mini|Tasse Kaffee und Kaffeebohnen mini|Kaffeebaum mini|Rohe Kaffeebohnen mini|Geröstete Kaffeebohnen

Kaffee ist ein je nach Röstgrad braunes bis schwarzes, psychotropes, coffeinhaltiges Getränk, das aus gerösteten und gemahlenen Kaffeebohnen, den Samen der Kaffeepflanze, und heißem bzw. kaltem Wasser hergestellt wird. Röst- und Mahlgrad variieren je nach Zubereitungsart. Kaffee ist ein Genussmittel.

Die Kaffeebohnen werden aus Steinfrüchten verschiedener Pflanzenarten aus der Familie der Rubiaceae gewonnen. Die beiden wichtigsten Arten der Kaffeepflanze sind Coffea arabica (Arabica-Kaffee) und Coffea canephora (Robusta-Kaffee) mit vielen Sorten und Varietäten. Je nach Sorte und Anbauort gibt es unterschiedliche Qualitätsstufen. Kaffee wird in über 50 Ländern weltweit angebaut.

Die Bezeichnung „Bohnenkaffee“ bedeutet so viel wie „echter Kaffee aus Kaffeebohnen“; sie dient zur Unterscheidung von Ersatzkaffee (aus Zichorien, Gerstenmalz usw.).

Etymologie und Aussprache Das Wort Kaffee lässt sich bis auf das arabische qahwa zurückverfolgen. Über das türkische kahve gelangte es ins Italienische (zuerst als cahue,Karl Lokotsch: Etymologisches Wörterbuch der europäischen (germanischen, romanischen und slavischen) Wörter orientalischen Ursprungs. Carl Winter, Heidelberg 1927, S. 80, Stichwort ḳahwa. heute caffè) und von dort ins Französische (frz. café).Angaben zu Kaffee in Wolfgang Pfeifer et al.: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen (1993), online im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache. Im deutschen Sprachraum dominierte anfangs die Wortform Coffee aus dem Englischen oder Niederländischen, erst im Laufe des 18. Jahrhunderts setzte sich Kaffee nach dem französischen café durch.

Die weitere Etymologie von qahwa ist unklar. Das arabische Wort bedeutete ursprünglich „Wein“.Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Herausgegeben von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 338. Eine weitergehende – oder alternative – Abstammung vom Namen der äthiopischen Region Kaffa, aus der der Kaffee stammt, liegt wegen der Wortähnlichkeit nahe. Der Philologe Karl Lokotsch hielt den sprachlichen Zusammenhang mit der Region Kaffa für sicher, Wolfgang Pfeifer hielt ihn für wahrscheinlich. Das Online Etymology Dictionary stuft diese Wortherkunft von der Region Kaffa mit dem Kommentar „vielleicht“ als Möglichkeit ein.Englisch coffee im Online Etymology Dictionary. Zitat: but it is perhaps rather from the Kaffa region of Ethiopia, a home of the plant.

In Deutschland und in der Schweiz wird das Wort Kaffee meist vorne betont ([]), seltener auf der zweiten Silbe ().Kaffee auf duden.de In Österreich und Südtirol ist dagegen die Betonung auf der zweiten Silbe üblich.Kaffee im Atlas zur deutschen Alltagssprache. Daneben existiert umgangssprachlich in Norddeutschland auch eine Aussprache von Kaffee, die sich auf Affe reimt ().

Geschichte Die Kaffeepflanze stammt aus Afrika. Es wird angenommen, dass die Region Kaffa im Südwesten des heutigen Äthiopien das Ursprungsgebiet des Kaffees ist. Von Afrika gelangte der Kaffee vermutlich im 14. Jahrhundert auf die Arabische Halbinsel. Wesentlich für die Verbreitung des Kaffees waren die Kaffeehäuser, die zunächst im 16. Jahrhundert von den Arabern, dann von den Osmanen und im 17. Jahrhundert in Europa eingerichtet wurden.Annerose Menninger: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.–19. Jahrhundert). Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08624-2, S. 89 und 323–327.Jürgen Schneider: Produktion, Handel und Konsum von Kaffee (15. bis Ende 18. Jahrhundert). In: Hans Pohl (Hrsg.): The European discovery of the world and its economic effects on pre-industrial society, 1500–1800. Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05546-0, S. 122–137, hier: S. 122 und 129. Die ersten Kaffeehäuser im deutschen Sprachraum entstanden 1673 in Bremen, 1677 in Hamburg, 1685 in Wien, 1686 in Regensburg. Ende des 17. Jahrhunderts wurde die Kaffeepflanze in niederländischen Kolonien wie Java verbreitet, das damals Batavia hieß. Dies sicherte den Vereinigten Niederlanden eine Vormachtstellung im Handel.

Ursprungslegenden Einer Legende zufolge soll der islamische Prophet Mohammed die anregende Wirkung des Kaffees zuerst entdeckt haben, nachdem ihm der Engel Gabriel eine Tasse heißer, dunkler Flüssigkeit dargeboten habe.Ulla Heise: Kaffee und Kaffeehaus. Die Geschichte des Kaffees. Insel-Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2002, ISBN 3-458-34495-0, S. 18–19.

Nach einer Legende entdeckte ein arabischer Ziegenhirte namens Kaldi im 9. Jahrhundert die Wirkung von Kaffee. Als er sich über das auffällige Verhalten der Ziegen wunderte, probierte er die Früchte, die seine Ziegen an immergrünen Sträuchern gefressen hatten, und stellte bei sich eine belebende Wirkung fest.coffee in der Encyclopædia Britannica, Abschnitt History.

Äthiopien Vielen Völkern in den Regionen Äthiopiens, in denen der Kaffee wild wuchs, war er als Nutzpflanze früher unbekannt oder er wurde gänzlich anders zubereitet. Die Zubereitungsmethode und Kaffeetradition der Amharen ist wohl die bekannteste im Hochland von Äthiopien, wird aber erst seit Ende des 19. Jahrhunderts praktiziert. Zuvor hatten die christlichen Amharen den Kaffee ebenso wie den Tabak als ein Genussmittel der Muslime abgelehnt.Eike Haberland: Hierarchie und Kaste. Zur Geschichte und politischen Struktur der Dizi in Südwest-Äthiopien. (Studien zur Kulturkunde. Band 100). Franz Steiner, Stuttgart 1993, S. 50. Nach dem Rösten der Bohnen in einer großen Eisenpfanne mahlen die Amharen diese grob oder zerstampfen sie im Mörser. Das Mahlgut wird mit Wasser und Zucker in der sogenannten Jabana, einem bauchigen Tonkrug ähnlich einer Karaffe, aufgekocht und in kleinen Schalen serviert.

Jemen Von Afrika gelangte der Kaffee vermutlich im 14. Jahrhundert durch Sklavenhändler in den Jemen auf der Arabischen Halbinsel. In der heute üblichen Zubereitungsart mit gerösteten, gemahlenen oder zerstampften und gekochten Bohnen wurde er dort aber wahrscheinlich erst ab der Mitte des 15. Jahrhunderts getrunken. Der Kaffeeanbau brachte Arabien eine Monopolrolle ein. Handelszentrum war die jemenitische Hafenstadt Mocha (), auch Mokka genannt.

Osmanisches Reich mini|Türkischer Kaffee traditionell serviert

Im 16. Jahrhundert eroberte der Kaffee das persische Safawiden-Reich sowie das Osmanische Reich. Um 1511 entstanden in Mekka die ersten Kaffeehäuser, die nachfolgend für einige Zeit aufgrund eines mit schweren Strafen belegten Kaffeeverbotes wieder geschlossen wurden. Für Kairo ist das Getränk erstmals 1532 verbürgt, daneben verbreitete es sich in Syrien und Kleinasien. Einen besonderen Aufschwung nahm der Kaffeekonsum nach der osmanischen Annexion des Jemen und der gegenüberliegenden Küste im Jahre 1538. 1554 schließlich wurde – nach heftiger Opposition des islamischen Klerus wie auch der staatlichen Gewalten – das erste Kaffeehaus in der Hauptstadt Istanbul eröffnet.

Murad III. erließ Ende des 16. Jahrhunderts ein Kaffeeverbot, welches jedoch zunächst nur wenig kontrolliert wurde. Erst unter Murad IV. wurden Kaffeehäuser niedergerissen und Kaffeetrinker starker Verfolgung ausgesetzt.Fritz Maritsch, Alfred Uhl: Kaffee und Tee. In: Sebastian Scheerer, Irmgard Vogt, Henner Hess (Hrsg.): Drogen und Drogenpolitik. Campus Verlag, Frankfurt am Main/New York 1989, ISBN 3-593-33675-8 (auch auf den Seiten des ). Kaffeehaus-Besitzer tarnten ihre Lokale deshalb bisweilen als Barbierläden. Endgültig anerkannt wurde das Getränk schließlich im Zuge der Reformpolitik der Tanzimat ab 1839.

Europa Der Augsburger Arzt Leonhard Rauwolf lernte schon 1573 in Aleppo den Genuss des laut Rauwolf von den Einwohnern Aleppos „Chaube“ genannten Kaffee-Getränks kennen und berichtete 1582 darüber.Antoinette Schnyder von Waldkirch: Wie Europa den Kaffee entdeckte. Reiseberichte der Barockzeit als Quelle zur Geschichte des Kaffees. Jacobs-Suchard-Museum, Zürich 1988, ISBN 3-906554-02-3, S. 38.Jürgen Schneider: Produktion, Handel und Konsum von Kaffee (15. bis Ende 18. Jahrhundert). In: Hans Pohl (Hrsg.): The European discovery of the world and its economic effects on pre-industrial society, 1500–1800. Steiner, Stuttgart 1990, ISBN 3-515-05546-0, S. 122–137, hier: S. 122. Weitere Nachrichten über den Kaffee gelangten durch Prospero Alpino 1592 nach Italien.

Die ersten Kaffeehäuser in Europa gab es 1645 in Venedig, 1650 in Oxford und 1652 in London. In Frankreich entstanden um 1659 solche Einrichtungen in Marseille. 1672 eröffnete ein Armenier in St. Germain eine Kaffeebude. Als erstes Pariser Café gilt das Café Procope, das um 1689 von dem Sizilianer Francesco Procopio dei Coltelli eröffnet wurde.

Der vornehmen Gesellschaft von Versailles soll der türkische Gesandte Soliman Aga 1669 erstmals Kaffee serviert haben.Ignaz Denzinger: Erste Kaffee-Schenke in Würzburg. In: Archiv des Historischen Vereins von Unterfranken und Aschaffenburg. Band 9, Heft 2, 1847, S. 161 f.Viviane Deak, Yvonne Grimm, Christiane Köglmaier-Horn, Frank-Michael Schäfer, Wolfgang Protzner: Die ersten Kaffeehäuser in Würzburg, Nürnberg und Erlangen. In: Wolfgang Protzner, Christiane Köglmaier-Horn (Hrsg.): Culina Franconia (= Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte. Band 109). Franz Steiner, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-515-09001-8, S. 245–264, hier: S. 248. Die Verbreitung des Kaffees als Genussmittel in Europa ging im 17. Jahrhundert vor allem vom Hof Ludwigs XIV. bei Paris aus. Das Luxusgut wurde dort heiß und gezuckert getrunken.Ulla Heise: Kaffee und Kaffeehaus. Die Geschichte des Kaffees. Insel-Verlag, Frankfurt am Main/Leipzig 2002, ISBN 3-458-34495-0, S. 43 f.Peter Albrecht: Kaffee. Zur Sozialgeschichte eines Getränks. (= Veröffentlichung[en] des Braunschweigischen Landesmuseums. Band 23). Braunschweigisches Landesmuseum für Geschichte u. Volkstum, Braunschweig 1980, S. 42.Annerose Menninger: Genuss im kulturellen Wandel. Tabak, Kaffee, Tee und Schokolade in Europa (16.–19. Jahrhundert). Steiner, Stuttgart 2004, ISBN 3-515-08624-2, S. 320–322.

Das erste Kaffeehaus im deutschen Sprachraum wurde in Bremen eingerichtet: Jan Jantz. Huesden erhielt 1673 eine Ausschankgenehmigung für „Coffi, Potasie und Schokelati“.Petra Seling-Biehusen: Kaffee-Handel und Kaffee-Genuß in der Stadt Bremen im 17., 18. und 19. Jahrhundert, Diss. Bremen 1995. In Hamburg eröffnete 1677 ein Engländer ein Kaffee- und Teehaus nach Londoner Vorbild, nachdem bereits erstmals 1668 Kaffee im Eimbeckschen Haus ausgeschenkt worden sein soll. Bald folgte ein niederländischer Konkurrent, und 1694 gab es in Hamburg bereits vier Kaffeehäuser.

Das erste Wiener Kaffeehaus eröffnete 1685. Es war ein Armenier namens Johannes Theodat,Vgl. auch Oskar Enzfelder: Wieden: Benennung des Johannes-Diodato-Parks. Auf der Internetseite von APA-OTS, einer Tochter der APA – Austria Presse Agentur. der 1685 von den Stadtoberen das Privileg erhielt, 20 Jahre lang als einziger Händler der Stadt Kaffee als Getränk verkaufen zu dürfen.Karl Teply: Die Einführung des Kaffees in Wien. Band 6. Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wien 1980, S. 104; zitiert in: Anna Maria Seibel: Die Bedeutung der Griechen für das wirtschaftliche und kulturelle Leben in Wien. S. 4, online abrufbar unter: othes.univie.ac.at (PDF). Dass der Pole Georg Franz Kolschitzky mit 500 Sack Kaffee, die durch den Sieg über die Türken vor Wien 1683 erbeutet worden wären, das erste Kaffeehaus eröffnet hätte, ist ins Reich der Legenden zu verweisen. Der Piarist Gottfried Uhlich setzte diese 1783 in seiner Chronik Geschichte der zweyten türkischen Belagerung Wiens, bey der hundertjährigen Gedächtnißfeyer in die Welt.