Der Rabensteiner Wald in Chemnitz (grün) 250px Basisdaten Fläche: 899 ha (1. Jan. 2004) Höchste Erhebung: Totenstein (479 m) Hauptbaumarten (1. Jan. 2004) Gemeine Fichte: 44 % Gemeine Birke: 15 % Eberesche: 7 % Europäische Lärche: 6 % Rotbuche: 6 % Gemeine Kiefer: 5 % Stieleiche: 4 % Roteiche: 3 % Bergahorn: 2 % Weymouthskiefer: 2 % andere: 6 % (18 Arten) mini|Mischwald im Rabensteiner Wald (Abteilung 14) Der Rabensteiner Wald ist ein rund 900 ha großes Waldgebiet im Westen der Stadt Chemnitz, ein kleiner Teil befindet sich auf dem Gebiet des Ortsteils Pleißa der Stadt Limbach-Oberfrohna. Er befindet sich auf dem „Rabensteiner Höhenzug“. Dieser Höhenzug trennt den Nordrand des Erzgebirgsbeckens vom Südrand des Mittelsächsischen Lößlehm-Hügellandes. Seine höchste Erhebung, der Totenstein, erreicht 479 Meter über Normalnull (NN), der tiefste Punkt . In Richtung Westen geht er in die Wälder auf der Langenberger Höhe bis zum Stausee Oberwald über.
Lage Der Rabensteiner Wald befindet sich am westlichen Stadtrand von Chemnitz. Das Waldgebiet liegt zum größten Teil in der Gemarkung Grüna und schließt kleine Teile der Gemarkungen Rabenstein, Röhrsdorf und Pleißa ein. Seit der Eingemeindung von Grüna im Jahr 1999 gehört der größte Teil des Waldes zum Gebiet der Stadt Chemnitz. Er liegt auf dem Rabensteiner Höhenzug, einem langgestreckten Bergrücken.
Standortsbedingungen Klima Der Rabensteiner Wald wird den unteren feuchten Berglagen und Hügelland (Uf) zugerechnet. Forstlich ist er der Oberwald-Makroklimaform (Ow) zugeschlagen. Die vorherrschende Windrichtung ist West. Dabei wirkt der Rabensteiner Höhenzug wie eine Windscheide, die nördlich hauptsächlich Windrichtungen aus West-Nord-West und südlich aus West-Süd-West aufweist. Zusätzlich treten Föhnwinde aus dem Erzgebirge auf, die südliche Winde bringen.
Klimadaten 1961 bis 1990
Die Vegetationsperiode beginnt um den 90. Kalendertag des Jahres. Sie dauert ca. 185 Tage. In den Höhenlagen von 380 bis werden 800 mm Niederschlag im Jahr gemessen. Davon fällt ca. 50 Prozent in der Vegetationsperiode. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,9 Grad Celsius. Die Globalstrahlung im Jahr erreicht Werte um 1045 kWh/m². Im Sommerhalbjahr beträgt sie annähernd 795 kWh/m², im Winterhalbjahr 250 kWh/m². Die potentielle Verdunstung liegt bei rund 582 mm im Jahr. Im Sommerhalbjahr beträgt sie annähernd 450 mm, im Winterhalbjahr ca. 132 mm. Aus der Differenz von Niederschlag und potentieller Verdunstung ergibt sich die klimatische Wasserbilanz. Sie beträgt rund 218 mm im Jahr.
Klimadaten 1991 bis 2005
Die Vegetationsperiode beginnt um den 85. Kalendertag des Jahres. Sie dauert ca. 200 Tage. In den Höhenlagen von 380 bis werden 837,2 mm Niederschlag im Jahr gemessen. Dieser Wert ist allerdings durch das sehr niederschlagsreiche Jahr 2002 verzerrt, welcher auch die anderen Werte beeinflusst. Davon fällt ca. 50 Prozent in der Vegetationsperiode. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 8,6 Grad Celsius. Die Globalstrahlung erreicht Werte um 1085 kWh/m². Im Sommerhalbjahr beträgt sie annähernd 820 kWh/m², im Winterhalbjahr 265 kWh/m². Die potentielle Verdunstung liegt bei rund 615 mm im Jahr. Im Sommerhalbjahr beträgt sie annähernd 490 mm, im Winterhalbjahr ca. 125 mm. Die klimatische Wasserbilanz beträgt 222,6 mm im Jahr.
Klimadaten 1901–2005 (Langzeittrend)
Die Jahresmitteltemperatur steigt von ca. 7,9 °C auf ca. 8,2 °C. Der mittlere Jahresniederschlag fällt von ca. 930 mm auf ca. 795 mm. Die Globalstrahlung steigt im Mittel von ca. 1040 kWh/m² auf 1070 kWh/m², die potentielle Verdunstung steigt von ca. 575 mm auf ca. 600 mm im Jahr und die klimatische Wasserbilanz sinkt von ca. 360 mm auf ca. 190 mm im Jahr. Es wird früher im Jahr wärmer, bleibt länger warm und gleichzeitig wird es trockener. Damit verlängert sich die Vegetationsperiode bei erhöhtem Stress durch Wassermangel für die Pflanzen.
Geologie Einen Großteil des Grundgesteines nimmt der Muskovit-Schiefer des Ordoviziums ein. Kleinflächig eingesprengt sind Vorkommen von Garbenschiefer und Staurolith-Glimmerschiefer sowie Augengneis. Nur im südöstlichen Teil unter finden sich Gesteine der oberen Stufe des Mittelrotliegenden. Diese werden von Ablagerungen der Eiszeit (Lößlehm) und neuzeitlichem Material der abfließenden Bäche überdeckt. Winzige Vorkommen von Porphyrtuff sind ebenfalls hier zu finden. Im Ordovizium lag das Gebiet auf der Südhalbkugel der Erde im Sedimentationsbereich des Paleo-Tethys-Ozeans. Hier lagerten sich gewaltige Sedimentmengen ab, die in der Folge die Schiefergesteine bilden sollten und unter dem gewaltigen Druck umgewandelt wurden. Mit der Auffaltung des Variszischen Gebirges wurden diese dann emporgehoben. Im Oberkarbon und Unterperm erodierten große Teile dieses Gebirgszuges wieder. Durch vulkanische Tätigkeiten wurden an einigen Stellen Porphyrtuffe des Rotliegenden abgelagert. Diese überdecken dort die ordovizischen Schiefer. Während Trias, Jura und Kreidezeit blieb das Gebiet flaches Festland. Zu Beginn des Tertiärs gehörte das Gebiet zu einer großen Tiefebene, bis es zusammen mit dem Erzgebirge gehoben und schräg gestellt wurde und die Bäche und Flüsse die Täler tiefer einschnitten. Während der Eiszeit kam es zur Ablagerung von festen Sedimenten in Form des Lößlehmes, der bis heute zu großen Teilen vom Höhenzug durch Erosion abgetragen und in den unteren Hanglagen abgelagert wurde.
Böden mini|Bodenprofil Nr. 252, Braunerde (Blankensteiner Schiefer-Braunerde) Der Großteil des Waldes wächst auf Verwitterungsböden der Glimmerschiefer. Beteiligt an der Bodenbildung sind auch die eiszeitlichen Lößablagerungen. Vorwiegend sind Braunerden zu finden. Diese sind auf dem gesamten Rücken des Höhenzuges verbreitet. Auf den flachen Hängen und Rücken sind sie in Form der „Grünaer Schiefer-Braunerde“ vertreten. Diese ist als tiefgründiger (über 65 cm tief), sehr schwach steiniger, schwach grusiger lehmiger Schluff bis Schluff-Lehm ausgebildet. Dazwischen findet sich auf weiten Teilen die „Blankensteiner Schiefer-Braunerde“, ein mittelgründiger (35 bis 65 cm tiefer), schwach steiniger und grusiger lehmiger Schluff. Staugley findet sich dagegen ab ca. in der südöstlichen Region des Waldes bis zu dessen tiefstem Punkt. Dieser ist häufig als „Reuther Konglomerat-Humusstaugley“ ausgebildet und findet sich in größeren Geländemulden. Es ist ein mittelgründiger, schwach steinig und grusiger Lehm. Die Nährkraftstufe ist meist „M“ (mittlere Nährstoffversorgung) und die Feuchtestufe meist 2 (mittel), auf Kuppen 3 (trockener), und in Senken 1 (feuchter). In hängigen Bereichen lässt der Boden das Wasser oft ziehen (in Spalten, Poren und Klüften versickern), auf Plateaus und in Mulden jedoch oft stauen.
Wasser Wasser ist auf dem Rücken des Rabensteiner Höhenzuges nur durch den Niederschlag vorhanden. Grundwasser steigt nicht bis dahin auf. Das Niederschlagswasser speist den wasserspeichernden Bodenhorizont, die kleinen Bäche und die wenigen, durch Menschen angelegten Tümpel (Bombentrichter bzw. Steinbrüche). Diese können im Sommer genau so wie die Bäche austrocknen.
Potentiell natürliche Vegetation Die natürliche Waldgesellschaft wäre ein submontaner bzw. (hoch)kolliner Eichen-Buchenmischwald (Lonicero periclymeni-Fagetum). Die Fichte, welche heute dominante Baumart ist, wäre als untergeordnete Baumart höchstens kleinflächig in Mischung auf günstigen Standorten vertreten und würde ansonsten völlig fehlen.
Geschichte mini|Rabensteiner Wald im Zustand von 1936 nach Baubeginn der Reichsautobahn mini|Hiebszug, Prinzipskizze – Der Kahlschlag wurde immer aus östlicher in westliche Richtung geführt mini|Hiebszug im Rabensteiner Wald (Abteilung 34) mini|Energietrasse (mit Weihnachtsbaum-Anbau in Abteilung 32) Der Rabensteiner Wald wurde seit langer Zeit durch die Menschen genutzt. Er ist seit mehr als 500 Jahren in sächsischem Besitz. Im 16. Jahrhundert bestand er hauptsächlich aus Buchen, Tannen, Kiefern, Birken und Aspen. Die Fichte war entweder unbedeutend oder fehlte hier völlig. Hinweise auf ein „verhauenes Holz“ (=geplünderter Wald) fehlen, er muss also einen qualitativ hochwertigen Bestand aufgewiesen haben. Er wurde mit einer halben Sächsischen Meile in der Länge und einer viertel Sächsischen Meile in der Breite angegeben. Bis 1936 hatte sich die Baumartenzusammensetzung radikal gewandelt. Nun bestand er zum wesentlichen Teil nur noch aus Fichten-Reinbeständen. Die Buche, Kiefer und Birke sowie Aspe waren auf kleinste Bereiche zurückgedrängt. Der Fichtenreinbestand wurde gemäß der Bodenreinertragslehre als der profitabelste betrachtet und die Waldbewirtschaftung mit dem sächsischen Schmalkahlschlagssystem entsprechend ausgelegt. Ab 1945 wandelte sich die Baumartenzusammensetzung noch einmal radikal. Umfangreiche Rodungen selbst der Wurzelstubben und der jungen Bäume unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg dienten der Linderung der Holznot (Brennholz). Ebenso mussten erhebliche Reparationen in Form von Nutzholz abgeführt werden. Die Baumart Fichte wurde auf weniger als die Hälfte der Waldfläche zurückgedrängt, da hauptsächlich Birken und Aspen auf den kahlgeschlagenen Flächen in großer Zahl aufwuchsen. Durch Bodenreform entstanden auf Teilen des Waldes landwirtschaftliche Nutzflächen, die später in Kleingärten und Bauland umgewandelt wurden. Mitte der siebziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts wurden die großen Trassen für die Energiefreileitungen in den Wald geschlagen. Gleichzeitig wurde begonnen, die als minder produzierend angesehenen, durch Laubhölzer wie Birke dominierten Bestände im Kahlschlag durch neue Fichtenpflanzungen zu ersetzen. Dies wurde bis 1990 fortgeführt, so dass in dieser Zeit fast keine Laubholzbestände neu angelegt wurden. Die Nadelholzreinbestände konnten wieder einen größeren Flächenanteil einnehmen. Besonders um den Totenstein herum findet man heute diese Bestände. Ab 1970 wurde das Naherholungsgebiet Oberrabenstein mit Stausee Rabenstein und Wildgatter Rabenstein eingerichtet. In diesen Bereichen wurde durch die Ansiedlung europäischer Wildtiere und Baumaßnahmen der Wald erheblich beeinflusst. So verschwanden Bachtälchen teilweise im Stausee und Waldbestände wurden eingegattert und die darin gehaltenen Tiere gestalten diese bis heute durch Schäle, Verbiss und Scheuern.
Waldzustand Lasten mini|Rodung der Buchen in Abteilung 25 (Ausbau der A 4) mini|Müll im Rabensteiner Wald Der Wald wird in der gesamten Längenausdehnung von der Bundesautobahn 4 zerschnitten. Der Ausbau dieser Autobahn führte 2006 zu Waldflächenverlusten bedingt durch die Fahrbahnverbreiterung, Straßenanbindung und die notwendigen Böschungen, Regenrückhaltebecken und wasserbaulichen Anlagen. Drei weitere öffentlich gewidmete Straßen, die Kreisstraße K 7304 (Pleißa-Siedlung Kühler Morgen-Wüstenbrand), die Staatsstraße S 242 (Pleißa-Wüstenbrand) und S 244 (Kändler-Chemnitz-Rabenstein) teilen den Wald. Vom Umspannwerk Röhrsdorf aus durchziehen große Energiefreileitungen (bis 380 kV) in Ost-West-Richtung und Nord-Süd-Richtung den Rabensteiner Wald. Sie führen auf einem Teil der Waldfläche zu immer wiederkehrenden Blößen, da aufwachsende Bäume nicht in den Sicherheitsbereich der Freileitungen hineinwachsen dürfen und durch mulchen beseitigt werden. Besonders an der der Stadt Chemnitz zugewandten Seite ist eine hohe Belastung durch die Siedlungsaktivitäten der Menschen vorhanden. So müssen Bäume aus Gründen der Verkehrssicherung beschnitten oder gefällt werden, die anderswo unbehelligt weiterwachsen dürften. Wilde Müllablagerungen kommen häufig vor und können Haus- oder Gewerbemüll mit oder ohne Gefahrstoffe sowie Grünschnitt umfassen. Da der Wald Wirtschaftswald ist, wird, bis auf wenige Ausnahmen wie Überhälter oder Solitäre und Alleen sowie stehendes Totholz jeder Baum irgendwann einmal eingeschlagen und abtransportiert. Insofern unterscheidet sich der Wald sehr von einem Urwald.
Baumarten mini|Rotbuche im Rabensteiner Wald (Abteilung 49)