Heiligenstadt in Oberfranken (amtlich: Heiligenstadt i.OFr.) ist ein Markt im oberfränkischen Landkreis Bamberg, liegt in der Fränkischen Schweiz und zählt zur Metropolregion Nürnberg.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Leinleitertal im Naturpark Fränkische Schweiz – Frankenjura im südöstlichen Landkreis Bamberg.
Das Kleinzentrum Heiligenstadt liegt im Städtedreieck Nürnberg – Bamberg – Bayreuth
Die 25 Gemeindeteile liegen entlang dem Tal der Leinleiter und auf der angrenzenden Jura-Hochfläche. Veilbronn liegt 329 Meter über dem Meeresspiegel. Höchste Erhebung ist der Altenberg hinter Zoggendorf mit 583 Metern über dem Meer.
Die Dörfer auf den Anhöhen von Volkmannsreuth bis Teuchatz gehören zur Langen Meile. Mit dem Seigelstein schließt sich bei Lindach der Nordjura an.
Die Bergdörfer östlich der Leinleiter zählen zum Aufseßer Gebirge.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): 90px 70px 70px 70px Königsfeld Aufseß Wiesenttal Unterleinleiter Landkreis <br/ >Bamberg Landkreis<br/ >Bayreuth Landkreis<br/ >Forchheim Landkreis <br/ >Forchheim
70px 90px 90px 90px Eggolsheim Buttenheim Strullendorf Litzendorf Landkreis <br/ >Forchheim Landkreis <br/ >Bamberg Landkreis <br/ >Bamberg Landkreis <br/ >Bamberg Gemeindegliederung Die Gemeinde ist mit 77 Quadratkilometern flächenmäßig die drittgrößte Gemeinde des Landkreises Bamberg, gehört aber auch zu den dünn besiedelten Gebieten.
Die Marktgemeinde Heiligenstadt setzt sich zusammen aus insgesamt 25 Gemeindeteilen:Gemeindeteile bei markt-heiligenstadt.de, abgerufen am 28. Oktober 2020 Brunn, Burggrub, Geisdorf, Greifenstein, Heroldsmühle, Herzogenreuth, Hohenpölz, Kalteneggolsfeld, Leidingshof, Lindach, Neudorf, Neumühle, Oberleinleiter, Oberngrub, Reckendorf, Siegritz, Stücht, Tiefenpölz, Veilbronn, Volkmannsreuth, Zoggendorf, Teuchatz, Traindorf sowie Heiligenstadt selbst. 80px 90px Brunn liegt auf einer Hochfläche zwischen Hohenpölz und Schloss Greifenstein. 60px 111 Einwohner 80px 90px Burggrub liegt am Rücken des Altenberges und unterhalb des 525 Meter hohen Eichenbergs im Tal der Leinleiter, . 60px 158 Einwohner 80px 90px Der Weiler Geisdorf liegt in etwa auf einer Terrasse des Jura. 60px 34 Einwohner 80px 90px Greifenstein liegt auf einer Höhe von und ist die Stammburg der Familie Stauffenberg. 60px 6 Einwohner 80px 90px Heiligenstadt ist das Zentrum des Marktes, hier wohnt auch der Großteil der Bevölkerung. 60px 1422 Einwohner 80px 90px Die Heroldsmühle liegt in der Nähe der Leinleiterquelle. 60px 10 Einwohner 80px 90px Herzogenreuth liegt auf einer Höhe von und ist damit das höchstgelegene Dorf im Landkreis Bamberg. 60px 129 Einwohner 80px 90px Hohenpölz mit dem 30 Meter hohen Glockenturm der Kirche ist fast von überall auf den Höhen des fränkischen Juras zu sehen. 60px 143 Einwohner 80px 90px Kalteneggolsfeld liegt in 520 Meter Höhe, am Rand der Langen Meile. 60px 139 Einwohner 80px 90px Leidingshof liegt im südöstlichsten Winkel des Landkreises Bamberg. 60px 35 Einwohner 80px 90px Lindach war bis zur Gebietsreform die kleinste Gemeinde in Bayern. 60px 72 Einwohner 80px 90px Unweit von Neudorf beginnt das Werntal, welches nach Veilbronn führt. 60px 47 Einwohner 80px 90px Die Neumühle liegt am Volletsbach auf einer Höhe von unterhalb von Schloss Greifenstein und ist auf den meisten Abbildungen der Burg enthalten. 60px 22 Einwohner 80px 90px Oberleinleiter liegt auf einer Höhe von . Wahrzeichen des Dorfes ist der 520 Meter hohe Kreuzsteinfelsen, von dem aus man ein Panorama über die Flur bis zu den Dörfern des Bamberger Jura hat. 60px 155 Einwohner 80px 90px Oberngrub liegt auf der Hochfläche und gehört zur Langen Meile. 60px 174 Einwohner 80px 90px Reckendorf liegt in einem Seitental der Leinleiter, zwei Kilometer nördlich von Heiligenstadt. 60px 70 Einwohner 80px 90px Siegritz liegt in der Nähe des Werntals auf der Albhochfläche in etwa 456 Meter Höhe im äußersten Südosten des Landkreises Bamberg. 60px 174 Einwohner 80px 90px Stücht gehörte früher den Herren von Stauffenberg auf Schloss Greifenstein. 60px 68 Einwohner 80px 90px Teuchatz liegt in einer kleinen Senke () am Rande des westlichen Höhenzugs der Fränkischen Alb. 60px 212 Einwohner 80px 90px Die Tiefenpölzer Pfarrkirche St. Martin ragt markant über die Ortschaft heraus. 60px 140 Einwohner 80px 90px Traindorf liegt knapp einen Kilometer südlich von Heiligenstadt im Tal der Leinleiter. 60px 144 Einwohner 80px 90px Veilbronn liegt südlich von Heiligenstadt im Leinleitertal und ist bekannt als Ferienort. 60px 74 Einwohner 80px 90px Volkmannsreuth liegt auf der Hochfläche des Fränkischen Juras. 60px 52 Einwohner 80px 90px Zoggendorf wird überragt von dem 585 Meter hohen Altenberg. 60px 106 Einwohner Einwohnerzahlen vom 1. Februar 2021Statistische Jahrbuch für Bayern 2021 - Bayerisches Landesamt für Statistik
Gemarkungen Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Brunn, Burggrub, Geisberger Forst (Gemarkungsteil 1), Heiligenstadt, Herzogenreuth, Hohenpölz, Kalteneggolsfeld, Lindach, Neudorf, Oberleinleiter, Oberngrub, Siegritz, Stücht, Teuchatz, Tiefenpölz, Traindorf und Zoggendorf. Die Gemarkung Heiligenstadt hat eine Fläche von 3,446 km². Sie ist in 1017 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3388,45 m² haben.
Geschichte Bis zur Gemeindegründung Vorgeschichtliche Funde belegen, dass das Gebiet des Marktes schon vor Jahrtausenden zumindest zeitweise bewohnt war. Aber erst zur Zeit der Völkerwanderung, um das Jahr 500, entstanden vereinzelt erste feste Ansiedlungen. Urkundliche Nennung setzte jedoch erst viel später ein.
Die Dörfer der Gemeinde entstanden vor etwa 1000 Jahren. Heiligenstadt selbst existierte bereits vor Gründung des Bistums Bamberg (1007 n. Chr.).
Im Leinleitertal gab es Herrensitze der Ritter von Streitberg. 1525 verursachten aufständische Bauern schwere Schäden an den Schlössern. 1541 erhielt Heiligenstadt vom Kaiser das Marktprivileg bestätigt.
Im Jahr 1580 wurde die Reformation in Heiligenstadt und Unterleinleiter eingeführt. 1690 erwarb der Bamberger Fürstbischof Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg die Rittergüter Greifenstein und Burggrub samt Patronat über Heiligenstadt. Die Grafen Schenk von Stauffenberg bewohnen heute noch die Burg Greifenstein und das Schlossgut Burggrub. Die Ortschaften des nördlichen Gemeindebereiches entstammen den ehemaligen bambergischen Ämtern. Hier gab es keine konfessionelle Änderung. Seit dem Reichsdeputationshauptschluss von 1803 gehört der Ort wie weite Teile Frankens zu Bayern (siehe auch Geschichte Frankens). (PDF-Datei; 179 kB)
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern schlossen sich am 1. Januar 1971 die Gemeinden Brunn, Burggrub, Hohenpölz, Oberleinleiter, Siegritz, Stücht, Traindorf und Zoggendorf dem Markt Heiligenstadt in Oberfranken an. Ein Teil der Gemeinde Dürrbrunn kam am 1. April 1971 hinzu. Herzogenreuth, Kalteneggolsfeld, Lindach, Oberngrub, Teuchatz und Tiefenpölz folgten am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum von 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 3494 auf 3518 um 24 Einwohner bzw. um 0,7 %. Ein Höchststand wurde am 31. Dezember 1998 mit 3753 Einwohnern erreicht.
Kriege Hussitensturm (1430) Der erste größere Krieg, über den man Genaueres weiß, war der Hussitenkrieg im Jahr 1430. Die Heiligenstadter Pfarrbeschreibung berichtet, dass 1429 einzelne böhmische Haufen Teile von Heiligenstadt, ganz Burggrub und Zoggendorf zerstörten. Dem von Bamberg zu Hilfe gerufenen Markgrafen Friedrich gelang es, durch Zahlung einer immensen Summe Geld den Hussitenführer Prokop zur Umkehr zu bewegen. Das Geld mussten die Untertanen durch Sondersteuern aufbringen.
Bauernaufstand (1525) Während des Bauernaufstands von 1525 plünderten und brannten Bauern aus dem Bamberger Grund das Schloss Burggrub, ein Ebermannstadter Haufen plünderte das Schloss in Veilbronn. Als der Bauernaufstand durch den Schwäbischen Bund niedergeschlagen war, wurden auf dem Markt von Hollfeld fünf ihrer Anführer geköpft.
Markgräflerkrieg (1552–1554) Der Markgräflerkrieg wurde im Jahr 1552 vom Markgrafen Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach ausgelöst. Im April 1553 verwüsteten markgräfliche Reiter das Dorf Herzogenreuth. Hohenpölz sollte durch Zahlung eines Schutzgeldes einen Schutzbrief erhalten, um dem Schlimmsten zu entgehen.
Dreißigjähriger Krieg (1618–1648) Der Dreißigjährige Krieg verursachte von allen Kriegen die größten Schäden. Am 10. September 1632 meldete der Mistendorfer Pfarrer die Plünderung der von ihm betreuten Dörfer Teuchatz und Tiefenpölz. Nicht die Schweden, sondern die für die katholische Seite kämpfenden Kaiserlichen waren die Täter. Der Kastner der Streitburg schrieb 1633 an den Markgrafen in Kulmbach, dass „den Untertanen all ihr Vieh und Getreide hinweggeführt und viele gräulich ermördert wurden“. In manchen Dörfern seien über die Hälfte der Untertanen elendiglich gestorben. „Abgang“ von öden Gütern gab es in Volkmannsreuth, Brunn, Oberleinleiter, Burggrub und Stücht. Die Zeiten waren so unsicher geworden, dass kaum Aufzeichnungen geführt wurden. Man wusste nicht mehr, wer für oder gegen wen kämpfte. Am 12. Juni 1634 plünderten weimarische Reiter die Dörfer und nahmen den Bauern das Vieh weg. Ein Augenzeuge schrieb:
In diesem Zusammenhang dürfte auch Heiligenstadt heimgesucht worden sein.
Siebenjähriger Krieg 1756–1763 Im Siebenjährigen Krieg zwischen Preußen und Österreich ging es um die Vormacht in Mitteleuropa. Die Preußen zogen über Fürth nach Norden und schlugen im Sommer 1757 in Ebermannstadt ihr Quartier auf. Sie plünderten die Stadt, ehe sie die Leinleiter aufwärts zogen. Unterwegs erpressten sie alles, was zu haben war: Geld, Vieh und Lebensmittel. Unter dem durchziehenden Soldatenvolk litten Veilbronn und Traindorf. Knapp ein Jahr danach folgte der nächste Einfall der Preußen und ein weiteres Jahr später der dritte. Im November 1762 lagen noch einmal preußische Truppen drei Wochen lang in der Gegend um Heiligenstadt.
Napoleonische Kriege (1796) In den napoleonischen Kriegen überflutete ein Armeekorps unter General Jean-Baptiste Jourdan auf dem Rückzug die Fränkische Schweiz. Französische Feldjäger ritten durch die Ortschaften und erpressten von den Bauern Schutzgelder – manchmal mehrmals hintereinander.
Deutsch-Französischer Krieg (1870) Mit der Annexion von Elsass-Lothringen wurden viele Wehrpflichtige in der Garnison Metz stationiert, von denen einige für immer dort blieben und heirateten, wie etwa Jean Puff aus der Heroldsmühle.
Erster Weltkrieg Zwar fand der Erste Weltkrieg fern der Heimat statt, doch waren die Verluste an Menschen ähnlich hoch wie im Dreißigjährigen Krieg.
Zweiter Weltkrieg Am Ende des Zweiten Weltkriegs versteckten sich die Dorfbewohner mit ihrem Vieh, während die Dorfältesten den US-amerikanischen Soldaten mit einer weißen Fahne entgegengingen, um ihr Dorf zu übergeben. Die Amerikaner setzten eine Militärregierung ein und ordneten bei Todesstrafe die Ablieferung sämtlicher Schusswaffen an. Bei Teuchatz wurde ein Sprengplatz eingerichtet, auf dem die Wehrmachtsmunition vernichtet wurde.
Chronologie 1541: Marktprivileg 1580: Reformation in Heiligenstadt und Unterleinleiter 1803: Heiligenstadt fällt an Bayern 1915: Eisenbahnanschluss über Ebermannstadt nach Forchheim 1968: Stilllegung der Eisenbahnlinie 1971: erste Gemeindegebietsreform 1978: zweite Gemeindegebietsreform
Ortsname mini|Erste urkundliche Form: Haldenstat Der Ortsname Heiligenstadt hat nichts mit dem Wort heilig zu tun. Er ist vielmehr ein Beispiel dafür, wie sich Namen im Lauf der Zeit verändern können. Der Ort wurde erstmals im Jahr 1365 erwähnt als Haldenstat (= Stadt an der Halde, am Hang).