mini|hochkant|Stammwappen derer von Bernewitz mini|hochkant|Freiherrenwappen derer von Bernewitz (1867) Bernewitz (auch: von Bernewitz, Freiherren von Bernewitz) ist eine deutsche und kurländische Adelsfamilie. Mitunter wird die Familie als Literatenfamilie bezeichnet, die meisten Familienmitglieder waren allerdings Pastoren, Lehrer und Militärs. Einigen wurde das Goldene Prediger-Brustkreuz verliehen.
Herkunfts- und Verwandtschaftslegenden
Laut Auskunft verschiedener Historiker vor dem 19. Jahrhundert sollen die Herren von Bernewitz Stammväter der Herren von Berlepsch bzw. zumindest mit ihnen verwandt sein. Auch die Herren von Barnewitz sollen demnach mit den Herren von Bernewitz verwandt sein. Gar das Gothaisch Genealogische Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser legte außerdem das angebliche Stammhaus derer von Bernewitz in „Barnewitz bei Nauen“ dar. Die Freiherren Heinrich und Dietrich aus der Familie Bernewitz seien um 1070 von Mähren nach Hessen gezogen. Gewöhnlich wurden diese angeblichen Stammväter der Herren von Berlepsch in Veröffentlichungen aus vergleichbarer Zeit als Heinrich und Dietrich von Bernewitzko bezeichnet. Die Herren von Bernewitz sollen „zu den ältesten Geschlechtern der Mark Brandenburg“ und „unstreitig zu dem reichsfreien Uradel“ gehören. In Brandenburg sollen die Herren von Bernewitz „zu den angesehensten Geschlechtern des Landes“ und in Mähren „zu den mächtigsten Dynasten-Geschlechtern des Landes“ gezählt haben.
In der Tat ist das Freiherrliche, gevierte Wappen der Familien Bernewitz und Berlepsch zur Hälfte gleich blasoniert. Die Stammwappen der Herren von Bernewitz und derer von Barnewitz sind so gut wie identisch.
Dem Gothaisch Genealogischen Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser zufolge also seien die Herren von Barnewitz eine Linie der Herren von Bernewitz gewesen, das gelte auch für Burnewitz und Bornewitz. Die Stammreihe beginne bei Ortholf („Ortolfus de Burnewitz“), der im Jahr 1209 urkundlich als Zeuge bei Bischof Bruno von Meißen belegt sei. Verschiedene Linien seien überliefert: „die älteste“ erlosch im Jahr 1571 mit Henning auf Segefeld, Groß- und Klein-Glienicke und Dalgow 1626 erlosch die Linie Langen-Flatow eine dänische Linie erlosch mit Graf Joachim von Bernewitz, königlich dänischer Oberhofmeister bzw. mit dessen Schwester Oelgard († 1729), die einen von Bülow geheiratet habe. (vergleiche die Stammlinien der Herren von Barnewitz) ein noch blühender Stamm, das Haus Groß-Ziethen-Netzeband, bestehend aus den Herren von Bernewitz. Auch Neuendorf war im Besitz der Familie von Bernewitz. Das Stammhaus Barnewitz, wo um 1375 die Kinder des Ritters Boldewin von Bernewitz noch „Hufen und Hebungen“ besessen hätten, sei „in früher Zeit“ aus dem Besitz der Familie gekommen.
Besitztümer in Mecklenburg seien darüber hinaus Ketzow, Natzow, Netzeband und Gützlau gewesen, in Dänemark Rubiergard und Laaland, des Weiteren jeweils teilweise Fritsholm und Falster.
Geschichte Zu den Legenden zur Herkunft derer von Bernewitz in Mähren bzw. zu einer Verwandtschaft mit den Herren von Berlepsch und den Herren von Barnewitz schweigen die neueren Adelslexika (Genealogisches Handbuch des Adels, Gothaisch Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser), abgesehen vom bereits erwähnten Jahrgang. Im 16. Band des Genealogischen Handbuchs des Adels wird immerhin auf das gemeinsame Stammwappen mit den Herren von Barnewitz hingewiesen. Auch Wolfgang Bernewitz weist in den Baltischen Ahnen- und Stammtafeln auf die sichtlich übereinstimmenden Wappen der geographisch auch nicht weit voneinander entfernten Herren von Bernewitz und Barnewitz hin, kann aber eine Verwandtschaft nicht nachweisen oder nachvollziehen. Die Herren von Berlepsch erwähnt er gar nicht.
Das Adelsgeschlecht Bernewitz wird eindeutig als ein aus der Mark Brandenburg bzw. aus dem Kurland stammendes Adelsgeschlecht beschrieben, dessen Stammreihe bei Paul von Bernewitz beginnt.
Im Stadtbuch von Goldingen steht er als Paull Beltzike (1579), Paull von Beltzik (1580), in einigen Einträgen als Paull oder Pavell von Beltz oder Beltzigk. Auf einigen Ratsakten unterschrieb er mit Paull von Beltz, in den Jahren 1584 und 1599 wurde er Pavell Bernewitz von Beltz bzw. Paul Bernewitz von Belzik genannt. Nach seinem Tod im Jahr 1606 ist er meistens als Paul Bernewitz belegt. Er war Bürgermeister von Goldingen und stammte anzunehmenderweise aus Belzig. Wolfgang von Bernewitz, der Autor einer ausführlichen Genealogie der Herren von Bernewitz konnte keine Verwandtschaft zur Familie Barnewitz nachweisen, bemerkte aber ebenfalls das gleiche Wappen.
Außerdem erwähnte er einen nicht von den bekannten (kurländischen) Herren von Bernewitz abstammenden Abraham Bernewitz (begraben am 15. Oktober 1641). Er soll Sohn eines Matthäus Bernewitz gewesen sein, aus „dem seit der Mitte des 12. Jahrhunderts in der Mark Brandenburg (Havelland) ansässigen Lehnsherrngeschlecht der Bernewitz oder Barnewitz“ stammen. Die Annahme liege nahe, dass Abrahams Einwanderung ins Kurland mit einer verwandtschaftlichen Beziehung zu Johann Bernewitz (1596–1648) zu tun hatte. Abraham studierte um das Jahr 1610 in Wittenberg, Johann um 1617. Johann war Hofprediger der Herzogin, Abraham ging in die gleichen herzoglichen Dienste.
Die Bernewitz in Brandenburg waren anfangs einfache Kaufleute bzw. Ratsherren ihrer jeweiligen Stadt. Seit der dritten Generation waren einige Theologie-Studenten, einige übernahmen kirchliche Dienste. Zwischen den Jahren 1624 und 1939 betraf dies 40 bzw. 16 Familienmitglieder in Brandenburg. In Neuenburg gab es zwischen 1806 und 1920 vier Pastoren aus der Familie Bernewitz.
Besonders traten die von Bernewitz darüber hinaus als Literaten hervor, wovon einige Familienmitglieder zeugen.
Die Herren von Bernewitz erhielten die Bestätigung des Rechts zum Tragen des Adelsprädikats von durch den Instrumentierten Extrakt das Freyherrliche Herkommen derer von Bernewitz betreffend, 1736 ausgestellt vom kaiserlichen Notar Johann Gottfried Lange, und die Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels 1867.
Genealogie Paul Bernewitz (* um 1540; † 1606 in Goldingen). 1579: Bürger in Goldingen; 1580: Ratsherr; 1589–1594: Gerichtsvoigt; 1594 oder 1595 bis zu seinem Lebensende: Bürgermeister. ⚭¹: Tochter des Wilhelm Forcke; ⚭²: Dorothea, Tochter des Rotger Vogelsang. Er hatte eine Tochter Anna und aus erster Ehe einen Sohn Hans.Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 8 Hans (* um 1570; † 1636 in Goldingen). 1595: Bürger; 1613: Ratsverwandter; 1634: Gerichtsvogt. Im Jahr 1595 heiratete er Barbara von Dahlen, Tochter einer Haselow genannt Preuß. Er hatte fünf Kinder, darunter: Friedrich († vor 6. Januar 1666); um 1638 Kirchenvorsteher, Gerichtsvogt und Ratsverwandter in Grobin. Lebte dann in Libau. Johann (* 1596 in Goldingen; † 2. Februar 1648 in Grobin), ging in Goldingen zur Schule, besuchte dann im Jahr 1610 das Lyzeum in Riga. Er studierte in Gießen, Wittenberg und Königsberg Theologie. In den Jahren 1626 bis 1628 war er Hofprediger bei der Herzogin Elisabeth Magdalena, danach bis 1639 Pastor im kurländischen Frauenburg. Anschließend war er bis 1648 Pastor und Probst in Grobin. Er heiratete Elisabeth Baudenska und hatte 8 Kinder.Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 8 Darunter entsprossen zwei kinderreiche Linien:
1. Linie Johann (* 1630 in Frauenburg; † 1698 in Mitau), studierte seit 1648 Theologie in Königsberg. 1662–1676 war er Pastor in Schnepeln, anschließend bis 1698 lettischer Frühprediger in Mitau in der St. Annenkirche. Am 20. Oktober 1667 heiratete er die Tochter des Pastoren zu Landsen und Hasau Joachim Fabritius, Anna Elisabeth († 1706), mütterlicherseits abstammend aus der Familie Meyer genannt Rautenfels. Sie hatten zehn Kinder, von denen die jüngsten zwei, Anna Margaretha (getauft am 9. Juni 1689 in Mitau)„2 post trin. 1689“ (zweiter Sonntag nach Trinitatis). Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 10 und Johann Friedrich (getauft am 2. April 1691 in Mitau), nach unbekannter Todesursache am 8. August 1891 in Mitau begraben wurden.Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 9–10 Dorothea Elisabeth (* 1673–1732). ⚭ Eberhard Johann Bienemann, Leutnant († 1732)Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 9 Maria (1676–1745), ⚭ Christoph Melchior, lutherischer Pastor in Eckau Joachim Heinrich (1678–1738), studierte durch ein Stipendium Theologie in Wittenberg, wurde 1722 kurfürstlich sächsischer Landkammerrat in Dresden. Im Jahr 1736 ließ er sich seine Freiherrliche Abstammung durch einen kaiserlichen Notar bestätigen Alexander (1680–1752), studierte im Jahr 1700 durch ein Stipendium Theologie in Wittenberg. 1708: Cornett in einem sächsischen Kavallerieregiment, dann: „Capitain der sächsischen Cavallerie, auch Regimentsquartiermeister von den Ritter-Pferden“. Nannte sich von Bernewitz.Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 10 Wilhelm Christoph (1681–1741), Kaufmann in London. Sophie Barbara (* 1687) ⚭¹ Joachim Kühn, Superintendent Georg Ludwig (1683–1733), Akademiker, dänischer Major Karl Dietrich (getauft am 25. März 1685; † vor 10. Juli 1748), studierte zwischen 1708 und 1713 Theologie in Jena, zwischen 1722 und 1724 war er Hofmeister in Niederbartau, 1731 „Administrator in Essern“, 1733 bis 1735 „Arrendator von Felixberg“ und seit etwa 1738 Kommissionssekretär in herzoglichen Diensten. Er heiratete 1729 in Grösen die Pastorentochter Maria Gotthardine Becker. Sie hatten drei Kinder:Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 10–11 Maria Amalie († 1794), ⚭ Johann Leopold Vierhuff, Pastor in Zelmeneeken und Grösen. Luise („Lowisa“) Charlotte (1740–1758). ⚭ Dietrich Karl Martini, Pastor in Groß-Autz. Karl Gotthard (* um 1730 in Kurland; † 3. September 1781 in Waldheim b. Dresden), ging in Mitau zur Schule und studierte ab 1746 Theologie in Helmstedt, 1747 in Wittenberg, ab 1750 durch ein Stipendium in Jena. 1752 ging er zu seinem Onkel Alexander von Bernewitz nach Pirna. Von diesem erbte er das Lehen zu Liegenau, das er im Jahr 1560 verkaufte. Er war kurfürstlich sächsischer und königlich polnischer Kammerherr und nannte sich „von Bernewitz“. Er heiratete im Jahr 1753 Elisabeth, Tochter des aus Zürich stammenden Bankiers Johann Heinrich von Wolf und der Anna Edelmuthe Sophie, geborene Gabelin. Sie hatten 8 Kinder, von denen teilweise nur Namen und Lebensdaten überliefert wurden. Dazu gehören: Juliane Auguste Magdalene (* 1761). ⚭ Wilhelm August Christoph von Sobbe, preußischer Premierleutnant.Baltische Ahnen- und Stammtafeln 22, S. 12 Wilhelm Gotthard (1764–1805), preußischer Major Zwillingsbruder von August Alexander. Friedrich Wilhelm Johann Heinrich Karl
1. Ast (1. Linie) Friedrich Wilhelm (1768–1812), königlich sächsischer Hauptmann. Er war verheiratet mit Christine Friederike Sophie Klösterlein. Seine Nachkommenschaft ist in den Baltischen Ahnen- und Stammtafeln nicht aufgeführt, aber der Hinweis gegeben, dass er Stammvater einer noch blühenden sächsischen Linie sei, die die Führung des freiherrentitels nicht beanstandete. Sie ist im Genealogischen Handbuch des Adels beschrieben:genealogisches Handbuch des Adels, Jahrgang 16. S. 31–32. Karl Heinrich Gotthard († 1880er Jahre), sächsischer Hauptmann. ⚭ Friederike Flora Kuntze. Eine Tochter und ein Sohn Erwin (* 1844; † 1897 in Schwerin), Pfarrer in Bad Elster; ⚭ Adelheid, Tochter des mecklenburgischen Kammerherrn und Landrats Karl von Oertzen und Bertha Freiin von Berlepsch. Anna (* 1847) Friedrich Alexander (1796–1856), sächsischer Hauptmann. ⚭ Wilhelmine von Brocke Gabriele (* 1827), heiratete in Pohl einen Fabrikbesitzer Marie ⚭ Carl Schilling Elfriede ⚭ Hermann von Czyby Alexander Freiherr von Bernewitz (* 1840). Dr. Jur., Wirklicher Geheimer Rat, Oberverwaltungs-Gerichtspräses. ⚭ Linda Eduarde Siebenhaar, Tochter des Oberappellationsgerichtsrats Eduard Siebenhaar. Von seinen zwei in Annaberg geborenen Töchtern verstarb Helene früh, Elfriede Linda heiratete einen mit dem Namen Degen.