mini|Eingang zur Brauerei Holba Die Pivovar Holba, a.s. (deutsch Brauerei Holba) ist eine Brauerei in Tschechien. Sie gehört zusammen mit den Brauereien Zubr und Litovel zur PMS-Gruppe. Die Brauerei befindet sich im gleichnamigen Stadtteil Holba (Halbseit) der Stadt Hanušovice.
Geschichte Die Pläne zur Gründung einer Brauerei in Halbseit entstanden 1871 durch den Brauer Josef Philipp Adolf Müllschitzky aus Geppersdorf, den Direktor der Hannsdorfer Weberei, Karl Flandorffer und die Webereibesitzer Gebrüder Karl und Eduard Oberleithner aus Mährisch Schönberg. Im Frühjahr 1873 erfolgte die Grundsteinlegung für eine Brauerei mit einer Produktionskapazität von 40.000 Mährischen Eimern (22.636 Hektoliter). Das Projekt stammte vom Wiener Baumeister Karl Völkner, die Ausführung übernahm der Mährisch Schönberger Maurermeister Josef Baier. Die Brauerei- und Mälzereianlagen fertigten die Ringhoffer-Werke.
Dampfbierbrauerei von Müllschitzky & Comp. Am 25. August 1874 wurde die Dampfbierbrauerei von Müllschitzky & Comp. zu Hannsdorf-Halbseit als Offene Handelsgesellschaft gegründet. Gesellschafter waren der Fabrikant Anton Breuer aus Deutsch Liebau, Karl Flandorffer, der ehemalige Brauer Josef Frey aus Wien, der Olmützer Kaufmann Kupka, der Brauer Josef Müllschitzky, die Fabrikanten Eduard Oberleithner sen. und Karl Oberleithner sen., der k. k. Hauptmann Adalbert Ritter von Eisenstein aus Mährisch Schönberg und Pauline Zephyrsky aus Wien. Das Startkapital des Unternehmens betrug 200.000 Gulden. Am 28. Dezember 1874 braute Müllschitzky die erste Charge Bier.
In seinem ersten Jahr produzierte das Unternehmen 15.900 Hektoliter Bier. Nachdem ab der Mitte der 1870er Jahre ein Produktionsrückgang zu verzeichnen war, wurde 1879 Julius Thausing von der Wiener Brauereischule mit einer technologischen Inspektion der Brauerei beauftragt. Im selben Jahre starb der Brauereigründer Josef Müllschitzky. Danach übernahm die Industriellenfamilie Oberleithner die Mehrheitsanteile. Mit dem Eintritt des Mährisch Schönberger Gutsbesitzers und Fabrikanten Karl Freiherr von Chiari als weiterer Hauptgesellschafter war die Gesellschaft 1881 zu einem reinen Familienunternehmen geworden; sämtliche Eigner (Gebrüder Oberleithner, von Chiari, von Eisenstein und Zephyrsky) waren untereinander verwandt oder verschwägert, zugleich bestanden auch verwandtschaftliche Verhältnisse zu den Industriellenfamilien Ringhoffer und Klein.
Brauerei Chiari & Cie. mini|Alte Ansicht der Brauerei Halbseit Seit dem 25. April 1882 firmierte das Unternehmen unter dem neuen Namen Brauerei Chiari & Cie. zu Hannsdorf-Halbseit. In dieser Zeit wurde die Mälzerei mit einer neuen vertikalen Luftdarre ausgerüstet. Ab Mitte der 1880er Jahre stieg der Bierausstoß stetig an; 1885 überstieg er erstmals 20.000 Hektoliter, ein Jahr später 1886 produzierte die Brauerei 23.006 Hektoliter Bier. Dies machte eine Erweiterung der Gär-, Lager- und Eiskeller erforderlich. Durch diese Entwicklung wurden aber auch die konkurrierenden Brauereien in Groß Ullersdorf und Mährisch Aussee zur Aufgabe gezwungen. In der Folgezeit erhielt die Brauerei auch ein Anschlussgleis zur Bahnstrecke Sternberg–Lichtenau. 1893 konnte das Unternehmen mit der Brauerei Wiesenberg einen weiteren Konkurrenten zur Aufgabe zwingen. Im Jahr darauf erfolgte der Kauf der bischöflichen Brauerei Johannesberg in Jauernig, wobei deren Mälzerei umgestaltet und in den Brauereikellern eine Abfüllstation für Hannsdorfer Bier eingerichtet wurde. Zum Ende des 19. Jahrhunderts überstieg die Jahresproduktion die Menge von 50.000 Hektolitern.
Nordmährische Brauerei und Malzfabriks AG 1906 übernahm das Unternehmen die Majorität an den Brauereien Anton Wlach & Cie. aus Mährisch-Schönberg und Dr. Ulrich & Co. aus Johrnsdorf und fusionierte am 1. März zur Nordmährischen Brauerei und Malzfabriks Aktiengesellschaft in Mährisch Schönberg. Das auf 2 Mio. Kronen festgesetzte Gesamtkapital wurde auf 10.000 Aktien mit einem Nennwert von 200 Kronen aufgeteilt. Davon entfielen 4500 Aktien auf die Eigner der Brauerei von Chiari & Comp., deren Wert mit 900.000 Kronen taxiert wurde; 2500 Aktien erhielten die Besitzer der Johrnsdorfer Bierbrauerei Dr. Ulrich & Co (Taxwert: 500.000 Kronen), an die Eigner von Anton Wlach & Comp. in Mährisch Schönberg (Taxwert: 370.000 Kronen) wurden 1800 Anteilsscheine ausgegeben. Verwaltungssitz der AG war Mährisch Schönberg. Der Braubetrieb wurde zunehmend in Halbseit konzentriert; zwischen 1907 und 1910 erfolgte eine Rekonstruktion der Halbseiter Brauerei, dabei entstand neben einem neuen Maschinenhaus, verschiedenen Betriebs- und Verwaltungsgebäuden auch der von der Wiener Niederlassung der Firma H. R. Heinicke, Fabrikschornsteinbau und Dampfkesseleinmauerungen, errichtete Fabrikschornstein. Während des Geschäftsjahres 1907/08 überschritt der Bierabsatz aller drei Brauereien des Unternehmens mit 100.978 Hektolitern erstmals die Menge von 100.000 Hektolitern. Die Bierproduktion in Mährisch Schönberg wurde noch 1907 eingestellt, 1916 erfolgte dies auch in Johrnsdorf; an allen drei Standorten wurden aber weiterhin Mälzereien betrieben. Neben den traditionellem hellen und dunklen Einfachbier, hellen und dunklen Schankbier sowie Lagerbier wurden auch die Spezialbiere Pils, Kaiser, Märzen, dunkles 14° Spezial, Sudetenbräu, Porter und Johrnsdorfer Bock produziert. Im Geschäftsjahr 1910/11 hatte die Gesellschaft einen Bierabsatz von 110.580 Hektolitern.
Während des Ersten Weltkrieges sank das Geschäftsergebnis drastisch, dies führte zur Stilllegung der Johrnsdorfer Brauerei; 1917 wurden nur noch 22.157 Hektoliter abgesetzt. 1916 erfolgte die Übernahme der Brauerei in Grulich, zwei Jahre später der Brauerei in Jauernig. Nach dem Zusammenbruch der K.u.k.-Monarchie und der Gründung der Tschechoslowakei erhielt das Unternehmen 1918 mit Severomoravský pivovar a sladovna, akciová společnost v Šumperku auch einen tschechischen Namen.
In der Zwischenkriegszeit stieg die Produktion wieder stetig an. Nach 1920 errichtete das Bauunternehmen Ernst Zeckert aus Mährisch Altstadt Stahlbetontanks in den alten Eiskellern der Brauerei. Am Brauereiteich neben dem Eingang wurden 1923 neue große Eiskeller mit einem Zierturm, in dem sich ein Aufzug befand, angelegt. Im Zuge des im selben Jahre erfolgten Zusammenschlusses von Halbseit und Hannsdorf firmierte die Brauerei fortan als Brauerei Hannsdorf. Im Geschäftsjahr 1925/26 wurden mit 104.703 Hektolitern Bier erstmals seit dem Kriegsende wieder mehr als 100.000 Hektoliter gebraut. 1929/30 erreichte die Brauerei mit 148.416 Hektolitern, von denen 315 Hektoliter exportiert wurden, einen Ausstoßrekord.
Mit 108.775 Hektolitern Bier war die Brauerei Hannsdorf in den 1930er Jahren nach den Großbrauereien in Brünn und Prerau die drittgrößte mährische Brauerei, landesweit kam sie auf den 11. Rang. Produziert wurde fast ausschließlich Schankbier (97,5 %), daneben geringe Mengen Lagerbier (2 %) und Spezialbier (0,5 %); das Spezialsortiment umfasste vor allem typische Sudetenbiersorten wie Pfingstbock und Maibock (20 %), dem weihnachtlichen Stephanus Spezial (18 %) und Oster Spezial (18 %). 1930 übernahm die Nordmährische Brauerei und Malzfabriks AG die Brauereien in Freiwaldau und Friedeberg. Zwischen 1930 und 1931 entstanden in der Brauerei Hannsdorf ein neues Kesselhaus und neue Wasserversorgungsanlagen. Die Weltwirtschaftskrise ließ den Bierabsatz stark sinken. Ein in dieser Zeit eingeleitetes Verfahren wegen des Verkaufs stärkeren Bieres machte die Brauerei landesweit bekannt. Das Unternehmen wurde wegen der Gehaltsüberschreitung gegenüber der Etikettenangabe mit einer Geldstrafe belegt; die zahlreichen Pressemeldungen über das Strafverfahren wirkten jedoch als beste Werbung für das Unternehmen. 1937 wurde die Sternberger Bierbrauerei übernommen. In dieser Zeit errichteten die Standfasswerke Rostock & Baerlocher, Klosterneuburg bei Wien, eine Abteilung Lagertanks aus Eisenbeton, die bis 1961 genutzt wurde, sowie neue Gärkessel aus Eisenbeton. Mitte der 1930er Jahre hatte die Nordmährische Brauerei und Malzfabriks AG einschließlich der Buchhaltung in Mährisch Schönberg und den eigenen Bierlagern knapp 450 Beschäftigte, die Brauerei Hannsdorf hatte 180 Arbeiter und Angestellte. Neben der Brauerei und Mälzerei in Hannsdorf-Halbseit betrieb das Unternehmen eine Mälzerei in Johrnsdorf, ein Bierlager und eine Mälzerei in Mährisch Schönberg sowie eigene Bierlager in Freudenthal, Müglitz, Römerstadt und Friedeberg. Im Unternehmensbesitz befanden sich weitere, verpachtete Bierlager in Jauernig, Grulich, Sternberg und Hohenstadt. Gepachtet waren die Bierlager in Brünn, Olbersdorf, Stadt Liebau, Mährisch Trübau, Olmütz und Mährisch Neustadt. Weitere Niederlagen bestanden in Partschendorf, Hombok, Jägerndorf, Wiesenberg, Neu Titschein, Hotzenplotz, Rokitnitz, Wachtel und Zuckmantel sowie im polnischen Chrzanów. Des Weiteren besaß die Nordmährische Brauerei und Malzfabriks AG Eiskeller in Hof, Bautsch, Mährisch Rothwasser, Dittersdorf, Deutsch Hause, Bärn und Groß Waltersdorf, die auch die Hannsdorfer Gasthäuser mit Eis versorgten. Der Immobilienbesitz umfasste eigene Wirtshäuser, Wohnhäuser, Grundstücke und Wälder. Die Nordmährische Brauerei und Malzfabriks AG war die Brauerei mit den meisten Abfüllern und Niederlagen in der ganzen Tschechoslowakei. Sämtliche übernommenen Brauereien stellten nach ihrer Übernahme den Braubetrieb ein, gebraut wurde ausschließlich in der Brauerei Hannsdorf.
Nach der Angliederung an das Deutsche Reich erfolgte die Erhöhung der Produktion auf jährlich 170.064 Hektoliter. Am 28. Juni 1939 beschloss die Hauptversammlung der Nordmährischen Brauerei und Malzfabrik AG die Neufassung der Satzung gemäß dem deutschen Aktiengesetz. 1940 wurden neue Aktien emittiert. Zur Beseitigung des Personalmangels während des Zweiten Weltkrieges – 74 Beschäftigte wurden zum Kriegsdienst einberufen – wurden in der Brauerei tschechische Zwangsarbeiter, darunter der spätere Direktor Emil Opluštil, und englische Kriegsgefangene eingesetzt. Während des Krieges waren Vorschriften zur Reduzierung des maximalen Stammwürzgehalts sowie zum Brauen von Starkbieren und deren Verdünnung zu niederstufigen Bieren zu beachten. Am 1. Juli 1942 wurden die Niederlagen in Olbersdorf und Stadt Liebau der Brauerei in Troppau, die Niederlage in Jägerndorf der Brauerei in Jägerndorf und die Niederlage in Zuckmantel der Brauerei in Hennersdorf übergeben; die Bierlager in Freudenthal, Mährisch Trübau, Neu Titschein und Wachtel wurden einstweilig geschlossen. 1944 wurden die ungenutzten Niederlagen in Wiesenberg, Wachtel, Freudenthal, Mährisch Trübau und Neu Titschein aufgegeben. Zuletzt hatte die Nordmährische Brauerei und Malzfabriks AG ca. 300 Beschäftigte. Der letzte Eintrag im Aktionärsbuch wurde am 17. März 1945 vorgenommen.