mini|Feldscher auf einem kolorierten Stich eines unbekannten Künstlers, um 1540. Der Feldscher (Mehrzahl: Feldschere) ist ein Heilkundiger, der früher Verwundungen von Soldaten chirurgisch versorgte. Ab dem 18. Jahrhundert durchlief er teilweise eine akademische Ausbildung. Die Bezeichnung entstand im 14. Jahrhundert in der Schweiz, ursprünglich in der Form FeldschererDuden online: Feldscher oder Feldschaerer,Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 52 und 134–135, sowie Kriegßbuch. Dritter Theyl: Von Schantzen unnd Befestunngen […]. Sigmundt Feyerabendt (Verlag) und Martin Lechler (Druck), Frankfurt am Main 1573, Blatt 78 (dort „Feldtscherer“).Hans Wilhelm Kirchhof: Militaris Disciplina . Kritische Ausgabe (= Bibliothek des Literarischen Vereins in Stuttgart. Band 298). Hrsg. von Bodo Gotzkowsky. Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart 1976, S. 148 (Feldtscherer). wie „Bartschaerer“ zu mittelhochdeutsch schërn („abschneiden, schneiden, scheren“) und abgeleitet von „Scherer“ (Bezeichnung für den handwerklich tätigen zünftigen ChirurgenGustav Steiner: Aerzte und Wundaerzte, Chirurgenzunft und medizinische Fakultät in Basel. In: Basler Jahrbuch. 1954, S. 179–209, hier: S. 179 und 185. bzw. Wundarzt), kurz auch „Scher“,Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 239–241. und bezeichnete bei Hans Sachs 1555 den Heereswundarzt.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 191.

Heute findet sich der Beruf des Feldschers nur noch in Osteuropa, darunter in Russland und der Ukraine.

Historisches mini|Ein Feldscherer (lateinisch Tonsor imperatorius) im Ständebuch von Hartmann Schopper beim Haareschneiden. Holzschnitt von Jost Amman im Ständebuch von Hartmann Schopper (1568). mini|Feldscher (Mitte links), Abbildung in Leonhard Fronspergers Schrift Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 81.

Der Feldscher bzw. FeldchirurgAlfred Götze: Frühneuhochdeutsches Glossar. 2. Auflage. Bonn 1920 (= Kleine Texte für Vorlesungen und Übungen. Band 101); Neudrucke (deklariert als „6. Auflage“, „7. Auflage“ usw.) Berlin 1960, 1967 und öfter, S. 74: „(Kriegs)-Chirurg“. und der WundarztFriedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage, hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 191: „Heereswundarzt“. sind vom akademisch gebildeten Medicus, der sein Wissen an Universitäten erwarb, zu unterscheiden. Der Feldscher erlangte seine Kenntnisse in der Heilkunde über die Ausbildung bei halbprofessionellen Laien: dem (Bart-)Scherer, Barbier, Bader, dem Hufschmied und, selten, dem sozial geächteten Scharfrichter (der seine anatomischen Kenntnisse etwa an der Folterbank erlangte). Ihr Wissen erlangten sie als Lehrlinge und gaben es wiederum an solche weiter.

Erstmals in eine Militärorganisation fest eingebunden waren Feldschere (etwa in der Artillerie als „Feldtschaerer der Arckelley“Leonhard Fronsperger: Von Kayserlichen Kriegßrechten Malefitz und Schuldhaendlen / Ordnung und Regiment […]. 4., vermehrte und verbesserte Auflage. Sigmund Feyerabend und Simon Hüter, Frankfurt am Main 1566, Blatt 82 (Ampter der Arckeley).) bei den Landsknechten. Hier versorgte je einer pro Kompanie bzw. Fähnlein mit seinen Gehilfen Kranke und Verwundete.Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 88, 94, 100, 119–120 und 160. Die wesentlichen medizinischen Aufgaben waren Aderlass und Schröpfen, das Ausbrennen von Wunden mit einem Glüheisen, das Herausziehen von Kugeln, das Einrenken von Gliedmaßen und das Amputieren. Der Feldscher erhielt doppelten Sold, dazu von Erkrankten ein Extrageld, wenn die Verletzung bzw. Erkrankung „außerhalb des Dienstes“ erworben war.

mini|Deutscher Feldscher während des Deutsch-Französischen Krieges (1870)

Mittelalterliche und frühneuzeitliche Fachbücher für Feldschere und Wundärzte, welche die Behandlung von Verletzungen durch verschiedene Waffengattungen behandeln, erhielten (z. B. von Hans von Gersdorff) als feldchirurgische Spezialschriften die Bezeichnung Feldbuch. Auch die sogenannte Prager WundarzneiChristine Boot: Die ‚Prager Wundarznei‘ des 14. Jahrhunderts, ein traumatologisches Feldbuch aus dem mittelalterlichen Schlesien. Jan Thorbecke, Stuttgart 1993; zugleich Medizinische Habilitationsschrift, Würzburg 1989. stellt ein traumatologisches und nach Waffengattungen gegliedertes Feldbuch dar.Gundolf Keil: ‚Prager Wundarznei‘. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1181. Weitere Verfasser feldchirurgischer Spezialschriften waren beispielsweise auch Johannes oder Johann BerisGundolf Keil: Beris, Johannes (Bires, Baris, Paris). In: Kurt Ruh, Gundolf Keil und andere (Hrsg.): Verfasserlexikon. 2., völlig neu bearbeitete Auflage. Band 1, Berlin / New York 1978, Sp. 724–725. mit einer WundartzneyEin New Wundartzney M. Johanns von Parisijs. Wie man alle Wunden, sie sein gestochen, Gehawen, Geschossen, mit Pfeil odder Lot, gequetscht undd gestossen, etc. Mit Salben, Pflastern und Wundtraenck, durch den gantzen Leib des Menschen, vom Kopff an biß auff die Fueß, heylen soll, ein kurtzer Ordentlicher Bericht M. Johann. Von Parisijis, jetzundt am Newsten auß gangenn. Hermann Guelfferich, Frankfurt am Main 1552. (entstanden in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts) und Johann Schenck von Würzburg mit Anleitungen für einen Wundarzt.Vgl. auch Johannes Gottfried Mayer: „Anleitungen für einen Wundarzt“. Zur Überlieferung des „Arzneibuchs“ Ortolfs von Baierland. Die Handschrift Ms. allemand 163 der Pariser Nationalbibliothek. In: Gundolf Keil u. a. (Hrsg.): „ein teutsch puech machen“. Untersuchungen zur landessprachlichen Vermittlung medizinischen Wissens (= Ortolf-Studien. Band 1). Reichert, Wiesbaden 1993 (= Wissensliteratur im Mittelalter. Band 11), ISBN 3-88226-539-6, S. 443–469.Ralf Vollmuth: Die sanitätsdienstliche Versorgung in den Landsknechtheeren des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit: Probleme und Lösungsansätze. Königshausen & Neumann, Würzburg 1991 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 51), ISBN 3-88479-800-6; zugleich Medizinische Dissertation Würzburg 1990, S. 246 und 251.

Noch in einem 1774 erschienenen Lehrbuch für Wundärzte heißt es:

Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurden Regimentsfeldschere zuvor an chirurgischen Lehranstalten akademisch ausgebildet. Damit verbesserte sich ihr Ansehen erheblich. In den meisten Armeen erhielten sie seit Mitte des 18. Jahrhunderts Offiziersrang, die Begriffe Regimentschirurgus und Regimentsmedicus wurden inzwischen häufig fälschlich synonym verwendet. Ihnen weiterhin untergeben waren die nicht-akademisch gebildeten Kompaniefeldschere (nun etwa Sergeanten oder Feldwebeln gleichrangig) und deren Gehilfen.

Mit der Vereinheitlichung der medizinischen Ausbildung Mitte des 19. Jahrhunderts endete deren bisherige Zweiteilung. Der moderne, umfassend gebildete Militärarzt löste den althergebrachten Medicus und Feldscher bzw. FeldarztHilde-Marie Groß, Gundolf Keil (Hrsg.): ‚Wiltu die wunde wol bewarn‘. Ein Leitfaden feldärztlicher Notversorgung aus dem spätmittelalterlichen Schlesien. In: Fachprosaforschung - Grenzüberschreitungen 2/3, 2006/07, S. 113–134. und Feldchirurgen ab.

20. und 21. Jahrhundert

Ehemalige Sowjetunion In den russischen Streitkräften sowie ukrainischen Streitkräften gibt es den Feldscher (Фельдшер) noch heute.

In der Sowjetunion und im heutigen Russland war und ist der Feldscher auch im zivilen Bereich als medizinische Hilfskraft tätig, welche selbstständig Sprechstunden abhält – vorzugsweise in ländlichen Gebieten. Durch die Fähigkeit, selbstständig medizinische Versorgung zu bieten, entlasten Feldschere das Gesundheitssystem und stellen sicher, dass auch in abgelegenen Gebieten eine Grundversorgung gewährleistet ist.

Die Feldschere wurden und werden in Fachschulen ausgebildet. Sie absolvieren dort eine spezialisierte medizinische Ausbildung, die in der Regel kürzer als ein Medizinstudium ist, aber umfangreicher als eine pflegerische Ausbildung. Die Ausbildung dauert oft etwa 3 bis 4 Jahre und umfasst eine Kombination aus theoretischen und praktischen medizinischen Kenntnissen. Ein Haupteinsatzgebiet ist die medizinische Prophylaxe (Hygiene) und die medizinische Grundversorgung.

Weitere Länder, welche die Position des Feldschers übernommen haben, sind Bulgarien, Kasachstan, Usbekistan, Kirgisistan, Belarus, Georgien, Armenien, Mongolei sowie Aserbaidschan.

Polen In Polen gibt es eine historische Tradition des Feldschers (polnisch felczer), die jedoch heute weitgehend durch den Beruf des „Ratownicz Medyczny“ (Rettungssanitäter) ersetzt wurde.

Finnland In Finnland existiert der Beruf der Sairaanhoitaja (Krankenschwester) mit einer zusätzlichen Qualifikation für die ländliche Versorgung.

Diese Fachkräfte übernehmen grundlegende medizinische Diagnosen und Behandlungen und arbeiten oft eigenständig, wenn kein Arzt vor Ort ist.

Bulgarien Der Beruf des Feldschers hat in Bulgarien eine über 140-jährige Geschichte. Ganz ähnlich wie in Russland leitet ein Feldscher in Bulgarien eigenständig kleine Landambulatorien in Orten unter 4000 Einwohner. Dem Feldscher unterstehen dabei die Krankenschwestern. Die Ausbildungszeit, Ansehen und Bezahlung liegen in etwa zwischen Krankenschwester und Arzt.

Anerkennung in Österreich:

DDR In der DDR wurden noch bis 1989 Arzthelfer für befreundete Entwicklungsländer ausgebildet (afrikanische Staaten, Afghanistan). Da in den Entwicklungsländern ein extremer und akuter Mangel an Ärzten herrschte, konnte so die Deckung einer gewissen medizinischen Grundversorgung sichergestellt werden. Die Ausbildung dieser Helfer war wesentlich billiger als die von Ärzten.

In der Nationalen Volksarmee der DDR zählten Feldschere zum Personal des Medizinischen Dienstes. Dort rangierten sie zwischen den Militärärzten und Krankenschwestern bzw. Sanitätsunteroffizieren. Sie wurden bis 1967 an den Offiziersschulen für Rückwärtige Dienste in Erfurt, ab 1963 in Zittau, drei Jahre ausgebildet (Medizinische Fachschulausbildung). Teile der Ausbildung (Sektion) fanden an der Medizinischen Akademie Erfurt statt. In jedem Bataillon der NVA gab es bis 1990 einen Sanitätszug, dessen Leiter ein Feldscher mit der Planstelle Hauptmann war. Sein medizinisches Fachwissen umfasste die EVH (Erste Vorärztliche Hilfe), die Behandlung des traumatischen Schocks; weiterhin die Ausbildung des unteren Sanitätspersonals und die Erste-Hilfe-Ausbildung der Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten. Er organisierte in den unteren Ebenen der Armee (Zug, Kompanie, Bataillon) den Abtransport der Verwundeten vom Gefechtsfeld.