Die transnationale Umweltverschmutzung in Ostasien behandelt die Bodendegradation sowie die Luft- und Wasserverschmutzung. Dabei ist zu unterscheiden zwischen naturgegebenen Wirkungen (z. B. durch die Wüste Gobi) und vom Menschen verursachte Wirkungen (anthropogene). Daher ist es sinnvoll, auch die einzelnen Staaten Japan, Mongolei, Nordkorea, Russland, Südkorea, Taiwan sowie die Volksrepublik China bzw. Teile von ihnen aufgrund Gemeinsamkeiten in Ursachen oder Folgen als ein gemeinsames System zu betrachten.

Im Besonderen sind der Smog in den Großstädten, der Saure Regen, die zunehmende Wüstenbildung sowie andere Bodenbelastungen, außerdem radioaktive Meeresverschmutzungen sowie Belastungen der Binnengewässer zu nennen.

Jahreszeitlich auftretende Winde verbreiten Sand und säurehaltige Verschmutzungen der Luft über alle Staaten der Region. Ebenso sind die Meere der Region betroffen, das „Gelbe“ und das Japanische Meer. Die Ansätze zur Lösung zunehmender Umweltprobleme sind vorwiegend auf dem Feld der Entwicklungszusammenarbeit zu finden. In Ostasien sind die Verschmutzerstaaten nicht immer zwangsläufig auch Empfänger der eigenen Verschmutzungen (externer Effekt). Die Vermeidung und Kontrolle der Umweltverschmutzung kann hier also nicht allein nationalstaatlich erfolgen.

mini|hochkant=2|Ostasien-Konzeptionen

Luftverschmutzung mini|Globale Kohlenmonoxid-Konzentration mini|Peking nach einem Regentag (links) und einem zwar sonnigen, aber versmogten Tag (rechts), 2005 Wichtig zum Verständnis der Luftverschmutzungsprobleme Ostasiens ist Kenntnis über die im Winter vorherrschenden Westwinde in der Region, die durch einen lang anhaltenden, kräftigen Monsunwind verursacht werden. Als Folge der vom Menschen verursachten Luftverschmutzung sammeln sich sogenannte Treibhausgase und weitere für Lebewesen schädliche Stoffe vermehrt in der Atmosphäre an.

Partikel, deren Größe unter 2 μm Durchmesser liegt, sind hauptsächlich für die verschlechterte Sicht in Ballungsräumen Ostasiens verantwortlich. Diese Partikel werden zudem von Lebewesen inhaliert und können in die Atmungsorgane eindringen, wo sie u. U. gesundheitliche Schäden verursachen können.Lee, Adeel Die Schadstoffe gelangen auf unterschiedlichen Wegen in die Atmosphäre. Neben natürlichen Schadstoffausstößen (wie beispielsweise Vulkanen) spielen anthropogene Ausstöße eine wichtige Rolle in der Luftverschmutzung.

Ursachen der Luftverschmutzung Nach Aussage des südkoreanischen Umweltministeriums betrug 1995 allein der Anteil der von Transportmitteln (z. B. Kfz) verursachten Emissionen 48,8 % der Gesamtemissionen in Südkorea. Der Anteil der rein industriellen Verschmutzung belief sich auf 28,8 %, die Stromerzeugung liefert 14,6 % und die privaten Heizungen 8,8 %. Neben den Luftverschmutzungen, die auf dem Festland verursacht werden, spielen auch die Emissionen von Schiffen eine bedeutende Rolle in der Verbreitung von Luftverschmutzung.Drifte 2006 Die Schadstoffe der in Ostasien verursachten Emissionen werden durch die Westwinde im Frühjahr bis auf weit entlegene Gebiete des Pazifischen Ozeans getrieben, wo sie die Atmosphäre signifikant beeinflussen.

Chinas Anteil an den weltweiten Schwefelemissionen wurde im Jahr 1997 auf 15 % geschätzt. Verantwortlich ist in erster Linie die schnelle Entwicklung der chinesischen Schwerindustrie. Emissionen aus China tragen zu saurem Regen in Südkorea, und die südkoreanischen Emissionen wiederum zu saurem Regen in Japan bei. Es ist demnach schwierig, die Verursacher isoliert zu betrachten.

Urbane Luftverschmutzung mini|Shanghai bei Sonnenuntergang, 2008. Die Sonne hat den Horizont noch nicht erreicht: Sie geht hinter der dicken Verschmutzungsschicht unter. Während die Urbanisierung rasch voranschritt, konnte die Umweltinfrastruktur und die Regulierungen im Sinne einer Nachhaltigkeit nicht Schritt halten. 2008 beobachtete man eine signifikante Umweltverschmutzung in den Großstädten der Mongolei. Insbesondere die Luftqualität ist dort betroffen. Hohe Belastungen durch Feinstaub und andere Schadstoffe stellen ein ernsthaftes Gesundheitsrisiko dar, was durch erhöhte Inzidenz von Atemerkrankungen bei Kleinkindern belegt wird. Die Abwasserentsorgung gehört zu den unterentwickeltesten in Asien und hat weitreichende Verschmutzungen von Grund- und stehenden Gewässern zur Folge, sowohl in Ulan Bator als auch in anderen Städten. Die Abfallversorgung deckt nur einen kleinen Teil des anfallenden Mülls ab. Die Entstehung der mangelhaften Luftqualität in der Mongolei wird multikausal gesehen. Angeführt werden der großflächige Gebrauch von häuslichen Heizungen, ineffizienten Boilern, Stromerzeugung, Industrie und zunehmend auch der Transportsektor. Die Gesundheitssituation wird dadurch verschärft, dass nur 30 % der Bevölkerung Zugang zu hinreichender Versorgung haben.

Saurer Regen Hauptursache von Saurem Regen sind Stickoxide (NOx) und Schwefeldioxid (SO2)-Emissionen. Stickoxide stammen vornehmlich aus Verbrennungsmotoren in Fahrzeugen. In Südkorea beträgt der Anteil von Verbrennungsmotoren an den Stickoxid-Gesamtemissionen ca. 50 %. In den Ballungsräumen Seoul, Taejon und Kwangju liegt der Anteil bei über 70 %. SO2-Emissionen werden vor allem durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe verursacht. Insbesondere Kohle emittiert einen hohen Anteil an Schwefeldioxid. Das Problem liegt daher u. a. in der Industrialisierung der Staaten Ostasiens und der damit einhergehenden vermehrten Nutzung von fossilen Brennstoffen.

Während in Europa und Nordamerika durch multilaterale Verträge die SO2- und NOx-Emissionen deutlich gesenkt werden konnten, hat sich das Problem des Sauren Regens in Ostasien durch die zunehmende Industrialisierung verstärkt. Kohle ist die primäre Energiequelle in Ostasien, was dazu führte, dass sich die SO2-Emissionen in der Region von 29 Millionen Tonnen (1987) auf schätzungsweise 62 Millionen Tonnen (2010) erhöhten.Wong Den mitunter besorgniserregendsten Anteil an den Verschmutzungen trägt hierbei die VR China. Forschungsergebnissen nach ist China für zwei Drittel der NOx-Emissionen in Asien verantwortlich. Mit fast 75 % hat die Kohle den Hauptanteil am chinesischen Energiemix und macht das Land mit 19 Millionen Tonnen SO2-Ausstoß jährlich zum zweitgrößten Verschmutzer weltweit hinter den USA mit mehr als 22 Millionen Tonnen pro Jahr. Nach dem Scheitern des 10. Fünfjahresplans zum Nationalen Umweltschutz in China (2002–2006)Cost of Pollution in China (PDF; 5,8 MB) gemeinsame Reportage der Weltbank und der SEPA, 2007 sah 11. Fünfjahresplan eine Kürzung der Emissionen um 10 % bis 2010 im Vergleich zu Werten von 2006 vor. Nach einer Untersuchung aus dem Jahre 2005 wiesen 43,4 % der getesteten Städte eine „gesundheitsschädigende“ Luftqualität auf. (PDF; 5,79 MB) No. 39 document of the State Council 2005 In 32,6 % der getesteten Städte überstieg die Inzidenz Sauren Regens 5 %. Atmospheric Environment, SEPA, 2006

Japanspezifische Auswirkungen Der Anteil des chinesischen Schwefeldioxids an der Luftverschmutzung in Japan beträgt 49 %. Weitere Verursacher sind eigene Emissionen mit 21 % (unter 1 Million Tonnen jährlich), natürliche Ausstöße (z. B. Vulkane, 13 %), die Staaten Nord- und Südkorea (12 %), der Rest Südostasiens (2 %) und Taiwan (1 %). (japanisch) Die Intensität des Sauren Regens wird in ganz Japan an verschiedenen Messpunkten gemessen. Die bei den Untersuchungen ermittelten pH-Werte liegen allenfalls in weit abgelegenen Pazifikinseln über Werten von 5. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass ein Großteil des industriellen Wachstums und der damit einhergehenden Verschmutzungen auf japanische Investitionen zurückzuführen ist.

Bodenbelastungen Sand mini|Eine Sandwolke verlässt die Volksrepublik in Richtung Japan und der Koreanischen Halbinsel. Luftverschmutzung durch Sandpartikel ist ein Phänomen, das sich in allen Ländern der Nord-West-Pazifikregion beobachten lässt. Monsunwinde wehen hierbei feinen Sand aus den Wüsten Innerasiens in Luftschichten von mehr als 11 km Höhe und tragen ihn bis weit über den Pazifik. Der Sand führt besonders im Frühjahr zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Sicht und kann Krankheiten der Atmungsorgane verursachen. Die Sichtweite kann durch die Sandpartikel auf bis zu unter einem Kilometer reduziert werden. In allen Ländern der Region wurde dabei in der letzten Dekade eine deutliche Zunahme in der Anzahl und der Intensität der Stürme beobachtet. Nach Studien der chinesischen State Environmental Protection Administration (SEPA) entstehen die sandtragenden Winde in erster Linie in der Wüste Gobi und weiteren Wüsten im Südosten der Äußeren Mongolei, im Osten Kasachstans, im Osten der Inneren Mongolei und Xinjiangs Uiguren-Regionen. Im Frühjahr und Winter nehmen die Winde drei unterschiedliche Routen vom Norden, Nordwesten und Westen in die Regionen der Inneren Mongolei, Shaanxi, Gansu, Ningxia, Shanxi, Hebei, Peking, Shandong und Jiangsu. Neben China, lässt sich auch in Japan eine Zunahme der Häufigkeit von Sandstürmen beobachten.

Auswirkungen

Es gibt eine ganze Reihe negativer Effekte durch Sandverschmutzung. Hierzu gehören zum Beispiel Schäden an Gebäuden und Fahrzeugen, die durch mechanische Einwirkungen der feinen Partikel im Wind auf die Oberflächen verursacht werden. Ebenso werden Feldfrüchte beschädigt und Gewächshäuser verlieren durch die Staubschicht an Wärmeeffizienz. Beim Menschen können Feinstpartikel in Atmungsorgane eindringen und unter Umständen Erkrankungen verursachen oder zumindest verstärken. Hinzu kommt, dass mit dem Sand auch weitere schädliche Stoffe übertragen und eingeatmet werden können. Weiterhin erhöhen die Sichtbeeinträchtigungen die Risiken im Flugverkehr, verursachen Rundfunkstörungen und erschweren die Wetterbeobachtung. Auf Gletschern abgelagerter Sand führt zudem durch die dunklere Oberfläche zu einer schnelleren Erwärmung der Eisschicht und verstärkt somit ein Abschmelzen des Gletschers. Letztendlich gibt es auch eine Reihe lästiger Auswirkungen wie die Verschmutzung gewaschener Kleidung, die zum Trocknen im Freien hängt.

Teilweise (z. B. im April 2001) wurde der asiatische Sand zudem in großen Mengen bis weit in den Nordamerikanischen Kontinent getragen. Innerhalb von zwei Wochen reisten Staubwolken bis in Regionen östlich der Rocky Mountains. Schäden entstanden dabei in USA zwar nicht, allerdings zeigt die erstmalige deutliche Wahrnehmung der Verschmutzung die erhöhte Intensität der Stürme.

Auswirkungen in Südkorea Auch Südkorea ist von der Staub- und Sandverschmutzung der Luft betroffen, welche auch hier die Luftqualität stark beeinträchtigt und zu schlechter Sicht führt. Im Januar 1999 konnte die Sandverschmutzung in ganz Südkorea beobachtet werden. Zuvor hatte es keine derartige Beobachtung während des Winters gegeben. In Südkorea beobachtet besonders die Halbleiterindustrie die wachsende Intensität der Stürme mit Besorgnis, da für die Produktion von Halbleitern und anderer feiner Elektronik eine staubfreie Umgebung benötigt wird. Einen Höhepunkt erreichte die Intensität der Stürme im Jahr 2002. Die Stärke der Sandstürme führte zu einem zeitweisen Verkehrsstillstand und der Schließung von Schulen in Peking und Seoul.

Wüstenausbreitung in der Mongolei mini|Sandablagerungen in Peking, 2006