mini|Pfarrkirche und ehemaliges Waaghaus in Türkheim mini|Türkheim von Nordwesten mini|Panorama mit Zugspitze

Türkheim (schwäbisch Dürka) ist ein Markt im schwäbischen Landkreis Unterallgäu und der Sitz der Verwaltungsgemeinschaft Türkheim. Mit 7486 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2023) ist es die viertgrößte Gemeinde im Landkreis Unterallgäu. An der Südspitze des Naturparks Augsburg-Westliche Wälder gelegen, markiert Türkheim die landschaftliche Grenze von Augsburg-Schwaben zu Mittelschwaben.

Geographie Lage Türkheim liegt landschaftlich mitten in Mittelschwaben, politisch im südöstlichen Rand der mittelschwäbischen Region Donau-Iller. Die größte Ausdehnung von Nord nach Süd beträgt 9,1, von West nach Ost 7,1 Kilometer. Die Wertach fließt durch Türkheim und kann über die Wertachbrücke überquert werden. Weiter oberhalb überqueren die Bahnstrecke Buchloe – Memmingen und die Autobahn Lindau – München die Wertach.

Gemeindegliederung Das Gemeindegebiet besteht aus den Gemarkungen Türkheim und Irsingen.

Es gibt 7 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Berg (Dorf) Irsingen (Pfarrdorf) Ludwigsberg (Weiler) Schönbrunn (Einöde) Türkheim (Hauptort) Türkheim Bahnhof (Dorf) Unterirsingen (Zollhaus) (Weiler)

Daneben gibt es die nicht amtlich benannten Orte: Einödhof Kronenkeller Webermühle Waldsiedlung Waltermühle Wilhelmshöhe

Nachbargemeinden Die westlich von Türkheim gelegene Gemeinde Rammingen mit ihren Gemeindeteilen Ober- und Unterrammingen gehört genauso wie die östlich von Türkheim gelegenen Gemeinden Amberg und Wiedergeltingen zur Verwaltungsgemeinschaft Türkheim. Eigenständige Nachbargemeinden sind im Norden Ettringen, im Nordwesten der Markt Tussenhausen und im Süden die Kurstadt Bad Wörishofen. Nordöstlich von Türkheim gibt es über einige Kilometer keine Ansiedlung; die dortige Großrundfunk-Sendestelle Wertachtal wurde 1972 an der Stelle der Einöde Pisterhof gebaut.

Geschichte mini|Die ehemalige Römerschanze im Norden Vorgeschichte Die Geschichte Türkheims kann man bis in die frühe Mittelsteinzeit zurückverfolgen. Damals durchstreiften Jäger und Sammler dieses Gebiet. Die ersten Siedler ließen sich dort in der Jungsteinzeit nieder. Sie lebten von Ackerbau und Viehzucht. In der Bronzezeit gab es eine Siedlung nördlich von Türkheim auf dem Goldberg.

Um 500 v. Chr. drangen die Kelten in das Türkheimer Gebiet vor. Sie errichteten eine Wallanlage (Römerschanze bzw. Keltenschanze) auf dem Haldenberg, die wahrscheinlich religiösen Zwecken diente. Im Jahre 15 v. Chr. eroberten die Römer die gesamte Gegend, sie wurde zur Provinz Raetien mit der Hauptstadt Augusta Vindelicorum (Augsburg). Ihre Hauptstraße, die von Augsburg nach Kempten führte, verläuft noch heute durch Türkheim. Im 4. Jahrhundert errichteten die Römer eine Befestigungsanlage auf dem Goldberg und gaben ihr den Namen Rostrum Nemaviae.

Die Römer wurden nach fast fünf Jahrhunderten von den Alamannen bezwungen, die immer stärker Einzug in das Gebiet hielten. Die ersten alamannischen Familien siedelten sich nachweisbar um 500 n. Chr. in Ettringen und Irsingen an. Im 5. Jahrhundert kam es zu einer Schlacht zwischen den fränkischen Merowingern und den Alamannen, aus der die Merowinger siegreich hervorgingen. Um dies zu besiegeln, siedelten sie einen wohl zwangsverschleppten thüringischen Familienverband in Türkheim an.Richard Dertsch (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Bayerische Akademie der Wissenschaften. Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1989, S. 113. Die Entwicklung des Ortsnamens von Durinc-heim zu Türkheim lässt sich anhand von historischen Quellen nachweisen. Die erste urkundliche Erwähnung Türkheims, anlässlich einer welfischen Schenkung an das Kloster Weingarten, stammt aus dem Jahr 1090.Richard Dertsch (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Bayern. Bayerische Akademie der Wissenschaften. Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1989, S. 112 Der von den autochthonen Bewohnern des Dorfes verwendete Name für das Dorf ist „Dürka“.

Das Dorf bis zum Übergang an Bayern Im frühen Mittelalter entstand die Herrschaft Schwabegg, zu der auch Türkheim gehörte. Die Welfen verkauften diese Herrschaft an die Waaler, die Herren von Riedheim, die Augsburger Gossenbrod und Paumgartner, die Herren von Knöringen, die Grafen von Rechberg, die Füllen von Windach und an die Fürsten von Hohenzollern.

Das Patronatsrecht und den Zehent der Türkheimer Kirche hatten schon 1226 die regulierten Kanoniker vom Heiligen Grab in Denkendorf. Nach der Reformation, mit der das Kloster Denkendorf evangelisch wurde, verkaufte Denkendorf im Juli 1560 den Türkheimer Zehnt an den Augsburger Bürger Hieronymus Kraft. Dieser veräußerte ihn wohl Anfang 1561 an den bayerischen Herzog Albrecht V. Auch das Präsentationsrecht ging an das bayerische Herrschaftshaus über.

Der Markt vom 17. bis zum 19. Jahrhundert Im Jahre 1666 löste Kurfürst Ferdinand Maria die verpfändete Herrschaft Schwabegg von den Hohenzollern aus und übergab sie, als väterliches Erbe, seinem Bruder, Herzog Maximilian Philipp. Als der Kurfürst 1679 starb und sein Sohn Max Emanuel noch nicht volljährig war, wurde Maximilian Philipp bis 1680 Administrator von Bayern. Danach zog er sich nach Türkheim zurück mit einer standesgemäßen Hofhaltung. Er holte die Kapuziner nach Türkheim und erhob am 7. Oktober 1700 das Dorf zum Markt.

Seine Gemahlin Mauritia Febronia stiftete ein Spital. Die herzogliche Hofhaltung zog Kunsthandwerker an. Die Türkheimer Schreiner-, Maler- und Bildhauerwerkstätten lieferten Kirchenausstattungen bis in die Schweiz. Zu ihren bedeutendsten Vertretern gehörten die Bergmüller und Hegenauer, Martin Beichel und Ignaz Hillenbrand.

Der Säkularisation fielen in Türkheim die Benno- und die Leonhardkapelle zum Opfer. Aufgrund eines Erlasses König Ludwigs I. konnte das Kapuzinerkloster weiter bestehen. Türkheim hatte als Gerichtsort (Oberes und Unteres Gericht) eine hohe Zentralität, vornehmlich Orte im Flossachtal und in den südlichen Stauden gehörten zum Einzugsgebiet. Im Zuge der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde.

Die Dominikanerinnen aus Bad Wörishofen errichteten 1859 in Türkheim eine Filiale, die die Mädchenschule des Ortes übernahm. Ihr Beichtvater Pfarrer Kneipp kam jede Woche einmal ins Türkheimer Kloster. Um die freiwerdende Pfarrstelle in Türkheim bewarb er sich jedoch nicht. Gedenktafeln in der Pfarrkirche erinnern daran, dass auch Türkheimer im Russlandfeldzug Napoleons und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 fielen. mini|KZ-Mahnmal, Inschrift:Frommer Sühne sei dies Mal geweiht.Dass neu wir wandeln in Gerechtigkeit.

Der Markt vom 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart Im Jahre 1908 wurde die Staudenbahn von Türkheim-Bahnhof bis Ettringen eröffnet, die 1912 bis Gessertshausen verlängert wurde. 1917 erwarb Jakob Sigle eine Holzschleiferei an der Wertach und baute sie zur Salamanderschuhfabrik aus.

Aus dem Ersten Weltkrieg kamen 82 Soldaten nicht mehr zurück, im Zweiten Weltkrieg fielen 107 Türkheimer, 99 blieben vermisst.

Im Herbst 1944 begann die Organisation Todt in der Nähe des Oberen Bahnhofs (heute Türkheim-Bahnhof) Häuser und das Außenlager Kaufering VI – Türkheim des KZ Dachau für 2.000 Häftlinge zu errichten, das aus einem Frauen- und einem Männerlager bestand. Die Häftlinge mussten unter elenden Bedingungen Zwangsarbeit zur unterirdischen Rüstungsproduktion verrichten, wobei hunderte zugrunde gingen.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 196 Eine Gedenkkapelle erinnert daran. Am 27. April 1945 rückten amerikanische Truppen in Türkheim ein.

Der bekannteste Häftling war Viktor Frankl, der aus dem Konzentrationslager Auschwitz nach Türkheim verlegt wurde. Nach ihm wurde die Dr.-Viktor-Frankl-Straße benannt. Sie führt zu einem kleinen Friedhof, der an die Opfer erinnert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor Türkheim einige öffentliche Einrichtungen: 1960 die Polizeistelle, 1969 das Amtsgericht Türkheim und die Landwirtschaftliche Schule, 1977 das Dominikanerkloster, 1983 das Krankenhaus (heute ein Altenheim); 1987 wurde der Personenverkehr auf der Staudenbahn eingestellt. Hart getroffen wurde die Gemeinde durch die wirtschaftlichen Probleme ihrer beiden größten Unternehmen Salamander und Schneider. Salamander wurde aufgeteilt und existiert weiterhin, während Schneider nach mehreren Anläufen, die insolvente Firma zu retten, 2005 endgültig geschlossen wurde.

Im Gegenzug wurde in Bildung und Infrastruktur investiert: 1972 wurde ein neues Gymnasium gebaut. Die Hauptschule bietet den M-Zug an, der es ermöglicht, die Mittlere Reife abzulegen. Bereits in den 1960er Jahren wurde auf Türkheimer Flur die Bundesstraße 18 als kreuzungsfreie Kraftfahrzeugstraße gebaut, die allerdings dem heutigen Verkehrsumfang nicht mehr genügt. Bis 2002 wurde dieses Teilstück zur Autobahn ausgebaut. Seit dem Vollausbau der A 96 2009 ist nicht nur die Landeshauptstadt München, sondern sind auch Memmingen und Lindau durchgehend vierspurig zu erreichen.

Im Jahre 2003 wurde das zweite Teilstück der Umgehungsstraße fertiggestellt und damit der Ortskern vom Durchgangsverkehr befreit. Seitdem werden die Hauptstraße und einige Nebenstraßen in mehreren Etappen umgestaltet und verschönert.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Irsingen eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2008 wuchs Türkheim um 1411 Einwohner bzw. um ca. 27 %. Ein verstärktes Wachstum zeigt sich seit 2014. Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 5256 auf 7290 um 2034 Einwohner bzw. um 38,7 %.

Einwohnerzahlen von Türkheim mit Gemeindeteil Irsingen Quelle= Anmerkung: 1700 war das Jahr der Erhebung zum Markt. Jahr 1665 1682 1700 1840 1871 1900 1925 1939 1950 1961 1970 Einwohner 450 602 800 1.493 1.766 2.159 2.574 2.981 4.435 4.647 5.182 Jahr 1987 1990 1995 2000 2005 2ß1ß 2015 2016 2024 2025 Einwohner 5.236 5.368 6.153 6.551 6.642 6.659 6.963 7.060 7.410 7.454

Geschichte der anderen Gemeindeteile Berg

Berg dürfte um 1000 n. Chr. von Ettringen aus besiedelt worden sein. Wo heute die Kapelle steht, war im Mittelalter wohl die Burg eines Geschlechts des niederen Adels. Welf IV. schenkte Berg dem Kloster Weingarten, das es bis 1533 an verschiedene Herren als Lehen vergab. Der bedeutendste Besitzer danach war die St.-Jakobs-Pfründe in Augsburg. Damals hatte der Weiler sieben Anwesen. In der Zeit des Herzogs Maximilian Philipp kam Berg nach Türkheim.

Irsingen

Irsingen wurde erstmals im Jahre 1084 erwähnt. Der Ort wurde 1818 politische Gemeinde und am 1. Mai 1978 in den Markt Türkheim eingegliedert. Früher nahezu ganz auf Landwirtschaft ausgerichtet, findet Irsingen auch zunehmend als ländlicher Wohnort Gefallen. Heute zählt Irsingen etwa 730 Einwohner und verfügt über ein eigenes Vereinsleben. Bekannt ist die Blaskapelle des Musikvereins, der auch über eine Jugendkapelle verfügt. Am 3. Oktober 1998 wurde das vom Jugend- und Brauchtumsverein in Eigenleistung erbaute Jugendzentrum Irsingen (besser bekannt unter dem Namen Juze Freiheit oder Juze) eingeweiht.

Politik Gemeinderat und Bürgermeister Der Gemeinderat hat 20 Mitglieder. ie Wahl am 8. März 2026 hatte folgendes Ergebnis: FW: 5 Sitze, (26,2 %) CSU: 5 Sitze, (25,7 %) Wählervereinigung Türkheim: 4 Sitze (19,8 %) SPD: 4 Sitze, (18,5 %) Die Grünen: 2 Sitze, (9,8 %). Gegenüber der Wahl 2020 gab es nur kleine Unterschiede. Die SPD gewann einen Sitz von den Grünen.https://wahl.tuerkheim.de/Kommunalwahl_2026/Gemeinderat/ergebnisse_markt_tuerkheim.html#id_e1346b54_6006_4f56_88ea_856b014efed5_20035

Die Wahl am 15. März 2020 hatte folgendes Ergebnis: CSU: 5 Sitze, (24,5 %) FW: 5 Sitze, (24,0 %) Wählervereinigung Türkheim: 4 Sitze (19,3 %) SPD: 3 Sitze, (16,6 %) Die Grünen: 3 Sitze, (15,5 %).