Die Automatenmarke (Abkürzung ATM) wurde 1981 in Deutschland von der Deutschen Bundespost eingeführt. Das Postwertzeichen – amtliche Bezeichnung Automaten-Postwertzeichen (APWz)Amtsblatt der DBP vom 13. Oktober 1980Deutsche Post AG, Niederlassung Philatelie, Schreiben vom 15. März 1999 – wird über einen Briefmarkenautomaten verkauft. Der Werteindruck erfolgt auf einem Briefmarken-Blankovordruck erst beim Verkauf an den Postkunden. Die dafür notwendigen Briefmarkenautomaten wurden Anfang der 2020er Jahre sukzessive abgebaut und spätestens nach dem 31. Dezember 2024 komplett vom Netz genommen und wurden abgebaut. Als Alternative stehen, bisher noch vereinzelt (Stand: Dezember 2024), Poststationen zur Verfügung.
Einschließlich der Berliner Automatenmarke sind insgesamt zehn verschiedene Briefmarkenmotive erschienen. Das Motiv mit den drei Posthörnern „Emblem Deutsche Post“ wird doppelt gezählt, da es das sowohl in Pfennig als auch nach der Euro-Bargeldeinführung in Euro gab. Auf Automatenmarken spezialisierte Philatelisten können sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft Rollenmarken-Markenheftchen-Automatenmarken (RSV) im Bund Deutscher Philatelisten organisieren.
Geschichte Notwendigkeit der Einführung Zur Förderung der Postautomation benötigte die Bundespost eine Briefmarke, die im Schalterbetrieb und im Selbstbedienungsbereich individuell gleichermaßen fälschungssicher und kostengünstig produziert werden konnte. Sie plante daher Ende der 1970er Jahre die Einführung von „Automaten-Postwertzeichen“ (APWz). Diese sollten vor allem verschiedene Portowerte liefernPhilatelie und Postgeschichte, Nr. 116/1991, S. 29 um nicht für jede mögliche Sendungsart und -form eine eigene Briefmarke notwendig zu machen, was zu einer Reduzierung der Kosten (vor allem Personalkosten) beitragen sollte. Zugleich sollten damit Portoanpassungen, bei denen es bisher immer zu der aufwändigen Problematik gekommen war, stichtagsbezogen ganze Markenbestände auszutauschen und zeitgleich passende „Ergänzungswerte“ zu den bisherigen Portostufen anbieten zu müssen, leichter und billiger umsetzbar werden. Ebenfalls sollten die Verkaufsautomaten, welche nur wenige Wertstufen oder Markenheftchen abgeben konnten und meist nur eine oder wenige Münzsorten akzeptierten, ausgemustert und durch neue ersetzt werden.
Testphase Das Posttechnische Zentralamt (PTZ) in Darmstadt testete ab 1979 verschiedene Formate, die für eine Automatenmarke infrage kamen. Das Format ähnelte den heutigen Marken und unterschied sich nur in der Anzahl von Transportlöchern (von null bis zwei) am oberen und unteren Rand. Das Bundespostministerium erteilte den Auftrag für die Herstellung von fünf Entwürfen von wertbedruckten Postwertzeichen, die in zwei farblich verschiedenen Ausführungen existieren. Der vierte Entwurf, bei dem die Beschriftung in grüner Farbe gehalten war, wurde ausgewählt und 1981 als erste deutsche Automatenmarke eingeführt.
Einführung Nach Frankreich (1969), der Schweiz (1976), Norwegen (1978) und Brasilien (1979) führte die Deutsche Bundespost in Deutschland als fünfte Postverwaltung am 2. Januar 1981Amtsblatt der DBP vom 13. Oktober 1980, Verfügung 818/1980 die Automatenmarke ein. Bei der Bundespost waren die Automatenmarken vorab über die Versandstelle für Briefmarken erhältlich, aber erst ab Freitag, den 2. Januar 1981 gültig. Drei Tage später, am 5. Januar 1981, wurde im Postamt Darmstadt 11 der erste Automat in Betrieb genommen.Michel-Deutschland-Spezial 2004, S. 1128 Im Laufe des Monats Januar erfolgte in den Städten Cuxhaven, Lübeck, Köln, Bonn, Frankfurt am Main, München, Starnberg und Berchtesgaden die Inbetriebnahmen von insgesamt weiteren 16 Münzwertzeichendruckern.Philatelie und Postgeschichte, Nr. 116/1991, S. 31
Regelbetrieb Ab dem 1. Februar 1987 wurden die Automaten-Postwertzeichen der Ausgabe Deutsche Bundespost in das Regel-Dienstleistungsangebot der Versandstelle für Postwertzeichen aufgenommen.Amtsblatt-Nr. 8, Verfügung 47 vom 19. Januar 1987; S. 182
In West-Berlin gab es von der Deutschen Bundespost Berlin ab dem 4. Mai 1987 eine eigene Automatenmarke mit dem Motiv Schloss Charlottenburg.Amtsblatt der DBP, Nr. 20 vom 16. Februar 1987, Verfügung 128/1987 Diese Marke war bis zum 31. Dezember 1991 frankaturgültig.Amtsblatt der DBP, Nr. 96 vom 20. Dezember 1990 mit Verfügung P 499/1990 In der Deutschen Demokratischen Republik gab es keine eigenständige Automatenmarke, mit der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion am 1. Juli 1990 zwischen der Bundesrepublik und der DDR wurden die beiden Automatenmarken (Bund 1 und Berlin 1) in der DDR gültig.Philatelie und Postgeschichte, Nr. 116/1991, S. 39
Alle auf Pfennig lautenden Automatenmarken der Deutschen Bundespost und später der Deutschen Post AG mit der Bezeichnung Deutschland waren bis zum 30. Juni 2002 gültig. Zur Euro-Bargeldeinführung am 1. Januar 2002 wurden die Automatenmarken auf Euro umgestellt.
Am 24. Oktober 2008 wurden auf der Briefmarkenbörse in Sindelfingen zwei neue Automatenmarkenmotive offiziell präsentiert. auf rund-um-briefmarken.de Erstmals wurde für eine deutsche Automatenmarke das Offset-Druckverfahren eingesetzt, das eine gestochen scharfe Bildqualität der abgebildeten Motive ermöglicht. Die beiden Marken zeigen das Brandenburger Tor in Berlin und den Post Tower in Bonn. Beide Motive sind abwechselnd auf der Automatenmarkenrolle gedruckt. Mit dem Wechsel auf diese Marken erfolgte auch eine Umstellung des Wertstempels (Wertaufdruck) vom oberen zum unteren Rand. Auf das €-Zeichen wurde verzichtet.„Philatelie Aktuell“, das Informationsblatt der Deutschen Post PHILATELIE, , PDF-Datei 1,6 MB.
Am 16. Dezember 2016 wurden zwei neue Automatenmarkenmotive von der Deutschen Post präsentiert. Die beiden Marken zeigen das Motive zu den Themen „Briefe schreiben“ und „Briefe empfangen“. Beide Motive sind abwechselnd auf der Automatenmarkenrolle gedruckt.
Die fortschreitende Entwicklung der Drucker- und Computertechnik hat heute zu einer völligen Verdrängung der Automatenmarken vom Schalter geführt. Gleichzeitig könnte auch die Privatisierung der Bundespost und die Verringerung der Postfilialen verantwortlich für den Rückgang von Schalterautomaten sein, da diese nur dafür genutzt werden können. Soweit ein Brief direkt am Schalter aufgegeben und bezahlt wird, kommt es heute wieder zu einer Freimachung mit Postwertzeichen bzw. einer Art Stampit sowie bei besonderen Versandformen wie etwa Einschreiben zu einem Aufdruck des (ergänzend) bezahlten Entgeltes auf den Aufkleber, der auch die Daten der besonderen Versandform beinhaltet.
Die letzten Marken konnten am 31. Dezember 2024 gekauft werden. Da zum 1. Januar 2025 das Briefporto gestiegen ist und ein notwendiges Softwareupdate mit den neuen Preisverzeichnis nicht aufgespielt wurde, wurden alle restlichen Automaten außer Betrieb genommen. Vorhandene Marken in Euro-Währung können weiterhin verwendet werden.
Herstellung Wertzeichenpapier Alle bisherigen Automatenmarken wurden in der Bundesdruckerei im Format 43,0 mm × 25,5 mm mit einer nassklebenden Gummierung hergestellt. Die Ausgaben von 1981 bis 2002 (Bund 1 bis 5 sowie Berlin 1)Michel-Katalog Deutschland-Spezial 2004, S. 1128–1131 wurden im Rastertiefdruckverfahren auf fluoreszierendes Sicherheitspapier gedruckt, die Marken von 2008 (Bund 6 und 7)„Philatelie Aktuell“, das Informationsblatt der Deutschen Post PHILATELIE, , PDF-Datei 1,6 MB. im Rollenoffset-Verfahren. Für die Automatenrolle wird, wie bei den Rollenmarken, jede fünfte Blankomarke auf der Rückseite mit einer Zählnummer von 5 bzw. 0005 bis 2000 durchnummeriert.
Wertzeichendrucker mini|hochkant|links|Briefmarkenautomat von Nagler für die Deutsche Bundespost. Währung: DM mini|hochkant|Briefmarkenautomat von Sielaff für die Deutsche Post AG. Währung: Euro Es gibt zwei verschiedene Gruppen von Wertzeichendruckern, in denen die Blankomarken bedruckt werden. Die bekanntesten und häufigsten sind die Briefmarkenautomaten, an denen der Postkunde selbst die Briefmarke kaufen kann. Die andere Gruppe sind die Schalter-Terminal-Systeme, die in Postämtern oder beim Versandservice für Briefmarken der Post benutzt werden, um auch höhere Werte ausdrucken zu können.
Der erste Hersteller der Wertzeichendrucker war Klüssendorf aus Berlin, ab 1992 kamen Automaten von Nagler hinzu. Bei der ersten Automatenmarke erfolgte der Werteindruck von Typen über Farbband. Bei der zweiten Automatenmarke gab es ab dem 14. September 1993 zusätzlich Nadeldrucker, die Farbe stammt ebenfalls vom Band. Beide Hersteller stellten bis 2002 unterschiedliche Typen von Wertzeichendruckern her. Darunter auch Automaten für die getestete automatische Briefannahme oder die Briefstation, in Zusammenarbeit mit anderen Herstellern (IBM, Siemens Nixdorf, Olivetti, Mettler Toledo Hectronic Kienzle, Samkyung und Telefrank).
Die Euro-Bargeldeinführung nutzte die Deutsche Post für die Ausschreibung eines neuen Automatendruckers. Die neuen Selbstbedienungsgeräte sollten über einen Onlinezugriff für das Servicepersonal der Post verfügen, um herauszufinden, ob die Markenrolle gewechselt werden muss, der Geldschacht überläuft, oder ob es Störungen gibt.Werner Rittmeier: Neue Automatenmarkendrucker der Deutschen Post – Sielaff-Geräte ab Ende Mai im bayerischen Pilotbetrieb im Ersteinsatz. In: Deutsche Briefmarken-Zeitung / Sammler-Express Heft 11/2001, S. 31 Des Weiteren sollten alle Automaten, neben Deutsch mehrsprachig (englisch, französisch, griechisch, italienisch, kroatisch, türkisch und polnisch) ausgelegt sein.Herbert Schumacher: Start für Automatenmarkenpostwertzeichen des Typs Sielaff am Vorabend der NAPOSTA 01. In philatelie Heft 292, Juli/August 2001, S. 29 Im Mai 2001 begann die Post mit der sukzessiven Einführung der Automaten des Herstellers Sielaff. Die mit Münzen – zwischenzeitlich konnte auch mit der Geldkarte bezahlt werden – funktionierenden Automaten von Sielaff enthalten zwei Briefmarkenrollen mit jeweils 2000 Blankomarken sowie eine Quittungsrolle (Thermopapier). Jede fünfte Marke hat auf der Rückseite eine aufgedruckte Zahl (2000 bis 0005) in absteigender Reihenfolge. Die Marken werden im Automaten mit der gewünschten Wertstufe bedruckt, von der Rolle geschnitten und anschließend ausgegeben. Die ersten Automaten wurden am 23. Mai 2001 in Regensburg in Betrieb genommen.Pressemitteilung der Deutschen Post AG vom 18. Mai 2001Werner Rittmeier: Sielaff-ATM: Allererster Start am 23. Mai. In: Deutsche Briefmarken-Zeitung, Sammler-Express Heft 12/2001, S. 53
Die Automatenmarken mit den rückseitigen Nummern 2000 und 0005 zählen zu den seltensten Exemplaren und sind unter Philatelisten begehrte Exemplare. Die 2000 wird vom Servicetechniker mit einem Drucktest versehen und die 0005 verbleibt im Automaten, da der Transport innerhalb des Automaten nicht mehr möglich ist, bzw. die Rolle vorher getauscht wurde.Herbert Schumacher: Start für Automatenpostwertzeichen des Typs Sielaff am Vorabend der NAPOSTA ’01. In: philatelie. Heft-Nr. 292, Juli/August 2001, S. 29–31
Die ersten Automaten stellten den Verkauf beim Erreichen einer bestimmten Nummer (niedriger zweistelliger Bereich) selbstständig ein. Ein Trick, dem Automaten die begehrten Briefmarken zu entlocken, bestand darin, die Rolle bis zu einem bestimmten Exemplar (z. B. Nummer 0015) aufzukaufen und anschließend die »zehn mal 10 Pfennig«-Auswahl zu betätigen. Das ist heute nicht mehr möglich, da die Markenrolle mit Klebeband an der Transportrolle befestigt ist und bei entsprechender Auswahl abreißen würde.
Wertstufen Deutsche Mark mini|Beispiel für einen Wertbrief mit einer Frankatur zu 100 DM (5 + 9.995 = 10.000 Pfennig). Möglich, wenn es ein ‚Wertbrief zu 28.500 DM mit Eilzustellung‘ ist, der zwischen dem 1. April 1993 und 31. August 1994 verschickt wurde.