Swami Satyananda Saraswati (IAST: Svāmī Satyānanda Sarasvatī; * 25. Dezember 1923 in Almora, Indien; † 5. Dezember 2009 in Rikhia, Jharkhand), von seinen Anhängern mit dem spirituellen Ehrentitel Paramahamsa bezeichnet, war ein indischer Yoga-Meister. Er ist der Begründer der Bihar School of Yoga, die sich mit der Erforschung von Yoga beschäftigt.

Biografie Frühes Leben Satyananda Saraswati wurde 1923 in Almora, Uttaranchal,Harry Aveling: The Laughing Swamis: Australian Sannyasin Disciples of Swami Satyananda Saraswati and Osho Rajneesh, Motilal Banarsidass. Motilal Banarsidass, ISBN 978-81-208-1118-8, S. 60 in eine Familie von Bauern und Kshatriyas hineingeboren.Swami Dharmashakti Saraswati: Mere Aradhya. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2011, ISBN 978-93-81620-06-9, S. 20.

In jungen Jahren wurde ihm eine klassische Ausbildung zuteil, so studierte er Sanskrit, die Veden und die Upanishaden. Seinen eigenen Aussagen entsprechend begann er im Alter von sechs Jahren spirituelle Erfahrungen zu erleben. Sein Bewusstsein verließ spontan den Körper, während er sich selbst regungslos auf dem Boden liegen sah. Viele Heilige und sadhus segneten ihn und versicherten seinen Eltern, dass sein Bewusstsein weit entwickelt sei. Diese Erfahrungen, während denen sich seine Bewusstheit vom Körper löste, wiederholten sich und wiesen ihm den Weg zu unzähligen Heiligen jener Zeit, wie z. B. Anandamayi Ma. Er lernte auch eine tantrische Bhairavi kennen, Sukhman Giri, die ihm Shaktipat gab und ihn anwies, einen Guru zu finden, um seine spirituellen Erfahrungen zu stabilisieren.Swami Dharmashakti Saraswati: Mere Aradhya. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2011, ISBN 978-93-81620-06-9, S. 18–23. In einer seiner frühen Veröffentlichungen Yoga from Shore to Shore, erklärte er, dass er während der Meditation bewusstlos wurde und fügte hinzu: "Eines Tages traf ich einen Mahatma, einen großen Heiligen, der bei meinem Geburtsort vorbeikam… Er wies mich an, einen Guru zu finden.Swami Satyananda Saraswati: Yoga From Shore To Shore. Bihar School of Yoga, Munger, Bihar 1974, S. 8

Im Alter von achtzehn Jahren verließ er sein Zuhause, um seinen spirituellen Meister zu suchen. Im Jahr 1943, im Alter von zwanzig Jahren, traf er schließlich seinen Guru Swami Sivananda Saraswati und ging zu ihm, um in Sivanandas Ashram in Rishikesh zu leben.J. Gordon Melton: Religions of the World: A Comprehensive Encyclopedia of Beliefs and Practices. Martin (eds.), 4 (2nd ed.) 2010, ABC-CLIO, ISBN 978-1-59884-204-3, S. 1483 Sivananda weihte ihn am 12. September 1947 am Ufer des Ganges in den Dashnami Sannyasa Orden ein und gab ihm den Namen Swami Satyananda Saraswati. Er blieb weitere neun Jahre bei Sivananda, erhielt aber nur wenige formale Unterweisungen von ihm.Harry Aveling: The Laughing Swamis: Australian Sannyasin Disciples of Swami Satyananda Saraswati and Osho Rajneesh, Motilal Banarsidass. Motilal Banarsidass, ISBN 978-81-208-1118-8, S. 60

Bihar School of Yoga Im Jahr 1956 entsendete Sivananda Satyananda, um die Lehren des Integralen Yogas zu verbreiten. Satyananda machte Munger in Bihar zu seiner Basis, zu der er immer wieder zurückkehrte und wanderte für die nächsten sieben Jahre als Bettelmönch durch Indien, Afghanistan, Nepal, Burma und Ceylon. Bei mehreren Gelegenheiten erklärte er aber auch, er reiste hauptsächlich durch IndienSwami Satyananda Saraswati: Yoga From Shore To Shore. Bihar School of Yoga, Munger, Bihar 1974, S. 10,72. In dieser Phase seines Lebens weitete er sein Wissen über spirituelle Übungen aus und verbrachte immer wieder Zeit in Abgeschiedenheit und Isolation, um sich seinem eigenen Sadhana zu widmen.Harry Aveling: The Laughing Swamis: Australian Sannyasin Disciples of Swami Satyananda Saraswati and Osho Rajneesh, Motilal Banarsidass. Motilal Banarsidass, 1994, ISBN 978-81-208-1118-8, S. 60

1962 gründete Satyananda das „International Yoga Fellowship Movement (IYFM)“ in Rajnandgaon.Swami Dharmashakti Saraswati: Mere Aradhya. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2011, ISBN 978-93-81620-06-9, S. 159. Fortan inspirierte IYFM in Indien und auch weltweit, den Aufbau von Ashrams und Yoga Zentren, die Satyananda spirituell begleitete.Harry Aveling: The Laughing Swamis: Australian Sannyasin Disciples of Swami Satyananda Saraswati and Osho Rajneesh, Motilal Banarsidass. Motilal Banarsidass, 1994, ISBN 978-81-208-1118-8, S. 61J. Gordon Melton: Religions of the World: A Comprehensive Encyclopedia of Beliefs and Practices. Martin (eds.), 4 (2nd ed.) 2010, ABC-CLIO, ISBN 978-1-59884-204-3, S. 1483

Im Jahr 1964 gründete er die Bihar School of Yoga (BSY) in Munger,Swami Dharmashakti Saraswati: Mere Aradhya. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2011, ISBN 978-93-81620-06-9, S. 188. mit der Absicht, ein Ausbildungszentrum für zukünftige Yoga Lehrer zu schaffen, an dem Yoga Lehrgänge anboten werden sollten.Harry Aveling: The Laughing Swamis: Australian Sannyasin Disciples of Swami Satyananda Saraswati and Osho Rajneesh, Motilal Banarsidass. Motilal Banarsidass, 1994, ISBN 978-81-208-1118-8, S. 61

Von Beginn weg waren unter den Teilnehmern der Kurse an der BSY Menschen aus Indien und der ganzen Welt.Swami Shankarananda Saraswati: 50 Years of Yoga Chakra. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2018, ISBN 978-93-84753-48-1, S. 3.Swami Niranjanananda Saraswati: History of BSY. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2010, ISBN 978-93-81620-41-0, S. 8–10 Einige dieser Teilnehmer wiederum luden Satyananda ein, in ihren eigenen Ländern zu unterrichten und so begann seine internationale Lehrtätigkeit. Für die nächsten zwanzig Jahre hielt er Vorträge und Unterweisungen und reiste unermüdlich um die Welt, einschließlich einer Tournee durch Europa, Australien, Neuseeland, Japan, Singapur, Nordamerika zwischen April und Oktober 1968. In dieser Zeit begannen auch Teilnehmer seiner Ausbildungen in ihren jeweiligen Heimatländern Zentren aufzubauen um seine Lehre weitergeben zu können.Swami Niranjanananda Saraswati: History of BSY. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2010, ISBN 978-93-81620-41-0, S. 9.

Rikhiapeeth 1988 verließ Satyananda Munger, zog sich von der aktiven Rolle der Leitung seiner Ashrams und seiner Organisation zurück und übergab die Verantwortung seinem spirituellen Nachfolger, Niranjanananda Saraswati.Barbara Pidgeon: Shakti Manifest. Westland, 2014, ISBN 978-93-84030-29-2, S. 15.

Im September 1989 ließ er sich in Rikhia, Deoghar, JharkhandBarbara Pidgeon: Shakti Manifest. Westland, 2014, ISBN 978-93-84030-29-2, S. 60,125. nieder und lebte fortan als Paramahamsa Sannyasin. Er widmete sich vedischer Sadhanas, darunter Panchagni, ein intensives Tapasya, das für Frieden, Fülle und Wohlbefinden für alle durchgeführt wird. Diese Form der Askese findet im Freien inmitten von vier lodernden Feuern (mit der Sonne als fünftes Feuer) statt, von Makar Sankranti (Mitte Januar) bis Karka Sankranti (Mitte Juli). Er schilderte, dass ihm während dem Panchagni Sadhana von höherer (göttlicher) Ebene der Auftrag offenbart wurde: „Kümmere dich um deine Nachbarn, so wie ich mich um dich gekümmert habe“Swami Satyananda Saraswati: Rikhia, The vision of a Sage. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2012, ISBN 978-93-81620-29-8.

In Rikhia führte er das 12-jährige Rajasooya Yajna durch. Es begann 1995 mit dem ersten Sat Chandi Maha Yajna, bei dem die Kosmische Mutter durch eine tantrische Zeremonie angerufen wird. Während dieses Ereignisses gab Satyananda seinen spirituellen und seinen Sannyasa Sankalpa an Swami Niranjanananda weiter.Past, Present and Future: consolidated history of Bihar School of Yoga, Swami Yogakanti, Swami Yogawandana (eds.), 2009, Yoga Publications Trust

Während seiner Zeit in Rikhia entstanden mit seiner Initiative Häuser für die Obdachlosen und gleichzeitig wurde der Rikhiapeeth Ashram aufgebaut.Barbara Pidgeon: Shakti Manifest. Westland, 2014, ISBN 978-93-84030-29-2, S. 56–67. Alle von ihm initiierten Aktivitäten basieren auf den drei Grundprinzipien der Lehren Sivanandas – dienen, lieben und geben. Die Aktivitäten von Sivananda Math, das von Satyananda gegründete Hilfswerk, ermöglichen kostenlose medizinische Versorgung für Menschen in Rikhia und den umliegenden Dörfern und gewährleisten, dass die Grundbedürfnisse der unterprivilegierten Menschen der Region gedeckt werden können. In einem weiteren Schritt wurden Methoden angewendet, um die Dorfbewohner zu unterstützen, ihre eigenen Mittel zum Lebensunterhalt zu entwickeln, mit dem Ziel eine selbsttragende Gesellschaft zu fördern.

Satyanda verstarb im Jahr 2009. Nach Ansicht seiner Anhänger verließ Satyananda bewusst seinen Körper und erlangte um Mitternacht des 5. Dezember Mahasamadhi.Barbara Pidgeon: Shakti Manifest. Westland, 2014, ISBN 978-93-84030-29-2, S. 124–129.

Lehren Das von Satyananda entwickelte Yoga System basiert auf den Yoga Lehren von Sivananda. Es vermittelt einen integralen Ansatz. Anstatt Yoga auf eine Übungspraxis oder Philosophie zu reduzieren, vermittelte er Yoga als ganzheitlichen Lebensstil, welcher die Lebensqualität, einschließlich der täglichen Aktivitäten, Interaktionen, Gedanken und Emotionen verbessern soll.Swami Niranjanananda Saraswati: Raja Yoga for Everyone. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2019, ISBN 978-81-938918-7-2, S. 17.

Dieses integrale System kombiniert die sechs Hauptwege des Yoga. Hatha Yoga, Raja Yoga und Kriya Yoga werden als die äußeren Yoga Wege bezeichnet, da sie sich auf die Verbesserung der Qualität von Körper und Geist, des Ausdrucks der Sinne und des Verhaltens konzentrieren. Sie zielen auf das Auflösen von Konditionierungen und die Feinabstimmung der verschiedenen Aspekte der Persönlichkeit ab. Karma Yoga, Bhakti Yoga und Jnana Yoga werden als die inneren Yoga Wege bezeichnet, da sie sich mit der Kultivierung einer positiven Einstellung zum Leben und mit dem kreativen Lebensausdruck befassen. Auf der Grundlage von Erfahrung, Verständnis und Sadhana (anhaltende und regelmäßige Praxis) kann der Übende eine positive Lebenseinstellung und Wahrnehmung entwickeln, wodurch sich die positiven, inneren Qualitäten auszudrücken beginnen.

Auf diese Weise spricht das Satyananda Yoga System die Qualitäten von Kopf, Herz und Händen – Intellekt, Emotion und Handlung – an und versucht, die physischen, mentalen, emotionalen und spirituellen Dimensionen des Yoga in jede Übung zu integrieren.

Hatha Yoga Die zeitgenössische Entwicklung im Yoga hat Hatha Yoga als den populärsten Yoga Weg hervorgebracht. Das eigentliche Ziel, wie es ursprünglich von Yogis angestrebt wurde, wird jedoch oft vernachlässigt. Hatha Yoga wird im Allgemeinen auf das Üben von Körperhaltungen für die körperliche Fitness reduziert.Swami Niranjanananda Saraswati: Hatha Yoga for Everyone. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2019, ISBN 978-81-938918-8-9, S. 23.Swami Niranjanananda Saraswati: Yoga Chakra 1. Yoga Publications Trust, Munger, Bihar 2015, ISBN 978-93-84753-20-7, S. 104.