Als Kommandos (kurz Kdo; von , beruhend auf , Nebenform von ) bezeichnet man im Allgemeinen bewaffnete Einheiten in geringer Stärke, die aufgabenspezifisch für einen Sonderauftrag zusammengefasst werden.
Kommandotrupps zeichneten sich durch Schnelligkeit, Mobilität und gute Tarnung aus. Ihre Taktiken wurden im Laufe der Zeit immer weiter entwickelt und angepasst; sie lassen sich auf die Guerilla-Kriegsführung des 20. Jahrhunderts zurückführen.
Wortherkunft Im Deutschen ist der Begriff Kommando als Entlehnung aus dem Italienischen bereits um 1600 bezeugt, damals noch mit der alleinigen Bedeutung ‚Befehl, Befehlsgewalt‘ bzw. ab dem 17. Jahrhundert auch ‚Befehlswort‘, bevor diese im 18. Jahrhundert zu ‚mit bestimmten Aufgaben betrauter Truppenteil‘ erweitert wurde.
Kommandounternehmen
Als sogenanntes Kommandounternehmen wird ein Vorgehen im Einsatz bezeichnet. Ein Kommando wird permanent oder nur für eine Aufgabe (aus-)gebildet. Aktionen erfolgen in der Regel als handstreichartiger Zugriff oder Hinterhalt. Kommandokampf bezeichnet in der Literatur kleinkriegsartige Gefechtsführung mit dem operativen Ziel, dem Gegner Schaden zuzufügen. Im Gegensatz zum Jagdkampf konzentriert sich der Einsatz im Kommandokampf auf Ziele von operativer Bedeutung, also das gezielte Einnehmen, Unbrauchbarmachen oder Zerstören von feindlichen Schlüsselstellungen wie Flugplätzen, Kommunikations- und Führungszentren, weitreichenden, schweren Artillerie- und Raketenstellungen, Brücken, Häfen, Versorgungspunkten, Bunkern für Führungsstellen oder sonstigen für die Gefechtsführung wesentlichen Einrichtungen, oder dem Festsetzen von Personal.Hartmut Schauer: US Navy SEALs. Motorbuchverlag, Stuttgart 2000, ISBN 3-613-01864-0, S. 14. Diese Angriffsoperationen ()Direct Action missions are short duration strikes that are used when Special Forces want to seize, capture, recover or destroy enemy weapons and information or recover designated personnel or material (Übersetzung: Direct-Action-Missionen sind Angriffe von kurzer Dauer, die von Spezialkräften durchgeführt werden, um feindliche Waffen und Informationen zu erobern, erbeuten, zurückzugewinnen oder zu zerstören oder ausgewiesenes Personal oder Material zu retten) bei goarmy.com (abgerufen am 17. Juni 2008) werden im Handstreich entweder an der Front oder aber, nach erfolgreicher Infiltration, im feindlichen Hinterland durchgeführt.
Im Tschetschenienkrieg wurde im Jahr 2002 der Begriff Militärische Spezialoperation für Truppen verwendet, die ad-hoc dem Auftrag entsprechend zusammengestellt wurden und dementsprechende Einsatzmittel erhielten. Die zeitlich und umfangmäßig beschränkten Aktionen waren nicht gegen die Truppenstandorte des Widerstandes, sondern gegen Führer und Kommandanten gerichtet.Militärische Spezialoperation in Tschetschenien, Allgemeine Schweizerische Militärzeitschrift, Nr. 7/8 2002, S. 60.
Auswahlverfahren Aufgrund der besonderen körperlichen und psychischen Anforderungen an die Bewerber hat nicht jeder Zugang zu Spezialeinheiten. An die Bewerber werden häufig spezielle Anforderungen gestellt. Zur Selektion derer mit der höchsten Motivation finden in modernen Spezialeinheiten Auswahlverfahren statt.
Historisch lässt sich dies bei den Otdelnly Gwardieskij Batalion Minerow, Vorgänger der russischen Speznas nachweisen. Die Soldaten durften nicht älter als 30 Jahre alt sein, waren meist Jäger und Sportler und nichts durfte sie von der Ausführung ihres Auftrages abhalten. Viele Erschöpfte und Verwundete wurden, auch während Übungen, sich selbst überlassen.
Das deutsche KSK erwartet von seinen Bewerbern körperliche Leistungsfähigkeit, Teamfähigkeit, Lernwilligkeit, psychische Belastbarkeit und Willensstärke, Stressstabilität, Verantwortungsbewusstsein und Verschwiegenheit, Anpassungsfähigkeit und Flexibilität, sowie Reisebereitschaft. Diese Fähigkeiten werden im Rahmen eines Einstellungstests geprüft.
Der Fitnesstest der US-Navy Seals prüft Schwimmgeschwindigkeit über 500 Yards, Anzahl der Liegestütze und Sit-ups binnen 2 Minuten, Klimmzüge, sowie Laufen über 1,5 Meilen ab.
Die Eignungsprüfung zur Schweizer AAD10 verlangt von den Bewerbern nächtliche Einsatzbereitschaft binnen 15 Minuten. Die Kandidaten bekommen kein direktes Feedback, sondern sollen Selbstdisziplin zeigen. Unter anderem wird im Rahmen der Selektion das Verhalten der Kandidaten bei Schlafentzug getestet.
Die Long Range Desert Group stellte Mitglieder nach längeren Auswahlgesprächen ein, erste SAS-Bewerber hatten einen 50-km-Marsch zu bestehen und die Royal Marine Commandos testeten die Motivation ihrer Bewerber auf einer Hindernisbahn mit scharfem MG-Feuer und Sprengkörpern nahe Achnacarry in Schottland. Noch heute wird in der französischen Fremdenlegion etappenweise, bereits während der Bewerbung, ausgesiebt. Befragungen, medizinische, Intelligenz-, Logik- sowie Fitnesstests und leichter Drill und erste Aufgaben eröffnen der Legion eine Einschätzung der Bewerber. Zugleich kann jeder in den ersten 6 Monaten nach Vertragsabschluss aussteigen. Dies verlangt von den Bewerbern ein gewisses Commitment.
Ein Kommandosoldat sollte selbständig denken können. Dies steht im Gegensatz zur militärischen Tradition, sich auf seine Offiziere und Unteroffiziere zu verlassen. Einzel- oder Kleinstgruppenaktionen sind schwer zu entdecken. Folglich soll der Kommando auch ohne Befehle von Vorgesetzten in der Lage sein, adäquat zu handeln.
Geschichte Jagdkommandos im 18. Jahrhundert
Den frühesten militärkundlichen Beitrag zum Einsatz von Jagdkommandos stammt vom hessischen Feldjägerhauptmann Johann von Ewald. Die – Abhandlung über den kleinen Krieg (Kassel 1785 -158 Seiten-) – schrieb er nach seinem Einsatz im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und gilt als das erste Werk der Militärliteratur über den Partisanenkrieg. Die 1800 stark erweiterte Neuauflage erschien im Verlag Röhss, Schleswig (448 Seiten). Themen waren u. a. Kriegslisten, Scheinangriffe, Einsatz von Reserven, Expeditionen in unbekannte Gegenden, Überfälle, Hinterhalte, Verfolgen des Feindes, Rückzüge, Umgang mit Verrätern und Überläufern usw.Georg Heinz Wetzel: Die Hessischen Jäger. Eine deutsche Truppenhistorie im politischen Wandlungsprozess von vier Jahrhunderten (1631–1987). George, Kassel 1987.
Die Burenkriege Erste Einheiten, die sich als Kommandos bezeichneten, wurden im Jahre 1900 in Südafrika von den Buren im Kampf gegen die britische Kolonialmacht aufgestellt. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Portugiesischen (comando) und ging später in die von den Buren gebrauchte Sprache Afrikaans über.
Der Grund für die Bildung von berittenen Kommandoeinheiten in Stärke eines Zuges bis zu einer Kompanie lag in der Übermacht der britischen Streitkräfte, die nach anfänglichen Misserfolgen im Burenkrieg einen Großteil der regulären einheimischen Truppen geschlagen hatten. Die Buren zogen sich daraufhin in den afrikanischen Busch zurück und begannen einen Kleinkrieg, in dem sie u. a. britische Versorgungslinien, insbesondere Eisenbahnlinien, angriffen und gegnerische Soldaten aus dem Hinterhalt überfielen. Der Kampf der Buren entsprach damit eher dem Jagdkampf. Die Briten reagierten auf diese Art der Kriegführung mit ungewöhnlicher Härte: Neben dem Bau von Konzentrationslagern setzten sie die Taktik der verbrannten Erde ein, um den Buren-Kommandos ihre Lebensgrundlage zu entziehen. Der sich daraus ergebende Versorgungsmangel verschlechterte die Situation der Buren, die sich schließlich im Jahre 1902 ergeben mussten.
Kommandos im Ersten Weltkrieg Deutsches Reich mini|LFG Roland CII Walfisch Bereits im Herbst 1914 wurden Kommandounternehmen von deutscher Seite u. a. im Nahen Osten durchgeführt. Hauptmann Fritz Klein führte dort 1914 eine militärische Expedition zu den Ölfeldern in Persien gegen die dortigen Ölpipelines (mit denen die britische Flotte versorgt wurde) durch, die unterbrochen wurden.
Die Idee eines Luftlande-Kommando-Unternehmens existierte bereits in der Vorkriegszeit. Bei der Einweihung des Flugstützpunktes Bautzen in Sachsen fanden Flugwettbewerbe statt. Wie der „Sächsische Erzähler“ berichtete gab es am 17. September 1913 dort einen Eisenbahn Zerstörungswettbewerb. Die Flieger mussten aus 300 Meter Höhe an einer markierten Schienenanlage landen, Kanonenschläge zünden, danach das Flugzeug wieder besteigen und ohne fremde Hilfe starten.Hannes Täger: Im Walfisch zur Bahnsprengung. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 7/2023. Motor Presse, Stuttgart, , Seite 45.
Rudolf Windisch führte als Vizefeldwebel mit Oberleutnant Maximilian von Cossel 1916 das erste bekannte Luftlande-Kommando-Unternehmen der Militärgeschichte durch. In der Nacht vom 2. zum 3. Oktober 1916 sprengte Cossel, der von Windisch mit dem Flugzeug (LFG Roland CII Walfisch) abgesetzt und wieder abgeholt wurde, die Bahnlinie Rowno-Brody 85 km hinter der Ostfront. Dies wurde anerkennend im Heeresbericht vom 4. Oktober 1916 erwähnt: Östlicher Kriegsschauplatz: ...Oberleutnant v. Cossel, von Vizefeldwebel Windisch südwestlich von Rowno vom Flugzeug abgesetzt und nach 24 Stunden wieder abgeholt, hat an mehreren Stellen die Bahnstrecke Rowno-Brody durch Sprengung unterbrochen…….Der Erste Generalquartiermeister Erich Ludendorff.
Ein weiteres bekanntes Luftlandekommando Unternehmen wurde von Marineflugzeugen der kaiserliche Marine während der Operation Albion am 15. Oktober 1917 durchgeführt. Ein Offizier und 16 Mann saßen auf den Schwimmern von Wasserflugzeugen und besetzen die Inseln Runö (heute Ruhnu) und Abro (heute Abruka) im rigaischen Meerbusen.Hannes Täger: Im Walfisch zur Bahnsprengung. In: Klassiker der Luftfahrt Nr. 7/2023. Motor Presse, Stuttgart, , Seite 45.
Kommandos im Zweiten Weltkrieg Die Kommandotrupps des Zweiten Weltkrieges wurden für Kampfhandlungen zu Land, zu Wasser und in der Luft ausgebildet. Soldaten dieser Einheiten mussten den unbewaffneten Kampf, Infiltrations- sowie Aufklärungstaktiken beherrschen und fähig sein, unter verschiedenen klimatischen Bedingungen zu operieren. Einige Soldaten wurden auf besondere Fähigkeiten geschult, wie beispielsweise den Umgang mit Sprengstoff.
Schon vor Beginn des Krieges stellte die Wehrmacht mit dem vormaligen Regiment Brandenburg einen Spezialverband für operative und strategische Einsätze auf. Erst mit deren ersten Einsätzen erkannte als erstes die British Army deren Bedeutung in der modernen weiträumigen Gefechtsführung und stellte eigene alliierte Commandos für Operationen auf dem von den Achsenmächten besetzten europäischen Festland auf. Sie gelten als Vorgänger der modernen Spezialeinheiten.
Zur Bekämpfung von alliierten Kommandos wurde völkerrechtswidrig von Hitler der Kommandobefehl erlassen.
Deutsches Reich Die erfolglose Besetzung des Jablunkapasses war ein Kommandounternehmen vom 25. bis zum 26. August 1939. Ziel war es, den operativ wichtigen Gebirgspass mit Eisenbahntunnel für den geplanten Überfall auf Polen zu sichern, der schließlich auf den 1. September 1939 verlegt wurde. Im Morgengrauen des 10. Mai 1940 – an diesem Tag begann der Westfeldzug – landeten Fallschirmpionieren mit neun deutschen Lastenseglern (unmotorisierte Segelflugzeuge, die von Schleppflugzeugen auf Höhe geschleppt worden waren) auf dem begrünten Plateau über dem unterirdischen Fort Eben-Emael (Belgien) südlich von Maastricht. Binnen zehn Minuten nach der Landung sprengten die sieben Sturmtrupps – jeweils mit einer aufgesetzten Hohlladung – fast alle Artilleriewerke des Forts. Das Fort kapitulierte am nächsten Tag um 11:30 Uhr. Das Unternehmen Dora war ein deutsches Kommandounternehmen in Afrika. Es startete im Juni 1942 in der libyschen Hauptstadt Tripolis und stieß rund 4000 km quer durch die Sahara bis zum zentralafrikanischen Tschadsee vor. Beim Unternehmen Eiche am Gran Sasso d’Italia im September 1943 wurde der abgesetzte Diktator Benito Mussolini von Fallschirmjägern aus der Gefangenschaft der italienischen Regierung Badoglio befreit.