Quakenbrück () ist eine Stadt im Landkreis Osnabrück in Niedersachsen, liegt an der Hase und ist Verwaltungssitz der Samtgemeinde Artland.
Quakenbrück ist geschichtlicher, wirtschaftlicher und kultureller Mittelpunkt des Artlands, einer Region zwischen Osnabrücker Nordland und Oldenburger Münsterland.
Quakenbrück wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt. Die Stadt war bis etwa 1500 Burgmanns- und ab 1544 Hansestadt. Die auf den Burgmannshöfen lebenden Burgmannen verteidigten die ehemalige bischöfliche Landesburg in der Stadt, die in früheren Zeiten dem Hochstift Osnabrück als Sicherung gegen Norden diente.
Die Wahrzeichen der Stadt sind die evangelische Sylvesterkirche, die katholische Marienkirche und die Hohe Pforte, das einzige erhaltene von einstmals fünf Stadttoren. Die historische Altstadt ist von rund 100 Fachwerkhäusern aus verschiedenen Jahrhunderten geprägt.Stadt-Hinweise und Geschichte von Quakenbrück Einige davon sind älter als 500 Jahre. Als ältestes als Wohnhaus erhaltenes Haus nicht nur Quakenbrücks, sondern auch des gesamten westlichen Niedersachsens gilt das 1498 errichtete Hermann-Bonnus-Geburtshaus in der Goldstraße. Das 1510 errichtete Haus Lange Straße 40 wurde 2020 mit dem Deutschen Fachwerkpreis „[f]ür die äußerst sensible Sanierung des stadthistorisch und fachwerkgeschichtlich für Quakenbrück wichtigen Fachwerkgebäudes“ ausgezeichnet.
Geografie Lage Quakenbrück liegt in der Norddeutschen Tiefebene im Mittelpunkt der ausgedehnten Schwemmlandebene des Artlandes, die von Talsandplatten und feuchten Niederungen nur schwach untergliedert ist.Kuhlmann: Das Artland und die Stadt Quakenbrück in ihrer historischen Entwicklung. S. 7.
Stadtgliederung mini|Rathaus mit Kriegerdenkmal mini|Häuserzeile in St. Antoniort mini|Schützenhof, 1920er Jahre
Das Stadtgebiet besteht aus der Altstadt (um 4500 Einwohner), der Neustadt (um 5500 Einwohner), Hakenkamp (um 2800 Einwohner), Hengelage (um 2200 Einwohner), Antoniort, Gut Vehr und dem Erholungsgebiet Schützenhof.
Die Altstadt Quakenbrücks gruppiert sich um den fünfeckigen Marktplatz und wird von der Einbahnstraße Lange Straße als Hauptgeschäftsstraße dominiert. Die Altstadt darf mit dem PKW im Schritttempo befahren werden.
Als 1348 Lepra und Pest die Stadt bedrohten, wurde außerhalb der Stadt an der Steinstraße hinter dem Steintor jenseits der Kleinen Hase das Siechenhaus St. Antoni eingerichtet. Bald wurde die sich dort entwickelnde Vorstadt St. Antoni Halbe Statt genannt. Die Bezeichnung „halbe Statt“ (halbe Stadt) war ein Hinweis darauf, dass die dort lebenden Bürger bei den Bürgerversammlungen nur ein halbes Stimmrecht ausüben durften – eine Vorsichtsmaßnahme der Burgmannen der Innenstadt, damit die Vorstädter sie nicht überstimmen konnten. 1398 bürgerten sich die Bezeichnung St. Antoniort für die Steinstraße und Antoni-Pforte für das Steintor, das südliche der fünf Stadttore, ein.
Die Hengelage, die in früherer Zeit Wiehlage hieß und bis 1972 zum Oldenburger Land gehört hatte, entstand auf dem Gebiet von Gut Vehr und schiebt sich wie ein Stachel in das Quakenbrücker Stadtgebiet, was eine Ausdehnung der Stadt in nordwestlicher Richtung so lange verhinderte, wie die Siedlung nicht zur Stadt gehörte.
Die Entwicklung der Neustadt wurde in den 1920er Jahren eingeleitet, als südwestlich der Bahnlinie auf rund 250 Hektar eher unbesiedeltem, feuchtem Weideland – Merschland genannt – ein Flugplatz entstand, der 1935 zum Fliegerhorst ausgebaut wurde. Auf ihm wurde während des Zweiten Weltkriegs eine Flugzeugwerft betrieben. 1945 wurde das Gelände von britischen Truppen erobert, die es im selben Jahr polnischen Streitkräften überließen. Ende 1947 gaben die Besatzer das Gelände frei, so dass 1948 die Entmilitarisierung der Anlage beginnen konnte. In dem ausgedehnten militärischen Gebäudekomplex, von dem viele Gebäude erhalten blieben, siedelte sich eine Reihe von Betrieben an. Das ehemalige Militär-Krankenrevier entwickelte sich zum zivilen Krankenhaus, auch das 1909 im ostpreußischen Lötzen gegründete Diakonissen-Mutterhaus Bethanien fand in den Gebäuden eine neue Bleibe. Von 1948 bis 1973 war in einem Kasernengebäude die Postschule der Oberpostdirektion Bremen untergebracht. Die Unterkunftsgebäude wurden überwiegend als Wohnraum für die Zivilbevölkerung verwendet; unterstützt durch den Siedlungsbau in der direkten Umgebung entstand ein neuer Stadtteil.
Das Erholungsgebiet Schützenhof entstand, als der Quakenbrücker Schützenverein von 1589 im Jahr 1847 östlich der Stadt unweit der Überfallhase einen Schützenhof mit Gaststätte errichtete, der sich bald zu einem Ausflugsort und „Schauplatz vaterländischer Veranstaltungen“ entwickelte. Das Gebäude in einem großen Park – zugänglich über eine rund zwei Kilometer lange Eichenallee – wurde 1970 abgerissen und durch ein Gebäude mit Café-Restaurant und Tennis- und Minigolfanlage ersetzt.Internetauftritt des Quakenbrücker Schützenvereins von 1589 e. V. Gleichwohl entwickelte sich ein ausgedehntes Erholungsgebiet mit einer Ferienhausanlage nahe dem Feriensee und Sportmöglichkeiten am Schützenhof mit jährlichem Schützenfest.
2010 feierte die Stadt ihr 775-jähriges Bestehen.artland.de
Ausdehnung des Stadtgebiets mini|Quakenbrück mit seinen Stadtteilen Altstadt, Neustadt, Antoniort, Hakenkamp, Hengelage und der Feriensiedlung Schützenhof
Die Stadt entwickelte sich über Jahrhunderte halbkreisförmig, da eine Ausdehnung in nördlicher Richtung wegen der kaum 500 Meter nördlich des Marktplatzes verlaufenden Grenze zum Oldenburger Land nicht möglich war. Erst nach der Gebietsreform von 1972 änderte sich diese Situation mit der Eingliederung der bis dahin zu Essen (Oldenburg) gehörenden Hengelage. Im Süden bildete die in westlicher Richtung durch die Stadt fließende Kleine Hase eine natürliche Begrenzung, die aber bereits im frühen Mittelalter durch Brücken überwunden wurde. Dort entwickelte sich der Vorort Antoniort.
Die Halbkreisform der Stadtanlage ist noch deutlich sichtbar und wird durch die Bundesstraße 68 betont, die westlich, nördlich und östlich um die Stadt führt. Im Nordosten liegt jenseits der Bundesstraße die Siedlung Hakenkamp; südwestlich des Altstadtgebiets, durch die Bahnlinie getrennt, entstand im frühen 20. Jahrhundert die Neustadt.
Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in nordsüdlicher Richtung rund fünf Kilometer und in ostwestlicher Richtung knapp sieben Kilometer.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden von Quakenbrück sind im Norden Essen (Oldenburg) (rund sechs Kilometer entfernt), im Osten Dinklage (13 Kilometer), im Süden Badbergen (fünf Kilometer) und im Westen Menslage (zwölf Kilometer).
Badbergen und Menslage bilden mit Quakenbrück und Nortrup die Samtgemeinde Artland im Landkreis Osnabrück, während Dinklage zum Landkreis Vechta zählt und Essen (Oldenburg) zum Landkreis Cloppenburg. mini|Geographische Lage mini|Hase-Binnendelta bei Quakenbrück um 1903 mini|hochkant|Quakenbrück am Nordrand des Landkreises Osnabrück, vom Südoldenburger Ufer der Großen Hase aus betrachtet
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gebiet der Stadt Quakenbrück gehört zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Die Hase fließt von Süden aus dem Teutoburger Wald auf die Cloppenburger Geest zu und wird durch den Geländeanstieg nach Westen abgedrängtMartin Teller: Die erdgeschichtliche Genese des nordwestdeutschen Naturraumes. (PDF) + , um später bei Meppen in die Ems zu münden. An der Stelle, an der sich die Hase verzweigt und ihre Arme sich nach Westen wenden, um dem Riegel der Ems-Hunte-Geest im Norden auszuweichen, liegt Quakenbrück.
Der Stadtschreiber Habich beschreibt um 1700 die Lage der Stadt so:
Die Hase durchquert in Form von mehreren Armen (Hase-Binnendelta) das Stadtgebiet – mit typischen Auen- und Feuchtwiesen. Typische Merkmale sind regelmäßig überflutete Wiesen, nasse Senken und Altarmbereiche, hohe Bedeutung für Amphibien, Wiesenvögel und Insekten und wichtige natürliche Hochwasser-Rückhalteflächen. Sie filtrieren Nährstoffe, haben eine Kühlwirkung im Stadtklima und sind Lebensraum für Frösche, Molche, Libellen und Störche, Reiher und Enten. Besonders gut erkennbar sind sie entlang den Hase-Radwegen im östlichen und südlichen Stadtbereich.
Der Dümmener Bach und Brucheiesen befinden sich im Süden von Quakenbrück. Typisch dort sind dauerhaft feuchte Böden, Seggen, Binsen und Schilf.
Quakenbrück steht ökologisch besonders durch seine hydrologische Lage an der Hase vor Herausforderungen. Die Begradigung und Entwässerung der Hase sowie Deich- und Wehrbauten haben natürliche Auen- und Feuchtlebensräume stark eingeschränkt und die ökologische Durchgängigkeit beeinträchtigt. Klimawandelbedingte Starkregen und Trockenphasen verstärken Hochwasser- und Niedrigwasserprobleme, was Flora und Fauna zusätzlich belastet.
Zwischen 2013 und 2018 wurde das Schützenhofwehr in eine naturnahe Sohlgleite umgebaut. Ziele waren die Wiederherstellung der ökologischen Durchgängigkeit sowie die Verbesserung des Hochwasserschutzes. Die neue Konstruktion ermöglicht die ununterbrochene Fischwanderung und reduziert gleichzeitig Erosionsprozesse im Gewässerbett.
Auf einer Länge von etwa 6,5 Kilometern wurden umfangreiche Deich- und Dammsanierungen durchgeführt. Dabei wurden bestehende Hochwasserschutzanlagen verbreitert, erhöht und standsicher neu aufgebaut, um den Hochwasserschutz langfristig zu gewährleisten.
Im Stadtgebiet werden fünf Meter breite, naturnahe Pufferzonen entlang der Hase und ihren Nebengewässern festgesetzt. Diese dienen dem Schutz bestehender Gehölzbestände, der Verbesserung des Mikroklimas sowie der ökologischen Stabilisierung der Gewässerufer. Zusätzlich werden alte Baumbestände dauerhaft gesichert.
Untergrundsituation mini|Das Hase-Binnendelta des Artlands
In der Niederungslandschaft nördlich eines tertiären Höhenzuges im Urstromtal der Hase hat der Fluss wegen seines geringen Gefälles ein Binnendelta gebildet. Die Fläche dieses Binnendeltas liegt zu einem großen Teil im ArtlandH.A. Meissner: Beharrung und Wandel in einem nordwestdeutschen Agrarraum. Das Quakenbrücker Becken. Leer (Schuster) 1979. ISBN 3-7963-0157-6. und besteht hauptsächlich aus glaziofluviatilen, also während der Eiszeit durch das Wirken des Gletscherschmelzwasser führenden Flusses entstandenen Sedimenten. Das Delta veränderte seine Gestalt und Größe durch menschliche Eingriffe seit dem 17. Jahrhundert erheblich: Kanäle wurden gebaut, Wasserläufe begradigt sowie Wehre und Schleusen in die Gewässer eingebaut. Insbesondere durch den Bau des Haseüberfalls beim Schützenhof und die Umleitung der Großen Hase wurde seit 1683 die Altstadt Quakenbrücks vor Überflutungen geschützt.
Bohrungen haben gezeigt, dass der Boden in erster Linie aus lehmigen und sandigen Ablagerungen des Pleistozäns besteht. Die oberste Bodenschicht weist eine Stärke von fünf bis sieben Metern auf und ist von einer bis zu zehn Meter starken lehmigen und marligen Sedimentschicht unterlagert.
Der oberste Grundwasserleiter befindet sich in einer Tiefe von 2–6 m.Wolfgang Schlüter: Die Vor- und Frühgeschichte des Artlandes und seiner Umgebung. In: H.-R. Jarck (Hrsg.): Quakenbrück. Von der Grenzfestung zum Gewerbezentrum. S. 34f. Sandige Schichten in einer Tiefe von 25 bis 30 m bilden einen ertragreichen Aquifer für die Grundwasserförderung.
Klima Quakenbrück liegt in der gemäßigten Klimazone Niedersachsens im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima der Nordseeküste und dem kontinentalen Klima im Süden und Osten und ist durch gemäßigtes Seeklima, beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee, geprägt.
mini|hochkant|links|Niederschlagsmittelwerte in Badbergen von 1961 bis 1990