurgency in the twenty-first century: smaller militaries and increased conflict in cities. In: International Affairs, Volume 98, Issue 2. Oxford University Press, März 2022, S. 626.
Die Operation
Im Rahmen des Bagdad Security Plan (BSP) errichteten Koalitionstruppen Stellungen an wichtigen zentralen Orten in Bagdad und nahmen eine Reihe von Verdächtigen fest.
Die neun Sicherheitszonen entsprechen den jeweiligen Verwaltungsbezirken und sind folgende: Adhamiyah, Karkh, Karadah (Kharadah), Kadhimyah, Mansour, Sadr City (Thawr), Rasheed, Rusafa und Tisa Nissan.
Auch als Joint Security Sites bekannt, werden diese Posten von irakischem Militär und irakischer Polizei besetzt und dienen der Kontrolle der jeweiligen Bezirke. Nach Aussage eines US-Generals vom 12. April 2007 gebe es in Bagdad bereits 54 aktive dieser Stellungen, die Zahl sollte noch weiter bis auf 75 erhöht werden.
Februar
Am zweiten Tag der Operation drangen US-Truppen und irakische Einheiten weiter in sunnitische Hochburgen in einigen Stadtteilen Bagdads vor. Im Doura-Distrikt kam es dabei zu Verzögerungen, weil diverse Autobomben gezündet wurden. Bei einem Zwischenfall kamen dabei 4 Zivilisten ums Leben, als ein Sprengsatz nahe einer US-Patrouille explodierte. Da die Operation zunächst nur geringen Widerstand hervorrief, bezeichnete der irakische Ministerpräsident sie bereits als „brillanten Erfolg“. Es kam bereits spürbar zu einer Abnahme der Gewalt in Bagdad, allerdings waren die US-Generäle bei ihrer Bewertung in dieser frühen Phase der Operation noch sehr vorsichtig, da man die Langzeitwirkung noch nicht abschätzen konnte.
Am 17. Februar gab ein Sprecher der irakischen Regierung bekannt, dass die Zahl der Überfälle und Morde in Bagdad bereits um 80 % gefallen sei. Er fügte hinzu, dass zudem deutlich weniger Leichen pro Tag gefunden würden als zuvor. Früher seien es bis zu 50 am Tag gewesen, jetzt nur noch etwa 20 in 48 Stunden.
miniatur|links|US-Soldaten sichern ein Dach in Bagdad während der Operation Imposing Law
Am 18. Februar kam es zum ersten schweren Anschlag seit Beginn der Operation, bei einer Explosion auf einem belebten Markt kamen 63 Menschen ums Leben. In den nächsten Tagen führten die Aufständischen weitere Gegenschläge durch, unter anderem wurde bei einem Angriff ein US-Kontrollposten zerstört, wobei zwei US-Soldaten starben und 29 verletzt wurden.
Am 24. Februar gab der irakische Premierminister bekannt, dass bereits über 400 Aufständische getötet worden waren. Dies stand jedoch in einem Widerspruch zum Statement eines irakischen Generals, der zuvor von 42 Toten und 246 Gefangenen gesprochen hatte. Am selben Tag überfielen Aufständische einen Kontrollpunkt und töteten dabei acht irakische Polizisten. Zudem gab es zwei Autobombenanschläge.
Einen Tag später tötete eine weibliche Selbstmordattentäterin auf dem Gelände der Universität Mustansiriyah 41 Menschen, zudem wurde ein schiitischer Stadtteil mit Raketen beschossen, wobei mehr als 12 Menschen starben. Der Anführer der Mahdi-Armee, Muqtada as-Sadr, die ebenfalls Ziel der Operation war, sprach davon, dass die Anschläge weitergehen würden und die Sicherheitsoffensive zum Scheitern verurteilt sei.
Am 25. Februar kam es zu schweren Kämpfen zwischen der irakischen Armee und Aufständischen, dabei fielen 13 irakische Soldaten und 11 Aufständische. Weitere 219 Verdächtige konnten jedoch festgenommen werden.
Am nächsten Tag demonstrierten die Aufständischen erneut ihre Macht, als eine Bombe unter dem Rednerpult explodierte, an dem der irakische Vizepräsident eine Rede hielt. Die Bombe verfehlte ihn nur um etwa eine Minute, er hatte seine Rede gerade beendet. Es starben jedoch 10 Zivilisten bei der Explosion.
März
Am 3. März 2007 wurde ein irakischer General von Aufständischen entführt. Dieser sollte in den nächsten Monaten den Posten des irakischen Verteidigungsministers übernehmen. Er war bereits zu Zeiten Saddam Husseins General gewesen. Einen Tag später konnte er jedoch befreit werden, als irakische Truppen das Haus stürmten, in dem er festgehalten wurde.
Am 4. März betraten US-Truppen und irakische Kräfte zum ersten Mal den Stadtteil Sadr-City, die Hochburg der Mahdi-Armee.
Am 5. März tötete ein Selbstmordattentäter auf einem Büchermarkt 38 Menschen und verletzte 105 weitere.
Am 7. März gab das Pentagon bekannt, weitere 2200 Militärpolizisten nach Bagdad zu senden, um mit der zunehmenden Zahl von Gefangenen fertigzuwerden. Am selben Tag starben bei einem Anschlag auf einen Polizeiposten 12 Polizisten und 10 Zivilisten.
Am 8. März gab General Petraeus bekannt, es gebe keine reine militärische Lösung für das Problem der Aufständischen. Er sagte weiter, dass auch eine politische Lösung angestrebt werden müsse und der Prozess der Friedensstabilisierung Monate dauern werde.miniatur|links|US-Truppen suchen Deckung während eines Schusswechsels in dora, Bagdad
Am 14. März wurde durch das irakische Militär bekanntgegeben, dass seit Beginn der Operation in Bagdad 265 Zivilisten getötet worden seien. Im Monat vor der Operation waren es noch über 1440 gewesen. Zudem sei eine spürbare Verringerung der Anschläge und Entführungen gäbe. Mörserangriffe hätten sich zwar um 50 % verringert, allerdings würden Sprengfallen weiterhin sehr intensiv eingesetzt. Alles in allem könne man anhand der Statistiken allerdings eine Wirksamkeit der Operation erkennen.
Bis zum 17. März waren insgesamt 15 Sicherheitsstationen, die von US-Truppen und Irakern gemeinsam besetzt waren, eingerichtet worden. Weitere 15 Stationen sind in Planung. Eine der Stationen war jedoch bereits kurz nach Beginn der Operation zerstört worden, drei weitere wurden von Aufständischen belagert. Es gab Zeitungsberichte über die gefährliche Lage in diesen Stützpunkten. Am folgenden Tag wurden mehrere Artilleriegeschosse auf das Büro des irakischen Ministerpräsidenten abgefeuert, die fast den Ministerpräsidenten und den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon getötet hätten.
miniatur|US-Soldat mit irakischem Soldaten auf Patrouille miniatur|Waffenfund durch US-Soldaten am 31. März 2007
Am 23. März wurde der Stellvertreter des Ministerpräsidenten bei einem Selbstmordanschlag auf eine Moschee schwer verletzt. Es wird vermutet, dass auch an diesem Angriff, ebenso wie beim Anschlagsversuch auf den Vizepräsidenten im vorherigen Monat, Insider beteiligt waren.
Am 24. März wurde ein schwerer Autobombenanschlag auf eine Polizeiwache in Bagdad verübt, wobei 33 Polizisten ums Leben kamen. Am nächsten Tag kam es zu schweren Kämpfen, bei denen weitere 12 irakische Sicherheitskräfte ums Leben kamen. 6 Aufständische wurden dabei getötet. Am selben Tag begannen zudem starke Mörserangriffe auf die sogenannte Grüne Zone. Es handelt sich um die bislang präzisesten und stärksten Angriffe auf die Grüne Zone seit Beginn des Krieges. Während der mehrere Tage dauernden Angriffe kamen ein amerikanischer Soldat sowie ein Söldner ums Leben, weitere 15 Menschen wurden teilweise schwer verletzt.
Bis Ende März waren die Aufständischen weiterhin in der Lage, den Koalitionstruppen und den irakischen Sicherheitskräften schwere Verluste zuzufügen, obwohl von irakischer Seite immer wieder der Erfolg der Operation und die Verbesserung der Sicherheitslage betont wurde. In den 6 Monaten zuvor waren im Schnitt täglich etwa 3 US-Soldaten getötet worden. Im Monat März waren zudem etwa 2400 Zivilisten und 300 irakische Soldaten im ganzen Land getötet worden. Allerdings konnten auch über 1000 Aufständische gefangen genommen werden sowie große Mengen an Waffen sichergestellt werden. Nach Regierungsangaben kehrten bereits tausende Zivilisten aus Flüchtlingslagern zurück nach Bagdad, weil sich die Sicherheitslage verbessert hatte. Zudem würden deutlich weniger Familien pro Tag die Hauptstadt verlassen, statt 350 nur etwa 25 pro Tag. Allerdings wird die Situation in einem Artikel der Zeitung Newsweek etwas anders dargestellt: Bislang seien nur wenige zurückgekehrt, und die meisten nur aufgrund einer von der Regierung angebotenen Geldzahlung in Höhe von 250.000 Dinar.
Zu dieser Zeit waren erst 40 % der Verstärkungen im Irak eingetroffen. Das US-Oberkommando gab bekannt, dass sich die Zahl der Angriffe von Todesschwadronen zwar verringert habe, die Angriffe mit Autobomben und Sprengfallen allerdings weiterhin hoch seien. US-General William Caldwell zeigte sich enttäuscht über die anhaltend starke Gewalt, obwohl die Sicherheitsoffensive bereits seit acht Wochen andauere.
April
Im April gab es weitere schwere Kämpfe zwischen den US-Truppen und den Aufständischen in Bagdad. Der Schiitenführer Muktada al-Sadr forderte seine Miliz auf, die Angriffe auf irakische Sicherheitseinheiten einzustellen und stattdessen die Angriffe auf die ausländischen Truppen zu verstärken. Bis zum 9. April kamen in diesem Monat bereits 22 US-Soldaten in Bagdad ums Leben, im ganzen Irak 43.
Am 10. April kam es zu den schwersten Kämpfen der Operation, als US-Truppen auf schwer bewaffnete Aufständische im Stadtteil Fadhil trafen. Während einiger Routine-Hausdurchsuchungen eskalierten die Kämpfe. Kampfhubschrauber, die zur Unterstützung herbeigerufen waren, mussten aufgrund des starken Abwehrfeuers umkehren und konnten nur kurz in die Kämpfe eingreifen. Im Laufe des Tages kamen 4 irakische Soldaten, 16 Aufständische und ein Kind ums Leben. 16 US-Soldaten wurden verwundet, mehrere Hubschrauber schwer beschädigt.