mini|Winchester-Karabiner, von links zwei Model 73, Model 94, zwei Model 92 mini|Winchester-Gewehre, von oben nach unten Model 73, Model 92, Model 86, Model 03 Semi-Auto Die Winchester Repeating Arms Company entwickelte und produzierte unter der Leitung von Oliver Winchester seit 1860 in den Vereinigten Staaten Gewehre. Anfangs wurden diese unter der Bezeichnung Henry Rifle, ab 1866 unter der bekannten Marke Winchester vertrieben. Umgangssprachlich steht eine Winchester für Unterhebelrepetierer, jedoch entwickelte die Winchester Repeating Arms Company auch andere Gewehrtypen. 1981 wurde die Herstellung von Winchesterwaffen abgetrennt und unter dem Namen U.S. Repeating Arms Company in New Haven weitergeführt. Diese wurde nach 1989 Teil der belgischen Herstal Group. 2006 wurde die Produktion bei der U.S. Repeating Arms Company endgültig aufgegeben. Kennzeichnend für die vielen Modelle, die Winchester seit den 1860er-Jahren auf den Markt brachte, ist die Benennung nach dem Jahr der Einführung (Winchester 66, Winchester 73, Winchester 76, Winchester 86, Winchester 92, Winchester 94, Winchester 95 usw.), später wurde allerdings von diesem Prinzip abgegangen. Zahlreiche andere Unternehmen kopieren heute klassische Winchester-Modelle (einschließlich der Henry und der berühmten Winchester 73) für Liebhaber und zum sportlichen Schießen.

Vorläufer 1849 patentierte der Erfinder Walter Hunt den Volition Repeater, ein Repetiergewehr mit einem unter dem Lauf liegenden Röhrenmagazin, nachdem er 1848 die hülsenlose Munition Rocket Ball entwickelt hatte. Der Verschluss des Volition Repeaters wurde durch zwei unten am Gehäuse angelenkte Hebel betätigt. Hunt tat sich mit dem Büchsenmacher Lewis Jennings in Vermont zusammen, um vereinfachte und verbesserte Prototypen zu entwickeln. Daraus gingen die von Smith & Wesson am 14. Februar 1854 patentierten Volcanic-Pistolen und -Gewehre hervor, die hülsenlose Munition verschossen.Thomas Henshaw: History of Winchester Firearms, 1866–1992. Verlag Academic Learning Company LLC, 1993, ISBN 0-8329-0503-8. Online In: books.google.de, S. 1–4 (englisch).

Das unten offene Röhrenmagazin war unter dem Lauf angebracht. Nachgeladen wurde mit dem Abzugsbügel, der den Verschluss über ein Kniegelenk betätigte und verriegelte. Das System bewährte sich nicht, da die in der hohlen Kugel liegende Pulverladung zu schwach war und der Gasaustritt wegen fehlender Liderung die Anfangsgeschwindigkeit noch mehr verminderte. Die Pistole und ein Gewehr nach dem gleichen Prinzip verkauften sich schlecht. 1855, nachdem sich Horace Smith und Daniel Wesson entschieden hatten, in die Revolverproduktion einzusteigen, überließen sie die Produktion der neu gegründeten VOLCANIC REPEATING ARMS COMPANY. Schon am Anfang daran beteiligt und ab 1856 Präsident sowie wichtigster Geldgeber war Oliver Winchester, der das Unternehmen bereits im Frühjahr 1857 umorganisierte und neu unter NEW HAVEN ARMS Co. registrieren ließ. Insgesamt wurden etwas über 3000 Volcanic-Pistolen und etwa 1000 Volcanic-Gewehre unter der Leitung von Oliver Winchester hergestellt.

Frühe Unterhebelrepetierer mit Kniegelenkverschluss Henry-Rifle 1860

Ein ehemaliger Mitarbeiter von Hunt & Jennings, Benjamin Tyler Henry, entwickelte während seiner Tätigkeit als Betriebsleiter (engl.: Superintendent) bei der NEW HAVEN ARMS Co. von Oliver Winchester auf der Basis der Volcanic einen Unterhebelrepetierer, den er am 16. Oktober 1860 patentieren ließ. Die ersten Gewehre hatten einen Eisenrahmen, später wurde Rotguss (eine Kupfer-Zink-Zinn-Legierung, englisch Gunmetal) verwendet.

Die charakteristischen Merkmale des Henry-Gewehres waren die Verwendung einer von Henry entwickelten Randfeuerpatrone im Kaliber .44 Henry mit einer Kupferhülse, welche die Liderung garantiert; die Doppelzündung über eine Gabel und der Hülsenauszieher am Kniegelenkverschluss. Vom Volcanic-System übernahm Henry folgende, an die Dimension seines Gewehres angepasste Elemente: Den Verschluss, der durch den Ladehebel, d. h. den verlängerten und zum Handschutz umgeformten Abzugsbügel zum Laden und Nachladen vor- und zurückbewegt wird. Das durch den Ladehebel betätigte Kniegelenk, das die Bewegung des Ladehebels auf den Verschluss überträgt und diesen verriegelt. Den außenliegenden Hahn, der durch die Verschlussbewegung gespannt wird. Das als integrierter Teil des Laufes angeordnete Magazin in Form eines unten offenen Rohres mit einer Zufuhrfeder, Magazinkapazität 15 Patronen. Den Patronenzuführer, der eine Patrone aus dem Magazin vor das Patronenlager bringt und gleichzeitig die durch den Verschluss ausgezogene verschossene Hülse auswirft. Der Patronenzuführer ist durch einen Übertragungshebel mit dem Ladehebel verbunden.

Während des Sezessionskrieges schaffte die Armee der Nordstaaten etwas über 1700 Henrygewehre an. Eine Anzahl Henrys wurde zudem von Einheitskommandanten der Nordstaaten für ihre Truppen privat erworben oder direkt von Kriegsteilnehmern gekauft. Die Gesamtproduktion betrug Ende 1866 über 12.800 Stück.

Neben dem Henry-Gewehr erreichte auch das im März 1860 patentierte Spencer-Repetiergewehr Marktreife. Die Truppen der Nordstaaten setzten diese Waffen während des Bürgerkriegs ein. Dabei zeigte sich, dass diese dem Roots-Revolvergewehr Modell 1855, einer Perkussionswaffe von Colt, überlegen waren. Das Unternehmen wurde im Mai 1866 in Winchester Repeating Arms Company umbenannt; dadurch trat der Name Henry-Rifle in den Hintergrund.

Model 1866 Das vom Nachfolger von B. Tyler Henry, Nelson King, aus dem Henry-Gewehr entwickelte Winchester Model 1866 im Henrykaliber hatte den Kniegelenkverschluss des Henry-Gewehres, jedoch ein geschlossenes Röhrenmagazin, das von hinten durch eine seitlich angebrachte Ladeklappe geladen wurde (King’s improvement, Patent vom 22. Mai 1866). Damit war der Hauptnachteil des Henry-Gewehres – Probleme mit verschmutzten Patronen wegen des unten offenen Magazins – behoben. Das Magazin des Karabiners, Lauflänge 20 Zoll fasst 13 Patronen. Das älteste bekannte Winchester-Gewehr Model 1866 trägt die Nummer 12.476, während Henrys bis in den Bereich von 14.000 hergestellt wurden. In dieser Übergangszeit entspricht das Verschlussgehäuse des Modells 66 noch bis auf Details dem des Vorgängers.

Das Model 66 wurde bald zum Verkaufsschlager und trat seinen Siegeszug als Karabiner und Jagdgewehr in der nach dem Bürgerkrieg stürmisch einsetzenden Besiedlung des Westens an. Vom Model 66 wurden insgesamt etwa 170.000 Stück hergestellt, die letzten dieser Waffen wurden 1898 ausgeliefert. Etwa drei Viertel der ausgelieferten Waffen waren Karabiner mit 20-Zoll-Läufen, der Rest Jagdgewehre, zum Teil mit Achtkantläufen und vollgeschäftete Infanteriegewehre mit Bajonetthalter. Wichtigster Abnehmer der Militärwaffen war das Osmanische Reich mit 46.000 Infanteriegewehren (im Vertragstext zwischen Winchester und dem Osmanischen Reich „Muskets“ genannt), und 5.000 Karabinern, welche im Russisch-Osmanischen Krieg eingesetzt wurden. Auch Frankreich erwarb 3.000 Infanteriegewehre und 3.000 Karabiner Modell 66. Die „Muskets“ waren für Tüllenbajonette, später wahlweise für Säbelbajonette eingerichtet. Das Modell 66 war als Militärwaffe allerdings weniger geeignet, da es keine starken Gewehrpatronen verschoss. Da der Verschlusskasten des Model 66 aus Rotguss gefertigt war, wurde dieses Modell auch „Yellowboy“ genannt.

Model 1873 Das Model 1873 war eine Weiterentwicklung des Modell 66, mit dem stärkere – von Winchester dafür entwickelte – Zentralfeuerpatronen verschossen werden konnten. Der Anstoß zur Verwendung solcher Patronen ging von jungen Oglalla-Sioux-Kriegern aus, die dabei erwischt wurden, wie sie in Böden von Randfeuerpatronen Löcher bohrten und Vorderladerzündhütchen einpressten. Die Schlagbolzen ihrer Gewehre und Revolver hatten sie umgeändert. Oliver F. Winchester erfuhr über den Briefweg davon und wartete ein Jahr später mit dem neuen Gewehr auf.Christopher S. Hagen (1969): Mr. Colt: Die Eroberung Amerikas, SchneiderWestern Die neue Waffe wog 4,6 Kilogramm und verschoss anfangs die .44-40-WCF-Patrone, später auch .38-40-WCF- und .32-20-WCF-Patronen (WCF: Winchester Center Fire). Der Kniegelenkverschluss wurde beibehalten. Für den Verschlusskasten wurde nicht mehr Rotguss, sondern Eisen und ab 1880 – nach dem Erreichen der Seriennummer 41.000 – Stahl verwendet. Auch von dieser Waffe wurden Karabiner, Jagdgewehre und Musketen hergestellt. Zwischen 1873 und 1923 wurden über 720.000 Winchester Model 73 hergestellt, davon 36 % Karabiner und 58 % Jagdgewehre, der Rest waren „Musketen“. Das Magazin des Karabiners, Lauflänge 20 Zoll fasst 12 Patronen. Mit Winchester-Gewehren des Model 1873 war auch die osmanische Armee ausgerüstet und setzte diese unter anderem im Russisch-Osmanischen Krieg (1877–1878) ein.

Die Schwäche der Waffe war zugleich ihre Stärke, denn üblicherweise verschoss sie Patronen, die auch in den gebräuchlichsten Revolvermodellen des Wilden Westens Verwendung fanden – dem Colt Single Action Army, dem Remington Single Action Mod. 1875 und Mod. 1890 sowie dem Smith & Wesson No 3. Der Besitzer war so in der Lage, die gleiche Patronensorte sowohl im Gewehr als auch in seiner Faustfeuerwaffe zu verwenden. Die 1873 von der amerikanischen Armee eingeführte und später weitverbreitete Revolverpatrone .45 Colt war für Gewehre nicht geeignet, da der Hülsenrand zu schmal und abgerundet war, um das sichere Ausziehen der Hülse zu gewährleisten. Zentralfeuerpatronen wurden damals meist aus dünnem Kupferblech gefertigt, ähnlich wie Randfeuerpatronen. Heutige Patronen haben einen massiven Boden, in dem über dem Rand eine Rille eingestochen ist, so dass das Ausziehen kein Problem mehr ist. Daher gibt es zahlreiche Repliken im Kaliber .45 Colt (.45 Long Colt) und auch anderer Revolverkaliber.

1884 brachte Winchester eine Kleinkaliberversion des Model 1873 auf den Markt. Erkennbar ist sie an der fehlenden Ladeöffnung rechts am Verschlusskasten. Sie wurde in den Randfeuerkalibern .22 kurz (.22 short) und .22 lang (.22 long), den Vorgängern der .22-lfB-Patrone, bis 1904 in 19.000 Exemplaren produziert.

Model 1876 Das Model 1876 war eine schwerere Ausführung des Models 73 mit einem längeren Verschlussgehäuse und einem redimensionierten Kniegelenkverschluss. Es verschoss wesentlich stärkere Schwarzpulverpatronen, die auch für die Großwildjagd geeignet waren. Zwischen 1876 und 1898 wurden 63.871 Exemplare dieser Waffe hergestellt. Entwickelt als Jagdgewehr, wurde sie jedoch als Karabiner im Kaliber .45-75 bis 1905 von der kanadischen berittenen Polizei geführt. Das Magazin des Gewehres, Lauflänge 28 Zoll, fasst 12 Patronen, das des Karabiners 9 Patronen.

Entwicklungen von Browning Der Einzellader Model 1885 Die Zusammenarbeit mit John Moses Browning begann 1885, nachdem er dem Unternehmen Winchester ein einschüssiges Gewehr mit Fallblockverschluss und untenliegendem Ladehebel angeboten hatte, das als High-Wall und Low-Wall Mod. 1885 fabriziert wurde. Siehe auch Winchester-Entwicklungen von Browning.

Unterhebelrepetierer Model 1886 1886 brachte Winchester das erste von John Moses Browning entworfene Repetiergewehr heraus, das später auch Patronen mit rauchschwachem Pulver verkraftete. Browning hatte das Unterhebelsystem weiterentwickelt und das frühere Kniegelenk durch einen wesentlich belastbareren Blockverschluss ersetzt. Der Ladehebel zog zwei seitlich im Systemkasten liegende Verriegelungsblöcke nach unten, bevor er den Verschluss bewegte. Die Waffe verschoss diverse Patronen vom Jagdkaliber .33 WCF über die .45-70-Armeepatrone bis zu .50-Großwildpatronen. Vom Model 1886 wurden zwischen 1886 und 1935 156.599 Stück hergestellt. Von einer modernisierten Variante, dem Model 71 wurden zwischen 1935 und 1958 47.254 Stück im Kaliber .348 W.C.F. hergestellt.

Unterhebelrepetierer Model 1892