HMS Torbay (Kennung: N79)Torbay ist eine Gebietskörperschaft in Südwestengland. war ein U-Boot der britischen Royal Navy. Das Kriegsschiff wurde im Zweiten Weltkrieg eingesetzt und gehört zu den erfolgreichsten U-Booten der Royal Navy. Auf Befehl seines Kommandanten Anthony Miers (1906–1985), der für seine Erfolge das Victoria-Kreuz erhielt, wurden von seiner Besatzung in zwei Ereignissen 1941 schwimmende Schiffbrüchige von zuvor versenkten deutschen Schiffen im Wasser erschossen,John B. Hattendorf: Maritime Conflict. In: Michael Howard, George J. Andreopoulos, Mark R. Shulman, Michael Eliot Howard (Hrsg.): The Laws of War: Constraints on Warfare in the Western World. Yele University Press, New Haven 1994, S. 98–115, hier 113.James D. Morrow: Order within Anarchy: The Laws of War as an International Institution. Cambridge University Press, Cambridge 2014, S. 263. was von der Wehrmacht-Untersuchungsstelle auf Grund von Aussagen Überlebender als Kriegsverbrechen der Alliierten registriert wurde.Alfred de Zayas: The Wehrmacht War Crimes Bureau, 1939-1945. University of Nebraska Press, Lincoln (Nebraska) 1989. S. 254–257.
Einsatzgeschichte Eiserner Ring um Brest Der erste Einsatz des am 14. Januar 1941 in Dienst gestellten U-Bootes führte im März 1941 in die Biskaya, wo die beiden von dem Unternehmen Berlin zurücklaufenden deutschen Schlachtschiffe Scharnhorst und Gneisenau abgefangen werden sollten. Die deutschen Großkampfschiffe konnten aber den britischen Belagerungsring unbeschadet durchbrechen. Nach der erfolglosen Operation wurde das U-Boot nach Gibraltar beordert.
Nach weiteren Patrouillen im Mittelmeer traf die Torbay am 13. Mai 1941 in Alexandria ein, wo sie der Ersten U-Boot-Flottille zugeteilt wurde.
Erster Einsatz vor den Dardanellen Am 28. Mai 1941 verließ das U-Boot die ägyptische Hafenstadt. Der Einsatz führte vor die Dardanellen. Durch dieses Gewässer verliefen die strategischen Versorgungslinien der Achsenmächte von den rumänischen Ölhäfen am Schwarzen Meer nach Südeuropa und Nordafrika.
Am 1. Juni 1941 versenkte die Torbay in der Ägäis eine griechische, unter deutscher Kontrolle stehende, Kaik mit dem Deckgeschütz und erreichte damit ihren ersten Kampferfolg. Das kleine Motorsegelschiff explodierte nach dem fünften Schuss, was vermuten lässt, dass es mit Sprengstoff oder Munition beladen war. Zwei Tage später wurde eine weitere Kaik versenkt.
Danach fuhr das U-Boot in den befohlenen Sektor vor den Dardanellen. Der Einsatz stellte sehr hohe technische Ansprüche. Die wechselnden Strömungen erforderten hohes navigatorisches Geschick. Viel problematischer waren die in diesem Seegebiet vorkommenden Wasserschichten mit unterschiedlicher Salinität und Temperatur, die beim Ab- und Auftauchen das Austarieren der Ballasttanks erschwerten, weshalb Kommandant Anthony Miers nie tiefer als 25 m abtauchen ließ. Außerdem war Miers der Ansicht, dass der Druckkörper von U-Booten einer Wasserbombe in geringeren Tiefen, also bei niedrigerem Wasserdruck, besser widerstehen könnte als in größeren Tiefen, da der Außendruck im Falle eines Angriffes die Summe aus dem hydrostatischen Druck und der Detonationswelle des Sprengkörpers darstellt. Ein weiterer Vorteil aus Miers’ Sicht war, dass man natürlich wesentlich schneller wieder auf Periskoptiefe gehen und den Angriff fortsetzen oder sogar einen Gegenangriff beginnen kann. Miers’ eigenwillige Taktik war letztlich erfolgreich, denn die unterschiedlichen Wasserschichten brachen und reflektierten den Schall, wodurch die akustischen Ortungsgeräte der italienischen und deutschen U-Jäger auch flach tauchende U-Boote nur sehr ungenau auffassen konnten.
Die Torbay musste in der dicht befahrenen Wasserstraße viele neutrale Schiffe passieren lassen, bis sie am 6. Juni den vichy-französischen Tanker Alberta sichtete und mit Torpedos schwer beschädigte. Das manövrierunfähige und von der Besatzung verlassene Schiff wurde in der folgenden Nacht geentert, konnte aber nicht versenkt werden. Am Morgen des 10. Juni wurde derselbe Tanker, diesmal im Schlepptau eines Rettungsfahrzeuges, wiederentdeckt und erneut mit Torpedos und Granaten angegriffen. Das britische U-Boot brach aber den Angriff ab, weil es einem italienischen Zerstörer ausweichen musste. Am selben Vormittag wurde ein kleinerer italienischer Geleitzug mehrfach angegriffen. Der Tanker Giuseppina Ghirardi wurde versenkt. Die britischen Codeknacker im Bletchley Park hatten kurz zuvor den Schlüssel der italienischen Marine gebrochen, was möglicherweise einer der Gründe dafür war, dass Kommandant Miers über den Kurs des Konvois informiert war. Nach dem erfolgreichen Angriff ließ Miers die Heimfahrt antreten, während der eine weitere Kaik und ein Schoner versenkt wurden.
Krieg gegen Kaiks Die nächste Feindfahrt im Mittelmeer begann am 27. Juni 1941 und führte erneut in die Ägäis. An Bord befanden sich zwei Kommandosoldaten der kurz zuvor neugebildeten „Special Boat Section“. Am 2. Juli entdeckte die Torbay einen kleinen italienischen Konvoi und versenkte einen Frachter. Zwei Tage später wurden eine Kaik und ein Schoner mit Bordartillerie versenkt. Beide Segelschiffe fuhren unter deutscher Flagge und waren mit Truppen beladen. Nach dem Artillerieangriff ließ Kommandant Miers mit den beiden Lewis-Maschinengewehren auf die im Wasser treibenden Überlebenden schießen, bis er sicher war, dass niemand mehr lebt. Kommandant Miers notierte im Logbuch: „Alles und jeder wurde durch die eine oder Art von Geschützfeuer vernichtet.“Peter Padfield: "Der U-Boot-Krieg 1939–1945", S. 201Kriegsverbrechen gegen Schiffbrüchige bei www.wlb-stuttgart.de
Innerhalb der vier folgenden Tage wurden ein italienisches U-Boot und ein weiterer Schoner versenkt. In den frühen Morgenstunden des 9. Juli 1941 entdeckte das U-Boot nördlich von Andikythira im hellen Mondlicht eine kleine, auf nördlichem Kurs fahrende Schiffsgruppe. Der Konvoi bestand aus vier Kaiks und einem Schoner. Die unbewaffneten Motorsegler waren mit Benzin, Munition und Lebensmitteln beladen. Außerdem befanden sich deutsche Gebirgsjäger, die auf dem Heimweg in den Fronturlaub waren, an Bord. Die Torbay tauchte auf und versenkte mit dem Deckgeschütz in kürzester Zeit eine Kaik, wobei deren gesamte Besatzung getötet wurde. Als das U-Boot sich dem nächsten Segelschiff zuwandte, sprang dessen Kapitän Fritz Ehlebracht (1919–2012)Name und Identität mit Geburts- und Todesdatum gemäß zwei Traueranzeigen für Fritz Ehlebracht im Mindener Tageblatt vom 11. und 12. April 2012.Fritz Ehlebracht: Eine deutsche Odyssee: deutsche Marinesoldaten im Ägäischen Meer. Eigenverlag, 1995. mit einem Teil der Besatzung von Bord, während der Rest die Hände hob und rief: „Kapitän ist ein Grieche! Wir ergeben uns!“ Da inzwischen die Munition zur Neige ging, ließ Kommandant Miers das Segelschiff entern. Das Enterkommando wurde von Corporal George Bremner, einem der beiden Kommando-Soldaten, angeführt. Bremner erschoss einen Deutschen, der versuchte eine Handgranate zu werfen. Ein weiterer deutscher Soldat wurde getötet, als er sein Gewehr hob. Bremner entwaffnete sieben Überlebende und nahm sie gefangen. Als er versuchte, sie zum U-Boot zu führen, fuhr Kommandant Miers ihn wütend an: „U-Boote machen niemals Gefangene!“ Infolge der Aussage des Kommandanten versuchte Bremner ein Rettungsfloß für die Kriegsgefangenen zu finden. Da er auf Deck keines fand, setzte er seine Suche unter Deck fort. Als Bremner wieder an Deck erschien, waren die Gefangenen verschwunden. Auf seine Nachfrage wurde ihm berichtet, dass sie im Wasser erschossen worden seien. Da die weiteren Aussagen der Zeugen und Beteiligten einander widersprechen, ist der weitere Verlauf der Ereignisse nicht restlos geklärt. Der in Sichtweite im Wasser treibende deutsche Kapitän Ehlebracht berichtete später, dass die Männer in ein Schlauchboot gestiegen und danach beschossen worden seien, wobei zwei getötet und drei weitere schwer verwundet worden seien. Laut der Aussage weiterer Besatzungsmitglieder der Torbay wurden die Männer über Bord gestoßen. Miers hätte befohlen, sie anschließend zu erschießen. Zwei britische Soldaten hätten den Befehl verweigert. Der Kommandant hätte seinen Tötungsbefehl erst durchsetzen können, als er einem weiteren britischen Matrosen mit der sofortigen Erschießung drohte. Laut Ehlebrachts Aussage umkreiste das U-Boot die im Wasser Treibenden zweimal, wobei sie mit einem Maschinengewehr beschossen worden seien, ließ dann aber von den Schiffbrüchigen ab, um die anderen Transportschiffe zu verfolgen. Ehlebracht und weitere deutsche Überlebende konnten sich an schwimmenden Trümmerteilen festhalten und wurden später gerettet.Peter Padfield: Der U-Boot-Krieg 1939–1945, S. 202–203 Nach diesen Vorgängen versenkte die Torbay noch zwei weitere Motorsegler des Konvois. Ein Transportschiff konnte entkommen. Nach der Versenkung eines italienischen Tankers kehrte das U-Boot zurück nach Ägypten.
Miers sah sich im Recht und hatte keinerlei Veranlassung, die Tötung der Kriegsgefangenen zu vertuschen, weshalb er im Logbuch notierte: „U-Boot losgemacht und mit dem Lewis-Maschinengewehr auf die Soldaten im Schlauchboot geschossen, um zu verhindern, dass sie ihr Schiff halten.“ Der Oberbefehlshaber der britischen Mittelmeerflotte Admiral Cunningham bemerkte: „Eine ausgezeichnet durchgeführte Patrouille. Lieutenant Commander Miers ist ein hervorragender kommandierender Offizier.“ Vorerst schien sich niemand an den Verstößen gegen die Haager Konvention und der in der britischen Marine seit Horatio Nelson traditionellen „Großzügigkeit im Sieg“ zu stören. Admiral Horten in London ignorierte die Vergehen nicht und äußerte: „Soweit ich weiß, hat der Feind bisher für gewöhnlich nicht auf im Wasser oder auf Rettungsflößen befindliche Personen geschossen, selbst wenn diese den Streitkräften angehörten. Nach den im Bericht der Torbay erwähnten Ereignissen könnte er sich dazu berechtigt fühlen.“ Horten war im Ersten Weltkrieg einer der erfahrensten und erfolgreichsten britischen U-Boot-Kommandanten. Infolge Hortens Einspruches befahl die Admiralität Miers, in Zukunft von derlei Aktionen abzusehen.Peter Padfield: Der U-Boot-Krieg 1939–1945, S. 204–206
Operation Flipper Am 10. November 1941 verließ die Torbay gemeinsam mit ihrem Schwesterboot Talisman Alexandria. An Bord der beiden U-Boote befanden sich 59 Kommandos. Ziel des als Operation Flipper bezeichneten Spezialunternehmens war es, den Oberbefehlshaber des Deutschen Afrikakorps, General Erwin Rommel, gefangen zu nehmen. Das Geheimunternehmen diente der direkten Vorbereitung der als Operation Crusader bezeichneten britischen Gegenoffensive im November / Dezember 1941. Der Kommandotrupp wurde an der Küste der Kyrenaika abgesetzt. Der verlustreiche Angriff in der Nacht vom 17./18. November 1941 auf das vermeintliche feindliche Hauptquartier in Beda Littoria schlug fehl. Aufgrund eines Sturmes erreichten die Kommandosoldaten die U-Boote nicht wieder und gingen großteils in deutsche Gefangenschaft. Lediglich zwei Männer konnten sich durch die Wüste zu den britischen Linien durchschlagen.Janusz Piekałkiewicz: Der Zweite Weltkrieg, Komet, Köln, ISBN 978-3-89836-472-0, S. 417
Weiterer Einsatz im Mittelmeer Bis zum Sommer 1942 operierte das Boot im Mittelmeer und erreichte weitere Versenkungen von Transportschiffen der Achse. Im März 1942 folgte Miers einem feindlichen Konvoi bis in einen Hafen von Korfu und versenkte mehrere Schiffe. Für diese Operation erhielt Kommandant Miers das Victoria-Kreuz. (englisch) Im Sommer fuhr die Torbay zur Überholung nach Großbritannien. Im Februar 1943 kehrte das U-Boot unter dem neuen Kommandanten Clutterbuck in das mediterrane Kriegsgebiet zurück, wo es bis Anfang 1944 eingesetzt wurde und weitere Versenkungen erreichen konnte.
Asiatischer Kriegsschauplatz