DatenWeinbaugebiet: FrankenLand: BayernWeinanbau seit: 8. JahrhundertFläche: 6.163 ha (2020)Weinproduktion/Jahr: 267.972 HektoliterWeinkönigin 2026/2027: Angelina Seiler aus StammheimWebsite: Weinanbaugebiet Franken290px|Deutsche WeinbaugebieteDie 13 bestimmten Weinanbaugebiete Deutschlands (Franken gelb unterlegt)

mini|400px|Das Herz Weinfrankens:Die Volkacher Mainschleife, am Horizont der Steigerwald

Das Weinbaugebiet Franken (auch: Fränkisches Weinland oder Weinfranken) ist ein deutsches Weinbaugebiet und eine nach Abs. 1 Nr. 5 Weingesetz als bestimmtes Anbaugebiet (bA) ausgewiesene Region für Qualitätswein. Das Weinbaugebiet liegt im Gegensatz zur Region Franken ausschließlich innerhalb Bayerns in den drei Regierungsbezirken Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken mit Schwerpunkt in Unterfranken. Das Weinbaugebiet erstreckt sich über den größten Teil des Tals des Mains, wurde aber im Gegensatz zu allen anderen deutschen Weinbaugebieten vergleichbarer Geografie nicht nach dem maßgebenden Fluss benannt.

Mit etwa 6163 ha Anbaufläche (2020) gehört das Weinbaugebiet Franken in Folge der Verdreifachung der Rebflächen seit den 1970er Jahren zu den mittelgroßen Weinbaugebieten Deutschlands. Im Mittelalter war Franken mit fast 40.000 ha Rebfläche das größte Weinbaugebiet im Heiligen Römischen Reich nördlich der Alpen. Der Anteil an Rotwein im klassischen Weißweingebiet liegt seit rund zwei Jahrzehnten bei etwa 18 % der Rebflächen.

Unter den deutschen bestimmten Weinbaugebieten hat Franken in mehrfacher Hinsicht eine Ausnahmestellung mit der Leitsorte Silvaner, dem meist recht trockenen Ausbau des Weins mit speziellen Geschmacksbezeichnungen (fränkisch trocken statt deutsch trocken) und dem äußerlich auffälligsten Merkmal, den Verkauf im Bocksbeutel als Flasche. Das Gebiet entlang des Steigerwaldtraufs mit seinen Gipskeuperböden in Verbindung mit dem Kontinentalklima gilt als ein herausragendes Weißweingebiet weltweit.

Die Weinberge sind sehr unterschiedlich strukturiert. Das fränkische Weinland bildet eine in Deutschland außergewöhnliche Kulturlandschaft in Verbindung mit der Lebensart der örtlichen Bevölkerung, Wein als Volksgetränk, unzähligen Weinfesten jenseits vom Massentourismus und vielfach regional geprägter Gastronomie.

Geschichte

Mittelalter: Größtes Weingebiet Deutschlands Fränkische Siedler brachten vermutlich die Rebe mit an den Main. Der Weinbau in Franken geht, nach Schenkungsurkunden von Karl dem Großen 777 für Hammelburg und 779 für Würzburg, mindestens bis ins 8. Jahrhundert zurück.Werner Dettelbacher: Franken, Kunst, Geschichte und Landschaft. DuMont Buchverlag, Köln 1997, ISBN 3-7701-0746-2, S. 384 ff. Vor allem Klöster bauten damals Reben zur Herstellung von Messwein an.

Im 14. Jahrhundert erläuterte der Würzburger Gottfried von Franken in seinem Pelz- und Weinbuch den Weinanbau und Methoden der Weinveredelung.Konrad Goehl: Wie Gerhard Eis das Weinbuch Gottfrieds las. In: Fachprosaforschung - Grenzüberschreitungen. Band 8/9, 2012/13 (2014), S. 299–309, hier: S. 300–304. Im Kitzinger Weingesetz von 1482 wurde der weitverbreiteten Weinpanscherei ein Riegel vorgeschoben. Das am 29. September beschlossene Gesetz legte fest, was im Wein enthalten sein durfte und was nicht. Zuwiderhandlungen wurden bestraft. Das 1. Fränkische Weingesetz galt seinerzeit vom Bodensee bis Sachsen.

Im Mittelalter wuchs die Anbaufläche auf fast 40.000 ha. Franken war damals das größte Anbaugebiet des Heiligen Römischen Reiches nördlich der Alpen. Die Weinanbaufläche übertraf die der Mosel und der links- oder rechtsrheinischen Gebiete bei weitem.

Neuzeit: Niedergang Der Weinbau erlebte zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in Folge der Säkularisation und der Reblaus, insbesondere im Schweinfurter Raum, einen großen Niedergang. Klimatisch weniger begünstigte Lagen gab man vollständig auf. Die Rebfläche Frankens schrumpfte bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts auf nur noch etwas über 2000 ha. So hatte 1887 Würzburg 455 ha Rebfläche, 1917 aber nur noch 177 ha (2003: 190 ha, 2017: 235 ha). Schweinfurt hatte 1802 etwa 320 ha Rebfläche, die in den 1970er Jahren nahezu vollständig verschwand (2017: 3,5 ha).

Nachkriegszeit: Konsolidierung Nach dem Krieg begann 1960 die Wiederbelebung des fränkischen Weinbaus, mit Beratung der Winzer, Gründung von Winzergenossenschaften und ersten, sanfteren Flurbereinigungen der Weinberge. Franken war nur noch ein kleines Weißweinanbaugebiet, mit knappem Angebot. Bis schließlich in den 1970er Jahren die Weinkeller leergekauft wurden.

Gegenwart: Verdreifachung der Rebflächen Die Preise explodierten im Laufe der 1970er Jahre, worauf örtliche Konsumenten vorübergehend auf französische oder italienische Weißweine umstiegen. Die erzielbaren hohen Preise mit Frankenwein hatten eine enorme Erweiterung der Rebflächen (bis heute eine Verdreifachung) zur Folge, die aber nur auf historischen Weinlagen gestattet wurde. Währenddessen stagnierten in allen anderen deutschen wie weltweiten Weinbaugebieten die Rebflächen oder wurden leicht reduziert. Als Resultat wuchs Franken, zum Teil auf Kosten der Qualität, wieder zu einem mittelgroßen deutschen Weinbaugebiet heran. Schätzten bis dahin nur Insider den außerhalb Frankens kaum erhaltbaren Wein, wird er seitdem, wie Weine aus den anderen Anbaugebieten, bundesweit angeboten. Die Gebiets-Winzergenossenschaft Franken (GWF) kam wegen Massenproduktion in Kritik. Man musste sich fortan bis heute, wie überall, um die Weinvermarktung kümmern, was einst nicht nötig war (siehe auch: Neues Franken). Schließlich bekam der Frankenwein sogar ein Imageproblem, was in den Nachkriegsjahrzehnten unvorstellbar gewesen wäre.

Geographie Überblick Im Weinanbaugebiet Franken gibt es heute 6.253 ha (2017) bestockte Rebflächen. Aus einem bis in die 1970er Jahre kleinen Anbaugebiet wurde das sechstgrößte Weingebiet Deutschlands.

Auf der Nordhalbkugel liegt die Anbauzone für Wein etwa zwischen dem 30. (20-°C-Isotherme der Jahresdurchschnittstemperatur) und 50. Breitengrad (10-°C-Isotherme). Der weitaus größte Teil des Fränkischen Weinlandes liegt südlich des 50. Breitengrads, der der Mainlinie entspricht. Nur ein kleiner Teil, hauptsächlich die Region um die Fränkische Saale, liegt nördlich davon. Zudem liegt die Jahresdurchschnittstemperatur in Weinfranken bei etwa 9 °C. Franken galt deshalb bisher als Weingebiet im kritischen Bereich, etwa an der Anbaugrenze, die sich neuerdings durch die Globale Erwärmung weiter nach Norden verschiebt. Wegen der bisher oft strengen Winter und der Möglichkeit von Spätfrösten beschränkt sich das bewirtschaftete Gebiet auf geschützte Lagen entlang des Mains, seiner Seitentäler, insbesondere Fränkischer Saale, Wern und Tauber, und auf den Steigerwaldtrauf am Westende des Steigerwalds.

mini|hochkant|Südlichster Weinort Frankens: Tauberzell

Die drei Landkreise mit den größten Rebflächen sind der Landkreis Kitzingen, der Weinlandkreis mit der historischen Weinhandelsstadt Kitzingen, der Landkreis Würzburg, in Veitshöchheim mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und der Landkreis Schweinfurt, mit seiner Weinregion zwischen Main im Norden und Steigerwald im Süden. Die beiden Oberzentren Bamberg im Osten, mit dem Weinberg Camerathen am Kloster Michelsberg, und Aschaffenburg im Westen, mit dem nördlich gelegenen Alzenau, bilden die Endpunkte Weinfrankens, mit jeweils allerdings nur etwa 1 ha Rebfläche. Die Weinmetropole Würzburg liegt genau in der Mitte dazwischen, in einem auffallend klar strukturierten Weinanbaugebiet (siehe: Karte Weinbaubereiche). Nördlichster und südlichster Weinbauort Frankens sind zwei kleine Ortschaften, die beide zum Bereich Maindreieck gehören. Nördlichster Ort ist das an Bad Kissingen angrenzende Wirmsthal, das mit den benachbarten Weinorten Ramsthal und Sulzthal eine kleine, relativ isolierte Weinregion in tief eingeschnittenen Seitentälern der Fränkischen Saale in der Vorrhön bildet, die der Großlage Burg (Hammelburg) zugeordnet wurde. Südlichster Weinort ist das großlagenfreie Tauberzell in Mittelfranken, wo seit 700 Jahren Weinbau betrieben wird, zugleich einziger Weinbauort im Landkreis Ansbach. Ein kleiner Weinberg mit nur 0,9 ha liegt noch weiter südlich im selben Landkreis, in Rothenburg ob der Tauber, das man deshalb aber nicht mehr als Weinort bezeichnen kann.

Der Bocksbeutel als typisches Kennzeichen des Frankenweins markiert nicht überall genau die Grenzen des Weingebiets. Er darf darüber hinaus auch in zwei kleinen Bereichen im Weinanbaugebiet Baden verwendet werden (siehe: Bocksbeutel).

Geologie und Böden mini|Prallhang südlich von Karlstadtmit Muschelkalk

Vor etwa 240 Millionen Jahren bedeckte das Triasmeer Mainfranken, das durch Spessart und Odenwald aufgestaut wurde, bis schließlich der Main allmählich sein Tal in Form des Mainvierecks als Abfluss des Meers eingrub. Die letzten Spuren des Meeres stammen aus der Zeit vor etwa 180 Millionen Jahren. In den dazwischenliegenden 60 Millionen Jahren lagerte es drei Schichten ab, die den Hauptnährboden des Frankenweins bilden: Buntsandstein, Muschelkalk und Keuper, wobei im bunten Keuperboden alle Varianten von Tiefsee über Flachmeer bis Festland mit Flachwasserzonen vertreten waren.

Infolge der Bodenbeschaffenheit entstehen sehr mineralstoffhaltige Weine mit würzigem Geschmack. Der Mineralstoffgehalt der Weine spielt deshalb – anders als in allen anderen Anbaugebieten – bei der Qualitätsprüfung ebenfalls eine Rolle.

Die Gesteine im Fränkischen Weinland werden auch durch Steinbrüche und für die Herstellung von Zement in Karlstadt und für ein Gipswerk in Iphofen genutzt.

Klima mini|Winter am Schwanberg

Im Bereich östlich des Spessarts, also im weitaus größten Teil des Weinanbaugebietes, herrscht bereits ein Klima, das beim Kontinentalitätsgrad im Übergangsbereich zwischen Seeklima und Kontinentalklima liegt. Dies trägt neben der Bodenbeschaffenheit zum typischen, kräftigen Geschmack des Frankenweins bei.

Der größte Bereich des Weingebietes liegt in den Mainfränkischen Platten. Bis in die 1960er Jahre waren dort Fröste bis minus 20 °C keine Seltenheit – heute noch bis etwa minus 15 °C. Es werden deshalb bei Spätfrösten unterschiedliche Maßnahmen zur Beheizung von Weinbergen ergriffen. Die Veitshöchheimer Landesanstalt macht hierzu seit Jahren umfangreiche Versuche. Die Sommer können mitunter sehr heiß und trocken sein. Im Hitzesommer 2015 wurde in Kitzingen am 5. Juli und 7. August mit 40,3 °C die höchste jemals in Deutschland gemessene Temperatur erreicht.Der Spiegel, Online-Ausgabe vom 6. Juli 2015: Sommer in Deutschland: Kitzingen stellt neuen Hitzerekord auf Gerolzhofen war im selben Jahr der trockenste Ort Deutschlands,TV Touring Schweinfurt, 14. Dezember 2015.

Frostfreie Vegetationszeit: 160–190 Tage; Sonnenscheindauer: 1600–1750 Stunden; Jahrestemperatur: 8,5–9,0 °C; (mit ansteigendem Trend) Niederschlagsmenge: 500–600 l/m².

Frankenwein Charakteristik