Mannheim (, kurpfälzisch Mannem, auch Monnem ) ist ein Stadtkreis mit Einwohnern () im Regierungsbezirk Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die Universitätsstadt ist nach der Landeshauptstadt Stuttgart die zweitbevölkerungsreichste Stadt des Landes.swr.de: (Vor Karlsruhe mit 308.988 Einwohnern; abgerufen am 10. November 2020) Die ehemalige Residenzstadt (1720–1778) der Kurpfalz mit ihrem stadtprägenden Barockschloss, einer der größten Schlossanlagen der Welt, bildet das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Metropolregion Rhein-Neckar mit rund 2,4 Millionen Einwohnern.
Mannheim liegt unmittelbar im Dreiländereck mit Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen. Von seiner rheinland-pfälzischen Schwesterstadt Ludwigshafen am Rhein, mit der es ein zusammenhängendes Stadtgebiet bildet, ist Mannheim durch den Rhein getrennt.
Erstmals 766 im Lorscher Codex urkundlich erwähnt, erhielt Mannheim 1607 die Stadtprivilegien, nachdem Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz den Grundstein zum Bau der Festung Friedrichsburg gelegt hatte. Das damals für die mit der Festung verbundene Bürgerstadt Mannheim angelegte gitterförmige Straßennetz mit Häuserblöcken statt Straßenzügen ist in der Innenstadt erhalten geblieben. Darauf ist die Bezeichnung Quadratestadt zurückzuführen.
Seit 1896 Großstadt, ist Mannheim heute eine bedeutende Industrie- und Handelsstadt, Universitätsstadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Frankfurt am Main und Stuttgart, unter anderem mit einem ICE-Knotenpunkt, dem zweitgrößten Rangierbahnhof Deutschlands und einem der bedeutendsten Binnenhäfen Europas.
Mit dem als Schillerbühne bekannten Nationaltheater Mannheim, der Kunsthalle Mannheim, den Reiss-Engelhorn-Museen und dem Technoseum ist Mannheim ein überregional bedeutender Theater- und Museumsstandort. Die Popakademie Baden-Württemberg und eine lebendige Musikszene machen Mannheim auch zu einem wichtigen Zentrum der deutschen Popmusik, seit 2014 ist Mannheim UNESCO City of Music. Sie ist zugleich eine moderne Fortführung der Mannheimer Schule, die schon in der Mitte des 18. Jahrhunderts viele Musiker (u. a. Wolfgang Amadeus Mozart) nach Mannheim führte und die damalige Musikszene bereicherte.
Bekannt ist Mannheim auch für seine Universität. Des Weiteren sind in Mannheim die Technische Hochschule Mannheim, die Hochschule des Bundes mit seinem Fachbereich Bundeswehrverwaltung, eine Musikhochschule, die Duale Hochschule Baden-Württemberg Mannheim, eine Hochschule der Bundesagentur für Arbeit und eine Medizinfakultät der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg angesiedelt.
Mannheim liegt an der Burgenstraße, ist Start- und Zielort der Bertha Benz Memorial Route und Teil der Straße der Demokratie.
Geographie mini|Luftbild der Innenstadt, die zwischen Rhein und Neckar liegtMannheim liegt im Nördlichen Oberrheingebiet (Nr. 22) an der Mündung des Neckars in den Rhein. Die Stadtteile verteilen sich auf der rechten Rheinseite zu beiden Seiten des Neckars. Der Naturraum wird im Norden vom Rhein-Main-Tiefland (Nr. 23) und im Süden vom Neckarschwemmkegel (Nr. 224.2) begrenzt. Im Osten erhebt sich die Bergstraße (Nr. 226), im Westen schließt die Nördliche Oberrheinniederung (Nr. 222) an.
Die Stadt liegt in der Metropolregion Rhein-Neckar, einem 2,35 Millionen Einwohner zählenden Ballungsraum, das neben Teilen Südhessens und der rheinland-pfälzischen Vorderpfalz, in Baden-Württemberg die beiden Stadtkreise Mannheim und Heidelberg sowie die westlichen und südlichen Gemeinden des Rhein-Neckar-Kreises umfasst.
Innerhalb der Metropolregion Rhein-Neckar bildet Mannheim neben Heidelberg ein Oberzentrum, von denen für ganz Baden-Württemberg nach dem Landesentwicklungsplan 2002 insgesamt 14 ausgewiesen sind. Das Oberzentrum Mannheim übernimmt für die Gemeinden Edingen-Neckarhausen, Heddesheim, Ilvesheim und Ladenburg die Funktion eines Mittelbereichs. Ferner gibt es Verflechtungen mit Gemeinden in Hessen und Rheinland-Pfalz und den dortigen Mittelbereichen.
Nächste größere Städte sind Frankfurt am Main, etwa 70 Kilometer nördlich, Karlsruhe, etwa 50 Kilometer südwestlich und Stuttgart, etwa 95 Kilometer südöstlich.
Durch die Lage direkt an der baden-württembergischen Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz und Hessen ist Mannheim neben dem Stadtstaat Hamburg die einzige Großstadt in Deutschland, die direkt an zwei Länder grenzt.
Stadtgliederung mini|330px|Die 38 Stadtteile Mannheims Das Stadtgebiet von Mannheim ist in sechs innere und elf äußere Stadtbezirke gegliedert: Innenstadt/Jungbusch Lindenhof Neckarstadt-Ost Neckarstadt-West Neuostheim/Neuhermsheim Schwetzingerstadt/Oststadt sowie Feudenheim Friedrichsfeld Käfertal Neckarau Rheinau Sandhofen Schönau Seckenheim Vogelstang Waldhof Wallstadt Die Stadtbezirke sind weiter untergliedert in Stadtteile.
In jedem der 17 Stadtbezirke gibt es einen Bezirksbeirat, dem 12 dort wohnende Bürger angehören, die der Gemeinderat entsprechend dem Abstimmungsergebnis der Gemeinderatswahl bestellt. Sie sind zu wichtigen Angelegenheiten, die den Stadtbezirk betreffen, zu hören und beraten die örtliche Verwaltung sowie Ausschüsse des Gemeinderats. Seit 2008 verfügen die Bezirksbeiräte über ein eigenes Budget, über dessen Verwendung sie in festgelegten Grenzen selbst entscheiden können.
Innenstadt: Die „Quadrate“
mini|hochkant|InnenstadtschemaDie hufeisenförmige Innenstadt Mannheims zwischen Rhein und Neckar ist nicht natürlich gewachsen, sondern wurde erst um 1600 im Rahmen des Baus der Friedrichsburg geplant als Gitter angelegt. So entstanden die „Mannheimer Quadrate“. Die Bismarckstraße verläuft vor der Front des Schlosses und verbindet die Enden der Ringstraßenabschnitte miteinander. Dazwischen liegen rechtwinklig angelegte Straßenzüge. Die Planung dieses Netzes geht auf Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz um 1600 zurück.
Die Innenstadt wird von zwei breiter ausgebauten Hauptachsen durchzogen. Die auch als „Breite Straße“ bekannte Kurpfalzstraße verläuft in Nordost-Südwest-Richtung vom Schloss bis zum Neckartor. Sie trifft am Paradeplatz auf die Haupteinkaufsstraße, die in Ost-West-Richtung verlaufenden „Planken“. Die Straßen in der Innenstadt tragen in aller Regel keine Namen, stattdessen werden die dazwischenliegenden Quadrate aus einer Kombination von Buchstabe und Zahl benannt.
Die Anordnung war ursprünglich eher festungstechnisch bedingt: sie ermöglichte gegebenenfalls die Beschießung in die Festung eingedrungener feindlicher Verbände mit Kanonen quer durch die Stadt. Die Mannheimer Quadrate und besonders die sogenannte Breite Straße betonen zudem das – allerdings erst später errichtete – „neue“ Schloss. Daher wird die mittels der Straßenanordnung erzeugte städtebauliche Dominanz der Residenz als Abbild der absolutistischen Regierungsform interpretiert.
Die Prinzipien einer Idealstadt wurden in verschiedenen Residenzstädten des absolutistischen Barock wie Erlangen, Glückstadt oder Karlsruhe umgesetzt. Aber auch in neueren Zeiten wurde versucht, Ideale und Architektur in Verbindung zu setzen (Planstadt, Planhauptstadt).
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Mannheim. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Lampertheim und Viernheim (beide Landkreis Bergstraße in Hessen), Heddesheim, Ilvesheim, Edingen-Neckarhausen, Heidelberg, Plankstadt, Schwetzingen, Brühl (alle mit Ausnahme der kreisfreien Stadt Heidelberg im Rhein-Neckar-Kreis) in Baden-Württemberg sowie Altrip, Ludwigshafen am Rhein, Frankenthal (Pfalz) und Bobenheim-Roxheim (alle mit Ausnahme der kreisfreien Städte Ludwigshafen am Rhein und Frankenthal (Pfalz) im Rhein-Pfalz-Kreis) in Rheinland-Pfalz.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2020.Statistisches Landesamt, Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung
Naturschutz
Im Stadtgebiet Mannheim bestehen folgende neun Naturschutzgebiete.Schutzgebietsstatistik der LUBW nach Landkreisen Damit stehen 699,01 Hektar des Stadtgebiets unter Naturschutz, das sind 4,82 %. Backofen-Riedwiesen: 147,7 ha (davon 84,0 ha im Stadtgebiet Mannheim) Ballauf-Wilhelmswörth: 340,9 ha Bei der Silberpappel: 8,7 ha Hirschacker und Dossenwald: 128,9 ha (davon 67,5 ha im Stadtgebiet Mannheim) Kopflache am Friesenheimer Altrhein: 20,1 ha Reißinsel: 108,2 ha Unterer Neckar: Maulbeerinsel: 10,6 ha Unterer Neckar: Wörthel: 20,9 ha Viehwäldchen, Apfelkammer, Neuwäldchen: 38,5 ha
Klima Aufgrund der durch Pfälzerwald und Odenwald geschützten Lage im Oberrheingraben herrscht in Mannheim für mitteleuropäische Verhältnisse ein sehr mildes Klima vor.Kreisbeschreibung. Band 1, S. 54. Die Messungen an der DWD-Klimastation in Mannheim-Vogelstang ergaben zwischen 1971 und 2000 eine Durchschnittstemperatur von 10,5 °C. Der wärmste Monat ist der Juli mit durchschnittlich 19,9 °C, der kälteste der Januar mit 1,8 °C. Temperaturen über 30 °C sind im Hochsommer keine Seltenheit. In einem Vergleich von 80 ausgewählten deutschen Großstädten gehörte Mannheim im Zeitraum 2006 bis 2025 zu den Städten mit den wärmsten Sommern. Die mittlere tägliche Höchsttemperatur der Sommermonate lag bei 26,2 °C und damit auf dem dritten Rang. Mit durchschnittlich 71,3 Sommertagen und 21,5 heißen Tagen pro Jahr belegte Mannheim jeweils den sechsten Rang. Der Spitzenwert wurde am 7. August 2015 mit 39,8 °C gemessen (Messung der DWD-Wetterstation, eine private Wetterstation in Mannheim-Seckenheim kam am 8. August 2003 auf 40,1 °C8. August 2003, private Wetterstation Mannheim-Seckenheim).
Auffällig ist die für Westdeutschland geringe Niederschlagsmenge in Mannheim. Im Laufe eines Jahres fallen durchschnittlich nur 668 mm Niederschlag. Der Spitzenmonat ist der Juni. Begünstigt von Rhein und Neckar kann es insbesondere im Herbst zu Nebelbänken kommen. Die beiden Flüsse sowie Auenlandschaften am Rhein sorgen auch für eine überdurchschnittliche Luftfeuchtigkeit, die besonders im Hochsommer zu drückender, bioklimatisch belastender Schwüle führen kann. Im Winter ist die Stadt eine der wärmsten Städte Deutschlands.
Geschichte
Die Anfänge Ein 1929 im Stadtteil Seckenheim ergrabener, vom Jahr 74 n. Chr. bis ins frühe zweite Jahrhundert betriebener Ziegelofen belegt eine Besiedlung in römischer Zeit.Ulrich Brandl und Emmi Federhofer: Ton + Technik. Römische Ziegel. Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2403-0 (Schriften des Limesmuseums Aalen. Nr. 61)
Das Dorf Mannenheim (= Heim des Manno) wurde im Jahr 766 erstmals im Lorscher Codex urkundlich erwähnt.
Durch zahlreiche Schenkungen innerhalb kurzer ZeitOrtsliste zum Lorscher Codex, Mannheim, Archivum Laureshamense – digital, Universitätsbibliothek Heidelberg. erhielt das Kloster Lorsch 160½ Tagewerke Acker, was dem Heuertrag eines mittelgroßen Königshofs entsprach.Mannheimer Morgen, 19. März 2016, Seite 21, „Doch kein armes Fischerdorf“, online auf morgenweb.de www.morgenweb.de, abgerufen am 21. März 2016.
1284 fiel Mannheim an den Pfalzgrafen bei Rhein aus dem Hause Wittelsbach. Regionale Bedeutung erlangte die 1349 auf dem heutigen Lindenhof errichtete Burg Eichelsheim, die den Rheinschiffern einen Obolus abverlangte. 1415 wurde in ihr der abgesetzte Gegenpapst Johannes XXIII. im Auftrag des Kaisers Sigismund gefangen gehalten. Durch den Sieg in der Schlacht bei Seckenheim 1462 über das Heer seiner verbündeten Gegner, des Grafen von Württemberg, des Markgrafen von Baden und des Bischofs von Metz, begründete Kurfürst Friedrich von der Pfalz „der Siegreiche“ die pfälzische Vormachtstellung am mittleren Oberrhein. 1566 zählte Mannheim mit etwa 700 Einwohnern zu den größten Dörfern des Oberamts Heidelberg.
Entstehung der Stadt mini|Rheinschanze und Zitadelle Mannheim im Jahr 1620