miniatur|Propagandaaufnahme, September 1940
Helmut Paul Emil Wick (* 5. August 1915 in Mannheim; † 28. November 1940 im Ärmelkanal) war ein durch die NS-Propaganda popularisierter Offizier der deutschen Luftwaffe und Jagdflieger im Zweiten Weltkrieg.
Leben Herkunft und Schule Es gibt keine den geschichtswissenschaftlichen Ansprüchen und den Regeln wissenschaftlichen Arbeitens genügende biografische Darstellung über Wick. Zwei NS-Propagandadarstellungen von 1943 zufolge wurde Helmut Wick als letztes von drei Kindern geboren. Seine Eltern waren Carl Wick (Direktor in der Großbau-Industrie) und Berta, Tochter der Mannheimer Kaufmannsfamilie Schenck.Josef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 S. 11–12 Laut NS-Propaganda war Wick (irgendwann zwischen den Jahren 1932–1934) Mitglied in der SA.Josef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 S. 40 Im Frühjahr 1935 zog seine Familie nach Berlin. Er beendete im gleichen Jahr die Hindenburg-Oberrealschule mit dem Abitur.Josef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 S. 42F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 5 Im Januar 1936 trat er in Mecklenburg den Reichsarbeitsdienst an.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 7 Am 5. August 1939 heiratete Helmut Wick; er hatte mit seiner Ehefrau zwei Kinder.
Vorkriegszeit NS-Darstellungen zufolge trat Wick am 6. April 1936 in die deutsche Luftwaffe ein. Dort begann er auf der Luftkriegsschule unter seinem Mentor und späteren engen Freund Werner Mölders eine Offiziersausbildung, bei deren Abschluss er am 1. Januar 1939 zum Leutnant befördertJosef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 S. 45 und zur I. Gruppe des Jagdgeschwaders 133 (am 1. Mai 1939 in das Jagdgeschwader 53 umgewandelt) nach Wiesbaden-Erbenheim versetzt wurde. Dort wurde er der 1. Staffel zugeteilt, in der Mölders Staffelführer war.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 10
Zweiter Weltkrieg mini|Auszug von Wicks Abschüssen aus der Abschussliste des Jagdgeschwaders 2 vom 6. und 7. November 1940
Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Wick am 1. September 1939 zur I. Gruppe/JG 2 "Richthofen" versetzt,F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 13 die zur Abschirmung Berlins nach Osten eingesetzt war. Nach dem Überfall auf Polen wurde seine Einheit nach Frankfurt-Rebstock verlegt, um die Westgrenze zu sichern. Bei diesem Kommando errang Wick am 22. November 1939 seinen und des Geschwaders ersten Luftsieg, als er eine französische Curtiss Hawk 75-Jagdmaschine in der Nähe von Nancy abschoss.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 17John Weal: Jagdgeschwader 2 'Richthofen' S. 26 Online Kurz vor Weihnachten 1939 bekam Helmut Wick das Eiserne Kreuz II. Klasse.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 21 und am 6. Juni 1940, nach seinem vermutlichZur Zuverlässigkeit der Abschusszahlen siehe: Ringlstetter, Major Helmut Wick, S. 144. neunten Luftsieg, das Eiserne Kreuz I. Klasse verliehen.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 29 Nach dem 14. Wick zugeschriebenen Luftsieg wurde er am 21. Juli 1940 zum Oberleutnant befördert und zum Kapitän der 3. Staffel ernannt.F. L. Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 31 Am 29. August 1940, nach Beginn der Luftschlacht um England, folgte nach seinem ungefähr 25. Luftsieg die Verleihung des Ritterkreuzes.Josef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 S. 126F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 35–36 Als Hauptmann übernahm Wick am 9. September 1940 die Führung der I. Gruppe des JG 2.F. L. Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 37 Im Oktober 1940 soll Wick elf Abschüsse binnen zehn Tagen verzeichnet haben.Dean Andrew: Strategic Culture in the Luftwaffe – Did it Exist in World War II and Has it Transitioned into the Air Force? In: Defence Studies. 4, 2004, S. 361–386, , S. 373. Am 8. Oktober erhielt Wick nach circa 41 Luftsiegen das Eichenlaub zum Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.F.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 38f. Am 19. Oktober folgte die Beförderung zum Major und Wick wurde Kommodore des JG 2.F. L. Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 39 Mit nur 25 Jahren war Wick jedoch noch nicht erfahren genug zur Führung größerer Verbände und sein Kampfstil blieb auch jetzt stark individualistisch ausgerichtet, was zu relativ hohen Verlusten und schlechter Moral in seinem Geschwader führte.Dean Andrew: Strategic Culture in the Luftwaffe – Did it Exist in World War II and Has it Transitioned into the Air Force? In: Defence Studies. 4, 2004 Wick wurde prompt vom Propagandaministerium der internationalen Öffentlichkeit in einer Pressekonferenz als „Held“ präsentiert. Sein Auftritt hinterließ aber einen überwiegend negativen Eindruck, da Wick sich als „Wichtigtuer“ (Life Magazine) präsentierte und sich über seine Opfer lustig machte.Nazi Flier Laughs at British Airmen. In: The New York Times v. 13. Oktober 1940, S. 45 Online Archiv; Top Fighters of the German Air Force. In: Life v. 9. Dezember 1940, S. 36 Online Archiv; William Bayles: Hero Wick (Leserbrief). In: Life v. 23. Dezember 1940, S. 2. Online ArchivBoastful Nazi Ace Flier Cools Heels in Canada. In: Winnipeg Free Press v. 23. Januar 1941, S. 1.
mini|Denkmal für John Dundas auf der Isle of Wight
Tod Am Nachmittag des 28. November 1940 griff er mit dem unter seiner Führung stehenden Stabsschwarm des JG 2 einen zahlenmäßig weit überlegenen Verband der Royal Air Force an. Während dieses Luftkampfes erzielte Wick seinen mutmaßlich 56. Luftsieg.Die Wehrmachtberichte 1939–1945 Band 1, S. 375. Im weiteren Gefechtsverlauf verlor Wick den Anschluss an seinen Schwarm, wurde vom britischen Piloten John Charles DundasJohn Weal: Spitfire Mark I/II Aces 1939–41. Osprey Publishing, 1996, S. 68 abgeschossen und stürzte circa 40 Kilometer vor der Isle of Wight in den Ärmelkanal.Luftwaffe im Focus 10, S. 38–42 Die intensive Suche nach ihm blieb erfolglos. Eine Anfrage in Großbritannien ergab, dass ein Major Wick nicht in Gefangenschaft geraten sei.‘Goering Inquiry’ Ignored R.A.F. ‘Declines to Comment’ on Alleged Radio Query About Wick. In: The New York Times v. 9. Februar 1941, S. 2; Hetzjagd am Himmel. Major Wicks 55. Abschuß. In Der Adler 1941, Heft 4 v. 18. Februar 1941, S. 98–104.Josef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 Auszüge von S. 164–174 Das Oberkommando der Wehrmacht gab daraufhin am 4. Dezember 1940 seinen Tod bekannt.Die Wehrmachtberichte 1939–1945. Band 1: 1. September 1939 bis 31. Dezember 1941. München 1985, S. 375. Dennoch hielten sich einige Wochen lang Gerüchte, Wick sei gefangen genommen und nach Kanada transportiert worden.One Of Nazi Aces Captive in Canada. In: The New York Times v. 23. Januar 1941; Major Wick, Nazi Ace, Reported In Canada. In: The Herald Statesman (Yonkers, N. Y.) v. 23. Januar 1941, S. 3; German Ace Is Internied In Canada. In: Syracuse Herald Journal v. 23. Januar 1941, S. 11.
Auszeichnungen Eisernes Kreuz II. Klasse I. Klasse Flugzeugführerabzeichen in Gold mit BrillantenF.L.Neher: WICK. Hanns Arens Verlag / Berlin - Herrlingen, 1943 S. 1 Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes mit Eichenlaub Ritterkreuz (27. August 1940)Veit_Scherzer: Ritterkreuzträger 1939–1945. Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. 2. Auflage. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, ISBN 978-3-938845-17-2, S. 783. Eichenlaub (25. Oktober 1940) (4. Verleihung) Fliegerpokal zum 50. Luftsieg"Fliegerpokal für besondere Leistung im Luftkampf - vom Jagdflieger Helmut Wick" Luftfahrt-Museum Laatzen-Hannover e. V. Stiftung Günter Leonhardt Fünfmalige namentliche Nennung im WehrmachtberichtJosef Grabler: Helmut Wick: Das Leben eines Fliegerhelden. Verlag Scherl Berlin, 1943 S. 7–8: 26. August 1940, 6. Oktober 1940, 8. November 1940, 16. November 1940, 4. Dezember 1940
Nachleben als NS-Idol Bereits in seiner Todesmeldung vom 4. Dezember 1940 betonte der Wehrmachtbericht, Wick werde „[...] im deutschen Volk und vor allem in der deutschen Jugend als Vorbild fortleben.“ In der Folgezeit bediente sich die NS-Propaganda Wicks und anderer Fliegerasse zur Schaffung eigener Heldenlegenden und um das „Idealbild vom arischen Übermenschen zu demonstrieren: jung, tollkühn, attraktiv, erfolgreich und zugleich ein wenig entrückt.“Matthias Rogg: Die Luftwaffe im NS-Film. In: Bernhard Chiari, Matthias Rogg, Wolfgang Schmidt (Hrsg.): Krieg und Militär im Film des 20. Jahrhunderts. München 2003, S. 343–348, hier: S. 345. Im Januar 1941 erschien in der Propagandaillustrierten Der Adler unter dem Titel Hetzjagd am Himmel ein anscheinend noch von Helmut Wick verfasster Artikel, in dem dieser in euphorischer Schilderung von seinen Flügen im Juni/Juli 1940 berichtet. Trotz Wicks Tod wurde eine Fortsetzung angekündigt.Helmut Wick: Hetzjagd am Himmel.: In Der Adler 1941, Heft 1 v. 7. Januar 1941, S. 14f., 22f. Mitte Februar 1941 erschien dort tatsächlich ein Propagandaartikel, in dem Wick als „der junge Siegfried der deutschen Luftwaffe“ zum Idol erhoben wurde,Hetzjagd am Himmel. Major Wicks 55. Abschuß. In Der Adler 1941, Heft 4 v. 18. Februar 1941, S. 98, 100, 102, 104. 1942 wurde vom Volksbund für das Deutschtum im Ausland eine in NS-Manier stilisierte Zeichnung Wicks des Propagandamalers Wolf Willrich als Ansichtskarte Major Wick vertrieben.Abbildung; s. a. Beschreibung im (abgerufen am 23. Mai 2012; PDF; 1,5 MB).