Kristin Otto (* 7. Februar 1966 in Leipzig) ist eine ehemalige deutsche Schwimmerin und aktuelle Sportjournalistin. Gemessen an der Zahl ihrer insgesamt 22 für die DDR gewonnenen Titel bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften ist sie die bisher erfolgreichste deutsche Schwimmsportlerin.Michael Groß gewann 21 Titel. Nach Ende ihrer sportlichen Karriere und Abschluss eines entsprechenden Studiums ist sie seit dem Jahr 1989 journalistisch, aktuell für das Zweite Deutsche Fernsehen tätig.
Werdegang mini|Kristin Otto (1984) mini|Kristin Otto (2018) als Sportmoderatorin des ZDF
Kristin Otto startete für den SC DHfK Leipzig. Ihr erster internationaler Erfolg war 1981 beim Europacup in London der Sieg über 100 m Rücken. 1982 wurde sie dreifache Weltmeisterin, 1984 gelang ihr ein Weltrekord über 200 m Freistil (1:58,15 Minuten), einen Start bei den Olympischen Spielen 1984 in Los Angeles verhinderte der Boykott der Ostblockländer (einschließlich der DDR). 1986 stellte sie einen Weltrekord über 100 m Freistil (54,73 Sekunden) auf, der erst sechs Jahre später, 1992, von Jenny Thompson verbessert wurde.
Bei den Olympischen Spielen 1988 in Seoul gewann sie sechsmal Gold. Damit ist sie die erfolgreichste deutsche Schwimmerin bei olympischen Wettbewerben und gehört zu den erfolgreichsten deutschen Olympioniken.
In den Jahren 1988 und 1989 wurde Otto in der DDR zur Sportlerin des Jahres, 1988 zu Europas Sportlerin des Jahres gewählt. Im Jahr 1993 wurde sie in die Ruhmeshalle des internationalen Schwimmsports aufgenommen.
Ihre Karriere als aktive Leistungssportlerin beendete Otto nach den Europameisterschaften 1989 in Bonn, wo sie zwei Gold- und eine Bronzemedaille gewann.
Nach ihrem Abitur 1988 absolvierte sie im Folgejahr ein Volontariat beim Sender Leipzig. Daneben durchlief sie ein Fernstudium an der Universität Leipzig und an der Deutschen Hochschule für Körperkultur im Fach Journalismus und Sportjournalismus. 1990 war sie Redakteurin in der Sportredaktion von Sachsenradio Leipzig. Von 1991 bis 2004 war sie als Co-Kommentatorin im ZDF bei Schwimmwettbewerben im Einsatz. Daraufhin hospitierte sie 1992 in der ZDF-Sportredaktion und ist seitdem als Redakteurin in der ZDF-Hauptredaktion Sport tätig. Als Moderatorin und Reporterin ist Otto vorwiegend im Schwimmsport, Pferdesport und Eisschnelllauf im Einsatz. Seit 1995 moderiert sie den Sport in den ZDF-heute-Sendungen sowie im ZDF-Mittagsmagazin. Von 1997 bis 2002 präsentierte sie das Magazin Tips und Trends sportiv bei 3sat. Von 1998 bis 2014 moderierte sie die ZDF-Sportreportage. In den Jahren 2001 bis 2006 präsentierte sie die Wahl Sportler des Jahres. Von 2014 bis 2017 leitete sie die ZDF-Redaktion „Sport täglich“. Ab 2018 war sie stellvertretende Leiterin der Redaktion ZDF-Sportreportage, 2023 übernahm sie die Leitung der Sendung, die mittlerweile Sportstudio-Reportage heißt. Doping In den Jahren 1999 und 2000 wurden ihr ehemaliger Mannschaftsarzt Horst Tausch und ihr Trainer Stefan Hetzer rechtskräftig wegen des von ihnen eingestandenen jahrelangen Dopings von Sportlerinnen und Sportlern verurteilt.Die Dopingschlinge zieht sich zu, Spiegel Online, 5. September 2000 Kristin Otto verwahrte sich daraufhin gegen Vorwürfe, wissentlich gedopt gewesen zu sein.
Konkret wird sie ebenso wie die ehemaligen DDR-Spitzenschwimmerinnen Daniela Hunger, Dagmar Hase und Heike Friedrich beschuldigt, vor den Schwimmeuropameisterschaften 1989 in Bonn illegale leistungssteigernde Substanzen genommen zu haben. Bereits 1990 hatte die Illustrierte Stern diverse interne Dokumente und Listen veröffentlicht, die systematisches Doping in der DDR nachweisen sollten, unter anderem bei den Schwimmerinnen und auch bei Otto.Brigitte Berendonk: Doping-Dokumente – Von der Forschung zum Betrug. Springer, Berlin 1991, ISBN 3-540-53742-2, S. 66 und 212 (Fußnote 3). Es handelte sich um die Ausgabe des Stern 49/1990. Wie Brigitte Berendonk in ihrem Buch Doping-Dokumente 1991 schrieb, bestätigte Claus Clausnitzer, Leiter des Zentralen Dopingkontrolllabors der DDR in Kreischa, noch im selben Jahr öffentlich, dass die vom Stern publizierten Listen echt seien und die Identifikation von Otto korrekt sei.Brigitte Berendonk: Doping-Dokumente – Von der Forschung zum Betrug. Springer, Berlin 1991, ISBN 3-540-53742-2, S. 212 (Fußnote 3) und 284. Werner Franke veröffentlichte 1994 in der Berliner Zeitung ein Dokument, das die Ergebnisse einer internen Analyse des Zentralen Dopingkontrolllabors der DDR wiedergeben soll, wenige Tage vor der Abreise zu den Europameisterschaften 1989. Dort lag der Testosteronwert aller vier Schwimmerinnen weit über dem normalen weiblichen Wert.Werner Franke: , In: Berliner Zeitung, 5. April 1994. Das Dokument wird auch in einem 1998 ergangenen Urteil des Landgerichts Berlin gegen den Sportmediziner Bernd Pansold wiedergegeben, abgedruckt bei Klaus Marxen, Gerhard Werle (Hrsg.): Strafjustiz und DDR-Unrecht. Band 7: Gefangenenmisshandlung, Doping und sonstiges DDR-Unrecht. De Gruyter, Berlin 2009, S. 255. Otto bestreitet bis heute diese Vorwürfe.
Laut einem Bericht des Fernsehmagazins Zapp im Jahr 2007 gab es nach Aussagen von ehemaligen Mannschaftskolleginnen eindeutige Hinweise, dass Otto auch bei ihren sechs Olympia-Goldmedaillen in Seoul gedopt gewesen sei.ZDF-Moderatorin Kristin Otto gerät unter Druck Die Welt online, 1. Juni 2007, abgerufen am 12. Oktober 2015. Der damalige ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender äußerte sich folgendermaßen dazu: „Frau Otto hat im Jahr 2000 eine Erklärung abgegeben, nie gedopt zu haben. Solange keine Beweise gegen sie auf dem Tisch liegen, solange stehen wir zu ihr“.Neuer Doping-Verdacht „Auf Buttermilch schwimmt man nicht zu sechs Mal Olympia-Gold“: Kristin Otto. In: Berliner Kurier, 2. Juni 2007.
2013 erkannte ihr die US-Fachzeitschrift Swimming World die für die Jahre 1984, 1986 und 1988 verliehenen Auszeichnungen als „Weltschwimmerin des Jahres“ wegen des systematischen Dopings im DDR-Schwimmsport ab. Gleichzeitig wurden auch die übrigen seit 1973 mit dem Titel ausgezeichneten DDR-Schwimmerinnen aus den Bestenlisten gestrichen.„Schwimmerin des Jahres“: Kristin Otto verliert ihre Auszeichnung Spiegel Online, 3. Dezember 2013, abgerufen am 12. Oktober 2015.
Sportliche Erfolge Olympiasiege 1988 50 m Freistil 100 m Freistil 100 m Schmetterling 100 m Rücken 4 × 100 m Freistil (mit Katrin Meißner, Daniela Hunger und Manuela Stellmach) 4 × 100 m Lagen (mit Silke Hörner, Birte Weigang und Katrin Meißner)
Weltmeisterschaften 1982 Platz 1 über 100 m Rücken Platz 1 über 4 × 100 m Lagen (mit Ute Geweniger, Ines Geißler und Birgit Meineke) Platz 1 über 4 × 100 m Freistil (mit Birgit Meineke, Susanne Link und Caren Metschuck)
1986 Platz 2 über 50 m Freistil Platz 1 über 100 m Freistil Platz 2 über 100 m Schmetterling Platz 1 über 200 m Lagen Platz 1 über 4 × 100 m Lagen (mit Kathrin Zimmermann, Sylvia Gerasch und Kornelia Greßler) Platz 1 über 4 × 100 m Freistil (mit Manuela Stellmach, Sabina Schulze und Heike Friedrich)
Auszeichnungen (Auswahl) 1984: Vaterländischer Verdienstorden in Gold 1986: Stern der Völkerfreundschaft in Gold 1988: Karl-Marx-Orden 1988: Weltsportlerin des Jahres (La Gazzetta dello Sport)
Veröffentlichungen Kristin Otto, Heinz Florian Oertel: Sydney 2000. Unser Olympiabuch. Redaktion: Volker Kluge. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2000, ISBN 3-360-00930-4. Kristin Otto, Heinz Florian Oertel: Athen 2004. Unser Olympiabuch. Redaktion: Volker Kluge. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2004, ISBN 3-360-01238-0. Kristin Otto, Heinz Florian Oertel: Turin 2006. Unser Olympiabuch. Redaktion: Volker Kluge. Verlag Das Neue Berlin, Berlin 2006, ISBN 3-360-01274-7.
Literatur
Andreas Singler, Gerhard Treutlein: Doping – von der Analyse zur Prävention. Meyer & Meyer, Aachen, 2. Auflage 2010 (= Sportentwicklungen in Deutschland, Band 13), ISBN 978-3-89124-665-8. Darin: Abschnitt 1.4.1 Der „Fall“ Kristin Otto: Neutralisierungsformeln bei Athleten, S. 29–33.
Siehe auch Liste der erfolgreichsten Sommerolympioniken
Weblinks
Einzelnachweise
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