mini|Monumentalachse längs durch den Ehrenhof auf die Tonhalle mini|Ehrenhof, Luftaufnahme von 1953, Blickrichtung Osten (die Tonhalle rechts ist nicht mehr im Bild) mini|Kunstpalast, Regierungspräsidium und Oberlandesgericht Düsseldorf (von rechts nach links) sowie die Gartenanlagen der Gartenbau-Ausstellung von 1904 und des Kaiser-Wilhelm-Parks von 1906 (um 1917, kolorierte Postkarte) mini|Bepflanzung (September 2012)
Als Ehrenhof wird in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf ein expressionistisches Gebäude- und Gartenensemble bezeichnet, das zur Durchführung der Ausstellung GeSoLei im Jahr 1926 entstand. Es umschließt heute als Museum mit den Bauten des Kunstpalastes und des NRW-Forums einen Innenhof und erstreckt sich axial über ein Gartenparterre bis zur Tonhalle Düsseldorf, einer mit einer Kuppel gedeckten Konzert- und Mehrzweckhalle.
Lage Die Anlage im Stadtbezirk Pempelfort erstreckt sich längs des Rheins am östlichen Ufer, dazwischen die Straße Joseph-Beuys-Ufer. Im Süden, im Rücken der Tonhalle, wird sie durch die Hofgartenrampe mit der Auffahrt zur Oberkasseler Brücke, im Norden durch die Brüderstraße begrenzt. Der Südteil schließt, von einer niedrigen Mauer abgegrenzt, bis zur Inselstraße an den Hofgarten mit dem Betriebshof des Garten- und Forstamts an. In west-östlicher Richtung, zwischen dem NRW-Forum und dem Museum Kunstpalast, teilt die Inselstraße das Ensemble. Zwischen der Tonhalle und dem NRW-Forum verläuft die Oederallee. Bei seiner Entstehung war der Ehrenhof Teil einer Ausstellungsfläche, die sich von hier aus in zwei Kilometern Länge längs des Rheins bis zum Yachthafen an der heutigen Theodor-Heuss-Brücke erstreckte.Susan Brooks: Die städtebauliche Konzeption der Gesolei. In: Die Gesolei und die Architektur der 20er Jahre. J. P. Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1445-4. Weitere, noch heute erhaltene Bauten der GeSoLei sind insbesondere die Rheinterrasse sowie die Treppenanlagen, Rampen und Hochwasserschutzmauern des Rheinparks Golzheim.
Planungs- und Nutzungsgeschichte mini|Planungskonzept für die Große Ausstellung 1915, Aquarell von Heinrich Hermanns, 1914 mini|Modell des Ehrenhofes 1914: Kunstpalast von 1902 mit geplanten Vorbauten, Brunnen und Siegessäulen
Die Anlage wurde für die Ausstellung GeSoLei, der „Großen Ausstellung für Gesundheitspflege, Soziale Fürsorge und Leibesübungen“, nach Plänen von Wilhelm Kreis, der für die Bauherrin, die Düsseldorfer Bürohausgesellschaft,Paul Ernst Wentz: Architekturführer Düsseldorf. Ein Führer zu 95 ausgewählten Bauten. Droste, Düsseldorf 1975, S. 4 f. auch die architektonische Gesamtplanung leitete, in den Jahren 1925 bis 1926 errichtet. Mit rund 7,5 Millionen Besuchern und etwa 400.000 m² war sie die größte Messe der Weimarer Republik. Es folgten viele weitere Veranstaltungen, etwa im Zusammenhang der Ausstellungsreihe Große Kunstausstellung Düsseldorf. Die gärtnerische Gestaltung des Ehrenhofs geht auf Entwürfe des Gartenarchitekten Walter von Engelhardt zurück, der die Achsensymmetrie der Architektur durch einen formalen Garten mit geometrisch angelegten Beeten mit Buchsbaumeinfassungen sowie Reihen beschnittener Bäume unterstrich. Der Name der Anlage bezieht sich auf den Ehrenhof genannten, von Gebäudeflügeln dreiseitig umschlossenen Empfangshof symmetrischer Schlossanlagen, dem das Gebäude- und Gartenensemble nachgebildet ist. Entsprechend dem reformerischen und erzieherischen Anspruch der GeSoLei sollten die Bauten, die im Bereich des Ehrenhofs den Stil des Backsteinexpressionismus zeigen und bei Ausstellungsgebäuden im weiteren Messegelände auch die Neue Sachlichkeit repräsentierten, einen geschmacksbildenden Einfluss ausüben. Außerdem handelte es sich um die erste internationale Selbstdarstellung der Stadt Düsseldorf nach Ende der französischen Besetzung.
Bei seinen Planungen griff Kreis auf Konzepte zurück, die er bereits 1914 für eine Große Ausstellung 1915 erarbeitet hatte und die sich an der Stadtbaukunst nach Grundsätzen von Camillo Sitte orientierten. Demnach sollte der im Rahmen der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf bis 1902 im neobarocken Stil errichtete Kunstpalast zum Rhein hin zwei spiegelsymmetrische Ausstellungsgebäude als „Vorbauten“ erhalten, so dass das Ensemble einen Ehrenhof bildet. Nördlich und südlich davon sollten weitere Ausstellungsgebäude so angeordnet werden, dass sich ebenfalls Höfe bilden. Weil 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, kamen diese Pläne nicht zur Ausführung.
Die Kreis’ Architektur und die städtebauliche Anordnung der palastartigen Bauten in einem neomonumentalen System von Achsen inspirierte den italienischen Architekten Marcello Piacentini, den „Staatsarchitekten“ von Benito Mussolini, insbesondere zu dessen Konzept für die Universität La Sapienza in Rom.Christine Beese: Grand Tour in Reverse: Marcello Piacentini’s Tour of Germany in 1930 and 1931. In: Architectural Histories, 4 (1), S. 15 (Digitalisat)
Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) befand sich im Haus Ehrenhof 5 ein Zivilarbeitslager für westeuropäische Arbeiter.Paul Nachtwey: So lernt man die Stadtgeschichte mit der Historia-App kennen. In: Rheinische Post. 13. September 2017, S. D4 Düsseldorf. (rp-online.de) Abgerufen am 13. September 2017.
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg diente der östliche Teil, das Gebäude des historischen Kunstpalasts, unter anderem als Rahmen der von der Igedo organisierten „Verkaufs- und Modewoche Düsseldorf“.Jeschieht dem Westen recht. In: Der Spiegel. 2/1950 (12. Januar 1950) auf: spiegel.de, abgerufen am 25. Juli 2012. Der hier vom 1. bis 31. Oktober 1949 öffentlich ausgestellte Neuordnungsplan, durch den die Stadtplanung unter Leitung von Friedrich Tamms den Wiederaufbau und die autogerechte Stadtplanung der Landeshauptstadt festlegen wollte, mobilisierte die Gründung des Düsseldorfer Architektenrings und löste den Düsseldorfer Architektenstreit aus.Werner Durth: Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900–1970. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1992, ISBN 3-423-04579-5, S. 351 ff. Ab 1970 fand mit der Westdeutschen Kunstmesse bis in die 1980er Jahre eine der bedeutendsten jährlichen Messen des westdeutschen Kunsthandels am Ehrenhof statt. 1998 wurde die Stiftung Museum Kunstpalast von der Stadt Düsseldorf und der E.ON AG (bis 2017 Stiftungspartner) gegründet. Von 2000 bis 2011 in der Schreibweise museum kunst palast, seit Ende 2018 als KUNSTPALAST benannt, führte die Stiftung das städtische Kunstmuseum inklusive Glasmuseum Hentrich, den Kunstpalast und den Robert-Schumann-Saal in ihrer Trägerschaft zusammen. Seit 2020 gehört auch das NRW-Forum zum Kunstpalast. So bildet der Ehrenhof bis heute mit seinen verschiedenen Gebäuden und den darin ansässigen Institutionen ein wichtiges kulturelles Zentrum der Stadt. Mit aufwändigen Sanierungs- und Baumaßnahmen am Sammlungsflügel des Kunstpalastes wird bis Ende 2022 das historische Ensemble von 1925/26 innen wie außen zukunftsfähig gestaltet.
Gebäudeensemble
Der Gebäudekomplex ist streng symmetrisch an Achsen angeordnet. Die charakteristischen Formen werden als archaisch-monumental mit expressionistischen Ziegelfassaden bezeichnet, neben dem Wilhelm-Marx-Haus, dem ersten Hochhaus Europas, und dem Hygiene-Museum in Dresden zu den bedeutendsten Entwürfen Wilhelm Kreis’ zählend.nrw-forum.de: In Form von Architekturzitaten hatte sich Kreis wie bei den meisten seiner Repräsentationsbauten stark an römischer Monumentalarchitektur (Tempel, Triumphbogen, Pantheon, Mausoleen) orientiert.
Die Rückseiten der Bauten dienten der Repräsentation zum Rhein hin, was ihren gestalterischen Aufwand erklärt, der sogar noch größer war als auf der eigentlichen Front zum Innenhof hin. Die Tonhalle mit ihrer runden Form auf einem quadratischen Sockel schaffte den harmonischen Übergang zu den vier von hier ausstrahlenden Baurichtungen, der Kunstakademie und den Gesolei-Bauten sowie der Oberkasseler Brücke mit ihrer Zufahrt. Außerdem verdeckte sie idealerweise gleichzeitig die Brückenauffahrt.
Vor dem Bau für die GeSoLei war die Auffahrt zur Oberkasseler Brücke von hohen Portalen überragt. Da man die Auffahrt bei der Gelegenheit verbreitern wollte, wurden die Brückenportale abgerissen. Es gab bereits einen Entwurf für breitere Toraufbauten, als man sich entschloss, die klar und streng gegliederte Gestaltung der GeSoLei-Bauten auch auf die Brücke zu übertragen und auf einen Überbau ganz zu verzichten. Diesem Gedanken fiel auch der bis dahin in der Mitte der Brücke befindliche Aufbau mit dem Bergischen Löwen zum Opfer.Kirsten Rachowiak: Das Planetarium. In: Die Gesolei und die Düsseldorfer Architektur der 20er Jahre. J. P. Bachem Verlag, Köln 2001, ISBN 3-7616-1445-4. mini|Ursprünglicher Entwurf der GeSoLei-Bauten und der Ehrenhof-Gartenanlage als Parterre nach dem Schema eines Barockgartens Seitdem die Blumenbeete nach dem Schema des Barockgartens wieder gestaltet und die Bäume wieder beschnitten werden, sind die ursprüngliche Geometrisierung der Anlage, wie sie von Kreis und vom Gartendirektor Walter von Engelhardt entworfen worden war, sowie der axiale Bezug zwischen Bauten, Bauplastik, Innen- und Außenräumen ansatzweise wieder erkennbar.
Das einzige Gebäude des ehemaligen Ausstellungspalastes von 1902 ist das Restaurationsgebäude Ehrenhof Nr. 3. Dieses war von 2002 bis 2019 Sitz der 2001 gegründeten E.ON Academy. Seit 2020 ist es Sitz einer Anwaltskanzlei.
Tonhalle
Den südlichen Auftakt bildet die heutige Tonhalle, Ehrenhof 1, die zur GeSoLei als Planetarium und als Mehrzweckhalle „Rheinhalle“ errichtet wurde. Von der Außenwirkung her ist sie der prominenteste Teil des Ensembles. In ihr befinden sich der wichtigste Konzertsaal Düsseldorfs und das so genannte Grüne Gewölbe mit Teilen der Glassammlung Hentrich.
Auf dem quadratischen Fundament mit einer Seitenlänge von 80 Metern und einer umlaufenden Terrasse erhebt sich ein runder Kuppelbau, eingefasst von in regelmäßigen Abständen angeordneten Strebepfeilern. Die Fassade besteht aus dunkelrotem Bockhorner Klinker.
Durch eine im Innenraum damals vorhandene, anhebbare Stoff-Kuppelkonstruktion, die die Sitzfläche vergrößerte, fanden in der Rheinhalle bei Großveranstaltungen ursprünglich bis zu 5000 Personen Platz.
Kunstwerke bei der Tonhalle Porträt-Büsten
Die Eingangsfront der Tonhalle schmücken seit 2003 vier Bronzebüsten der mit Düsseldorf eng verbundenen Musiker Felix Mendelssohn Bartholdy, Clara Schumann, Robert Schumann und Norbert Burgmüller, geschaffen vom Bildhauer Franz Küsters. Sie sind Geschenk eines Düsseldorfer Heimatvereins.
Planetengruppen an der Tonhalle
Zur GeSoLei wurden an der Freitreppe des Planetariums auch die beiden Planetengruppen mit den Gottheiten Mars und Jupiter sowie Venus und Saturn von Carl Moritz Schreiner aufgestellt. Da sie den Kunstvorstellungen der Nationalsozialisten nicht entsprachen, wurden sie, wie viele andere Kunstwerke auch, 1933 entfernt. 1980 kehrten sie vom städtischen Bauhof an ihren Platz zurück.Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. 2. Auflage. Grupello Verlag, Düsseldorf 2009, ISBN 3-89978-044-2.
„Pallas Athene“