Die zwölfbändige historisch-kritische Editionsreihe The History of Middle-earth (Die Geschichte Mittelerdes, häufig mit HoME abgekürzt) ist eine Sammlung von Texten, die nach dem Tod J. R. R. Tolkiens von dessen Sohn Christopher Tolkien veröffentlicht wurde.
Sie stellen die Entwicklung der Welt Tolkiens von den frühesten Entwürfen bis nach der Niederschrift des Herrn der Ringe dar. Tolkien begann mit der Aufzeichnung seiner Geschichten bereits in den Jahren 1916/1917. Diese ersten Entwürfe wurden jedoch erst Anfang der 1980er-Jahre in zwei Teilen (The Book of Lost Tales; Band 1 und 2 der History of Middle-Earth) durch seinen Sohn Christopher Tolkien veröffentlicht, als das Interesse an Tolkiens Werk wuchs. Das Buch der Verschollenen Geschichten stellt eine Frühform der Tolkienschen Mythologie dar, wie sie später im Silmarillion von Christopher Tolkien erzählt wird. Diese Geschichten werden mit der Mythologie und der Geschichte Großbritanniens sowie der verschiedenen Völker, die es besiedelten, in Zusammenhang gebracht. Die späteren Bände (insbesondere die Bände 6 bis 9) beleuchten vor allem die Entstehung des Herrn der Ringe. Sie enthalten frühe Versionen der dortigen Kapitel und dienen so als Hilfsmittel für die wissenschaftliche Beschäftigung mit Tolkiens Werken. Die Bände 10 bis 12 stellen die Entwicklung der Mythologie nach der Veröffentlichung des Herrn der Ringe dar.
Bände Die History of Middle-earth umfasst folgende Originaltitel: The Book of Lost Tales, part I The Book of Lost Tales, part II The Lays of Beleriand The Shaping of Middle-earth The Lost Road and Other Writings The Return of the Shadow The Treason of Isengard The War of the Ring Sauron Defeated Morgoth’s Ring The War of the Jewels The Peoples of Middle-earth
Ergänzend erschienen: The History of Middle-earth Index
Band 1 und 2 sind als deutsche Ausgaben, nach einer Übersetzung von Hans J. Schütz, unter dem Namen Das Buch der Verschollenen Geschichten im Klett-Cotta Verlag erschienen. Hier wird von der Entstehung der Welt Arda bis zum Ende des Ersten Zeitalters berichtet.
Die History of Middle-earth dokumentiert die Entwicklung von Tolkiens Mythologie über einen Zeitraum von über 50 Jahren, was unter anderem zur Folge hat, dass die Namen zahlreicher Orte und Figuren sich im Lauf der Jahre und Versionen ändern. Dieser Artikel verwendet der besseren Verständlichkeit wegen (außer in Zitaten oder wenn anders vermerkt) die Form, die aus dem Herrn der Ringe bzw. dem Silmarillion bekannt ist.
Band 1 Im Vorwort erklärt der Autor Christopher Tolkien ausführlich den Zweck der beiden Bände.
Die Hütte des Vergessenen Spiels Die Hütte des Vergessenen Spiels stellt den Beginn der Verschollenen Geschichten dar und erzählt von Eriol, einem Seefahrer, der mit seinem Schiff weit in den Westen verschlagen wurde und dort die einsame Insel (Tol Eressëa) erreicht. Hier begibt er sich in die Mitte der Insel und kommt in den Ort Kortirion (Turm von Kôr), wo er die Hütte des Vergessenen Spiels erreicht. Da der Tag sich dem Ende nähert, bittet er dort um Einlass. Man geleitet ihn an das Feuer der Geschichten, an dem jeden Abend Legenden oder Sagen vorgetragen werden. Dort erzählt Vairë, die Herrin dieses Hauses, ihm von der Olórë Mallë, dem ‚Pfad der Träume‘, und einem Ort nahe Valinor, wo die Hütte der Kinder und des behüteten Spieles stand, also das Gegenstück zur Hütte des Vergessenen Spiels.
Der Abschnitt wird durch Anmerkungen ergänzt, gefolgt von dem Gedicht You and me and the Cottage of Lost Play in englischer Sprache und als Übersetzung („Du und Ich und die Hütte des Vergessenen Spiels“) in mehreren Fassungen. Der endgültige Titel ist die elbische Entsprechung für die Hütte des Vergessenen Spiels ‚Mar Vanwa Tyaliéva‘.
Ebenso ausführlich wird ein weiteres Gedicht beschrieben, das Kortirion among the Trees heißt, ‚Kortirion unter den Bäumen‘. In der späteren Fassung tragen die einzelnen Entwürfe des Gedichts elbische Titel. Alalminórë ‚Ulmenland‘ ist die Provinz, in der Kortirion liegt (es wird mit Warwickshire gleichgesetzt). Narquelion ‚Sonnenschwund‘, was die Herbstzeit bedeutet, Hrívion ‚vom Winter‘, oder der letzte Vers Mettanyë, was in etwa ‚Schlusswort‘ oder ‚Fazit‘ meint.
Die Musik der Ainur Hier geht die Geschichte von Eriol weiter. An einem anderen Tag trifft er auf Rúmil, der in den Gärten unter seinem Fenster vorbeikommt. Rúmil versteht die Sprachen aller Wesen der Welt und kennt viele Geschichten. Also erzählt er Eriol von jenen Dingen, die nie zuvor ein Mensch erfahren hatte; von Ilúvatar ‚Allschaffender Vater‘ und der Erschaffung der Welt.
Die Ankunft der Valar und die Gründung Valinors Am selben Abend erzählt Rúmil am Feuer der Geschichten darüber, wie die Ainur, die von da an die Valar genannt wurden, nach Arda gelangten. Aber einer von ihnen, der Melko (oder Melkor) genannt wurde und der mächtigste unter ihnen war, versuchte diese Welt und alle Dinge, die die übrigen Valar ersonnen, zu zerstören. Sie stellten ihn zur Rede, er versprach Besserung und einige glaubten ihm, so dass sie ihn ziehen ließen. Sie erlaubten ihm, zwei hohe Säulen herzustellen, bündelten das Licht und setzten auf die im Norden ein silbernes und im Süden ein goldenes Licht. Doch Melkor hatte sie betrogen, denn die Säulen bestanden aus Eis und schmolzen dahin und die Leuchten wurden zerstört. Daraufhin begann eine lange Dunkelheit, die als die erste Nacht bezeichnet wurde.
In dieser Finsternis gelangten die Valar nach Aman und errichteten dort ihren Wohnsitz Valinor. Jeder von ihnen schuf sich ein eigenes Refugium; Manwë und Varda auf dem Berg Taniquetil, Namo seine Hallen, die Mandos hießen, oder Irmo, dessen schöne Gärten Lórien genannt wurden. Melkor blieb jedoch auf dem Kontinent Mittelerde zurück und baute sich die Festung Utumno. Und für eine Weile herrschte Ruhe auf Arda.
In diesem Abschnitt sind zwei Zeichnungen von J. R. R. Tolkien, die frühe Karte, eine Draufsicht auf die Welt Arda und eine Seitenansicht, die den Namen I Vene Kemen ‚Das Schiff der Welt‘ trägt. Und ein weiteres Gedicht, Habbanan beneath the Stars („Habbanan unter den Sternen“). Christopher Tolkien interpretiert dieses als ein Gleichnis für das Fegefeuer, beziehungsweise die Hölle und das Himmelreich.J. R. R. Tolkien: Das Buch der Verschollenen Geschichten. Teil 1, S. 109.
Die Einkerkerung Melkors Eriol hatte einen Traum, in dem er eine wundersame, verzaubernde Musik hörte. Als er Vairë darauf anspricht erzählt sie ihm, dass es keine Traummusik gewesen sei, sondern die liebliche Melodie von Timpinen ‚Zwitschervogel‘,Timpinen war einer der wenigen Elben, die einen Bart hatten. Er war ein begnadeter Flötenspieler und wurde auch Tinfang ‚Funkenbart‘ oder Warble (engl. warble ‚Trällern‘) genannt. einem Flötenspieler der Solosimpi (‚Küstenpfeifer‘, ein alter Name für die Teleri-Elben). Diese Melodie bewirke es, dass man für immer die Sommerabende und die Sternennächte lieben würde, was das Herz mit Sehnsucht und Wehmut erfülle, erklärt ihm Vairë. Dass die Elben selbst jedoch gegen diese Melancholie einen Trank hätten, der Limpë hieße und den Meril-i-Turinqi ‚Rosenprinzessin‘, die Herrin der Insel, für sie herstelle.
Also bricht Eriol auf, diese in ihrem Garten aufzusuchen und um jenen Trunk zu bitten. Doch sie verweigert es ihm mit dem Hinweis, dass er zunächst noch viel über die Welt und die alten Tage der Menschen oder die Weisheit der Eldar (Elben) lernen müsse, ehe er möglicherweise davon kosten dürfe. Dann erzählt ihm Meril von einer Zeit des Friedens, die Melkors Ketten genannt wird. Als Yavanna Palúrien ‚Fruchtgebende Erdkrustemaid‘ in Mittelerde die Samen verstreute, so dass dort Pflanzen gediehen, erwachten dort ebenfalls uralte Geister und einige kamen aus dem Norden aus Melkors Festung Utumno. Und Melkor selbst brachte die Erde zum Beben und sie zerbrach, so dass einige Teile im Meer versanken.
Daraufhin berieten die Valar sich und Aulë schuf die unzerstörbare Kette Angainor ‚der Bedrücker‘, die er aus sechs unterschiedlichen Metallen verschmolzen hatte. Dazu noch zwei Handschellen Vorotemnar ‚die für immer binden‘ und vier Fußfesseln Ilterendi ‚die Undurchtrennbaren‘. Die Valar rüsteten sich und zogen aus, um Melkor zur Vernunft zu bringen oder gefangen zu nehmen. Und da er nicht zur Einsicht bereit war, legten sie ihn in Fesseln und sperrten ihn für drei Zeitalter in die Hallen von Mandos ein.
Das Kapitel endet mit zwei weiteren Gedichten Tolkiens: Tinfang Warble ‚Zwitschervogel‘ und Over old Hills and Far Away ‚Über alte Berge und weit fort‘.
Die Ankunft der Elben und die Gründung von Kôr Eriol fragt Meril, was nach der Loskettung Melkors geschehen sei. Und Meril fährt mit ihrer Erzählung fort. Melkor hatte seine Strafe beinahe abgesessen, als Manwë eines Tages Varda verkündete, dass die Eldar endlich erwacht seien. Diese ging zu Aulë und berichtete ihm von dieser Neuigkeit. Daraufhin warf dieser seinen Hammer zu Boden, der auf einen Silberblock krachte, so dass helle Funken aufstoben. Diese Funken waren es, die Varda dazu inspirierten, die Sterne aus flüssigem Silber zu erschaffen und sie setzte unzählige davon an das Firmament. Doch aus den sieben Funken die Aulës Hammer erzeugt hatte, war ein Sternbild entstanden, dass heute als Großer Wagen oder Großer Bär bekannt ist, die Elben nennen es die Sichel der Valar.
Auch Oromë hatte das Erwachen der Elben bemerkt und er kehrte mit dem erleichterten Ausruf: „Tulielto! Tulielto!“ ‚Sie sind gekommen!‘ nach Valinor zurück, denn er hatte sie am See von Cuiviénen ‚Wasser des Erwachens‘ selbst erblickt. So wurde Nornorë, der Herold Manwës zu den Elben entsandt, um zunächst ihre drei Anführer Ingwë, Finwë und Elwë nach Valinor zu bringen, damit alle sie mit eigenen Augen sehen könnten und sie von ihren Wünschen und Sorgen erfahren könnten.Die Namen der Anführer werden hier noch als Isil Inwë (später Inwë Inweron), Finwë Nólemë (Finwë, der Vater Fëanors) und Tinwë Lintö (später Elwë Singollo, der Vater Tinúviels) angegeben, S. 136. Und als diese kamen, waren die Valar so entzückt von ihnen, dass sie sich wünschten, die erstgeborenen Kinder Ilúvatars mögen bei ihnen in Valinor leben. So wurde ihnen dieses Angebot von Manwë unterbreitet und Nornorë brachte sie zurück nach Mittelerde, wo sie ihren Völkern vom Segen und der Schönheit dieses Ortes berichteten. So kam es, dass viele der Eldar dem Aufruf der Valar folgten und sie gründeten ihre Stadt Kôr, beschienen von den magischen Bäumen des Lichts und gesegnet durch die Nähe zu den Valar. Hier erschuf nun Fëanor die drei Silmarilli, die selbstleuchtenden Edelsteine, in denen das Licht der Zwei Bäume und der Glanz von Perlmutt eingeschlossen war, die später zum Verhängnis der Elben werden sollten.
Auch hier folgen zwei kleine Gedichte. Kôr – In a City Lost and Dead ‚Kôr – In einer verlassenen und toten Stadt‘ und A Song of Aryador ‚Ein Lied von Aryador‘. (Aryador bedeutet ‚Land des Schattens‘)
Melkors Diebstahl und die Verdunklung von Valinor